Die Politik hat geliefert, was viele gefordert haben: mehr Freiheit.
Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) dürfen Öl- und Gasheizungen weiter eingebaut werden. Die 65-%-Vorgabe ist Geschichte. Kein Technikzwang mehr.
Aber Freiheit heißt nicht Wirtschaftlichkeit.
Und schon gar nicht Klimaneutralität.
Wenn Sie heute neu investieren, zählt nicht, was erlaubt ist. Entscheidend ist, was sich über 20 Jahre trägt.

Das Wichtigste in Kürze
- Öl- und Gasheizungen bleiben erlaubt. Mit dem GMG entfällt die 65-%-Vorgabe.
- Fossil bleibt fossil. Moderne Brennwerttechnik ist effizient, verursacht aber weiterhin 200–290 g CO₂e pro kWh.
- Wärmepumpen stoßen deutlich weniger aus. Je nach Strommix rund 65 % weniger Emissionen als Gas.
- CO₂-Preis wird zum Kostentreiber. Ab 2027 startet ETS 2. Prognosen sehen bis 2035 160–250 € pro Tonne.
- Bio-Beimischung verteuert Gas zusätzlich. Ab 2029 steigen Pflichtquoten für erneuerbare Gase.
- H2-ready ist keine Garantie. Infrastruktur, Verfügbarkeit und Preis von Wasserstoff sind unsicher.
- Entscheidend sind die Gesamtkosten. Über 20 Jahre kann eine Wärmepumpe trotz höherer Investition günstiger sein.
Das erwartet Sie in diesem Beitrag
- Technik kann viel. Die Chemie nicht.
- Die unterschätzte Seite: Methan und Vorketten
- GMG 2026: Mehr Freiheit – mit Preisschild
- Die „Bio-Treppe“: Grünes Gas kommt – aber nicht gratis
- H2-ready: Zukunftssicher oder Wunschdenken?
- Hybridheizungen: Die Brücke mit Fixkosten
- Der CO₂-Rucksack der Wärmepumpe
- Vermieter, Mieter und das Kostenrisiko
- Die eigentliche Frage: Was kostet es über 20 Jahre?
- Fazit: Wie klimafreundlich sind Öl- und Gasheizungen?
- FAQ – Öl- und Gasheizungen nach dem GMG
Technik kann viel. Die Chemie nicht.
Moderne Brennwertgeräte sind ausgereift. Sie holen zusätzlich zur Flammenwärme die Kondensationswärme aus dem Abgas. Reale Wirkungsgrade liegen bei 94–95 % bezogen auf den Brennwert.
Das ist technisch sauber.
Nur: Es bleibt Verbrennung.
Und bei jeder Verbrennung von Kohlenwasserstoffen entsteht CO₂.
| System | CO₂ nur Verbrennung | CO₂ inkl. Vorkette |
| Erdgas | ~201 g/kWh | ~228 g CO₂e/kWh |
| Heizöl | ~266 g/kWh | ~291 g CO₂e/kWh |
| Wärmepumpe (JAZ 3,5) | – | ca. 70–80 g/kWh* |
* abhängig vom aktuellen Strommix
Die Differenz ist strukturell. Nicht temporär.
Selbst der beste Gaskessel kann diesen Abstand nicht schließen.
Die unterschätzte Seite: Methan und Vorketten
In der öffentlichen Diskussion zählt oft nur das CO₂ aus dem Schornstein. Das greift zu kurz.
Erdgas besteht überwiegend aus Methan. Und Methan ist ein starkes Treibhausgas:
- 20-Jahres-Betrachtung: 84–87-mal klimaschädlicher als CO₂
- 100-Jahres-Betrachtung: 28–34-mal stärker
Entlang von Förderung, Verarbeitung und Transport entstehen zusätzliche Emissionen. Für leitungsgebundenes Erdgas kommen etwa 27 g CO₂-Äquivalente pro kWh hinzu. Bei LNG kann die Bilanz schlechter ausfallen, da Verflüssigung und Schiffstransport energieintensiv sind.
In Summe ergibt das:
- Erdgas: rund 228 g CO₂e pro kWh
- Heizöl: etwa 291 g CO₂e pro kWh
Gas ist sauberer als Kohle. Klimaneutral ist es nicht.

GMG 2026: Mehr Freiheit – mit Preisschild
Das GMG streicht die 65-%-Regel und die Austauschpflicht für alte Konstanttemperaturkessel. Statt Verboten setzt die Politik auf den CO₂-Preis.
2026 liegt der nationale CO₂-Preis bei 55 bis 65 € pro Tonne. Das entspricht rund 1,2 bis 1,4 ct pro kWh Erdgas.
Ab 2027 startet ETS 2 auf europäischer Ebene. Die Zertifikatemenge wird dort schrittweise reduziert. Weniger Zertifikate bedeuten steigende Preise.
Prognosen für 2030: 120 bis 200 € pro Tonne.
Für 2035: 160 bis 250 €.
Bei 20.000 kWh Gasverbrauch sprechen wir perspektivisch über 800 bis 1.200 € CO₂-Kosten pro Jahr. Wer sich jetzt noch für eine Gasheizung entscheidet, muss dies in seine Berechnungen mit einbeziehen.
Die „Bio-Treppe“: Grünes Gas kommt – aber nicht gratis
Ab 2029 gilt eine stufenweise Beimischung erneuerbarer Gase: 10 %, später 30 %, dann 60 %. Ab Ende 2044 sollen nur noch 100 % erneuerbare Gase zulässig sein.
Formal trifft die Verpflichtung die Energieversorger. Ökonomisch trifft sie die Endkundschaft.
Biomethan und grüner Wasserstoff sind knapp. Sie konkurrieren mit Industrie, Chemie und Stahlproduktion. Schon heute liegen Biogastarife rund 25 % über konventionellen Preisen.
Wenn 10 % regeneratives Gas 6 bis 14 ct pro kWh kosten, steigen Mischpreise zwangsläufig. Mit jeder höheren Quote verstärkt sich dieser Effekt.
H2-ready: Zukunftssicher oder Wunschdenken?
Viele neue Gasheizungen sind „H2-ready“. Technisch können sie später Wasserstoff verbrennen.
Das klingt beruhigend.
Aber drei offene Punkte:
- Wird Ihre Region überhaupt an ein Wasserstoffnetz angeschlossen?
- Reichen die verfügbaren Mengen für Wohngebäude?
- Wie hoch wird der Endkundenpreis?
Prognosen für 2035: 18–19 ct/kWh.
Das liegt deutlich über heutigen Gaspreisen.
Hybridheizungen: Die Brücke mit Fixkosten
Hybridlösungen kombinieren Gas und Wärmepumpe. Emissionen sinken um 70–80 %. Klingt gut.
Aber:
- Gasanschluss bleibt
- Wartung bleibt
- Schornsteinfeger bleibt
- CO₂-Preis bleibt
Man zahlt zwei Systeme.
Als Übergang im unsanierten Bestand sinnvoll.
Als Dauerstrategie teuer.
Der CO₂-Rucksack der Wärmepumpe
Oft hört man: Die Herstellung einer Wärmepumpe sei energieintensiv. Das stimmt. Kupfer, Aluminium und Stahl verursachen Emissionen.
Doch Studien von Fraunhofer ISE und Umweltbundesamt zeigen: Bei einer Gasheizung entfallen über 95 % der Emissionen auf die Nutzungsphase.
Bei einer Wärmepumpe wird der höhere Herstellungsaufwand nach etwa 1,5 bis 2 Jahren durch den effizienteren Betrieb ausgeglichen.
Moderne Geräte arbeiten zudem mit natürlichen Kältemitteln wie Propan (R290) mit sehr niedrigem Treibhauspotenzial.
Vermieter, Mieter und das Kostenrisiko
Mieter zahlen die Brennstoffkosten. Vermieter entscheiden über die Technik. Das schafft Spannungen.
Wenn 2026 noch eine neue Gasheizung eingebaut wird und die CO₂-Preise stark steigen, tragen Mieter die laufenden Mehrkosten.
Modernisierungskosten dürfen mit bis zu 8 % jährlich umgelegt werden, gedeckelt auf 3 € pro m² innerhalb von sechs Jahren.
Konkrete Schutzmechanismen gegen „ökonomisch problematische Technikentscheidungen“ sind bisher begrenzt. Für Mieter kann das teuer werden.

Die eigentliche Frage: Was kostet es über 20 Jahre?
Eine neue Gasheizung kostet etwa 10.000 bis 12.000 €.
Eine Wärmepumpe liegt ohne Förderung bei 30.000 bis 40.000 €.
Das wirkt eindeutig.
Aber die Investition ist nur der Anfang.
Über 20 Jahre können Gasheizungen – inklusive CO₂-Preis und steigender Brennstoffkosten – Gesamtkosten von über 65.000 € erreichen. Eine geförderte Wärmepumpe liegt häufig im Bereich von 45.000 €.
Je nach Preisentwicklung amortisiert sich eine Wärmepumpe nach 4 bis 10 Jahren. Danach sinken die Betriebskosten deutlich.
Entscheidend ist nicht der Kaufpreis.
Entscheidend ist die Total-Cost-Perspektive.
Fazit: Wie klimafreundlich sind Öl- und Gasheizungen?
Kurz gesagt: effizient, aber nicht klimaneutral.
Moderne Technik reduziert Verluste. Sie kann die Chemie der Verbrennung nicht verändern.
Mit steigenden CO₂-Preisen und verpflichtender Beimischung grüner Gase wird die Klimabilanz etwas besser – allerdings zu höheren Kosten. Wasserstoff bleibt unsicher. Hybridlösungen sind Übergänge.
Wenn Sie heute investieren, sollten Sie weniger auf juristische Erlaubnisse schauen und mehr auf physikalische und ökonomische Trends.
Rechtlich dürfen Sie Öl und Gas weiter nutzen.
Strukturell stehen fossile Systeme unter Druck.
Die Frage ist nicht, ob sie erlaubt sind.
Die Frage ist, ob sie langfristig die kluge Entscheidung sind.
FAQ – Öl- und Gasheizungen nach dem GMG
Darf ich 2026 noch eine neue Gas- oder Ölheizung einbauen?
Ja. Das GMG erlaubt weiterhin den Einbau fossiler Heizungen. Die frühere 65-%-Vorgabe für erneuerbare Energien gilt nicht mehr. Allerdings greifen CO₂-Preis und künftige Beimischungspflichten.
Wie hoch sind die CO₂-Emissionen einer Gasheizung wirklich?
Reine Verbrennung: rund 201 g CO₂ pro kWh.
Mit Vorkette (Förderung, Transport, Methanemissionen): etwa 228 g CO₂e pro kWh.
Heizöl liegt noch höher bei rund 291 g CO₂e pro kWh.
Wie viel spart eine Wärmepumpe an Emissionen?
Bei einer Jahresarbeitszahl von 3,5 verursacht eine Luft-Wasser-Wärmepumpe aktuell etwa 65 % weniger Emissionen als eine Gasheizung. Mit weiter steigendem Anteil erneuerbarer Energien wächst dieser Vorteil.
Wie stark wirkt sich der CO₂-Preis auf meine Heizkosten aus?
2026 liegt der nationale CO₂-Preis bei 55–65 € pro Tonne.
Ab 2027 greift ETS 2. Marktprognosen erwarten bis 2035 Preise von 160–250 €.
Bei 20.000 kWh Gasverbrauch können perspektivisch 800–1.200 € CO₂-Kosten pro Jahr anfallen – zusätzlich zum Gaspreis.
Was bedeutet die „Bio-Treppe“ konkret?
Ab 2029 müssen Energieversorger schrittweise erneuerbare Gase beimischen:
- 10 %
- später 30 %
- dann 60 %
- ab 2045 nur noch 100 % erneuerbare Gase
Diese Kosten werden über den Gaspreis weitergegeben.
Ist eine „H2-ready“-Heizung zukunftssicher?
Nicht automatisch.
Offen sind:
- Ob Ihre Region ein Wasserstoffnetz erhält
- Ob ausreichend grüner Wasserstoff verfügbar ist
- Wie hoch der Endkundenpreis sein wird
Prognosen für 2035 liegen bei rund 18–19 ct pro kWh.
Sind Hybridheizungen die sichere Lösung?
Hybridheizungen reduzieren Emissionen deutlich. Sie behalten aber Gasanschluss, Wartungskosten und CO₂-Risiko. Als Übergang im Bestand sinnvoll. Langfristig oft teurer als reine Wärmepumpensysteme.
Rechnet sich eine Wärmepumpe trotz hoher Investitionskosten?
Die Anschaffung ist teurer. Über 20 Jahre können die Gesamtkosten jedoch niedriger liegen – vor allem bei steigenden CO₂-Preisen. Je nach Rahmenbedingungen amortisiert sich eine Wärmepumpe nach 4–10 Jahren.
Wer trägt das Risiko steigender CO₂-Preise – Mieter oder Vermieter?
Mieter zahlen die laufenden Brennstoffkosten. Vermieter entscheiden über die Heiztechnik. Steigende CO₂-Preise treffen daher primär Mieter, sofern keine alternative Heizlösung gewählt wird.
Sind Öl- und Gasheizungen klimafreundlich?
Nein. Sie sind effizient, aber strukturell fossil. Ihre Emissionen entstehen bei jeder Verbrennung. Politisch werden sie nicht verboten – aber wirtschaftlich zunehmend unter Druck gesetzt.














