Fliesen streichen: So hält der neue Anstrich wirklich

Von Dominik Hochwarth

Die Fliesen sind noch fest und unbeschädigt, aber die Farbe gefällt Ihnen schon lange nicht mehr? Dann müssen Sie nicht gleich das ganze Badezimmer renovieren. Mit einem geeigneten Fliesenlack lassen sich alte Wandfliesen in einer neuen Farbe gestalten. Die vorhandenen Fliesen bleiben an der Wand, das Abschlagen und Neuverlegen entfällt.

Ganz ohne Arbeit geht es allerdings nicht. Vor allem die Vorbereitung entscheidet darüber, ob der Lack dauerhaft haftet oder sich schon nach kurzer Zeit wieder ablöst. Außerdem eignet sich nicht jeder Fliesenlack für jede Fläche. Was an einer Küchenwand funktioniert, kann auf dem Badezimmerboden oder in der Dusche ungeeignet sein.

Hier erfahren Sie, worauf es bei der Auswahl des Lacks ankommt, wie Sie Fliesen Schritt für Schritt streichen und welche Fehler Sie vermeiden sollten.

Eine Person streicht alte beigefarbene Badezimmerfliesen mit einer Lackierrolle weiß. Rechts ist die bereits lackierte Fliesenwand zu sehen, links der ursprüngliche Belag.
Statt alte Fliesen abzuschlagen, lassen sie sich mit geeignetem Fliesenlack farblich verändern. Entscheidend für die Haltbarkeit sind die Vorbereitung des Untergrunds und die richtige Verarbeitung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Geeignete Fliesen: Am einfachsten lassen sich intakte, fest sitzende Wandfliesen in Bad und Küche streichen.
  • Fliesenlack: Es gibt einkomponentige (1K) und zweikomponentige (2K) Systeme. Entscheidend ist die Freigabe für den jeweiligen Einsatzbereich.
  • Vorbereitung: Die Fliesen müssen sauber, trocken und frei von Fett, Kalk und Silikonresten sein. Ob eine Grundierung oder ein Anschliff nötig ist, hängt vom Produkt ab.
  • Trocknung: Viele Beschichtungen dürfen erst nach mehreren Tagen vollständig beansprucht werden.
  • Boden und Dusche: Hier benötigen Sie ausdrücklich geeignete Beschichtungssysteme. Ein Fliesenanstrich ersetzt keine Abdichtung.
  • Mietwohnung: Holen Sie vor dem Streichen die schriftliche Zustimmung des Vermieters ein.

Welche Fliesen lassen sich streichen?

Grundsätzlich können viele keramische Wandfliesen mit einem geeigneten Lack beschichtet werden. Besonders sinnvoll ist das, wenn die vorhandenen Fliesen technisch noch in Ordnung sind und lediglich ihre Farbe oder ihr Muster nicht mehr gefallen.

Die Fliesen müssen fest sitzen. Der Untergrund darf keine Feuchteschäden aufweisen, und die Fugen sollten weitgehend intakt sein. Kleinere Beschädigungen lassen sich häufig vor dem Anstrich ausbessern.

Schwieriger wird es bei losen Fliesen, größeren Rissen oder Feuchtigkeit hinter dem Belag. Solche Schäden verschwinden nicht unter einer Lackschicht. Sie müssen zuerst fachgerecht behoben werden.

Auch die Fliesenoberfläche spielt eine Rolle. Glasierte Keramik ist sehr glatt. Darauf kann ein gewöhnlicher Lack nur schlecht haften. Spezielle Fliesenlacke sind deshalb auf diese Untergründe abgestimmt. Bei besonders glatten, beschichteten oder schmutzabweisenden Oberflächen sollten Sie prüfen, ob der Hersteller die Verarbeitung ausdrücklich erlaubt.

Wichtig: Nicht jeder Fliesenlack eignet sich für Bodenfliesen, Duschbereiche oder Sanitärobjekte. Lesen Sie vor dem Kauf das technische Merkblatt und verlassen Sie sich nicht allein auf die Bezeichnung „Fliesenlack“.

Wenn Sie noch unsicher sind, ob Streichen überhaupt die beste Lösung ist, finden Sie in unserem Beitrag Fliesen überkleben, streichen oder überspachteln weitere Möglichkeiten, alte Fliesen ohne vollständigen Ausbau zu verändern.

Infografik mit vier Fliesenarten: Wandfliesen sind gut geeignet, Bodenfliesen und Duschbereiche nur mit speziellen Lacken. Beschädigte Fliesen müssen zuerst repariert werden.
Nicht alle Fliesen eignen sich gleichermaßen zum Streichen. Während intakte Wandfliesen meist problemlos lackiert werden können, benötigen Bodenfliesen und Duschbereiche spezielle Beschichtungssysteme. Schäden müssen vorher behoben werden.

Welcher Fliesenlack ist der richtige?

Im Handel finden Sie vor allem einkomponentige und zweikomponentige Fliesenlacke. Beide Varianten können für Heimwerker infrage kommen. Die Unterschiede liegen hauptsächlich in der Verarbeitung und den Eigenschaften der fertigen Beschichtung.

Einkomponentiger Fliesenlack: Einfacher zu verarbeiten

Einkomponentige Fliesenlacke (1K) sind in der Regel gebrauchsfertig. Sie müssen vor dem Streichen nur gründlich aufgerührt werden.

Das macht die Verarbeitung unkompliziert. Sie können die benötigte Menge entnehmen und das Gebinde je nach Produkt anschließend wieder verschließen.

Viele 1K-Fliesenlacke sind für dekorative Anstriche an Wandfliesen vorgesehen. Ob sie auch für stärker beanspruchte Flächen geeignet sind, steht im technischen Merkblatt.

Zweikomponentiger Fliesenlack: Lack und Härter werden gemischt

Bei einem 2K-Fliesenlack kommen zwei Bestandteile zum Einsatz: der eigentliche Lack und ein Härter. Erst durch das Mischen entsteht die gebrauchsfertige Beschichtung.

Solche Systeme können besonders widerstandsfähige Oberflächen bilden. Allerdings ist ihre Verarbeitung etwas anspruchsvoller. Die beiden Komponenten müssen im vorgeschriebenen Verhältnis gemischt werden. Anschließend bleibt nur eine begrenzte Zeit, um den Lack zu verarbeiten.

Diese sogenannte Topfzeit fällt je nach Produkt sehr unterschiedlich aus. Beim 2K-Epoxidharz-Fliesenlack von Bekateq beträgt sie beispielsweise bei 20 °C etwa 30 Minuten. Bei anderen Systemen kann sie mehrere Stunden betragen.

Mischen Sie deshalb nur so viel Lack an, wie Sie innerhalb der angegebenen Zeit tatsächlich verarbeiten können. Ist die Topfzeit überschritten, darf das Material nicht mehr verwendet werden. Es kann bereits unbrauchbar sein, bevor Sie eine deutliche Veränderung der Konsistenz erkennen.

Braucht Fliesenlack eine Grundierung?

Nicht unbedingt. Einige Fliesenlacke sind als Systeme ohne zusätzliche Grundierung ausgelegt. Andere benötigen einen speziellen Haftgrund.

So verlangt beispielsweise das Beschichtungssystem Molto Perfect 2K eine passende Grundierung. Andere Hersteller bieten Fliesenlacke an, die direkt auf den vorbereiteten Fliesen verarbeitet werden.

Deshalb sollten Sie möglichst alle benötigten Produkte aus einem aufeinander abgestimmten System verwenden. Grundierung, Lack und gegebenenfalls zusätzliche Versiegelung müssen miteinander verträglich sein.

Eine separate Versiegelung ist übrigens nicht grundsätzlich erforderlich. Bei vielen Fliesenlacken bildet bereits der letzte Lackauftrag die fertige Oberfläche.

Was kostet es, Fliesen zu streichen?

Wie teuer der Anstrich wird, hängt von der Fläche, dem verwendeten Lack und der Zahl der notwendigen Anstriche ab. Hinzu kommen Reinigungsmittel, gegebenenfalls Grundierung, Malerwerkzeug und Material für die Fugen.

Besonders wichtig ist die Ergiebigkeit des Lacks. Die Hersteller geben an, wie viele Quadratmeter sich mit einer bestimmten Menge beschichten lassen. Prüfen Sie dabei genau, ob sich die Angabe auf einen oder auf mehrere Anstriche bezieht.

Was kostet der Fliesenlack? Einfache Fliesenlacke kosten derzeit etwa 13 bis 30 € je 750 ml. Für zweikomponentige Systeme müssen Sie häufig mehr ausgeben. Beispielsweise kostet der Hornbach-2K-Fliesenlack 37,95 € für 750 ml inklusive Härter. Bei Alpina liegen vergleichbare Gebinde je nach Anbieter und Farbton um 50 bis 56 €. Das sind Produktbeispiele, keine allgemein gültigen Preise.

Bei 10 m² Wandfliesen und zwei Anstrichen benötigen Sie je nach Ergiebigkeit etwa 2 l Lack oder mehr. Für den genannten Hornbach-2K-Lack wären rechnerisch drei Gebinde erforderlich. Das entspricht aktuell 113,85 € allein für den Lack. Rechnen Sie zusätzlich mit Kosten für Reinigungsmittel, Malerwerkzeug und gegebenenfalls Grundierung sowie neues Silikon.

Ein Rechenbeispiel: Ein Fliesenlack reicht laut Hersteller für bis zu 7,5 m² pro 750 ml bei einem Anstrich. Möchten Sie 10 m² Wandfliesen zweimal streichen, benötigen Sie rechnerisch mindestens 2 l Lack. Bei einem ausgeprägten Fugenbild oder strukturierten Fliesen kann der Verbrauch höher liegen.

Kaufen Sie deshalb nicht nur nach dem Gebindepreis. Rechnen Sie zuerst die benötigte Materialmenge aus und vergleichen Sie anschließend die Gesamtkosten.

Trotz der zusätzlichen Materialien kann das Streichen deutlich weniger Aufwand verursachen als das vollständige Entfernen und Neuverlegen der Fliesen. Es hat aber auch Grenzen: Eine lackierte Oberfläche ist nicht mit einer neuen keramischen Glasur gleichzusetzen.

Fliesen streichen: Anleitung in 7 Schritten

Für das Streichen von Wandfliesen benötigen Sie normalerweise kein spezielles Profiwerkzeug. Wichtig sind ein geeigneter Fliesenlack, saubere Arbeitsgeräte und ausreichend Zeit zum Trocknen.

Die folgende Anleitung beschreibt die üblichen Arbeitsschritte. Falls der Hersteller Ihres Lacks eine andere Reihenfolge oder zusätzliche Arbeitsschritte vorgibt, haben diese Vorrang.

Was Sie benötigen

  • Geeigneten Fliesenlack, bei Bedarf mit Härter und Grundierung
  • Fliesenreiniger beziehungsweise geeigneten Fett- und Kalkentferner
  • Saubere Tücher und Schwämme
  • Abdeckvlies, Folie und Malerkrepp
  • Lackierrolle und geeigneten Pinsel für Ecken und Fugen
  • Farbwanne und Rührstab
  • Bei Bedarf Schleifpapier oder Schleifvlies
  • Geeignete Spachtel- oder Reparaturmasse für kleinere Schäden
  • Werkzeug zum Entfernen alter Silikonfugen
  • Neues Sanitärsilikon für die abschließende Verfugung
  • Geeignete Schutzhandschuhe und bei Bedarf Schutzbrille sowie Staubschutz

Sorgen Sie während der Arbeiten für ausreichende Lüftung. Welche Schutzmaßnahmen erforderlich sind, hängt auch vom verwendeten Lack und den Reinigungsmitteln ab.

Schritt 1: Raum vorbereiten und Fliesen kontrollieren

Räumen Sie zunächst alle Gegenstände weg, die beim Streichen stören könnten. Im Badezimmer gehören dazu beispielsweise Handtuchhalter, Spiegel und Ablagen. Entfernen Sie möglichst auch die Abdeckungen von Armaturen, soweit dies ohne Eingriff in die Installation möglich ist.

Was sich nicht abnehmen lässt, wird sorgfältig abgeklebt. Decken Sie den Boden mit einem geeigneten Abdeckvlies ab.

Kontrollieren Sie danach die Fliesen. Klopfen Sie verdächtige Stellen vorsichtig ab und prüfen Sie, ob einzelne Fliesen locker sitzen. Lose Fliesen oder größere Schäden sollten Sie vor dem Lackieren reparieren.

Schritt 2: Fugen vorbereiten und Fliesen gründlich reinigen

Auf verschmutzten Fliesen hält der Lack nicht zuverlässig. Besonders problematisch sind Fett, Seifenreste, Kalk und Silikonrückstände.

Reinigen Sie deshalb die gesamte Fläche mit geeigneten Mitteln. In der Küche müssen vor allem Fettrückstände entfernt werden. Im Badezimmer sind häufig Kalkablagerungen und Rückstände von Pflegeprodukten das Problem.

Achten Sie darauf, dass die verwendeten Reiniger für die vorhandenen Fliesen und Fugen geeignet sind. Entfernen Sie Reinigungsmittelreste anschließend entsprechend den Herstellerangaben und lassen Sie die Fläche vollständig trocknen.

Schadhafte zementäre Fugen werden mit einer geeigneten Reparaturmasse ausgebessert. Sind die Fugen dagegen lediglich verschmutzt, reicht möglicherweise eine gründliche Reinigung. Welche Mittel dafür geeignet sind, erklären wir im Ratgeber Fliesenfugen reinigen.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen Silikonfugen. Auf Silikon haftet gewöhnlicher Fliesenlack nicht. Viele Hersteller verlangen daher, die vorhandenen Silikonfugen vor dem Streichen vollständig zu entfernen. Dabei dürfen die dahinterliegenden Abdichtungen nicht beschädigt werden.

Nach dem Lackieren werden die Anschluss- und Bewegungsfugen neu mit einem geeigneten Silikon geschlossen. Wie Sie dabei vorgehen, erfahren Sie in unserer Anleitung Silikonfugen entfernen und neu ziehen.

Infografik mit sieben Arbeitsschritten zum Fliesenstreichen: vorbereiten, reinigen, gegebenenfalls anschleifen und grundieren, zweimal lackieren, aushärten lassen und neu verfugen.
Von der Vorbereitung bis zur neuen Silikonfuge: Die Grafik zeigt die sieben wichtigsten Arbeitsschritte beim Fliesenstreichen. Ob Anschleifen und Grundieren notwendig sind, hängt vom verwendeten Fliesenlack ab.

Schritt 3: Fliesen bei Bedarf anschleifen

Ob Sie die Fliesen anschleifen müssen, hängt vom gewählten Beschichtungssystem ab.

Bei manchen Produkten genügt eine sorgfältige Reinigung. Andere verlangen, die vorhandene Oberfläche leicht anzuschleifen, damit die Beschichtung besser haftet.

Verwenden Sie dafür nur die vom Hersteller empfohlene Körnung beziehungsweise das vorgesehene Schleifvlies. Es geht normalerweise darum, die Oberfläche für den Anstrich vorzubereiten und nicht darum, die keramische Glasur vollständig zu entfernen.

Entfernen Sie anschließend den Schleifstaub gründlich. Beachten Sie dabei die vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen. Die Fliesen müssen vor dem nächsten Arbeitsgang wieder sauber und trocken sein.

Schritt 4: Fliesen grundieren, falls vorgeschrieben

Benötigt Ihr Fliesenlack eine separate Grundierung, wird diese nun aufgetragen. Streichen Sie zunächst schwer zugängliche Stellen und Fugenbereiche mit einem geeigneten Pinsel. Größere Flächen lassen sich anschließend mit einer passenden Rolle bearbeiten.

Tragen Sie die Grundierung gleichmäßig und entsprechend den Herstellerangaben auf. Vermeiden Sie dicke Schichten und Farbnasen. Danach muss die Grundierung so lange trocknen, wie es der Hersteller vorgibt. Prüfen Sie auch, ob vor dem eigentlichen Lackieren ein Zwischenschliff erforderlich ist.

Bei einem grundierungsfreien Beschichtungssystem können Sie direkt mit dem nächsten Schritt fortfahren.

Schritt 5: Fliesenlack vorbereiten und ersten Anstrich auftragen

Rühren Sie einkomponentigen Fliesenlack vor der Verarbeitung gründlich auf.

Bei zweikomponentigem Lack geben Sie den Härter im vorgeschriebenen Mischungsverhältnis zum Stammlack und verrühren beide Bestandteile sorgfältig. Manche Produkte benötigen anschließend eine kurze Reifezeit, andere können sofort verarbeitet werden.

Bereiten Sie den Lack erst unmittelbar vor dem Anstrich vor. Gerade bei kurzer Topfzeit dürfen die Komponenten nicht schon während der vorherigen Arbeitsgänge angemischt werden.

Beginnen Sie mit einem Pinsel an den Fugen, Ecken und schwer zugänglichen Stellen. Anschließend lackieren Sie die Fliesen mit einer geeigneten Rolle.

Arbeiten Sie abschnittsweise und tragen Sie den Lack möglichst gleichmäßig auf. Rollen Sie nicht unnötig häufig über bereits antrocknende Stellen. Sonst können sichtbare Ansätze entstehen.

Achten Sie darauf, keine zu dicke Schicht aufzutragen. Mehr Lack bedeutet nicht automatisch eine bessere Deckung oder längere Haltbarkeit.

Schritt 6: Zweiten Anstrich auftragen

Viele Fliesenlacksysteme sehen zwei Anstriche vor. Dadurch lässt sich eine gleichmäßig deckende Oberfläche erzielen.

Wann der zweite Anstrich erfolgen darf, ist produktabhängig. Manche Lacke sind bereits nach wenigen Stunden überstreichbar, andere benötigen eine längere Wartezeit.

Bei einem 2K-Lack kann es notwendig sein, für den zweiten Anstrich neues Material anzumischen. Beachten Sie die Topfzeit und das vorgeschriebene Zeitfenster zwischen den Beschichtungen.

Falls der Hersteller einen Zwischenschliff empfiehlt oder verlangt, führen Sie diesen erst nach der dafür vorgesehenen Trocknungszeit durch. Entfernen Sie danach den Schleifstaub.

Den zweiten Anstrich tragen Sie ebenfalls möglichst dünn und gleichmäßig auf. Kontrollieren Sie bei gutem Licht, ob die alte Fliesenfarbe noch durchscheint oder an einzelnen Stellen ungleichmäßige Bereiche entstanden sind.

Schritt 7: Lack vollständig aushärten lassen und Fugen erneuern

Jetzt ist Geduld gefragt. Nur weil sich eine lackierte Fläche trocken anfühlt, ist die Beschichtung noch nicht vollständig belastbar.

Bei verschiedenen Fliesenlacken dauert es ungefähr sieben Tage, bis die endgültige Oberflächenbeständigkeit erreicht ist. Bei manchen Systemen kann es auch länger dauern. Die genauen Angaben stehen im technischen Merkblatt.

Vermeiden Sie während dieser Zeit unnötige mechanische Belastungen und Wasserkontakt, soweit der Hersteller dies vorschreibt. Eine zu frühe Reinigung oder Benutzung kann die frische Beschichtung beschädigen.

Erneuern Sie die zuvor entfernten Silikonfugen erst dann, wenn der Lack dafür ausreichend ausgehärtet ist. Beachten Sie auch die Aushärtungszeit des Silikons, bevor Sie die betroffenen Bereiche wieder mit Wasser belasten.

Übersicht der drei Trocknungsphasen von Fliesenlack: oberflächentrocken, überstreichbar und vollständig ausgehärtet. Die jeweiligen Wartezeiten hängen vom Produkt ab.
Oberflächentrocken, überstreichbar und vollständig ausgehärtet sind unterschiedliche Zustände. Erst nach vollständiger Aushärtung erreicht Fliesenlack seine vorgesehene Belastbarkeit. Die Wartezeiten unterscheiden sich je nach Produkt.

Kann man auch Bodenfliesen streichen?

Ja, allerdings nicht mit jedem Fliesenlack.

Bodenfliesen werden wesentlich stärker beansprucht als Wandfliesen. Schuhe, Stuhlbeine, Möbel und Schmutzpartikel belasten die Oberfläche. Außerdem können Beschichtungen die Rutschhemmung verändern.

Deshalb benötigen Sie für Bodenfliesen ein ausdrücklich freigegebenes Produkt. Ein Fliesenlack, der ausschließlich für Wandfliesen vorgesehen ist, gehört nicht auf den Fußboden.

Bei der Auswahl sollten Sie besonders auf die mechanische Belastbarkeit und die erforderliche Rutschhemmung achten. Manche Hersteller bieten dafür spezielle Beschichtungen und geeignete Zusätze an.

Bedenken Sie auch, dass sich der Boden nach dem Lackieren während der vorgeschriebenen Zeit nicht oder nur eingeschränkt nutzen lässt. Planen Sie die Renovierung entsprechend.

Darf man Fliesen in der Dusche streichen?

Auch hier kommt es auf das Beschichtungssystem an.

Viele gewöhnliche Fliesenlacke eignen sich zwar für Badezimmerwände, aber nicht für Flächen, die regelmäßig starkem Spritzwasser oder länger anhaltender Nässe ausgesetzt sind.

Es gibt spezielle Systeme, deren Hersteller eine Verwendung in Bereichen mit dauerhafter Nassbeanspruchung zulassen. Diese Produkte müssen exakt entsprechend ihrer Verarbeitungsanleitung eingesetzt werden.

Ein Fliesenanstrich ist jedoch keine Ersatzabdichtung. In Duschen und anderen wasserbeanspruchten Bereichen muss die notwendige Abdichtung hinter beziehungsweise unter dem Fliesenbelag weiterhin funktionieren.

Sind Fliesen lose, Fugen beschädigt oder Feuchteschäden vorhanden, sollten Sie deshalb nicht einfach darüberlackieren. Solche Probleme müssen zunächst untersucht und behoben werden.

Wer eine umfassende Sanierung plant, findet in unserer Anleitung zum Fliesenlegen weitere Informationen zu Untergrund, Abdichtung und Fliesenarbeiten.

Vier typische Fehler beim Fliesenstreichen: unzureichende Reinigung, verbliebene Silikonreste, zu dick aufgetragener Lack und eine zu früh belastete Beschichtung.
Fett, Kalk und Silikonreste können die Haftung von Fliesenlack beeinträchtigen. Auch zu dicke Lackschichten und eine zu frühe Belastung der Oberfläche führen häufig zu Schäden.

Wie lange hält gestrichene Fliese?

Eine allgemein gültige Lebensdauer lässt sich für Fliesenlack nicht angeben. Dafür unterscheiden sich die Produkte und die Belastungen zu stark.

Auf einer wenig beanspruchten Wandfläche können die Voraussetzungen für einen dauerhaften Anstrich günstig sein. Auf Bodenfliesen oder regelmäßig gereinigten, stark beanspruchten Flächen wird die Beschichtung deutlich stärker belastet.

Die Haltbarkeit hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:

  • Untergrund: Auf sauberen, festen und geeigneten Fliesen kann der Lack zuverlässig haften.
  • Vorbereitung: Fett, Kalk, Silikonreste und ungeeignete Reinigungsmittel können die Haftung beeinträchtigen.
  • Beschichtungssystem: Der Lack muss für die jeweilige Fläche und Beanspruchung freigegeben sein.
  • Verarbeitung: Mischungsverhältnis, Schichtdicke und Trocknungszeiten müssen stimmen.
  • Nutzung und Pflege: Scheuernde Reinigungsmittel, Kratzer und starke mechanische Belastungen können die Oberfläche beschädigen.

Auch nach vollständiger Aushärtung bleibt ein Fliesenlack eine aufgebrachte Beschichtung. Im Gegensatz zur keramischen Glasur kann er bei ungünstiger Beanspruchung zerkratzen oder sich ablösen.

Wie reinigt man gestrichene Fliesen?

Verwenden Sie zur Reinigung am besten ein weiches Tuch und einen milden Reiniger, der für die Beschichtung zugelassen ist.

Auf Scheuermilch, raue Schwämme und aggressive Reinigungsmittel sollten Sie verzichten, sofern der Hersteller diese nicht ausdrücklich erlaubt.

Auch beim Entfernen von Kalk ist Vorsicht nötig. Ein Mittel, das auf unbehandelten Keramikfliesen problemlos verwendet werden kann, muss nicht für lackierte Oberflächen geeignet sein.

Die häufigsten Fehler beim Fliesenstreichen

Die eigentliche Lackierung ist meistens nicht der schwierigste Teil. Probleme entstehen häufig vorher oder durch eine zu frühe Nutzung der beschichteten Fläche.

1. Die Fliesen werden nicht gründlich gereinigt. Fett- und Silikonreste können verhindern, dass der Lack richtig haftet. Deshalb müssen auch die Fugen und Übergänge sorgfältig vorbereitet werden.

2. Der falsche Lack wird verwendet. Ein Produkt für Wandfliesen darf nicht automatisch auf Bodenfliesen oder im Duschbereich eingesetzt werden.

3. Die Grundierung wird weggelassen, obwohl sie vorgeschrieben ist. Manche Lacke benötigen einen geeigneten Haftgrund. Ohne ihn kann sich die Beschichtung später ablösen.

4. Zweikomponentiger Lack wird zu früh angemischt. Läuft die Topfzeit während anderer Vorarbeiten ab, ist das Material möglicherweise schon vor dem Streichen unbrauchbar.

5. Der Lack wird zu dick aufgetragen. Dicke Schichten können den Trocknungsprozess beeinträchtigen und zu einem ungleichmäßigen Ergebnis führen.

6. Die Fläche wird zu früh benutzt. Überstreichbar oder oberflächentrocken bedeutet nicht vollständig ausgehärtet. Vor allem im Badezimmer sollten Sie die angegebenen Wartezeiten genau einhalten.

Fliesen streichen in der Mietwohnung: Ist das erlaubt?

Wenn Sie zur Miete wohnen, sollten Sie Fliesen nicht ohne Zustimmung des Vermieters lackieren.

Anders als bei einem gewöhnlichen Wandanstrich verändert Fliesenlack die vorhandene Keramikoberfläche dauerhaft. Die Beschichtung lässt sich normalerweise nicht einfach rückstandsfrei entfernen.

Holen Sie deshalb vor der Renovierung eine ausdrückliche schriftliche Erlaubnis ein. Halten Sie möglichst auch fest, ob die Beschichtung beim Auszug bestehen bleiben darf oder ob besondere Vereinbarungen zur Wiederherstellung gelten.

Ohne Zustimmung riskieren Sie Streit über die Veränderung der Mietsache. Ob daraus später tatsächlich ein Anspruch auf Rückbau oder Schadensersatz entsteht, hängt vom Einzelfall ab.

Fazit: Fliesen streichen lohnt sich vor allem bei intakten Wandfliesen

Sind die vorhandenen Fliesen fest, trocken und unbeschädigt, lässt sich ihre Optik mit Fliesenlack vergleichsweise einfach verändern. Besonders an Wandflächen im Bad oder in der Küche ist das eine Möglichkeit, ohne aufwendige Fliesenarbeiten auszukommen.

Entscheidend ist die Wahl des richtigen Beschichtungssystems. Achten Sie auf den vorgesehenen Einsatzbereich und halten Sie die Verarbeitungsvorgaben ein. Ob Anschleifen, Grundierung oder eine zusätzliche Beschichtung notwendig sind, entscheidet das jeweilige Produkt.

Bei Bodenfliesen und im unmittelbaren Duschbereich ist mehr Vorsicht erforderlich. Hier müssen Belastbarkeit, Rutschhemmung und Wasserbeanspruchung berücksichtigt werden. Beschädigte Fliesen oder Probleme mit der Abdichtung lassen sich durch einen Anstrich nicht beheben.

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