Terrassenüberdachung montieren: Diese 8 Punkte müssen vor dem Aufbau geklärt sein

Von Dominik Hochwarth

Eine Terrassenüberdachung lässt sich als Bausatz meist recht schnell aufstellen. Die Probleme entstehen meist vorher: Reicht die Höhe an der Hauswand für das notwendige Dachgefälle? Trägt der Untergrund die Pfosten? Woraus besteht die Wand, an der das Dach befestigt werden soll? Und darf die Überdachung an der geplanten Stelle überhaupt gebaut werden?

Wer solche Fragen erst während der Montage klärt, muss im ungünstigsten Fall Fundamente verändern, andere Befestigungsmittel besorgen oder die gesamte Konstruktion neu planen. Diese acht Punkte sollten deshalb feststehen, bevor das Material auf der Terrasse liegt.

Große Terrassenüberdachung aus Holz mit transparenter Dacheindeckung über einer möblierten Terrasse an einem Wohnhaus.
Eine Terrassenüberdachung erweitert den nutzbaren Außenbereich. Vor dem Aufbau sollten jedoch Maße, Fundament, Befestigung, Entwässerung und örtliche Bauvorschriften geklärt sein.

Das Wichtigste in Kürze

  • Prüfen Sie nicht nur Breite und Tiefe, sondern auch Anschlusshöhe und Dachgefälle.
  • Eine vorhandene Terrasse ist nicht automatisch ein geeignetes Fundament für die Pfosten.
  • Bei einer Wandmontage muss der tatsächliche tragende Wandbaustoff bekannt sein.
  • Wind- und Schneelasten gehören zur Planung einer Überdachung.
  • Regenwasser braucht einen festgelegten Ablaufweg.
  • Eine spätere Verglasung sollte technisch und baurechtlich von Anfang an berücksichtigt werden.
  • Ob eine Terrassenüberdachung genehmigungsfrei oder verfahrensfrei ist, richtet sich nach dem jeweiligen Landesrecht.
  • Auch ein verfahrensfreies Bauvorhaben muss beispielsweise Bebauungsplan und Abstandsflächen einhalten.

1. Standort und Abmessungen genau festlegen

Breite und Tiefe sind nur ein Teil der Planung. Mindestens ebenso wichtig ist die Höhe. Bei einer an der Hauswand befestigten Überdachung gibt die mögliche Anschlusshöhe mit vor, welches Gefälle sich bis zur Vorderkante herstellen lässt. Deshalb sollten Sie nicht einfach von der gewünschten Durchgangshöhe ausgehen.

Prüfen Sie vor dem Kauf unter anderem:

  • Fenster und Terrassentüren,
  • Rollladen- und Raffstorekästen,
  • Dachüberstände,
  • Fallrohre,
  • Außenleuchten,
  • Lüftungsöffnungen,
  • vorhandene Leitungen und
  • andere Bauteile an der Fassade.

Auch die Nutzung der Terrasse spielt eine Rolle. Ein kleiner Tisch benötigt weniger überdachte Fläche als eine große Sitzgruppe. Gleichzeitig bedeutet ein größeres Dach höhere Lasten und häufig aufwendigere Fundamente.

Wer verschiedene Systeme vergleicht, kann beispielsweise eine Terrassenüberdachung kaufen, bei der Tragwerk, Dach und Zubehör bereits aufeinander abgestimmt sind. Trotzdem muss das System zu den Abmessungen und baulichen Gegebenheiten vor Ort passen.

Einen allgemeinen Überblick über Materialien und Konstruktionsarten finden Sie in unserem Beitrag Terrassenüberdachung: Vorteile, Materialien und Montage.

2. Prüfen, ob der Untergrund die Pfosten tragen kann

Ein häufiger Denkfehler lautet: Die Terrasse ist gepflastert, also können die Pfosten darauf befestigt werden. So einfach ist es nicht.

Pflastersteine oder Terrassenplatten tragen Gartenmöbel problemlos. Daraus folgt aber nicht, dass sie auch die Kräfte einer Überdachung dauerhaft in den Boden ableiten können. Neben dem Eigengewicht wirken insbesondere Windkräfte auf die Konstruktion. Dabei können an den Pfosten nicht nur Druck-, sondern auch Zugkräfte entstehen.

Je nach Konstruktion, Baugrund und Herstellervorgaben kommen beispielsweise Punktfundamente, Streifenfundamente, eine ausreichend dimensionierte Betonplatte oder andere dafür vorgesehene Gründungssysteme infrage.

Der vorhandene Aufbau der Terrasse sollte deshalb geprüft werden, bevor Löcher gebohrt werden. Wie sich unterschiedliche Unterbauten für Terrassen unterscheiden, erklären wir ausführlich im Beitrag zur Frage, welche Konstruktion beziehungsweise welches Fundament für eine Terrasse geeignet ist.

Wichtig ist dabei die Unterscheidung: Ein tragfähiger Terrassenunterbau ist nicht automatisch ein ausreichend bemessenes Fundament für die Pfosten einer Überdachung.

Vergleich zwischen Pfosten auf Terrassenplatten und einer tragfähigen Gründung mit Pfostenträger, Betonfundament und Baugrund.
Terrassenplatten oder Pflastersteine sind nicht automatisch als Fundament für eine Terrassenüberdachung geeignet. Die Lasten aus Eigengewicht, Schnee und Wind müssen sicher über Pfostenträger und Fundament in den tragfähigen Baugrund eingeleitet werden.

3. Wandaufbau und Befestigung klären

Soll die Überdachung am Haus befestigt werden, muss bekannt sein, woran sie tatsächlich verankert wird. Putz oder Dämmstoff allein sind dafür kein tragfähiger Untergrund.

Unter einer Fassade können beispielsweise liegen:

Das macht einen erheblichen Unterschied bei der Auswahl des Befestigungssystems. Bei einem Wärmedämmverbundsystem muss eine hoch belastete Befestigung in der Regel durch die Dämmschicht hindurch bis in einen geeigneten tragenden Untergrund geführt werden. Auch Wärmebrücken und die druckfeste Überbrückung der Dämmschicht können eine Rolle spielen.

Warum sich schwere Bauteile nicht einfach nach einer Kilogrammangabe auf einer Dübelpackung befestigen lassen, zeigen wir im Ratgeber Schwere Lasten befestigen: Welcher Dübel hält in Beton und Mauerwerk?. Dort geht es auch um WDVS, Randabstände sowie Zug-, Quer- und Hebelkräfte. Bei Unsicherheit über den Wandaufbau oder die erforderliche Verankerung sollte die Befestigung fachlich geplant werden.

Schnitt durch eine gedämmte Außenwand mit falscher Befestigung im Dämmstoff und richtiger Verankerung im tragenden Mauerwerk.
Putz und Wärmedämmung sind kein tragfähiger Befestigungsgrund. Bei einer gedämmten Fassade muss die Last der Terrassenüberdachung mit einem geeigneten Befestigungssystem in den tragenden Wandbaustoff eingeleitet werden.

4. Dachgefälle und Wandanschluss zusammen planen

Regenwasser muss vom Dach ablaufen können. Deshalb benötigt eine Terrassenüberdachung ein zum jeweiligen Dachsystem passendes Gefälle.

Wie groß dieses ausfallen muss, lässt sich nicht sinnvoll mit einer einzigen Faustregel beantworten. Glas, Stegplatten und andere Dacheindeckungen können unterschiedliche Mindestgefälle und Konstruktionsvorgaben besitzen. Maßgeblich sind deshalb die Angaben des jeweiligen Systems.

Das Gefälle wirkt sich unmittelbar auf die Höhen aus. Soll die Vorderkante beispielsweise eine bestimmte Durchgangshöhe behalten, muss der Anschluss an der Hauswand entsprechend höher liegen.

Auch der Übergang zwischen Dach und Fassade verdient Aufmerksamkeit. Dort darf Regenwasser nicht hinter den Anschluss gelangen und in Wandaufbau oder Wärmedämmung eindringen.

Deshalb sollten Anschlusshöhe, Gefälle, Wandprofil und Abdichtung gemeinsam geplant werden – nicht erst während der Montage.

Vergleich einer richtig und falsch geplanten Terrassenüberdachung mit Wandanschluss, Dachgefälle, Durchgangshöhe, Rollladenkasten und Regenrinne.
Anschlusshöhe, Dachgefälle und Durchgangshöhe müssen zusammenpassen. Ist der Wandanschluss zu niedrig, bleibt entweder zu wenig Gefälle oder die Vorderkante der Überdachung sitzt zu tief.

5. Wind- und Schneelasten berücksichtigen

Eine Terrassenüberdachung trägt nicht nur ihr eigenes Gewicht. Auf die Dachfläche wirken Wind und im Winter gegebenenfalls Schnee.

Vor allem Wind kann eine Überdachung in unterschiedliche Richtungen beanspruchen. Neben Druck auf die Konstruktion kann Windsog versuchen, Dach und Verankerungen anzuheben. Je größer die Dachfläche ist, desto wichtiger werden deshalb Tragwerk, Pfosten und Befestigungen.

Auch die Schneelast ist nicht überall gleich. Sie hängt unter anderem vom Standort und den dort geltenden Schneelastbedingungen ab.

Bei einem Bausatz sollten Sie deshalb prüfen, für welche Lastannahmen das System ausgelegt ist. Änderungen an Stützenabständen, Dachmaßen oder Tragprofilen dürfen nicht einfach nach Gefühl vorgenommen werden.

Das gilt besonders bei großen Überdachungen und in Regionen mit erhöhten Schnee- oder Windbeanspruchungen.

6. Entwässerung festlegen, bevor das Dach steht

Bei einem Regenschauer kommen auf einer größeren Dachfläche schnell erhebliche Wassermengen zusammen. Das Wasser sollte deshalb einen geplanten Weg bekommen.

Zu klären sind insbesondere:

  • Wo sitzt die Dachrinne?
  • Auf welcher Seite befindet sich das Fallrohr?
  • Wohin gelangt das Wasser anschließend?
  • Kann es auf dem Grundstück versickern?
  • Besteht die Gefahr, dass Wasser zur Hauswand oder auf die Terrasse zurückläuft?

Wer Regenwasser auf dem eigenen Grundstück versickern lassen möchte, sollte Bodenbeschaffenheit, verfügbare Fläche und örtliche Vorgaben berücksichtigen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag Regenwasser versickern auf dem Grundstück: Das müssen Hausbesitzer beachten.

Den Ablauf erst nach der Montage festzulegen, kann problematisch werden. Die Position von Rinne und Fallrohr sollte deshalb bereits bei der Planung feststehen.

7. Eine spätere Verglasung von Anfang an mitdenken

Vielleicht möchten Sie zunächst nur ein Dach und später eine oder mehrere Seiten schließen. Dann sollte diese Möglichkeit von Anfang an berücksichtigt werden.

Eine Glasschiebewand benötigt beispielsweise geeignete Führungsschienen und einen ausreichend ebenen und tragfähigen Untergrund. Gleichzeitig entstehen zusätzliche Windlasten auf die Konstruktion.

Auch baurechtlich kann die Nachrüstung relevant werden.

Das Bauportal Nordrhein-Westfalen weist ausdrücklich darauf hin, dass eine Konstruktion nicht mehr als Terrassenüberdachung im Sinne der entsprechenden Vorschrift gilt, wenn der Bereich beispielsweise durch feststehende oder verschiebbare Glaselemente allseitig geschlossen werden kann. Dann kann baurechtlich ein Wintergarten vorliegen.

Die spätere Verglasung sollte deshalb nicht nur als Zubehör betrachtet werden. Tragwerk, Untergrund und Baurecht gehören ebenfalls in die Überlegungen.

Welche zusätzlichen Fragen bei einem geschlossenen Raum entstehen, erläutern wir im Beitrag Wintergarten bauen: Was bei Genehmigung, GRZ und Grenzabstand gilt.

8. Bauvorschriften prüfen, bevor Sie bestellen

Ob Sie für eine Terrassenüberdachung eine Baugenehmigung benötigen, lässt sich nicht deutschlandweit mit einer einzigen Größenangabe beantworten. Das Bauordnungsrecht ist Ländersache.

Informieren Sie sich deshalb vor der Bestellung über die für Ihren Standort geltenden Bauvorschriften.

Für Nordrhein-Westfalen gilt derzeit beispielsweise: Terrassenüberdachungen mit bis zu 30 m² Fläche und bis zu 4,50 m Tiefe sind nach § 62 BauO NRW verfahrensfrei. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie beliebig auf dem Grundstück errichtet werden dürfen.

Zu beachten sein können unter anderem:

  • Bebauungsplan,
  • Baugrenzen,
  • Abstandsflächen,
  • örtliche Gestaltungssatzungen,
  • Denkmalschutz und
  • weitere öffentlich-rechtliche Vorschriften.

Das Bauportal NRW weist ausdrücklich darauf hin, dass auch verfahrensfreie Vorhaben die geltenden öffentlich-rechtlichen Anforderungen erfüllen müssen.

Existiert ein Bebauungsplan, sollten Sie insbesondere prüfen, wo auf dem Grundstück gebaut werden darf. Wie Baugrenzen, GRZ und andere Angaben zu lesen sind, erklären wir im Beitrag Bebauungsplan verstehen: Was GRZ, GFZ, WA, Baugrenze und Co. bedeuten.

Welche Materialien eignen sich für eine Terrassenüberdachung?

Erst wenn Standort, Fundament und Konstruktion grundsätzlich geklärt sind, lohnt der Blick auf Material und Optik.

Aluminium wird häufig eingesetzt, weil es vergleichsweise pflegeleicht ist. Holz ermöglicht eine andere Gestaltung, benötigt aber je nach Holzart und Konstruktion mehr Pflege.

Bei der Dacheindeckung sind unter anderem Glas und Polycarbonat verbreitet. Polycarbonat ist vergleichsweise leicht. Glas bringt mehr Gewicht in die Konstruktion und stellt entsprechende Anforderungen an Tragwerk und Montage.

Bei transparenten Dächern sollte außerdem der sommerliche Sonnenschutz bedacht werden. Ein durchsichtiges Dach schützt vor Regen, spendet aber nicht automatisch ausreichend Schatten. Je nach Lage der Terrasse kann eine zusätzliche Beschattung sinnvoll sein.

Checkliste: Vor der Bestellung einmal alles durchgehen

Bevor Sie die Terrassenüberdachung bestellen, sollten acht Fragen mit Ja beantwortet sein:

  1. Stehen Breite, Tiefe, Anschluss- und Durchgangshöhe fest?
  2. Ist geklärt, worauf die Pfosten gegründet werden?
  3. Ist der Wandaufbau bekannt und die Befestigung dafür geeignet?
  4. Passen Dachgefälle und Wandanschluss zusammen?
  5. Ist die Konstruktion für die am Standort anzusetzenden Wind- und Schneelasten vorgesehen?
  6. Ist klar, wohin das Regenwasser geleitet wird?
  7. Ist eine spätere Verglasung technisch und baurechtlich berücksichtigt?
  8. Sind Genehmigungspflicht beziehungsweise Verfahrensfreiheit, Bebauungsplan und Abstände geprüft?

Sind diese Punkte geklärt, sinkt das Risiko deutlich, erst während der Montage auf ein Problem zu stoßen.

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