Undichte Fugen sehen nicht nur unschön aus. Sie stellen auch ein echtes Risiko für die Bausubstanz dar. Gelangt Wasser durch die undichten Stellen hinter die Fliesen oder die Duschwanne, kann sich dort Feuchtigkeit ansammeln. Im schlimmsten Fall droht Schimmelbildung. Gerade in Feuchträumen ist es wichtig, die Dichtungen im Auge zu behalten. Das regelmäßige Erneuern des Silikons in den Fugen beugt solchen Problemen vor.
Dieser Leitfaden für bauinteressierte Leser liefert Ihnen eine detaillierte Anleitung, wie Sie alte Silikonfugen entfernen und anschließend fachgerecht erneuern. Sie erfahren, welches Material Sie benötigen, welche Werkzeuge unverzichtbar sind und welche häufigen Fehler Sie vermeiden sollten.

Das Wichtigste in Kürze
- Regelmäßige Erneuerung: Silikonfugen sollten spätestens alle fünf bis acht Jahre erneuert werden, da die pilztötende Wirkung von Sanitärsilikon mit der Zeit nachlässt und die Fugen undicht werden können.
- Materialwahl: Verwenden Sie immer spezielles Sanitärsilikon für Feuchträume. Für Acrylbadewannen ist Acrylwannensilikon erforderlich, da herkömmliches Silikon den Untergrund angreifen kann. Verwechseln Sie Silikon nicht mit Acryl, das wasserdurchlässig wird.
- Alte Fuge entfernen: Die alte Fuge muss vollständig entfernt werden, am besten mit einem Cuttermesser oder speziellem Fugenmesser. Hartnäckige Reste lassen sich mit einem Silikonentferner lösen. Achtung: Verwenden Sie chemische Entferner nicht bei Acrylbadewannen.
- Vorbereitung: Der Untergrund muss vor dem Neuverfugen sauber, trocken und fettfrei sein. Für eine bessere Haftung empfiehlt sich ein Primer.
- Verfugen: Schneiden Sie die Kartuschenspitze schräg (45 Grad) auf. Drücken Sie die Masse gleichmäßig in die Fuge. Vermeiden Sie die Dreiflankenhaftung: Das Silikon darf nicht bis auf den Fugenboden reichen, da dies die Dichtigkeit negativ beeinflussen kann.
- Glätten: Glätten Sie die Fuge zügig (innerhalb von maximal 10 Minuten) mit einem Fugenglätter oder dem Finger. Benetzen Sie die Fuge und das Werkzeug vorher mit Seifenwasser oder verwenden Sie spezielle Feuchttücher.
- Aushärtung: Entfernen Sie das Malerkrepp (falls verwendet) sofort nach dem Glätten. Die Fuge ist erst nach mindestens 24 Stunden belastbar.
Das erwartet Sie in diesem Beitrag
- Schritt 1: Das richtige Material wählen – Silikon ist nicht gleich Silikon
- Schritt 2: Die alte Silikonfuge sorgfältig entfernen
- Schritt 3: Untergrund vorbereiten und Primer auftragen
- Schritt 4: Kanten abkleben für präzise Ergebnisse
- Schritt 5: Die Kartusche vorbereiten und Silikon einbringen
- Schritt 6: Die Fuge glätten – jetzt zählt die Geschwindigkeit
- Schritt 7: Nachbereitung und Aushärtung
- Silikonfugen auffrischen – eine Alternative
- FAQ – Fragen und Antworten zum Entfernen und Erneuern von Silikonfugen
Schritt 1: Das richtige Material wählen – Silikon ist nicht gleich Silikon
Bevor Sie mit den eigentlichen Arbeiten beginnen, ist die Materialwahl entscheidend. Auf dem Markt gibt es zahlreiche Dichtstoffe. Achten Sie genau darauf, dass Sie das passende Produkt für Ihren Einsatzzweck wählen.
Unterscheidung: Silikon versus Acryl
Zwei Dichtstoffe, die häufig verwechselt werden, sind Silikon und Acryl. Sie kommen oft in gleichen Tuben und besitzen eine ähnliche Konsistenz. Allerdings zeigen sich Unterschiede beim Verarbeiten und in der Anwendung:
- Acryl wirkt meist matter und bildet beim Verreiben mit dem feuchten Finger kleine Röllchen.
- Acryl hat den großen Nachteil, dass es bei dauerhaft höherer Feuchtigkeit wasserdurchlässig wird. Daher ist Acryl für den Einsatz in Duschen, Wannen oder direkt am Waschbecken ungeeignet.
Sie sollten in Feuchträumen immer ein spezielles Sanitärsilikon verwenden. Diesem Silikon sind spezielle pilztötende Stoffe zugesetzt, welche die Schimmelpilzbildung hemmen. Beachten Sie jedoch: Die pilztötende Wirkung ist nicht dauerhaft und schwächt sich mit der Zeit ab. Dies ist ein wichtiger Grund für die empfohlene regelmäßige Erneuerung.
Spezialfall: Acrylwanne
Haben Sie es mit einer Acrylbadewanne zu tun, benötigen Sie ein spezielles Acrylwannensilikon. Herkömmliche Silikone können mit der Zeit die Oberfläche der Acrylwanne angreifen. Eine solche Beschädigung könnte dazu führen, dass die Wanne undicht wird.
Schritt 2: Die alte Silikonfuge sorgfältig entfernen
Bevor Sie eine neue Fuge anlegen, müssen Sie die alte Dichtung komplett und gründlich entfernen. Die neue Masse haftet nur optimal auf einem sauberen Untergrund.
Das Entfernen gelingt am besten mit einem scharfen Cuttermesser oder einem speziellen Fugenkratzer. Setzen Sie das Werkzeug an der oberen und unteren Kante der Silikonnaht an und schneiden Sie entlang der Kante, um die Haftung zum Untergrund zu trennen. Anschließend können Sie den gelösten Silikonstrang meist in einem Stück abziehen.
Mit chemischer Hilfe gegen Reste
Trotz aller Sorgfalt bleiben oft hartnäckige Silikonreste haften. Diese können Sie mit einem chemischen Silikonentferner beseitigen. Tragen Sie das Mittel mit einem Pinsel sorgfältig auf die betroffenen Stellen auf und beachten Sie dabei unbedingt die Einwirkzeit des Herstellers. Danach lassen sich die angelösten Reste wesentlich einfacher mit einer Kunststoffspachtel oder dem Cuttermesser entfernen.
Wichtiger Hinweis: „Vorsicht: das chemische Mittel nicht bei einer Acrylbadewanne verwenden.“
Nach der Anwendung des chemischen Entferners müssen Sie den Arbeitsbereich sehr gut lüften und alle Oberflächen gründlich reinigen, bevor Sie mit dem Verfugen starten. Achten Sie darauf, den Abfluss zu schließen, damit keine alten Silikon- oder Entfernerreste ins Abwasser gelangen.

Schritt 3: Untergrund vorbereiten und Primer auftragen
Ist das alte Silikon vollständig entfernt, muss der Untergrund perfekt vorbereitet werden. Die Flächen rund um die Fuge müssen sauber, trocken und vor allem fettfrei sein. Reinigen Sie die Oberflächen gründlich, um Schmutz und Rückstände zu beseitigen.
Für eine optimale Haftung der neuen Silikonmasse empfiehlt sich das Auftragen eines Primers (Haftvermittlers). Diesen bringen Sie mit einem kleinen Pinsel auf die Fugenflanken auf und lassen ihn einige Minuten gemäß Herstelleranweisung einwirken und trocknen.
Schritt 4: Kanten abkleben für präzise Ergebnisse
Für erfahrene Profis ist dieser Schritt optional, aber für Heimwerker, die nicht regelmäßig Silikonfugen ziehen, ist das Abkleben der Kanten ratsam.
Verwenden Sie Malerkrepp, um die Kanten in einer geraden Linie abzukleben. Dadurch verhindern Sie Schmierereien, und die Fuge erhält später eine schöne, gleichmäßige Form. Der Abstand zwischen den beiden Klebestreifen definiert die Breite der neuen Fuge.
Als Anhaltspunkt für die Fugenbreite orientieren Sie sich an der alten Fuge und geben Sie ein bis zwei Millimeter hinzu. Der Grund: Silikon schrumpft im Laufe der Jahre etwas zusammen.
Schritt 5: Die Kartusche vorbereiten und Silikon einbringen
Bevor Sie die Dichtmasse in die Fuge drücken, muss die Silikonkartusche vorbereitet werden:
- Kartuschenspitze abschneiden: Schneiden Sie die Spitze der Kartusche schräg in einem Winkel von etwa 45 Grad ab. Je tiefer Sie schneiden, desto breiter wird der Austritt. Ein schräger Schnitt verhindert, dass die Masse beim Ausfugen zu sehr verschmiert und lässt sich später leichter glätten.
- Kartuschentube öffnen: Schneiden Sie die Kartuschentube oben auf, am besten mit einem Cuttermesser.
- Montage: Setzen Sie die aufgeschnittene Spitze auf die Tube und spannen Sie die Kartusche in die Kartuschen- oder Silikonspritze.
Dichtmasse gleichmäßig auftragen
Setzen Sie die Spitze der Spritze in einer Ecke an und bewegen Sie die Kartuschenpistole gleichmäßig entlang der Fuge.
Achtung vor der Dreiflankenhaftung: Achten Sie darauf, die Silikonmasse nicht zu tief in die Fuge zu drücken.
„Die Masse sollte nicht bis auf den Grund der Fuge reichen.“
Reicht die Masse bis auf den Boden der Fuge, entsteht die sogenannte Dreiflankenhaftung. Diese kann dazu führen, dass die Fuge später unter Bewegung oder Spannung reißt und undicht wird. Die Masse sollte nur an den beiden Flanken haften. Verwenden Sie im Zweifelsfall erst einmal etwas weniger Silikon.
Tipp zur Kartuschenpistole:
„Ist die Kartuschenpistole gerade nicht in Betrieb, solltest du immer die Spannfeder am hinteren Ende lösen. Ansonsten kann es passieren, dass weiterhin Dichtmasse herausgedrückt wird.“

Schritt 6: Die Fuge glätten – jetzt zählt die Geschwindigkeit
Sobald die Dichtmasse in der Fuge ist, müssen Sie schnell handeln, denn Silikon bildet relativ zügig eine Haut und lässt sich dann nicht mehr gut bearbeiten. Das Zeitfenster zwischen Auftragen und Glätten beträgt oft nicht mehr als zehn Minuten.
Das Glätten sorgt für eine gleichmäßige und dichte Oberfläche. Dafür verwenden Sie am besten einen Fugenglätter aus Kunststoff. Diese sind in verschiedenen Größen erhältlich, sodass Sie die passende Form zur Fugenbreite wählen können.
Hilfsmittel für das Glätten
Bevor Sie glätten, müssen Sie die Fuge und das Glättwerkzeug benetzen. Hierfür gibt es zwei verbreitete Methoden:
- Seifenwasser-Trick: Sprühen Sie das frische Silikon mit einer Mischung aus Wasser und Spülmittel ein. Dadurch entsteht ein Schutzfilm.
- Kritik am Seifenwasser-Trick: Einige Fachleute warnen, dass diese Methode die Fuge matt und stumpf erscheinen lassen kann. Ein größeres Problem: Gelangt die Wasser-Spülmittel-Mischung zwischen Silikon und Untergrund, verschlechtert sich die Haftung der Fuge.
- Feuchttücher-Variante: Alternativ reiben Sie den Fugenglätter mit Babyfeuchttüchern ab. Das darin enthaltene Öl verhindert das Anhaften des Silikons und ermöglicht eine saubere Bearbeitung.
Ziehen Sie die Fuge gleichmäßig und, wenn möglich, in einem einzigen Rutsch ab. Setzen Sie zwischendurch nicht ab, da sonst unschöne, wellige Stellen entstehen, die sich kaum korrigieren lassen.
Selbstverständlich können Sie auch den angefeuchteten Finger verwenden, um die Fuge abzuziehen. Ob das Ergebnis jedoch so gleichmäßig wird wie mit einem Kunststoffabzieher, hängt stark von Ihrer Übung ab.
Schritt 7: Nachbereitung und Aushärtung
Nach dem Glätten ist der vorletzte wichtige Schritt das Entfernen des Malerkrepps (falls Sie eines verwendet haben).
Wichtig: Entfernen Sie das Kreppband sofort, solange das Silikon noch nass ist. Warten Sie keinesfalls, bis die Fuge getrocknet ist. Ansonsten reißt das anhaftende Silikon am Rand ab und Sie erhalten ein unsauberes Ergebnis.
Prüfen Sie, ob irgendwo überschüssiges Silikon haftet, wo es nicht hingehört. Dieses lässt sich mit einem scharfen Messer sorgfältig entfernen. Auch wenn die Fuge bereits nach kurzer Zeit trocken und fest aussieht, dauert die vollständige Durchhärtung länger.
Es ist ratsam, mindestens 24 Stunden zu warten, bevor Sie die Fuge wieder mit Wasser belasten, also beispielsweise duschen. Bei sehr breiten Fugen kann die Aushärtungszeit sogar noch länger sein.
Hier gilt es, die genauen Herstellerangaben auf der Kartusche zu beachten. Eine zu frühe Belastung kann die neue Fuge beschädigen und zu Undichtigkeiten führen. Als Faustregel gilt oft: Pro Millimeter Schichtdicke sollten Sie etwa einen Tag Trockenzeit rechnen.
Silikonfugen auffrischen – eine Alternative
Manchmal ist ein kompletter Austausch der Fuge nicht zwingend notwendig. Ist die alte Dichtung lediglich unansehnlich, aber noch intakt und frei von Schimmel und Rissen, können Sie sie auffrischen.
Dafür ziehen Sie einfach eine dünne, neue Schicht Silikon (etwa ein bis zwei Millimeter stark) über die bestehende Fuge. Dies spart Ihnen das zeitaufwendige Entfernen der alten Dichtung. Auch hier müssen Sie die Aushärtungszeit beachten. Nach wenigen Stunden kann die aufgefrischte Fuge oft wieder genutzt werden. Weist die Fuge jedoch Schäden oder Schimmel auf, ist die vollständige Erneuerung unverzichtbar.
FAQ – Fragen und Antworten zum Entfernen und Erneuern von Silikonfugen
Wie oft muss ich Silikonfugen erneuern?
Experten empfehlen, Silikonfugen spätestens alle fünf bis acht Jahre zu erneuern. Die tatsächliche Haltbarkeit hängt stark von der Beanspruchung und den Umgebungsbedingungen ab. In stark genutzten Bereichen wie Duschen kann der Verschleiß schneller eintreten. Sobald Sie Schimmel, Risse oder Ablösungen an der Fuge bemerken, sollten Sie diese sofort austauschen.
Kann ich neues Silikon auf altes Silikon auftragen?
Unter bestimmten Voraussetzungen ist dies möglich. Die bestehende Silikonfuge muss dafür intakt, sauber und schimmelfrei sein. Ist dies der Fall, können Sie eine dünne neue Schicht Silikon auftragen, um die Fuge aufzufrischen. Bei sichtbaren Schäden, Rissen oder Schimmel ist immer die vollständige Entfernung und Erneuerung der Fuge notwendig.
Wie bekomme ich alte Silikonfugen am besten weg?
Am effektivsten entfernen Sie die Fugen, indem Sie sie mit einem Cuttermesser oder einem speziellen Fugenmesser entlang der Kanten vom Untergrund trennen und den Silikonstrang herausziehen. Hartnäckige Reste lassen sich durch vorsichtiges Abschaben oder durch den Einsatz eines Silikonentferners anlösen. Reinigen Sie die Flächen nach der Verwendung von chemischen Mitteln sehr gründlich.
Wann kann ich nach dem Neuverfugen wieder duschen?
Sie sollten mindestens 24 Stunden warten, bevor Sie die neu gezogene Silikonfuge mit Wasser belasten. Erst nach dieser Zeit ist die Dichtung ausreichend durchgetrocknet und voll belastbar. Bei besonders breiten Fugen oder hoher Luftfeuchtigkeit kann die Wartezeit sogar länger sein. Halten Sie sich unbedingt an die genauen Aushärtezeiten des Herstellers.
















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