Auf der Baustelle geht es hoch hinaus – tonnenschwere Fertigteile, Stahlträger oder Maschinen schafft kein Mensch der Welt mit bloßen Händen zu bewegen. Deshalb vertraut die Baubranche bereits seit Jahren auf spezielle Maschinen und Werkzeuge. Eines dieser Werkzeuge sind die Anschlagketten. Doch Anschlagkette ist nicht gleich Anschlagkette! Die falsche Kette oder ein falscher Einsatz kann einem Bauunternehmen teuer zu stehen kommen. Ganz zu schweigen von der Gefahr für Mitarbeiter. Doch worauf kommt es wirklich an? Und wie behalten Sie bei Normen, Tragfähigkeiten und Einsatzgrenzen den Überblick?

Das erwartet Sie in diesem Beitrag
- Warum sind Anschlagketten im Bauwesen so wichtig?
- Worauf sollte ich bei Anschlagketten am meisten achten?
- Unterliegen die Anschlagketten gesetzlichen Vorgaben oder Normen?
- Sollte ich bei Anschlagketten auf Qualität setzen?
Warum sind Anschlagketten im Bauwesen so wichtig?
Schon 800 bis 1.400 vor Christus vertrauten die Menschen auf Anschlagketten, um beispielsweise Anker für Schiffe zu setzen. Mit den heutigen Ketten hatte das jedoch wenig zu tun. Heute gelten sie als eines der robustesten Lastaufnahmemittel im Bauwesen mit unterschiedlichen Einsatzgebieten.
Im Vergleich zu textilen Anschlagmitteln weisen sie folgende Vorteile auf:
- höhere Widerstandsfähigkeit
- hitzeresistent
- Einstrang-, Zwei-, Drei- oder Vierstranggehänge für individuelle Hebevorgänge
Im Bauwesen werden diese Ketten häufig zum Heben von Betonfertigteilen, Stahlbauteilen oder schweren Maschinen eingesetzt.
Worauf sollte ich bei Anschlagketten am meisten achten?
Häufig schauen die Anwender zuerst auf die Tragfähigkeit. Doch sie allein ist nicht ausreichend! Sie sollten bei der Auswahl der richtigen Kette auch auf die folgenden Faktoren achten:
- Kettennenndicke und Güteklasse (meist Güteklasse 8 oder 10)
- Anschlagart (direkt, umgelegt, geschnürt)
- Neigungswinkel der Kettenstränge
- Art der Last (scharfkantig, beweglich, asymmetrisch)
Schon ein größerer Neigungswinkel reduziert die zulässige Tragfähigkeit erheblich. Wer hier falsch rechnet oder schätzt, riskiert Überlastungen. Deshalb sollten Sie ausschließlich geprüfte und korrekt dimensionierte Anschlagketten einsetzen.
Anschlagketten richtig einsetzen – das müssen Sie beachten
Kurzcheck für Baustelle und Planung
1. Normen & Rechtsgrundlagen
- EN 818 – Anschlagketten (Kette, Gehänge)
- EN 1677 – Komponenten (Haken, Schäkel)
- BetrSichV + DGUV Regel 109-017
- Nur geprüfte, gekennzeichnete Ketten verwenden
2. Tragfähigkeit richtig bewerten
- Tragfähigkeit ≠ Nennlast
- Reduktion abhängig von:
- Anschlagart (direkt, umgelegt, geschnürt)
- Neigungswinkel der Stränge
- Asymmetrischer Lastverteilung
- Faustregel: Große Winkel = massiv weniger Tragfähigkeit
3. Ablegereife – sofort aus dem Verkehr ziehen bei
- 10 % Verschleiß der Nenndicke
- sichtbarer Längung oder Verformung
- Kerben durch scharfe Kanten
- Hitzeverfärbungen
- beschädigten oder aufgebogenen Haken
4. Einsatzgrenzen beachten
- Temperaturbereich: ca. −40 °C bis +200 °C ohne Reduktion
- Ab höheren Temperaturen: Tragfähigkeit mindern
- Keine Verwendung bei aggressiven Chemikalien ohne Freigabe
5. Prüf- und Organisationspflichten
- Mindestens 1× jährlich Sachkundigenprüfung
- Dokumentation der Prüfung verpflichtend
- Verantwortung liegt beim Unternehmer
- Anschläger und Kranführer müssen unterwiesen sein
Unterliegen die Anschlagketten gesetzlichen Vorgaben oder Normen?
Ja, Anschlagketten unterliegen strengen gesetzlichen Vorgaben. Grundlage sind unter anderem die Betriebssicherheitsverordnung sowie einschlägige DIN- und EN-Normen.
Merken Sie sich für die Arbeit mit Anschlagketten Folgendes:
- regelmäßige Sachkundigenprüfung (mindestens einmal jährlich)
- Kennzeichnungspflicht mit Tragfähigkeit und Herstellerangaben
- dokumentierte Ablegereife bei Verschleiß oder Beschädigung
Sie müssen diese Punkte unbedingt einhalten! So minimieren Sie das Unfallrisiko auf der Baustelle und erfüllen die rechtlichen Pflichten. Missachten Sie Ihre Pflichten, kann dies mit Bußgeldern, Schadenersatzforderungen oder sogar strafrechtlichen Konsequenzen einhergehen.
Sollte ich bei Anschlagketten auf Qualität setzen?
Das steht außer Frage! Anschlagketten müssen im Alltag teilweise mehrere Tonnen von A nach B transportieren. Hochwertige Hebetechnik ist sozusagen die Grundvoraussetzung für einen reibungslosen Arbeitsablauf. Minderwertige Produkte verschleißen schneller, müssen häufiger ersetzt werden und bergen ein höheres Risiko. Setzen Sie daher auf zuverlässige Anbieter mit fachlicher Beratung – zum Beispiel von einem Hebetechnik-Experten.














