Dübel hält nicht mehr: Wann Sie das Bohrloch retten können – und wann Sie neu bohren müssen

Von Dominik Hochwarth

Der Dübel dreht sich im Loch, das Regal hängt schief – und beim Herausziehen kommt vielleicht sogar ein Stück Wand mit. Jetzt einfach den nächstgrößeren Dübel hineinzustecken, ist verlockend. Das kann funktionieren. Es kann das Bohrloch aber auch endgültig ruinieren.

Denn ein lockerer Dübel kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Manchmal ist nur das Loch etwas zu groß. Manchmal passt die Schraube nicht zum Dübel. Problematischer wird es, wenn der Putz ausbricht oder der Baustoff rund um das Loch bereits bröselt.

Bevor Sie etwas reparieren, sollten Sie deshalb drei Fragen klären: Wie stark ist das Bohrloch beschädigt? Ist der Untergrund rundherum noch fest? Und welche Last soll später daran hängen?

Hand zieht einen grauen Kunststoffdübel mit Schraube aus einem ausgebrochenen Bohrloch in einer verputzten Wand.
Wenn der Dübel samt Schraube aus der Wand kommt, ist oft nicht nur der Dübel das Problem. Entscheidend ist, wie stark das Bohrloch und der Untergrund beschädigt sind.

Das Wichtigste in Kürze

ProblemWas kann helfen?
Dübel dreht durchSchraubendurchmesser und Dübelgröße prüfen
Bohrloch etwas zu großgrößeren passenden Dübel oder Reparaturvlies prüfen
Bohrloch ausgebrochendafür vorgesehenes Reparatursystem verwenden
Putz bricht herausBefestigung im tragfähigen Wandbaustoff prüfen
Wandmaterial bröseltandere Befestigungsstelle oder geeignetes System prüfen
Lochstein ist beschädigtBefestigungssystem und neue Position prüfen
schwere oder sicherheitsrelevante Lastnicht improvisieren, Herstellervorgaben beachten

Dübel hält nicht mehr: Was kann die Ursache sein?

Ein Dübel funktioniert nur zuverlässig, wenn Wandbaustoff, Bohrloch, Dübel und Schraube zusammenpassen.

Häufige Ursachen für einen lockeren Dübel sind:

  • das Bohrloch ist zu groß,
  • der Bohrer wurde während des Bohrens verkantet,
  • der Untergrund ist weich oder bröselig,
  • der Dübel passt nicht zum Wandbaustoff,
  • die Schraube ist zu dünn oder zu kurz,
  • der Dübel sitzt teilweise nur im Putz,
  • ein Lochstein wurde beim Bohren beschädigt,
  • die Belastung ist größer als ursprünglich angenommen.

Bevor Sie das Loch reparieren, ziehen Sie den alten Dübel heraus und schauen Sie sich sowohl ihn als auch die Bohrung an.

Falls bereits beim Bohren etwas schiefgeht: Welche Maschine, welcher Bohrer und welches Bohrverfahren für Beton, Ziegel, Fliesen oder andere Baustoffe geeignet sind, erklären wir ausführlich in unserem Ratgeber „Richtig bohren: Welche Maschine und welcher Bohrer passen?“.

Entscheidungsbaum für lockere Dübel mit vier Fällen: falsche Schraube, zu großes Bohrloch, beschädigter Untergrund und schwere Last.
Ein lockerer Dübel kann verschiedene Ursachen haben. Entscheidend ist, ob nur Dübel oder Schraube nicht passen, das Bohrloch beschädigt ist oder der Untergrund selbst nicht mehr trägt.

Dübel dreht durch: Vielleicht liegt es nur an der Schraube

Dreht sich ein Kunststoffdübel beim Einschrauben einfach mit, muss das Bohrloch nicht zwangsläufig kaputt sein.

Eine mögliche Ursache ist eine zu dünne Schraube. Kunststoffdübel benötigen einen bestimmten Schraubendurchmesser, damit sie sich ausreichend spreizen oder im Baustoff verknoten können. Welcher Bereich zulässig ist, gibt der Dübelhersteller an.

Auch eine zu kurze Schraube kann Probleme verursachen.

Prüfen Sie daher zunächst:

  • Ist die Schraube dick genug?
  • Ist sie lang genug?
  • Passt der Dübel zum Wandbaustoff?
  • Hat das Bohrloch den vorgesehenen Durchmesser?

Stimmt bereits die Kombination aus Dübel und Schraube nicht, lässt sich das Problem unter Umständen lösen, ohne das Bohrloch zu verändern. Hersteller wie fischer weisen ebenfalls darauf hin, dass falsche Schrauben, Fehler beim Bohren und eine falsch eingeschätzte Tragfähigkeit Ursachen für lockere Dübel sein können.

Vier Lösungen für ein zu großes Bohrloch: größerer Dübel, Reparaturvlies, Reparaturmasse und neues Bohrloch.
Ein zu großes Bohrloch lässt sich je nach Schaden mit einem größeren passenden Dübel, Reparaturvlies oder Reparaturmasse retten. Bei stark geschädigtem Untergrund ist neu bohren oft sinnvoller.

Bohrloch zu groß: Diese Möglichkeiten gibt es

Ein misslungenes Bohrloch bedeutet nicht automatisch, dass Sie an einer anderen Stelle neu bohren müssen. Je nach Schaden kommen mehrere Lösungen infrage.

1. Einen größeren Dübel verwenden

Ist das Loch nur geringfügig zu groß und das Wandmaterial rundherum fest, kann ein größerer Dübel funktionieren.

Ein ausgeschlagenes 8-mm-Loch wird aber nicht allein dadurch zu einem passenden 10-mm-Bohrloch, dass Sie einen 10-mm-Dübel hineindrücken.

Das neue Loch muss zur Geometrie des größeren Dübels passen. Ist es schief, stark ausgefranst oder nur an einzelnen Stellen erweitert, kann der Dübel seine Kräfte möglicherweise nicht sauber in die Wand übertragen.

Außerdem müssen Schraube, Dübel und vorhandener Platz zusammenpassen.

2. Reparaturvlies verwenden

Für zu große oder ausgerissene Bohrlöcher gibt es spezielle Reparaturvliese. Sie werden angefeuchtet, um einen Kunststoffdübel gewickelt und anschließend zusammen mit diesem in das beschädigte Loch geschoben.

Das Vlies härtet aus und füllt den Zwischenraum zwischen Dübel und Wand.

Solche Systeme sind ausdrücklich für beschädigte Bohrlöcher gedacht. Beim fischer-System FixIt sind je nach Lochgröße auch mehrere Lagen möglich. Der Hersteller nennt unter anderem Beton, Vollziegel, Kalksandstein, Porenbeton und verschiedene Lochsteine als mögliche Untergründe.

Das ist etwas völlig anderes als ein Stück Papier oder einen Holzsplitter neben den Dübel zu stecken: Das Reparaturvlies wurde eigens für diesen Anwendungsfall entwickelt.

3. Reparaturmasse oder Flüssigdübel einsetzen

Eine weitere Möglichkeit sind spezielle Reparaturmassen, die in das beschädigte Bohrloch eingebracht werden und dort aushärten.

Solche Produkte eignen sich je nach System beispielsweise für:

  • zu groß gebohrte Löcher,
  • kleinere Ausbrüche,
  • schwierige oder poröse Untergründe,
  • Beton,
  • Voll- und Lochstein,
  • Porenbeton.

Aber Vorsicht mit pauschalen Aussagen zur Belastbarkeit.

Einige dieser Produkte sind ausdrücklich nur für leichte Befestigungen vorgesehen. Würth nennt bei seinem WIT-FIX beispielsweise Handtuchhalter, Gardinenschienen, leichte Regale, Bilder, Spiegel und Lampen.

Aus einem reparierten Bohrloch wird also nicht automatisch eine Schwerlastbefestigung. Maßgeblich sind immer die Angaben des jeweiligen Systems zum Untergrund und zur Belastung.

4. An anderer Stelle neu bohren

Ist das Loch stark ausgebrochen oder der Baustoff rundherum geschädigt, ist eine neue Befestigungsstelle häufig sinnvoller.

Allerdings sollten Sie nicht einfach zwei Zentimeter daneben das nächste Loch setzen. Dazu später mehr.

Bohrloch reinigen, bevor Sie es reparieren

Bei Reparatur- und Injektionssystemen gehört die Vorbereitung zum System.

Loses Wandmaterial und Bohrstaub sollten entfernt werden. Je nach Produkt schreibt der Hersteller dafür bestimmte Arbeitsschritte vor. Bei einem Reparaturvlies kann beispielsweise bereits das Entfernen beziehungsweise Ausblasen von Bohrstaub zur Montage gehören.

Bei chemischen Befestigungssystemen können die Vorgaben deutlich umfangreicher sein.

Deshalb gilt: Nicht irgendeine Reparaturmasse ins staubige Loch drücken, sondern die Montageanleitung des verwendeten Produkts beachten.

Spachtelmasse ins Bohrloch – reicht das?

Ein altes Bohrloch mit Wandspachtel zu verschließen, ist problemlos möglich. Dafür ist Spachtelmasse gedacht.

Etwas anderes ist es, wenn Sie an exakt derselben Stelle wieder einen belasteten Dübel setzen möchten.

Normale Spachtelmasse ist nicht automatisch ein geprüftes Befestigungssystem. Dass das Loch nach der Reparatur wieder glatt aussieht, sagt nichts darüber aus, welche Last es aufnehmen kann.

Für sehr geringe Lasten werden zwar auch Lösungen mit Gips verwendet. Wer eine belastbare Befestigung benötigt, sollte daraus aber keine allgemeine Tragfähigkeit ableiten.

Besser ist ein Produkt, das ausdrücklich für die Reparatur von Bohrlöchern und die anschließende Befestigung vorgesehen ist.

Vergleich eines mit Zahnstochern improvisierten Dübels mit einem Dübel in einem vorgesehenen Reparatursystem.
Zahnstocher oder Holzsplitter können einen Dübel zwar festklemmen, liefern aber keine definierte Tragfähigkeit. Ein vorgesehenes Reparatursystem wird dagegen nach Herstellerangaben eingesetzt.

Zahnstocher im Bohrloch: Warum der Dübel damit zwar klemmt, aber nicht berechenbar hält

Zahnstocher, Streichhölzer, Holzsplitter, Papier oder Draht gehören zu den klassischen Heimwerkertricks für ein zu großes Bohrloch.

Das Prinzip ist nachvollziehbar: Das zusätzliche Material füllt den Zwischenraum. Der Dübel sitzt anschließend möglicherweise wieder strammer.

Das sagt jedoch wenig darüber aus, wie zuverlässig die Befestigung unter Last funktioniert.

Für ein kleines Bild mag eine improvisierte Lösung praktisch folgenlos bleiben. Bei einem Regal, einem Hängeschrank oder einer Deckenbefestigung würde ich mich darauf nicht verlassen.

Hersteller bieten für genau dieses Problem Reparaturvliese und Reparaturmassen an. Damit lässt sich zumindest nach den Vorgaben eines definierten Systems arbeiten.

Wenn der Putz mit herausbricht

Kommt beim Herausziehen des Dübels ein größeres Stück Putz mit, sollten Sie prüfen, wo der Dübel bislang überhaupt gehalten hat.

Eine dicke Putzschicht ersetzt keinen tragfähigen Wandbaustoff. Die Verankerung muss ausreichend tief in dem dafür geeigneten Material dahinter erfolgen.

fischer weist beispielsweise darauf hin, dass eine vorhandene Putzschicht bei der erforderlichen Bohrtiefe zusätzlich berücksichtigt werden muss. Der Dübel soll nicht lediglich im Putz sitzen.

Die ausgebrochene Oberfläche können Sie anschließend mit geeignetem Putz oder Spachtelmaterial ausbessern. Die Befestigung selbst muss davon unabhängig ausreichend tief im tragfähigen Untergrund sitzen.

Was tun, wenn die Wand rund um das Loch bröselt?

Schwieriger wird die Reparatur, wenn nicht nur der Putz, sondern auch das eigentliche Wandmaterial locker ist.

Das kann beispielsweise bei:

  • weichen oder porösen Steinen,
  • geschädigtem Mauerwerk,
  • bröseligen Fugen,
  • bereits mehrfach bearbeiteten Wandbereichen

auftreten.

Ein noch größerer Kunststoffdübel löst das Problem dann nicht zwangsläufig. Schließlich braucht auch dieser einen ausreichend festen Untergrund, gegen den er sich spreizen oder in dem er sich verformen kann.

Je nach Baustoff und Belastung kann ein dafür vorgesehenes Reparatur- oder Injektionssystem infrage kommen. Ist der Bereich deutlich geschädigt, sollte geprüft werden, ob sich die Befestigung stattdessen in unbeschädigtem Wandmaterial setzen lässt.

Hochlochziegel: Warum größer nicht automatisch besser ist

Bei Hochlochziegeln besteht der Stein aus vergleichsweise dünnen Stegen und dazwischenliegenden Hohlräumen.

Wird mit einem ungeeigneten Bohrverfahren gearbeitet, können Stege beschädigt werden und das Loch größer ausbrechen als geplant.

Dann reicht es nicht unbedingt, einen dickeren Dübel hineinzustecken. Entscheidend ist, ob der Dübel im verbliebenen Stein noch so arbeiten kann, wie es vorgesehen ist.

Je nach Befestigung kommen spezielle Dübel oder Injektionssysteme infrage. Bei bestimmten Reparatur- beziehungsweise Injektionssystemen werden in Lochbaustoffen Siebhülsen eingesetzt, damit sich die Masse kontrolliert im Bereich des Bohrlochs verteilt. Würth beschreibt dieses Vorgehen beispielsweise für entsprechende Anwendungen in Loch- und Plattenbaustoffen.

Ist der Stein rund um das vorhandene Loch stark beschädigt, kann eine andere Position die sinnvollere Lösung sein.

Einfach zwei Zentimeter daneben neu bohren?

Eine pauschale Abstandsregel gibt es nicht.

Das alte Bohrloch hat den Wandbereich bereits verändert. Wie weit das neue Loch entfernt sein sollte, hängt unter anderem ab von:

  • Baustoff,
  • Dübelart,
  • Dübelgröße,
  • Bohrlochtiefe,
  • Belastung,
  • Lage zur Bauteilkante.

Bei einfachen Kunststoffdübeln sollten Sie die Abstandsangaben des Herstellers beachten.

Noch strenger ist das bei zugelassenen Ankerbefestigungen in Beton. Dort können Fehlbohrungen, Mindestabstände und das fachgerechte Verschließen alter Löcher Teil der technischen Vorgaben sein. Hilti verweist bei solchen Fällen beispielsweise auf Vorgaben aus DIN EN 1992-4 beziehungsweise Montagehinweisen und darauf, Fehlbohrungen mit geeignetem schwindfreiem Mörtel zu verfüllen.

Deshalb würde ich von Faustregeln wie „einfach fünf Zentimeter daneben“ abraten.

Vergleich von zu geringem und größerem Abstand zwischen alter Fehlbohrung und neuem Bohrloch.
Ein neues Bohrloch sollte nicht beliebig dicht neben einer Fehlbohrung sitzen. Der notwendige Abstand hängt vom Befestigungssystem und vom Untergrund ab.

Wann sollten Sie besser neu bohren?

Ein neues Bohrloch sollten Sie vor allem prüfen, wenn:

  • das vorhandene Loch stark ausgefranst ist,
  • größere Stücke des Wandbaustoffs ausgebrochen sind,
  • der Untergrund rund um das Loch bröselt,
  • ein Steg im Lochstein beschädigt wurde,
  • sich keine zum Reparatursystem passende Lösung finden lässt,
  • eine höhere oder sicherheitsrelevante Last befestigt werden soll.

Auch dann muss die neue Position geeignet sein. Achten Sie auf ausreichende Abstände zu Wandkanten, anderen Dübeln und der alten Fehlbohrung.

Prüfen Sie vor dem erneuten Bohren außerdem, ob in diesem Bereich Leitungen verlaufen. Worauf Sie dabei achten sollten, lesen Sie ebenfalls im Beitrag „Richtig bohren: Welche Maschine und welcher Bohrer passen?“.

Bei schweren Lasten gelten andere Regeln

Ein Reparaturvlies für eine Gardinenstange ist etwas anderes als die Befestigung einer Markise, eines Vordachs oder eines schweren Hängeschranks.

Bei hohen und sicherheitsrelevanten Lasten müssen Befestigungsmittel, Baustoff, Bohrloch, Verankerungstiefe und Abstände zusammenpassen. Improvisierte Lösungen sind hier fehl am Platz.

Wie Zugkräfte, Querkräfte und Hebelwirkungen die Befestigung beeinflussen und welche Systeme für Beton, Vollstein oder Lochstein infrage kommen, erklären wir ausführlich in unserem Ratgeber „Schwere Lasten befestigen: Welche Dübel halten in Beton und Mauerwerk?“.

Sonderfall Gipskarton

Bei einer Trockenbauwand gelten andere Regeln als bei Beton oder Mauerwerk.

Hier trägt die Platte beziehungsweise bei entsprechenden Konstruktionen die dahinterliegende Unterkonstruktion. Ist der Gipskarton rund um einen Dübel bereits stark ausgebrochen, lässt sich das Problem daher nicht einfach auf dieselbe Weise behandeln wie ein zu großes Loch im Vollziegel.

Welche Dübel sich für Trockenbauwände eignen und wovon deren Tragfähigkeit abhängt, lesen Sie in unserem Beitrag „Rigipsdübel: Wie tragfähig? Wie montieren? Wie entfernen?“. Der vorhandene Ratgeber behandelt unter anderem Plattenaufbau, Dübeltypen und Belastbarkeit.

Dübel locker? Erst die Ursache klären

Ein etwas zu großes Bohrloch lässt sich häufig retten. Je nach Untergrund und Belastung kommen ein passender größerer Dübel, ein Reparaturvlies oder eine dafür vorgesehene Reparaturmasse infrage.

Bröckelt dagegen der Baustoff oder ist der Bereich rund um das Loch deutlich beschädigt, kann eine neue Befestigungsstelle sinnvoller sein. Bei schweren und sicherheitsrelevanten Lasten sollten Sie sich an die Vorgaben des verwendeten Befestigungssystems halten.

Und vor allem: Ein wieder zugespachteltes Bohrloch sieht repariert aus – belastbar ist es deshalb noch lange nicht.

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