EPDM, Zellkautschuk oder Schaumstoff: Welches Dichtungsmaterial eignet sich wofür?

Von Dominik Hochwarth

Eine Dichtung, die nicht richtig schließt, kann teure Folgen haben. Durch undichte Fenster zieht kalte Luft, an Fassaden dringt Regenwasser ein und in schlecht abgedichteten Anschlüssen kann sich Feuchtigkeit sammeln. Dabei liegt das Problem nicht immer an der Verarbeitung. Manchmal wurde schlicht das falsche Material verwendet.

EPDM, Zellkautschuk, Moosgummi und Schaumstoff unterscheiden sich erheblich. Manche Werkstoffe halten jahrelang Sonne, Frost und Regen stand. Andere lassen sich besonders leicht zusammendrücken oder eignen sich zur Schalldämpfung. Welches Material das richtige ist, hängt vor allem davon ab, wo und wie es eingesetzt wird.

Drei Dichtungsmaterialien auf einer Holzunterlage: links ein schwarzes EPDM-Dichtungsprofil, mittig eine Rolle aus schwarzem Zellkautschuk und rechts ein grauer, offenzelliger Schaumstoff.
EPDM-Gummi, Zellkautschuk und offenzelliger Schaumstoff im Vergleich: Die Materialien unterscheiden sich in ihrer Struktur, Elastizität und ihren Einsatzmöglichkeiten.

EPDM, Zellkautschuk und Schaumstoff: Was ist der Unterschied?

Die Begriffe werden häufig nebeneinander verwendet, obwohl sie nicht dasselbe beschreiben. EPDM bezeichnet einen bestimmten synthetischen Kautschuk. Zellkautschuk und Schaumstoff beschreiben dagegen Materialien mit einer porösen Zellstruktur. Zellkautschuk ist dabei selbst eine Form von Schaumstoff.

Die wichtigsten Unterschiede im Überblick:

MaterialTypische EigenschaftenHäufige Anwendungen
EPDM-VollgummiElastisch, witterungs- und ozonbeständigDichtprofile, Auflagen, Außenbereich
ZellkautschukGeschlossenzellig, komprimierbar, geringe WasseraufnahmeDichtstreifen, Gehäuse, Anschlüsse
MoosgummiElastisch, häufig mit dichter AußenhautDichtprofile, Türen, technische Abdichtungen
PE-SchaumstoffLeicht, meist geschlossenzellig, in verschiedenen Festigkeiten erhältlichTrennwandbänder, Ausgleichslagen
PUR-SchaumstoffJe nach Ausführung offen- oder geschlossenzelligSchallabsorption, Fugendichtbänder

Diese Eigenschaften sind typische Merkmale. Ob ein Produkt tatsächlich für eine bestimmte Abdichtung geeignet ist, lässt sich nur anhand seiner technischen Daten und der vorgesehenen Anwendung beurteilen.

Warum EPDM besonders häufig im Außenbereich verwendet wird

EPDM steht für Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk. Der Werkstoff besitzt eine gute Beständigkeit gegen UV-Strahlung, Ozon und zahlreiche Witterungseinflüsse. Deshalb wird er beispielsweise für Dichtprofile an Fenstern und Türen, im Fassadenbau und für verschiedene technische Dichtungen verwendet.

Der Werkstoff bleibt innerhalb seines jeweiligen Gebrauchstemperaturbereichs elastisch. Dieser Bereich hängt von der Rezeptur ab. Auch die Härte lässt sich bei der Herstellung gezielt einstellen.

Wer EPDM Gummi für Dichtungen oder als Auflage verwendet, sollte deshalb nicht nur auf die Materialbezeichnung achten. Ein weicher Dichtstreifen muss andere Anforderungen erfüllen als eine feste Gummiunterlage, die dauerhaft belastet wird.

EPDM hat allerdings auch Grenzen. Bei Kontakt mit Mineralölen, Benzin oder vielen anderen Mineralölprodukten ist es in der Regel nicht die geeignete Wahl. Hier kommen je nach Medium beispielsweise Dichtungen aus NBR (Acrylnitril-Butadien-Kautschuk) infrage.

Vergleich der Zellstruktur von Schaumstoffen: Links dringt Wasser in verbundene, offene Poren ein, rechts zeigen geschlossene Zellen eine geringere Wasseraufnahme.
Offenzellige Schaumstoffe besitzen miteinander verbundene Poren, in die Wasser eindringen kann. Bei geschlossenzelligen Materialien sind die Zellen voneinander getrennt, wodurch die Wasseraufnahme meist geringer ausfällt.

Offenzellig oder geschlossenzellig: Was bedeutet das?

Ein weiterer Unterschied liegt im Inneren des Materials. Bei Schaumstoffen und Zellkautschuk entstehen während der Herstellung zahlreiche kleine Hohlräume, die sogenannten Zellen.

Bei offenzelligen Materialien sind viele dieser Zellen miteinander verbunden. Luft kann durch die Poren strömen. Solche Schaumstoffe lassen sich häufig besonders leicht zusammendrücken und eignen sich beispielsweise zur Schallabsorption.

Bei geschlossenzelligen Materialien sind die Zellen überwiegend voneinander getrennt. Dadurch können Wasser und Luft nicht so leicht in das Material eindringen. Geschlossenzellige Schaumstoffe werden deshalb unter anderem für Dichtstreifen, Dämmungen und Ausgleichslagen eingesetzt.

Ganz ohne Ausnahmen funktioniert diese Unterscheidung jedoch nicht. Auch geschlossenzellige Materialien können Wasser aufnehmen. Wie viel, hängt vom Werkstoff, der Verarbeitung und den Einsatzbedingungen ab. Und offenzellige Materialien sind keineswegs grundsätzlich ungeeignet, wenn Feuchtigkeit im Spiel ist.

Warum Kompribänder trotz offener Zellen Regen abhalten können

Ein gutes Beispiel sind vorkomprimierte Fugendichtbänder, häufig als Kompribänder bezeichnet. Viele dieser Produkte bestehen aus imprägniertem PUR-Weichschaumstoff.

Die Bänder werden zusammengedrückt geliefert und dehnen sich nach dem Einbau langsam aus. Dadurch legen sie sich an die Fugenflanken an und können Unebenheiten ausgleichen.

Für frei bewitterte Fugen gibt es Produkte, die nach DIN 18542 der Beanspruchungsgruppe BG1 entsprechen. Sie müssen unter anderem eine Schlagregendichtheit bei einer Druckdifferenz von mindestens 600 Pa nachweisen.

Damit können auch entsprechend behandelte, offenzellige Schaumstoffe für Außenfugen geeignet sein. Voraussetzung ist, dass das Produkt für die jeweilige Anwendung geprüft und die Fuge richtig dimensioniert ist.

Haus im Querschnitt mit fünf Dichtungsanwendungen: EPDM-Profildichtung am Fenster, PUR-Fugendichtband am Fensteranschluss, Dichtband am Rollladenkasten, PE-Band an der Trockenbauwand und Elastomerlager unter einem Bauteil.
Ob Fenster, Fassadenanschluss, Rollladenkasten oder Trockenbauwand: Je nach Bauteil kommen unterschiedliche Dichtungsmaterialien zum Einsatz. Die Grafik zeigt fünf typische Anwendungen und geeignete Werkstoffe.

Welches Dichtungsmaterial eignet sich für welchen Einsatz?

Im Haus begegnen uns Dichtungen an ganz unterschiedlichen Stellen. Ein Fensterflügel braucht ein anderes Profil als eine Anschlussfuge im Mauerwerk. Auch eine Trennwand oder ein Rollladenkasten stellt eigene Anforderungen.

Fenster und Türen

Fensterdichtungen müssen sich beim Schließen zusammendrücken und anschließend wieder ihre ursprüngliche Form annehmen. Dafür werden häufig elastische Werkstoffe wie EPDM oder thermoplastische Elastomere (TPE) verwendet.

Noch wichtiger als der Grundstoff ist allerdings die passende Profilform. Eine beliebige selbstklebende Schaumstoffdichtung ersetzt nicht automatisch eine beschädigte Nutdichtung.

Zudem liegt die Ursache für Zugluft nicht immer am Material. Manchmal muss der Fensterflügel lediglich nachgestellt werden. Wie Sie die Ursache erkennen und eine beschädigte Dichtung austauschen, lesen Sie im Ratgeber Fenster zieht? So prüfen und wechseln Sie die Dichtungen richtig.

Fugen zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk

Bei Anschlussfugen kommt es darauf an, Luftundichtheiten und eindringendes Regenwasser zu verhindern, ohne das Austrocknen der Konstruktion unnötig zu behindern.

Für die äußere Abdichtung werden häufig geeignete Fugendichtbänder eingesetzt. Dabei müssen die Bänder zur Fugenbreite, zur erwarteten Bewegung und zur Witterungsbeanspruchung passen.

Die raumseitige Abdichtung hat andere Anforderungen. Sie soll vor allem verhindern, dass warme, feuchte Raumluft durch undichte Stellen in die Anschlussfuge gelangt. Dafür werden passende luftdichte Abdichtungssysteme verwendet.

Ein einzelnes Dichtband erfüllt nicht automatisch alle Anforderungen. Es gibt allerdings geprüfte Multifunktionsbänder, die mehrere Abdichtungsfunktionen übernehmen können.

Rollladenkästen

Alte Rollladenkästen sind häufig Schwachstellen der Gebäudehülle. Zugluft kann durch undichte Revisionsdeckel, Anschlüsse oder Gurtdurchführungen gelangen.

Für bestimmte Anschlüsse eignen sich komprimierbare Dichtbänder. Welcher Werkstoff infrage kommt, hängt von der Konstruktion, den vorhandenen Spaltmaßen und der vorgesehenen Abdichtungsfunktion ab.

Wichtig ist, dass bewegliche Teile weiterhin funktionieren und der Revisionsdeckel zugänglich bleibt.

Wie Sie einen Kasten untersuchen, abdichten und nachträglich dämmen, erfahren Sie im Beitrag Rollladenkasten abdichten und dämmen.

Trockenbauwände und Trennwände

Unter den Anschlussprofilen von Trockenbauwänden werden häufig Trennwanddichtungsbänder verwendet. Sie können Unebenheiten ausgleichen und die Schallübertragung über den Anschluss verringern.

Hier kommen beispielsweise geschlossenzellige PE-Schaumstoffbänder zum Einsatz.

Das Material allein garantiert allerdings keinen ausreichenden Schallschutz. Ebenso wichtig sind die fachgerechte Befestigung, die Anschlussausbildung und der gesamte Wandaufbau.

Weitere Beispiele für solche Produkte finden Sie in unserem Überblick über Klebebänder im Bauwesen und ihre Verwendung.

Gummiunterlagen für schwere Bauteile

Nicht jede elastische Unterlage soll abdichten. Manchmal geht es darum, Bauteile zu schützen, Unebenheiten auszugleichen oder Kräfte kontrolliert zu übertragen.

Dafür können geeignete Vollgummi- oder Elastomerunterlagen verwendet werden. Im Unterschied zu weichen Schaumstoffen besitzen solche Produkte häufig eine höhere Drucksteifigkeit.

Bei dauerhaft belasteten oder tragenden Bauteilen reicht es allerdings nicht aus, irgendeine Gummimatte unterzulegen. Die Auflage muss für die auftretenden Lasten, Verformungen und Umgebungsbedingungen ausgelegt sein.

Warum die Dicke einer Dichtung allein wenig aussagt

Zwei Dichtungsbänder können gleich breit und dick sein und sich trotzdem völlig unterschiedlich verhalten. Das liegt an mehreren Materialeigenschaften.

Die Rohdichte gibt an, wie viel Masse ein bestimmtes Volumen besitzt. Sie wird meist in Kilogramm pro Kubikmeter (kg/m³) angegeben. Bei Schaumstoffen kann sie Hinweise auf den Materialaufbau liefern. Sie sagt aber allein noch nicht aus, wie gut ein Band abdichtet.

Die Härte beschreibt den Widerstand gegen das Eindringen eines Prüfkörpers. Bei kompakten Gummiprodukten wird häufig die Shore-A-Härte angegeben. Je höher der Wert, desto härter ist das Material im jeweiligen Prüfverfahren.

Die Druckspannung zeigt, welche Belastung erforderlich ist, um einen Werkstoff um einen bestimmten Anteil zusammenzudrücken. Bei komprimierbaren Dichtstoffen ist das ein wichtiger Wert.

Der Druckverformungsrest beschreibt, wie stark ein Material nach einer definierten Druckbelastung dauerhaft verformt bleibt. Ein niedriger Wert bedeutet unter vergleichbaren Prüfbedingungen, dass es sich besser zurückgestellt hat.

Gerade bei Dichtungen, die über Jahre zusammengedrückt bleiben, ist das relevant. Verliert ein Material zu viel von seiner ursprünglichen Dicke, kann die Anpressung nachlassen.

Deshalb sollten Sie Dichtungsbänder nicht allein nach Breite, Dicke oder Rohdichte auswählen.

Fünf Fehler bei der Auswahl von Dichtungsmaterial

1. Eine beliebige Schaumstoffdichtung verwenden

Selbstklebendes Schaumstoffband aus dem Baumarkt eignet sich durchaus für manche Anwendungen. Es ist aber kein universeller Ersatz für geprüfte Fenster- oder Fugendichtungen.

Gerade an bewitterten Stellen kommt es auf die nachgewiesene Beständigkeit gegen Feuchtigkeit, Temperaturwechsel und UV-Strahlung an.

2. Die Fugenbreite nicht richtig messen

Eine Dichtung muss im eingebauten Zustand zur vorhandenen Fuge passen. Ist sie zu dünn oder zu schmal, kann der notwendige Kontakt fehlen. Ist sie zu dick, kann sie Bauteile übermäßig belasten oder deren Funktion beeinträchtigen.

Bei Fugendichtbändern ist deshalb der vom Hersteller angegebene Fugenbreitenbereich zu beachten. Berücksichtigt werden müssen auch mögliche Bewegungen der Bauteile.

3. Das Rückstellverhalten unterschätzen

Eine Dichtung kann unmittelbar nach dem Einbau gut funktionieren und trotzdem später ihre Anpresskraft verlieren.

Ursachen können eine ungeeignete Materialrezeptur, hohe Temperaturen, übermäßige Kompression oder dauerhafte mechanische Belastung sein.

Besonders bei häufig bewegten Türen und Fenstern spielt ein geeignetes Rückstellverhalten eine wichtige Rolle.

4. Feuchtigkeit und UV-Strahlung ignorieren

Nicht jeder elastische Kunststoff ist dauerhaft für den Außenbereich geeignet. Manche Materialien altern unter UV-Strahlung schneller oder verändern bei längerem Wasserkontakt ihre Eigenschaften.

Auch die Temperatur ist relevant. Eine dunkle Metallfassade kann sich in der Sonne stark erwärmen, während das Material im Winter Frost ausgesetzt ist.

Deshalb sollten für bewitterte Anwendungen nur entsprechend geeignete und möglichst geprüfte Produkte eingesetzt werden.

5. Nur auf die selbstklebende Rückseite vertrauen

Eine Klebeschicht erleichtert häufig die Montage. Sie bedeutet aber nicht automatisch, dass die Verbindung dauerhaft dicht bleibt.

Entscheidend sind ein geeigneter Untergrund, die richtige Verarbeitungstemperatur und die Kompatibilität mit dem jeweiligen Material. Staub, Feuchtigkeit oder ungeeignete Oberflächen können die Haftung beeinträchtigen.

Bei vielen Dichtbändern dient die Selbstklebung in erster Linie als Montagehilfe. Die eigentliche Dichtwirkung entsteht durch die vorgesehene Kompression.

Wann lohnt sich ein Dichtungsband nach Maß?

Dichtungsbänder werden als Rollenware, Streifen, Platten oder zugeschnittene Formteile angeboten. Standardabmessungen reichen für viele Reparaturen rund ums Haus völlig aus.

Bei größeren Bauvorhaben oder wiederkehrenden Einbausituationen kann ein maßgeschneiderter Zuschnitt sinnvoll sein. Er kann den Verschnitt reduzieren und die Montage erleichtern, insbesondere wenn zahlreiche identische Dichtungen benötigt werden.

Spezialisierte Hersteller wie EKI bieten Dichtungsmaterialien in verschiedenen Ausführungen und Abmessungen an. Für Gewerbebetriebe und größere Bauprojekte kann es sinnvoll sein, die benötigten Streifen oder Formteile direkt passend fertigen zu lassen.

Wichtiger als die reine Maßanfertigung bleibt allerdings die richtige Werkstoffwahl. Ein exakt zugeschnittener Dichtstreifen funktioniert nicht besser, wenn seine Materialeigenschaften für den vorgesehenen Einsatz ungeeignet sind.

Bei komplizierten Anschlüssen sollten deshalb zunächst die Anforderungen feststehen. Erst danach werden Material, Abmessungen und Lieferform ausgewählt.

Fazit: Erst die Anwendung, dann das Material auswählen

EPDM ist eine gute Wahl für zahlreiche witterungsbeanspruchte Dichtungen. Zellkautschuk eignet sich häufig für komprimierbare Dichtstreifen mit geringer Wasseraufnahme. PE-Schaumstoffe werden beispielsweise als Trennwand- und Ausgleichsbänder eingesetzt. Imprägnierte PUR-Fugendichtbänder können wiederum bewitterte Anschlussfugen gegen Schlagregen schützen.

Die beste Dichtung ist deshalb nicht automatisch die teuerste oder die mit der höchsten Rohdichte. Sie muss zur Fuge, zur Beanspruchung und zum jeweiligen Bauteil passen.

Wer diese Punkte berücksichtigt und die Angaben des Herstellers zur Verarbeitung beachtet, vermeidet viele typische Fehler bereits vor dem Einbau.

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