Regenwasser versickern auf dem Grundstück: Das müssen Hausbesitzer beachten

Von Dominik Hochwarth

Regenwasser möglichst auf dem eigenen Grundstück zurückzuhalten, hat mehrere Vorteile. Es entlastet bei starken Niederschlägen die öffentliche Kanalisation, unterstützt die Grundwasserneubildung und kann dazu beitragen, Überläufe aus Mischwasserkanalisationen zu verringern. Statt das Wasser vom Dach und von befestigten Flächen möglichst schnell in den Kanal zu schicken, soll es deshalb heute möglichst dort bewirtschaftet werden, wo es anfällt. Das Umweltbundesamt zählt dazu Versickerung, Verdunstung, Rückhaltung und Regenwassernutzung.

Ganz so einfach wie „Fallrohr abklemmen und Wasser in den Garten leiten“ ist die Regenwasserversickerung allerdings nicht. Entscheidend sind unter anderem die Bodenbeschaffenheit, der Grundwasserstand, die Größe und Art der angeschlossenen Flächen sowie die Belastung des abfließenden Wassers. Hinzu kommen wasserrechtliche und kommunale Vorschriften.

Auch bei der Dimensionierung hat sich einiges geändert. Eine pauschale Faustregel wie „10 bis 20 % der angeschlossenen Fläche reichen als Versickerungsfläche“ ist nicht belastbar. Seit Oktober 2024 gilt mit dem Arbeitsblatt DWA-A 138-1 ein grundlegend überarbeitetes Regelwerk für Planung, Bau und Betrieb von Versickerungsanlagen.

Regenwasserversickerung in einer Mulde
Regenwasserversickerung in einer Mulde

Warum Regenwasser besser auf dem Grundstück bleiben sollte

Auf einem unbebauten Grundstück kann ein großer Teil des Niederschlags versickern oder über Pflanzen und Boden wieder verdunsten. Dächer, asphaltierte Zufahrten, Terrassen und andere versiegelte Flächen verändern diesen natürlichen Wasserhaushalt. Wasser fließt schneller ab und gelangt häufig direkt in die Kanalisation.

Bei starken Regenfällen kann dadurch innerhalb kurzer Zeit eine große Wassermenge zusammenkommen. Kanalnetze sind nicht darauf ausgelegt, beliebig große Niederschlagsmengen aufzunehmen. Deshalb gehört der dezentrale Rückhalt inzwischen zu den wichtigen Elementen der Regenwasserbewirtschaftung.

Vor allem bei Mischkanalisationen bringt dies einen weiteren Vorteil. Dort fließen Schmutz- und Regenwasser gemeinsam zur Kläranlage. Bei hohen Niederschlagsmengen können Mischwasserüberläufe erforderlich werden. Wird weniger Regenwasser in den Kanal eingeleitet, lassen sich solche Überläufe reduzieren.

Gleichzeitig bleibt mehr Wasser im lokalen Wasserkreislauf. Versickerung kann die Grundwasserneubildung unterstützen. Grünflächen, Mulden, Bäume oder begrünte Dächer sorgen zusätzlich dafür, dass ein Teil des Wassers verdunstet und dadurch zur Kühlung des unmittelbaren Umfelds beiträgt.

Darf man Regenwasser einfach im Garten versickern lassen?

Eine bundesweit einheitliche Antwort gibt es darauf nicht.

Das Wasserhaushaltsgesetz formuliert zunächst einen allgemeinen Grundsatz: Niederschlagswasser soll ortsnah versickert, verrieselt oder ohne Vermischung mit Schmutzwasser in ein Gewässer eingeleitet werden, sofern keine wasserrechtlichen, öffentlich-rechtlichen oder wasserwirtschaftlichen Gründe dagegensprechen.

Daraus folgt jedoch nicht, dass jede private Versickerungsanlage automatisch erlaubt ist. Ob eine wasserrechtliche Erlaubnis oder eine Anzeige notwendig ist oder eine bestimmte Art der Versickerung erlaubnisfrei erfolgen darf, richtet sich unter anderem nach dem jeweiligen Landesrecht und den örtlichen Vorgaben. Auch Bebauungspläne und kommunale Entwässerungssatzungen können eine Rolle spielen. Das Umweltbundesamt weist ausdrücklich darauf hin, dass die Regelungen wegen der unterschiedlichen örtlichen und landesrechtlichen Bedingungen variieren.

Wer Dach- oder Hofflächen vom öffentlichen Kanal abkoppeln möchte, sollte deshalb vor dem Umbau bei Gemeinde, Stadtentwässerung oder Unterer Wasserbehörde nachfragen. Das ist insbesondere bei Rigolen, Schächten und größeren angeschlossenen Flächen wichtig.

Der Boden entscheidet, ob eine Versickerung funktioniert

Eine Versickerungsanlage kann nur funktionieren, wenn der Untergrund das Wasser in ausreichender Geschwindigkeit aufnehmen kann.

Sehr bindige Böden mit hohen Ton- oder Schluffanteilen lassen Wasser nur langsam passieren. Nach einem starken Regen kann eine Anlage deshalb über längere Zeit gefüllt bleiben. Im ungünstigsten Fall entsteht Staunässe.

Bei sehr durchlässigen Böden stellt sich ein anderes Problem: Das Wasser gelangt besonders schnell in tiefere Bodenschichten. Dann gewinnt der Schutz des Grundwassers an Bedeutung.

Deshalb reicht die grobe Einschätzung „Sandboden gut, Lehmboden schlecht“ für die Planung nicht aus. Maßgeblich ist die Versickerungsfähigkeit des tatsächlich anstehenden Bodens. Fachplaner bestimmen dafür unter anderem den Durchlässigkeitsbeiwert des Bodens beziehungsweise eine für die Bemessung relevante Infiltrationsrate. Im aktuellen DWA-Verfahren ist dieser Wert eine zentrale Eingangsgröße für die Dimensionierung.

Auch der Grundwasserstand muss berücksichtigt werden. Das Umweltbundesamt empfiehlt bei Anlagen zur oberirdischen Versickerung einen Abstand von mindestens 1 m zwischen Anlagensohle und Grundwasser.

Nicht jedes Regenwasser darf ungeprüft in den Boden

Regenwasser ist nicht automatisch sauber. Auf seinem Weg über Dächer, Fassaden und Verkehrsflächen kann es Schadstoffe aufnehmen.

Problematisch können beispielsweise Schwermetalle oder organische Stoffe aus bestimmten Baustoffen und Beschichtungen sein. Auch Niederschlagswasser von stärker belasteten Verkehrsflächen kann vor einer Versickerung behandelt werden müssen.

Das aktuelle DWA-A 138-1 betrachtet deshalb nicht nur die hydraulische Dimensionierung, sondern auch den Schutz von Boden und Grundwasser. Die angeschlossenen Flächen werden hinsichtlich ihrer Belastung bewertet; daraus können Anforderungen an die Behandlung des Regenwassers entstehen.

Besonders günstig ist es, wenn das Wasser zunächst eine bewachsene Bodenzone durchströmt. Boden kann Partikel und verschiedene Schadstoffe zurückhalten. Bei belastetem Wasser sind unterirdische Rigolen oder Sickerschächte ohne ausreichende Vorbehandlung dagegen problematisch, weil Schadstoffe vergleichsweise direkt in den Untergrund gelangen können.

Möglichkeiten der Regenwasserversickerung im Garten
Möglichkeiten der Regenwasserversickerung im Garten

Flächenversickerung: die einfachste Lösung

Steht ausreichend Platz zur Verfügung und ist der Boden geeignet, ist die Flächenversickerung die einfachste Form.

Das Regenwasser wird dabei oberirdisch auf eine unbefestigte oder wasserdurchlässige Fläche geleitet und versickert dort ohne zusätzlichen technischen Speicher. Typisch ist beispielsweise die Ableitung des Dachwassers auf eine ausreichend große Rasenfläche.

Der Vorteil liegt im geringen technischen Aufwand. Gleichzeitig durchströmt das Wasser die oberste Bodenschicht, bevor es in tiefere Bereiche gelangt.

Allerdings braucht die Flächenversickerung vergleichsweise viel Platz. Außerdem muss das Gelände so gestaltet sein, dass Wasser weder zum Gebäude zurückläuft noch auf Nachbargrundstücke gelangt.

Muldenversickerung: Wasser wird vorübergehend eingestaut

Ist weniger Fläche verfügbar, kommt häufig eine Versickerungsmulde infrage. Dabei handelt es sich um eine flache, meist begrünte Vertiefung im Gelände.

Anders als bei der reinen Flächenversickerung kann sich das Wasser hier zunächst sammeln. Die Mulde bildet also durchaus einen Speicher – allerdings nur einen temporären oberirdischen Speicher. Nach dem Regen versickert das Wasser nach und nach durch die bewachsene Bodenzone.

Mulden haben einen wichtigen Vorteil: Zwischen dem abfließenden Regenwasser und dem Grundwasser liegt eine aktive Bodenschicht. Dadurch können verschiedene Stoffe zurückgehalten werden.

Die Mulde muss jedoch so ausgelegt sein, dass sie sich innerhalb einer angemessenen Zeit wieder entleert. Bleibt Wasser regelmäßig lange stehen, stimmt entweder die Dimensionierung nicht oder der Boden ist für diese Form der Versickerung ungeeignet.

Rigolenversickerung: Speicherraum unter der Erde

Eine Rigole verlagert den Speicherraum in den Untergrund. Sie eignet sich deshalb besonders dort, wo an der Oberfläche wenig Platz zur Verfügung steht.

Traditionell bestehen Rigolen beispielsweise aus einem mit Kies oder Schotter gefüllten Graben. Die Zwischenräume des Materials bilden den Speicherraum. Heute werden häufig Kunststoffelemente mit einem deutlich größeren Hohlraumanteil verwendet.

Das Niederschlagswasser gelangt in die Rigole, wird dort zwischengespeichert und versickert anschließend über Sohle und Seitenflächen in den Boden.

Wichtig ist die Abgrenzung zur Zisterne: Eine Rigole ist normalerweise kein Speicher zur späteren Regenwassernutzung. Sie hält das Wasser lediglich so lange zurück, bis es in den Untergrund versickert ist.

Soll Regenwasser später zum Gießen oder für andere zulässige Zwecke verwendet werden, braucht es dafür einen Regenwasserspeicher beziehungsweise eine Zisterne.

Rigole oder Zisterne für den Garten
Rigole oder Zisterne für den Garten?

Mulden-Rigolen-System: zwei Speicher werden kombiniert

Bei wenig Platz oder schwierigen Bodenverhältnissen können Mulde und Rigole miteinander kombiniert werden.

Das Niederschlagswasser gelangt zunächst in eine begrünte Mulde. Dort wird es zurückgehalten und durch die Bodenzone geführt. Unterhalb der Mulde befindet sich eine Rigole, die zusätzliches Speichervolumen bereitstellt.

Dadurch verbindet das System zwei Vorteile: Die Bodenzone kann Stoffe zurückhalten, während die unterirdische Rigole zusätzlichen Retentionsraum schafft.

DWA-A 138-1 behandelt Flächen-, Mulden-, Rigolen-, Schacht- und Mulden-Rigolen-Versickerungen sowie Versickerungsbecken als unterschiedliche Anlagentypen mit jeweils eigenen Bemessungsregeln.

Zisterne und Versickerung lassen sich kombinieren

Wer Regenwasser nicht nur versickern, sondern nutzen möchte, kann eine Zisterne vor die Versickerungsanlage schalten.

Das Wasser vom Dach fließt dann zunächst in den Speicher. Von dort kann es beispielsweise für die Gartenbewässerung verwendet werden. Ist die Zisterne voll, läuft überschüssiges Regenwasser über einen Überlauf in eine Mulde oder Rigole.

Diese Kombination kann besonders sinnvoll sein: Ein Teil des Wassers wird genutzt, ein weiterer Teil wird auf dem Grundstück zurückgehalten und versickert.

Allerdings darf man den Effekt einer Zisterne auf den Starkregenschutz nicht überschätzen. Ist der Speicher nach mehreren Regentagen bereits gefüllt, steht beim nächsten Niederschlag kaum zusätzliches Rückhaltevolumen zur Verfügung. Soll eine Anlage gezielt der Regenrückhaltung dienen, muss dies bei der Dimensionierung berücksichtigt werden.

Wie groß muss eine Versickerungsanlage sein?

Hier liegt einer der wichtigsten Unterschiede zu älteren Ratgebern. Eine pauschale Angabe wie „10 bis 20 % der Dachfläche“ reicht für die Dimensionierung nicht.

Das im Oktober 2024 erschienene DWA-A 138-1 hat die Bemessungsregeln überarbeitet und die alte Ausgabe von 2005 ersetzt. Für die Berechnung werden mehrere Größen miteinander verknüpft.

Entscheidend sind insbesondere:

  • Größe und Art der angeschlossenen Flächen,
  • Abflussbeiwerte der jeweiligen Oberflächen,
  • örtliche Niederschlagsdaten,
  • Versickerungsfähigkeit des Bodens,
  • Größe und Geometrie der Versickerungsfläche,
  • verfügbares Speichervolumen,
  • Grundwasserverhältnisse sowie
  • die Belastung des Niederschlagswassers.

Für befestigte und bebaute Flächen wird nicht einfach deren gesamte Größe addiert. Unterschiedliche Oberflächen erzeugen unterschiedlich viel Abfluss. Eine Dachfläche, ein Gründach und ein wasserdurchlässiger Pflasterbelag werden deshalb mit unterschiedlichen Abflussbeiwerten berücksichtigt. Im DWA-Verfahren werden daraus die für die Berechnung relevanten Flächen ermittelt.

Damit ist auch die alte pauschale Annahme, jede „teildurchlässige Fläche“ grundsätzlich mit 70 % anzusetzen, nicht mehr sinnvoll.

Regenwassersversickerung richtig dimensionieren
Regenwassersversickerung richtig dimensionieren

Welche Regenmenge wird für die Berechnung angesetzt?

Auch die Niederschlagsmenge lässt sich nicht bundesweit mit einem einzigen Wert ansetzen. Ein Starkregen in Hamburg hat andere statistische Kennwerte als ein entsprechendes Ereignis in München oder Freiburg.

Für die Bemessung werden deshalb ortsbezogene Niederschlagsstatistiken verwendet. Eine wichtige Grundlage sind die KOSTRA-DWD-2020-Daten des Deutschen Wetterdienstes. Sie enthalten für Deutschland Niederschlagshöhen und Niederschlagsspenden für verschiedene Regendauern und Wiederkehrintervalle. Die Werte liegen in einem Raster von jeweils ungefähr 25 km² vor.

Bei der Bemessung wird geprüft, welcher Regen für die jeweilige Anlage kritisch ist. Ein kurzer, sehr intensiver Schauer kann für eine Anlage ungünstiger sein als ein längerer Regen mit geringerer Intensität – oder umgekehrt. Deshalb wird nicht einfach mit einem einzigen „Starkregenwert“ gerechnet.

Die aktuelle DWA-Bemessungssoftware berücksichtigt genau diese Kombination aus Regendauer, Regenhäufigkeit, angeschlossenen Flächen, Abflussbeiwerten, Boden und Anlagengeometrie.

Warum eine einfache Online-Formel nur eine erste Orientierung liefert

Bei einer kleinen Versickerungsmulde für ein Gartenhaus mag eine überschlägige Berechnung ausreichen, um ein Gefühl für die Größenordnung zu bekommen. Spätestens wenn das Dach eines Wohnhauses, größere Hofflächen oder eine Rigole angeschlossen werden sollen, ist eine pauschale Internetformel jedoch keine belastbare Planung.

Ein Fehler bei der Dimensionierung zeigt sich häufig erst beim ersten außergewöhnlich starken Regen. Ist die Anlage zu klein oder der Boden weniger durchlässig als angenommen, läuft sie über. Problematisch wird es insbesondere dann, wenn das Wasser anschließend Richtung Keller, Lichtschacht oder Nachbargrundstück fließt.

Deshalb sollte bereits bei der Planung feststehen, wo das Wasser bei einer Überlastung schadlos hinfließen kann. Eine Versickerungsanlage ersetzt keinen Überflutungsschutz am Gebäude.

Welche Art der Regenwasserversickerung ist die richtige?

Für ein großes Grundstück mit gut durchlässigem Boden kann eine einfache Flächen- oder Muldenversickerung ausreichen. Sie ist technisch überschaubar und ermöglicht eine Versickerung über die bewachsene Bodenzone.

Steht weniger Fläche zur Verfügung, kann eine Rigole zusätzlichen unterirdischen Speicherraum schaffen. Bei höheren Anforderungen an Rückhalt und Wasserbehandlung bietet sich ein Mulden-Rigolen-System an.

Wer das Regenwasser zusätzlich nutzen möchte, sollte dagegen über eine Zisterne mit nachgeschalteter Versickerung nachdenken.

Welche Lösung tatsächlich funktioniert, lässt sich jedoch erst beurteilen, wenn Boden, Grundwasser, angeschlossene Flächen und örtliche Regenverhältnisse bekannt sind.

Fazit: Erst prüfen, dann versickern

Regenwasser auf dem eigenen Grundstück zu versickern, ist grundsätzlich sinnvoll. Es kann die Kanalisation entlasten, den lokalen Wasserhaushalt unterstützen und bei einer geeigneten Gestaltung dazu beitragen, Regenwasser länger auf dem Grundstück zu halten.

Eine universelle Lösung gibt es aber nicht. Vor allem die Dimensionierung lässt sich nicht seriös aus der Dachfläche allein ableiten. Das seit Oktober 2024 geltende DWA-A 138-1 berücksichtigt unter anderem Abflussflächen, Niederschlagsstatistik, Bodenverhältnisse, Speichervolumen und Anforderungen an den Grundwasserschutz.

Bevor Sie Dachrinnen vom Kanal trennen oder eine Rigole in den Garten setzen, sollten Sie deshalb drei Dinge klären: Was erlaubt die örtliche Behörde, wie gut versickert der Boden und wohin fließt das Wasser, wenn die Anlage voll ist? Erst danach lässt sich entscheiden, ob Flächenversickerung, Mulde, Rigole oder eine Kombination daraus die richtige Lösung ist.

Über den Autor

Schreibe einen Kommentar