Ein paar Zentimeter Dämmstoff auf die Außenwand, anschließend neuer Putz – fertig ist die energetische Sanierung. Bei einem älteren Fertighaus kann dieser Plan teuer werden. Denn hinter der Fassade steckt häufig eine mehrschichtige Holzkonstruktion. Wer darauf eine zusätzliche Dämmung anbringt, verändert auch, wie sich Wärme und Feuchtigkeit in der Wand verteilen. Bei manchen Fertighäusern aus den 1960er- und 1970er-Jahren können außerdem schadstoffbelastete Baustoffe hinzukommen.
Trotzdem lassen sich viele ältere Fertighäuser nachträglich dämmen. Häufig ist eine zusätzliche Außendämmung sogar eine gute Lösung. Entscheidend ist, wie die vorhandene Wand aufgebaut ist und in welchem Zustand sie sich befindet. Manchmal reicht eine neue Dämmschicht, in anderen Fällen ist es sinnvoller, die alte Fassade zunächst zu entfernen.

Kann man ein altes Fertighaus nachträglich dämmen?
Ja. Bei den meisten intakten Fertighäusern lässt sich der Wärmeschutz der Außenwände verbessern. Das gilt auch für Gebäude aus den 1960er-, 1970er- und 1980er-Jahren.
Allerdings unterscheiden sich diese Häuser teilweise erheblich. Einige besitzen bereits gut gedämmte Außenwände, andere haben vergleichsweise dünne Dämmschichten. Auch spätere Umbauten können den ursprünglichen Aufbau verändert haben.
Besonders wichtig ist die Bauweise. Während massive Fertighäuser ähnlich wie konventionelle Mauerwerksbauten saniert werden können, benötigen Häuser in Holztafel- oder Holzrahmenbauweise eine auf ihre Konstruktion abgestimmte Lösung.
Vor einer Sanierung sollten deshalb drei Fragen beantwortet werden:
- Ist die vorhandene Außenwand trocken und baulich in Ordnung?
- Welche Dämmung und welche weiteren Materialschichten befinden sich bereits in der Wand?
- Kann die zusätzliche Dämmung angebracht werden, ohne den Feuchteschutz zu verschlechtern?
Sind diese Punkte geklärt, lässt sich entscheiden, welche Sanierung technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist.

Wie sind ältere Fertighauswände aufgebaut?
Viele Fertighäuser früherer Jahrzehnte wurden aus vorgefertigten Holztafelelementen errichtet. Tragende Holzständer bilden dabei das Grundgerüst der Wand. Die Zwischenräume wurden häufig schon beim Bau mit Mineralwolle oder anderen Dämmstoffen gefüllt.
Auf den Holzständern befinden sich meist Beplankungen aus Holzwerkstoffen, Gipsplatten oder anderen Materialien. Außen folgt eine Fassadenbekleidung, beispielsweise aus Platten oder einem dafür vorgesehenen Putzsystem.
Ein möglicher Wandaufbau sieht von innen nach außen folgendermaßen aus:
- Innenbekleidung aus Gips- oder Holzwerkstoffplatten
- Luftdichtende und gegebenenfalls dampfbremsende Schicht
- Holzständer mit Dämmstoff zwischen den Ständern
- Äußere Beplankung
- Fassadenbekleidung
Das ist allerdings nur ein Beispiel. Bei älteren Fertighäusern können einzelne Schichten fehlen, anders angeordnet sein oder mehrere Aufgaben gleichzeitig übernehmen.
So kann beispielsweise eine innere Spanplatte den Wasserdampfdurchgang bremsen. Sind ihre Fugen und Anschlüsse entsprechend ausgeführt, kann sie zugleich Teil der Luftdichtheitsebene sein.
Wer eine weitere Dämmschicht aufbringt, muss diese vorhandenen Eigenschaften berücksichtigen. Die ursprünglichen Bauunterlagen sind dafür ein guter Ausgangspunkt. Fehlen sie, können gezielte Öffnungen der Wand erforderlich sein.
Woran erkennt man, ob die alte Fertighauswand Probleme hat?
Nicht jeder Schaden ist von außen sichtbar. Einige Auffälligkeiten sollten aber vor einer Dämmung genauer untersucht werden:
- Feuchteflecken an Fensteranschlüssen oder im Sockelbereich
- Aufgequollene oder beschädigte Holzwerkstoffplatten
- Muffige oder auffällig chemische Gerüche
- Risse, undichte Fugen oder beschädigte Fassadenplatten
- Zugluft an Wandanschlüssen und Steckdosen
- Sichtbare Verformungen oder Schäden an der Fassadenbekleidung
Solche Anzeichen können unterschiedliche Ursachen haben. Ein muffiger Geruch beweist beispielsweise weder einen Schimmelbefall noch eine Schadstoffbelastung.
Wichtiger ist, mögliche Schäden zu erkennen, bevor sie durch eine neue Fassadenschicht verdeckt werden.
Welche Dämmung eignet sich für ein altes Fertighaus?
Für eine nachträgliche Dämmung kommen mehrere Verfahren infrage. Die folgenden drei Lösungen unterscheiden sich vor allem darin, wie stark in die vorhandene Konstruktion eingegriffen wird.
1. Wärmedämmverbundsystem: Zusätzliche Dämmung auf der Außenseite
Bei einem Wärmedämmverbundsystem, kurz WDVS, werden Dämmplatten auf der Außenseite befestigt. Darauf folgen eine Armierungsschicht und ein geeigneter Außenputz.
Das Verfahren ist nicht auf massive Wände beschränkt. Auch Holztafel- und Holzrahmenwände können mit dafür geeigneten WDVS gedämmt werden.
Voraussetzung ist, dass der vorhandene Untergrund die erforderlichen Eigenschaften besitzt. Eine ältere Fassadenbeplankung darf nicht einfach wie eine massive Mauerwerkswand behandelt werden.
Die Dämmplatten müssen entsprechend dem vorgesehenen System befestigt werden. Außerdem muss feststehen, dass die zusätzliche Dämmung keine Feuchteschäden in der bestehenden Konstruktion verursacht.
Ein WDVS eignet sich vor allem dann, wenn die vorhandene Außenwand intakt ist und der Untergrund beziehungsweise die fachgerecht vorbereitete Konstruktion für das gewählte System geeignet ist.
Vorteil: Die Wand lässt sich energetisch verbessern, ohne Wohnfläche zu verlieren. Anschließend erhält das Haus eine neue Putzfassade.
Nachteil: Die zusätzliche Dämmung verändert das Feuchteverhalten der Wand. Auch die Befestigung und sämtliche Anschlüsse müssen zum vorhandenen Gebäude passen.

2. Vorgehängte hinterlüftete Fassade: Dämmung und Bekleidung getrennt
Bei einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade wird die Wärmedämmung auf der Außenseite der vorhandenen Wand angebracht. Davor befindet sich eine Unterkonstruktion mit einer Fassadenbekleidung, beispielsweise aus Holz, Metall oder Faserzement.
Zwischen der äußeren Bekleidung und der dahinterliegenden Konstruktion bleibt ein Hinterlüftungsraum.
Dieser ermöglicht unter geeigneten Bedingungen den Abtransport von Feuchtigkeit, die hinter die Bekleidung gelangt. Gleichzeitig schützt die äußere Fassade die Dämmung vor direkter Witterung.
Die Bauweise eignet sich grundsätzlich auch für leichte Holzkonstruktionen. Bei einem älteren Fertighaus muss allerdings geprüft werden, wo die Unterkonstruktion sicher befestigt werden kann.
Wichtig ist außerdem die richtige Einordnung der Hinterlüftung: Sie führt nicht automatisch Feuchtigkeit aus dem Inneren einer alten Holztafelwand ab. Ist die vorhandene Konstruktion bereits feucht, muss zunächst die Ursache geklärt werden.
Vorteil: Dämmung und Fassadenbekleidung sind konstruktiv getrennt. Außerdem stehen zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten zur Verfügung.
Nachteil: Die Unterkonstruktion, Befestigung und Bekleidung verursachen zusätzlichen Aufwand. Häufig ist diese Lösung teurer als ein WDVS.
3. Vorhandene Gefachdämmung erneuern
Manchmal liegt das Problem nicht in einer fehlenden zusätzlichen Außendämmung, sondern im Zustand der vorhandenen Dämmstoffe.
Sind die Gefache zwischen den Holzständern unzureichend gedämmt oder durchfeuchtet, kann es sinnvoll sein, sie zu öffnen und die Dämmung zu erneuern.
Das ist besonders dann interessant, wenn die vorhandene Fassadenbekleidung ohnehin entfernt werden muss.
Allerdings ist der Austausch meist aufwendiger als das Anbringen einer zusätzlichen Dämmschicht. Außerdem darf nicht unkontrolliert in tragende oder aussteifende Bauteile eingegriffen werden. Auch die vorhandene Luftdichtheitsebene muss erhalten oder fachgerecht wiederhergestellt werden.
Eine Sonderform ist die Einblasdämmung. Dabei wird loser Dämmstoff in geeignete Hohlräume eingebracht. Bei alten Fertighäusern funktioniert das aber nur, wenn tatsächlich ein geeigneter und zugänglicher Hohlraum vorhanden ist.
Viele Holztafelwände sind bereits vollständig mit Dämmstoff ausgefüllt. Andere Luftschichten erfüllen konstruktive Funktionen und dürfen nicht einfach verfüllt werden.
Alte Fassade entfernen oder einfach überdämmen?
Das ist bei vielen älteren Fertighäusern eine der wichtigsten Fragen. Denn die neue Dämmung soll möglichst lange halten, ohne dass die darunterliegenden Bauteile später aufwendig freigelegt werden müssen.
Welche Vorgehensweise sinnvoll ist, hängt vom Zustand der Außenwand ab.
| Zustand der vorhandenen Fassade | Mögliche Vorgehensweise |
| Fassade intakt, Untergrund geeignet | Zusätzliche Außendämmung kann möglich sein |
| Fassadenbekleidung beschädigt oder undicht | Bekleidung entfernen, Schäden beheben und neu aufbauen |
| Gefachdämmung durchfeuchtet oder beschädigt | Konstruktion öffnen, Ursache beseitigen und betroffene Dämmung erneuern |
| Schadstoffverdächtige Fassadenplatten | Vor Bearbeitung untersuchen und geeignete Sanierung festlegen |
| Wandaufbau unbekannt | Bauunterlagen prüfen und gegebenenfalls Bauteilöffnung durchführen |
Wann kann die vorhandene Fassade bleiben?
Eine zusätzliche Außendämmung kommt infrage, wenn der vorhandene Aufbau geeignet ist und sich das geplante Dämmsystem fachgerecht befestigen lässt.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jede ältere Fassadenplatte einfach überklebt werden darf. Entscheidend sind unter anderem Tragfähigkeit, Befestigung, Feuchteverhalten und der Aufbau des gesamten Fassadensystems.
Bei einer hinterlüfteten Bestandsfassade ist außerdem zu prüfen, ob und wie der vorhandene Hinterlüftungsraum in die neue Konstruktion einbezogen werden kann. Ihn ohne Planung mit Dämmstoff zu verschließen, kann die ursprüngliche Funktion der Fassade beeinträchtigen.

Wann ist es besser, die Fassade zu entfernen?
Ist die alte Bekleidung beschädigt, undicht oder ohnehin erneuerungsbedürftig, kann ein vollständiger Neuaufbau sinnvoll sein.
Das bietet die Möglichkeit, die dahinterliegenden Holzbauteile zu untersuchen, Schäden zu beseitigen und die Dämmung auf den heutigen Stand zu bringen.
Sind die Außenbeplankung oder tragende Bauteile geschädigt, reicht eine neue Dämmschicht allein nicht aus.
Auch mögliche Schadstoffe müssen berücksichtigt werden. Insbesondere ältere asbesthaltige Fassadenplatten dürfen nicht ohne geeignete Schutzmaßnahmen bearbeitet oder entfernt werden.
Wie dick muss die zusätzliche Dämmung sein?
Eine pauschale Dämmstärke für ältere Fertighäuser gibt es nicht. Anders als bei einer ungedämmten Massivwand ist häufig bereits Dämmstoff zwischen den Holzständern vorhanden.
Entscheidend ist deshalb der Wärmeschutz der gesamten Wand.
Zur Orientierung: Bei der energetischen Sanierung bestehender Außenwände wird für die Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen häufig eine zusätzliche Dämmung von etwa 12 bis 16 cm genannt. Diese Werte beziehen sich jedoch auf typische Sanierungsfälle und lassen sich nicht ohne Weiteres auf jede Fertighauswand übertragen.
Hat die alte Wand bereits einen guten Wärmeschutz, kann eine geringere zusätzliche Dämmstärke ausreichen. Bei ungünstigen Konstruktionen oder besonderen Anforderungen kann mehr erforderlich sein.
Auch der Dämmstoff spielt eine Rolle. Ein Material mit der Wärmeleitfähigkeit 0,032 W/(m·K) erreicht bei gleicher Dicke einen höheren Wärmewiderstand als ein Material mit 0,040 W/(m·K).
Hinzu kommen die Holzständer. Da Holz Wärme besser leitet als viele Dämmstoffe, beeinflussen sie den U-Wert der Wand.
Welche Dämmstärke für einen bestimmten Wandaufbau notwendig ist, lässt sich deshalb nur durch eine Berechnung ermitteln. Wie das funktioniert, erklären wir im Beitrag U-Wert berechnen: So gut dämmen Wand, Dach und Fenster wirklich.

Warum Feuchtigkeit bei der Fertighausdämmung besonders wichtig ist
Holzbauteile können jahrzehntelang ihre Funktion erfüllen, solange sie dauerhaft ausreichend trocken bleiben. Wird eine Holztafelwand dagegen über längere Zeit durchfeuchtet, drohen Schäden durch Schimmel oder holzzerstörende Pilze.
Bei einer zusätzlichen Außendämmung verändert sich der Temperaturverlauf innerhalb der Wand.
Im Winter bleibt die alte Außenbeplankung durch die neue Dämmschicht häufig wärmer. Das kann den Feuchteschutz verbessern. Gleichzeitig kann eine neue Außenschicht die Austrocknung nach außen begrenzen.
Ob die Maßnahme funktioniert, hängt deshalb vom Zusammenspiel sämtlicher vorhandener und neuer Schichten ab.
Besonders gefährlich sind undichte Anschlüsse
Warme Raumluft enthält Wasserdampf. Gelangt sie durch Fugen in kühlere Bereiche einer Wand, kann sich dort Feuchtigkeit niederschlagen.
Solche Luftströmungen können erheblich mehr Feuchtigkeit in ein Bauteil transportieren als die reine Wasserdampfdiffusion durch intakte Baustoffe.
Deshalb sind bei älteren Fertighäusern auch die Anschlüsse der Luftdichtheitsebene wichtig. Typische Schwachstellen sind Steckdosen, Wanddurchführungen sowie Übergänge zu Decken und Fenstern.
Eine zusätzliche Dämmung behebt diese Undichtheiten nicht zwangsläufig.
Wie Tauwasser innerhalb einer Wand entsteht und welche Rolle Wärmebrücken spielen, lesen Sie in unserem Beitrag Tauwasser vermeiden: Wann feuchte Wände und Schimmel drohen.

Braucht ein altes Fertighaus eine neue Dampfsperre?
Nicht grundsätzlich. Viele ältere Fertighäuser besitzen bereits Schichten, die den Wasserdampfdurchgang begrenzen. Dazu gehören beispielsweise bestimmte Holzwerkstoffplatten.
Eine zusätzliche stark dampfbremsende Schicht kann problematisch sein, wenn dadurch die Austrocknungsmöglichkeiten eingeschränkt werden.
Außerdem sind Dampfbremse und Luftdichtheit nicht dasselbe. Eine luftdichte Ebene verhindert, dass Luft unkontrolliert durch die Konstruktion strömt. Eine Dampfbremse begrenzt dagegen den Wasserdampftransport durch Diffusion.
Ein Bauteil kann beide Funktionen mit derselben Schicht erfüllen, wenn die Fugen und Anschlüsse entsprechend ausgeführt sind.
Bei komplizierten Bestandskonstruktionen kann eine hygrothermische Berechnung erforderlich sein. Sie berücksichtigt unter anderem, wie Feuchtigkeit aufgenommen, gespeichert und wieder abgegeben wird.
Dachüberstand, Fenster und Sockel: Hier entstehen oft zusätzliche Kosten
Mit einer Außendämmung wird die Fassade dicker. Was zunächst einfach klingt, kann an mehreren Stellen umfangreiche Anpassungen erforderlich machen.
- Dachüberstand: Reicht der vorhandene Dachüberstand nach der Dämmung noch aus? Gegebenenfalls muss er verlängert oder der Anschluss anders gestaltet werden.
- Fenster: Durch die zusätzliche Dämmung werden die Fensterlaibungen tiefer. Neue Fensterbänke, angepasste Anschlüsse und eine ausreichende Dämmung der Laibungen können erforderlich sein.
- Sockel: Viele ältere Fertighäuser stehen auf einem massiven Keller oder einer Betonbodenplatte. Der Übergang zwischen Holztafelwand, Sockel und Fundament muss gegen Feuchtigkeit geschützt sein. Gleichzeitig sollte dort keine unnötige Wärmebrücke entstehen.
- Fassadenbefestigung: Eine neue Bekleidung bringt zusätzliche Lasten mit sich. Die Unterkonstruktion muss diese sicher in geeignete tragende Bauteile ableiten.
Diese Arbeiten sollten bereits bei der Angebotserstellung berücksichtigt werden. Andernfalls lässt sich der tatsächliche Sanierungsaufwand nur schwer abschätzen.
Schadstoffe in alten Fertighäusern: Was Eigentümer wissen sollten
Bei manchen Fertighäusern aus den 1960er- bis 1980er-Jahren können Schadstoffe in den verwendeten Baustoffen vorkommen.
Dazu gehören beispielsweise Formaldehyd aus älteren Holzwerkstoffplatten sowie die früher verwendeten Holzschutzmittel Pentachlorphenol (PCP) und Lindan.
Außerdem können sogenannte Chloranisole auftreten. Diese geruchsaktiven Verbindungen entstehen unter bestimmten Bedingungen durch den mikrobiellen Umbau chlorierter Vorläuferstoffe. Sie können einen charakteristischen muffigen oder süßlichen Geruch verursachen.
Was Untersuchungen alter Fertighäuser zeigen
Ein Bericht des Umweltbundesamtes dokumentiert einen konkreten Fall in einem Fertighaus aus dem Jahr 1972.
Dort wurden auffällige Konzentrationen von Formaldehyd und Lindan in der Raumluft festgestellt. Gleichzeitig lagen die Konzentrationen bestimmter Chloranisole über den jeweiligen Geruchsschwellen.
Die Untersuchungen dienten dazu, die Geruchsquellen zu identifizieren und eine geeignete Sanierungsstrategie zu entwickeln.
Der Fall zeigt, dass sich hinter auffälligen Gerüchen unterschiedliche Stoffe und Quellen verbergen können. Daraus folgt allerdings nicht, dass jedes Fertighaus dieses Baujahres belastet ist.
Kann man schadstoffbelastete Wände einfach überdämmen?
Eine neue Fassadendämmung ist keine automatische Schadstoffsanierung.
Wenn belastete Baustoffe vorhanden sind, muss zunächst geklärt werden, welche Stoffe betroffen sind, wo sie sich befinden und ob eine Sanierung erforderlich ist.
Auch asbesthaltige Produkte können in älteren Gebäuden vorkommen, etwa in bestimmten Fassadenplatten.
Vor dem Bohren, Sägen oder Entfernen verdächtiger Baustoffe muss deshalb festgestellt werden, ob besondere Schutzmaßnahmen notwendig sind.
Gerade bei einer umfassenden Fassadensanierung ist es sinnvoll, solche Fragen vor Beginn der Arbeiten zu klären.
Auch der Brandschutz muss zur Konstruktion passen
Bei einer nachträglichen Fassadendämmung geht es nicht ausschließlich um den Wärmeschutz.
Die verwendeten Baustoffe und der gesamte Fassadenaufbau müssen die geltenden brandschutztechnischen Anforderungen erfüllen.
Bei Holztafelwänden ist deshalb wichtig, dass das gewählte Wärmedämmverbundsystem beziehungsweise die Fassadenkonstruktion für den vorgesehenen Untergrund geeignet und entsprechend nachgewiesen ist.
Dabei reicht es nicht aus, nur zwischen brennbaren und nicht brennbaren Dämmstoffen zu unterscheiden. Entscheidend sind auch die übrigen Schichten, die Befestigung und die konstruktiven Details.
Ein Dämmsystem, das auf einer massiven Wand eingesetzt werden darf, ist nicht automatisch auch für jede Holztafelwand geeignet.
Was kostet es, ein Fertighaus nachträglich zu dämmen?
Für ein Wärmedämmverbundsystem nennt die Verbraucherzentrale einen groben Kostenrahmen von 150 bis 190 Euro pro Quadratmeter Außenwand. Darin sind übliche Arbeiten einschließlich Gerüst und Putz berücksichtigt.
Eine vorgehängte hinterlüftete Fassade ist meist teurer.
Die tatsächlichen Kosten eines älteren Fertighauses hängen allerdings stark vom Zustand der vorhandenen Konstruktion ab.
| Maßnahme | Kosteneinordnung |
| Wärmedämmverbundsystem | Etwa 150–190 €/m² als allgemeiner Richtwert |
| Vorgehängte hinterlüftete Fassade | Meist teurer als ein WDVS |
| Vorhandene Gefachdämmung erneuern | Abhängig von Öffnungs- und Wiederherstellungsarbeiten |
| Einblasdämmung | Nur bei geeigneten Hohlräumen; Preis abhängig von der Konstruktion |
| Schadhafte Holzbauteile ersetzen | Zusätzliche, individuell zu kalkulierende Kosten |
| Schadstoffsanierung | Kosten abhängig von Untersuchung, Material und Sanierungsverfahren |

Rechenbeispiel: 150 Quadratmeter Außenwand
Angenommen, ein älteres Fertighaus besitzt 150 Quadratmeter zu dämmende Fassadenfläche.
Bei einem WDVS ergeben sich mit den genannten Richtwerten folgende Kosten:
- 150 m² × 150 €/m² = 22.500 €
- 150 m² × 190 €/m² = 28.500 €
Die Fassadendämmung würde damit rechnerisch zwischen 22.500 und 28.500 Euro kosten.
Müssen zusätzlich alte Fassadenplatten entfernt, Fensteranschlüsse umfangreich verändert oder beschädigte Holzbauteile erneuert werden, steigt der Aufwand.
Deshalb sollten Eigentümer verschiedene Angebote nicht allein anhand des Quadratmeterpreises vergleichen. Entscheidend ist, welche Arbeiten tatsächlich enthalten sind.
Wie viel Heizenergie lässt sich durch die Dämmung sparen?
Eine zusätzliche Dämmung reduziert die Wärmeverluste über die Außenwand. Wie stark sich das auf die Heizkosten auswirkt, hängt allerdings vom gesamten Gebäude ab.
Ein Beispiel: Eine Außenwand besitzt vor der Sanierung einen U-Wert von 0,8 W/(m²·K). Nach der Dämmung erreicht sie 0,2 W/(m²·K).
Bei gleicher Temperaturdifferenz sinkt der rechnerische Wärmedurchgang durch diese Wand damit um 75 Prozent.
Das bedeutet jedoch nicht, dass auch die Heizkosten um 75 Prozent zurückgehen. Wärme geht weiterhin über Dach, Fenster, Kellerdecke und durch den Luftwechsel verloren.
Außerdem spielen die Heizungsanlage und das Nutzungsverhalten eine Rolle.
Besonders wirtschaftlich kann eine zusätzliche Fassadendämmung sein, wenn ohnehin größere Arbeiten an der Außenwand anstehen. Dann fallen bestimmte Kosten, etwa für das Gerüst oder die Erneuerung der Fassadenoberfläche, ohnehin an.
Ob sich eine konkrete Maßnahme rechnet, hängt deshalb vor allem von den zusätzlichen Dämmkosten und der erwarteten Energieeinsparung ab. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Beitrag Lohnt sich Dämmen wirklich? Was Gebäudedämmung bringt.
Welche gesetzlichen Vorgaben gelten beim Dämmen eines Fertighauses?
Wer eine Außenwand umfassend energetisch saniert, muss die Anforderungen des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) beachten.
Bei entsprechenden Änderungen an bestehenden Außenwänden gilt grundsätzlich ein maximaler U-Wert von 0,24 W/(m²·K).
Es gibt allerdings Ausnahmen. Betreffen die Änderungen beispielsweise höchstens zehn Prozent der gesamten Fläche der jeweiligen Bauteilgruppe, greifen die entsprechenden Anforderungen an die geänderten Außenbauteile nicht.
Weitere Sonderregelungen können sich aus der vorhandenen Konstruktion und den technischen Möglichkeiten ergeben.
Für ein älteres Fertighaus heißt das: Vor einer größeren Fassadensanierung sollte geklärt werden, welche Anforderungen gelten und welche Dämmstärke dafür notwendig ist.
Welche Förderung gibt es 2026?
Für eine förderfähige Fassadendämmung können Hausbesitzer Zuschüsse aus der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) erhalten.
Die Grundförderung für Maßnahmen an der Gebäudehülle beträgt 15 Prozent der förderfähigen Kosten.
Bei einem individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) kann ein zusätzlicher Bonus von fünf Prozentpunkten hinzukommen. Seit dem 21. Juli 2026 gelten dafür allerdings strengere Bedingungen.
Bei einem Einfamilienhaus muss das förderfähige Investitionsvolumen mindestens 30.000 Euro erreichen. Der zusätzliche Bonus wird nur auf den Teil der förderfähigen Kosten oberhalb dieser Grenze gezahlt.
Beispiel: 25.000 Euro Sanierungskosten
Bei vollständig förderfähigen Kosten von 25.000 Euro ergibt die Grundförderung von 15 Prozent einen Zuschuss von 3.750 Euro.
Ein zusätzlicher iSFP-Bonus fällt nach den seit Juli 2026 geltenden Regeln in diesem Fall nicht an.
Beispiel: 45.000 Euro förderfähige Kosten
Bei einer förderfähigen Investition von 45.000 Euro ergibt die Grundförderung zunächst 6.750 Euro.
Ist ein entsprechender iSFP vorhanden und sind die weiteren Bedingungen erfüllt, kommen fünf Prozent auf die 15.000 Euro oberhalb der Mindestinvestition hinzu. Das sind weitere 750 Euro.
Der gesamte Zuschuss beträgt in diesem Beispiel 7.500 Euro.
Für die Förderung gelten zusätzliche technische Voraussetzungen. Bei üblichen Außenwänden ist grundsätzlich ein U-Wert von höchstens 0,20 W/(m²·K) zu erreichen.
Auch die Einbindung eines Energieeffizienz-Experten und das vorgeschriebene Antragsverfahren müssen berücksichtigt werden.
Fertighaus nachträglich dämmen: So gehen Sie vor
Bevor Sie eine Fassadendämmung beauftragen, sollten Sie den vorhandenen Aufbau untersuchen und die geplanten Arbeiten darauf abstimmen.
1. Bauunterlagen heraussuchen
Alte Baubeschreibungen und Wandaufbaupläne können wichtige Informationen zur vorhandenen Dämmung und den verwendeten Baustoffen liefern.
2. Zustand der Außenwand prüfen
Ein Fachmann sollte beurteilen, ob Feuchteschäden, beschädigte Beplankungen oder Probleme an den Anschlüssen vorhanden sind.
3. Schadstoffe bei konkretem Verdacht untersuchen
Vor Eingriffen in ältere schadstoffverdächtige Bauteile ist eine entsprechende Untersuchung notwendig. Auffällige Gerüche sollten fachkundig abgeklärt werden.
4. Geeignetes Dämmsystem auswählen
Ob WDVS, hinterlüftete Fassade oder eine Erneuerung der vorhandenen Dämmung sinnvoll ist, hängt vom Wandaufbau und dem Zustand des Hauses ab.
5. Feuchte- und Wärmeschutz nachweisen
Die Planung sollte die vorhandenen Schichten, Luftdichtheit, Wärmebrücken und das Austrocknungsverhalten berücksichtigen.
6. Anschlüsse und Zusatzarbeiten kalkulieren
Fenster, Dachüberstände und Sockel dürfen bei der Kostenplanung nicht fehlen.
7. Förderung vor Beauftragung klären
Die notwendigen Förderanträge und vertraglichen Voraussetzungen müssen rechtzeitig berücksichtigt werden.
Häufige Fragen zur Fertighausdämmung
Kann man ein Fertighaus aus den 70er-Jahren von außen dämmen?
Ja. Viele Fertighäuser aus den 1970er-Jahren lassen sich mit zusätzlicher Außendämmung energetisch verbessern. Das gewählte Verfahren muss allerdings zur vorhandenen Konstruktion passen. Insbesondere Feuchteverhalten, Befestigung und Zustand der alten Fassade sind zu berücksichtigen.
Kann man ein Fertighaus von innen dämmen?
Grundsätzlich ja. Bei älteren Holztafelwänden kann eine Innendämmung jedoch das Feuchteverhalten deutlich verändern. Deshalb ist eine genaue Planung erforderlich. Welche Probleme dabei auftreten können, erklären wir im Beitrag Innendämmung: Diese Fehler können Feuchtigkeit und Schimmel verursachen.
Muss die alte Dämmung im Fertighaus entfernt werden?
Nein, nicht grundsätzlich. Ist die vorhandene Dämmung trocken, unbeschädigt und bauphysikalisch geeignet, kann sie häufig in der Wand bleiben. Eine zusätzliche Außendämmung verbessert dann den Wärmeschutz. Beschädigte oder durchfeuchtete Dämmstoffe müssen dagegen gegebenenfalls ersetzt werden.
Was ist bei einem alten Fertighaus die beste Lösung?
Ist die vorhandene Fassade intakt und für das geplante Dämmsystem geeignet, kann eine zusätzliche Außendämmung ausreichen. Müssen dagegen alte Fassadenplatten ohnehin entfernt werden, bietet sich die Gelegenheit, die vorhandene Konstruktion zu überprüfen und bei Bedarf auch die Gefachdämmung zu erneuern.
Besonders bei Fertighäusern aus den 1960er- und 1970er-Jahren lohnt sich deshalb eine sorgfältige Bestandsaufnahme. Sie entscheidet darüber, ob eine vergleichsweise einfache Dämmmaßnahme möglich ist oder eine umfassendere Fassadensanierung notwendig wird.
- Verbraucherzentrale: Wärmedämmung richtig planen – Verfahren und Kosten.
- Umweltbundesamt: Geruchsbeschwerden in Innenräumen (2023) – Untersuchungen zu Schadstoffen und Fertighausgeruch.
- Gebäudemodernisierungsgesetz, § 36 – Anforderungen bei der Sanierung bestehender Gebäude.
- Gebäudemodernisierungsgesetz, Anlage 7 – Höchstwerte für den Wärmedurchgang.
- BMWE: Neue Regelung zum iSFP-Bonus ab Juli 2026 – Förderung und Mindestinvestition.
- BAFA: Förderübersicht BEG-Einzelmaßnahmen – Fördersätze für die Gebäudehülle.



