Zwei Holzleisten, etwas Papier und eine Schnur – viel mehr brauchte es früher nicht für einen eigenen Drachen. In meiner Kindheit in den 70er- und 80er-Jahren wurden solche klassischen Rautendrachen häufig selbst gebaut. Das funktionierte erstaunlich gut, sofern Rahmen, Bespannung und vor allem die Drachenwaage richtig eingestellt waren.
Genau so einen Drachen bauen wir in dieser Anleitung. Er wird etwa 90 cm hoch und 72 cm breit, bekommt eine leicht gebogene Querleiste und einen ungefähr drei Meter langen Schwanz. Die Maße sind als bewährter Ausgangspunkt gedacht. Beim ersten Probeflug kann es nötig sein, die Waage oder den Schwanz noch etwas anzupassen.

Der Drachen auf einen Blick
| Merkmal | Ausführung |
| Höhe | ca. 90 cm |
| Breite | ca. 72 cm |
| Rahmen | Fichtenleisten |
| Bespannung | Drachenpapier oder festes Transparentpapier |
| Drachenschwanz | etwa 3 m als Ausgangswert |
| Bauzeit | etwa 60 bis 90 Minuten |
| Schwierigkeit | einfach bis mittel |
| Geeigneter Wind | leichte bis schwache Brise |
| Besonderheit | verstellbare Drachenwaage |
Kinder können beim Kleben, Gestalten und Bespannen helfen. Sägen und Bohren sollten je nach Alter Erwachsene übernehmen.
Material und Werkzeug
Für den Rahmen benötigen Sie zwei möglichst gerade und astfreie Fichtenleisten:
| Anzahl | Material | Maße |
| 1 | Fichtenleiste | 90 × 1 × 0,5 cm |
| 1 | Fichtenleiste | 72 × 1 × 0,5 cm |
| 1 | Drachenpapier oder festes Transparentpapier | mindestens etwa 100 × 80 cm |
| – | stabile Schnur für Rahmen und Waage | einige Meter |
| – | geeignete Drachenschnur als Flugleine | nach Bedarf |
| – | Holzleim | – |
| – | Papierkleber | – |
| – | Klebeband | – |
| – | leichtes Material für den Drachenschwanz | etwa 3 m |
Außerdem benötigen Sie eine feine Säge, einen 3-mm-Holzbohrer, Bohrmaschine oder Akkuschrauber, Schere, Bleistift und Zollstock beziehungsweise Maßband.
Verwenden Sie für den Rahmen keine stark verdrehten oder astigen Leisten. Besonders die Querleiste muss sich etwas durchbiegen lassen, ohne zu brechen. Falls Sie selten mit Holz arbeiten: In unserem Ratgeber erfahren Sie ausführlicher, worauf es beim Bohren in Holz ankommt.
| Anzahl | Bezeichnung | Maße | Material |
| 1 | Holzleiste | 90 cm x 1 cm x 0,5 cm | Fichte |
| 1 | Holzleiste | 72 cm x 1 cm x 0,5 cm | Fichte |
| Buntes Drachenpapier (Transparentpapier) | |||
| Holzleim, Papierkleber | |||
| Drachenschnur oder Küchengarn |
Schritt 1: Holzleisten vorbereiten

Sägen Sie zunächst die beiden Leisten auf 90 und 72 cm Länge zu. Kontrollieren Sie anschließend die Schnittkanten und entfernen Sie Splitter. Wie sich Holz und andere Materialien sauber bearbeiten lassen, erklären wir auch in unserem Ratgeber zum richtigen Schleifen.
In die 90 cm lange Längsleiste werden drei Löcher mit einem Durchmesser von etwa 3 mm gebohrt:
- ein Loch 13 cm vom oberen Ende,
- ein Loch 13 cm vom unteren Ende,
- ein Loch etwa 2 cm vom unteren Ende für den Drachenschwanz.
Die beiden weiter innen liegenden Löcher nehmen später die Drachenwaage auf.
Die 72 cm lange Querleiste erhält ebenfalls zwei kleine Bohrungen. Sie sitzen jeweils ungefähr 2 cm von den Enden entfernt. Durch diese Löcher wird später eine Schnur geführt, mit der sich die Querleiste leicht biegen lässt.
Sägen oder feilen Sie anschließend an allen vier Leistenenden kleine Nuten ein. In diesen Nuten läuft später die Rahmenschnur. Sie verhindern, dass die gespannte Schnur seitlich von den Leistenenden abrutscht.
Schritt 2: Längs- und Querleiste verbinden

Legen Sie die 90 cm lange Leiste senkrecht vor sich. Das Loch für den Drachenschwanz befindet sich unten.
Die Querleiste wird 27 cm unterhalb der oberen Spitze befestigt. Messen Sie genau nach und markieren Sie die Mitte der 72 cm langen Leiste. Beide Seiten müssen anschließend gleich weit überstehen.
Geben Sie etwas Holzleim auf die Kontaktfläche und legen Sie die Querleiste auf. Zusätzlich wird die Verbindung mit Schnur gesichert: Wickeln Sie diese mehrmals über Kreuz um den Verbindungspunkt und verknoten Sie sie auf der Rückseite.
Bevor der Leim vollständig aushärtet, kontrollieren Sie die Geometrie. Die Querleiste muss mittig und annähernd rechtwinklig zur Längsleiste sitzen.
Schritt 3: Rahmenschnur spannen

Nun entsteht die typische Rautenform. Befestigen Sie eine dünne, aber reißfeste Schnur an einem Leistenende und führen Sie sie nacheinander durch die vier Nuten.
Die Schnur läuft von der oberen Spitze zu einem Ende der Querleiste, weiter zur unteren Spitze, zur gegenüberliegenden Seite der Querleiste und wieder zurück nach oben.
Spannen Sie die Schnur straff, aber nicht mit Gewalt. Die dünnen Fichtenleisten dürfen sich dabei nicht verziehen. Verknoten Sie Anfang und Ende anschließend sorgfältig.
Kleine Stücke Klebeband über den Leistenenden können zusätzlich verhindern, dass Schnur oder Papier später aus den Nuten rutschen.
Jetzt besitzt der Drachen bereits seine endgültige Grundform.
Schritt 4: Drachenpapier zuschneiden

Legen Sie das Holzgerüst auf das ausgebreitete Drachenpapier. Zeichnen Sie die Kontur nicht unmittelbar entlang der Rahmenschnur nach, sondern geben Sie rundherum etwa 3 bis 4 cm Kleberand hinzu.
Schneiden Sie das Papier entlang dieser äußeren Linie aus.
Bei mehrfarbigem Drachenpapier können Sie natürlich auch mehrere Bahnen oder geometrische Flächen miteinander kombinieren. Achten Sie dabei darauf, dass die Klebestellen nicht unnötig schwer werden. Ein leichter Drachen steigt bei schwachem Wind wesentlich leichter.
Schritt 5: Papier am Rahmen befestigen

Legen Sie das Drachenpapier mit der später sichtbaren Seite nach unten auf eine ebene Fläche und positionieren Sie das Holzgerüst darauf.
Falten Sie den überstehenden Papierrand über die Rahmenschnur nach innen und kleben Sie ihn fest. Arbeiten Sie dabei abschnittsweise von einer Seite zur gegenüberliegenden Seite.
Das Papier sollte glatt liegen, muss aber nicht trommelfellartig gespannt sein. Ziehen Sie eine Seite deutlich stärker als die andere, verzieht sich der Drachen. Das kann später dazu führen, dass er ständig nach links oder rechts zieht.
An den vier Spitzen kann ein kleines Stück Klebeband das Papier zusätzlich vor dem Einreißen schützen.
Schritt 6: Querleiste leicht biegen

Ein klassischer Rautendrachen fliegt stabiler, wenn die Querleiste nicht völlig gerade bleibt.
Führen Sie dazu eine Schnur durch die beiden vorbereiteten Löcher nahe den Enden der Querleiste. Ziehen Sie die Schnur vorsichtig zusammen, bis sich die Querleiste leicht wölbt, und verknoten Sie sie.
Es geht nur um eine sanfte Biegung. Die Leiste darf nicht unter großer Spannung stehen.
Von vorne betrachtet bleiben beide Seiten symmetrisch. Von der Seite ist dagegen eine leichte Wölbung zu erkennen. Diese Form hilft dem Drachen, sich im Wind zu stabilisieren.
Schritt 7: Drachenwaage anbringen

Die Drachenwaage ist einer der wichtigsten Teile des gesamten Drachens. An ihr wird später die Flugleine befestigt. Gleichzeitig bestimmt sie den Anstellwinkel des Drachens zum Wind.
Führen Sie eine Schnur durch die beiden 3-mm-Bohrungen der Längsleiste. Als Ausgangspunkt können Sie zwei unterschiedlich lange Waageschenkel verwenden:
- oben etwa 30 cm,
- unten etwa 60 cm.
Die Werte sind keine unveränderlichen Sollmaße. Entscheidend ist der Punkt, an dem beide Schenkel zusammentreffen und die Flugleine befestigt wird. Diesen Punkt bezeichnet man als Waagepunkt oder Anknüpfpunkt.
Am praktischsten ist ein verschiebbarer Knoten oder eine kleine Schlaufe auf der Waageschnur. So lässt sich die Einstellung später korrigieren.
Warum das wichtig ist, zeigt sich häufig erst beim ersten Flug. Bereits wenige Zentimeter Veränderung können das Verhalten des Drachens deutlich beeinflussen.
Schritt 8: Drachenschwanz befestigen

Der Schwanz ist nicht nur Dekoration. Er stabilisiert den Drachen und verhindert, dass er sich ständig dreht oder seitlich ausbricht.
Befestigen Sie die Schnur für den Schwanz am unteren Loch der Längsleiste. Rund drei Meter sind für diesen Drachen ein sinnvoller Startwert.
An der Schnur können Sie in regelmäßigen Abständen Papierstreifen, leichte Stoffstreifen oder Schleifen befestigen. Verteilen Sie das Gewicht möglichst gleichmäßig.
Die Länge ist nicht in Stein gemeißelt. Dreht oder pendelt der Drachen stark, kann ein längerer oder etwas schwererer Schwanz helfen. Steigt der Drachen dagegen nur widerwillig, obwohl genügend Wind vorhanden ist, kann der Schwanz zu schwer sein.
Die Flugleine richtig befestigen
Die eigentliche Flugleine wird nicht direkt am Holzrahmen befestigt, sondern am Waagepunkt.
Verwenden Sie dafür eine geeignete Drachenschnur. Dünnes Küchengarn kann für Teile des Rahmens ausreichen, als Flugleine ist eine dafür vorgesehene Schnur jedoch die bessere Wahl. Sie lässt sich kontrollierter handhaben und ist für die auftretende Zugbelastung ausgelegt.
Wickeln Sie die Flugleine auf einen geeigneten Griff oder eine Drachenspule. Wickeln Sie eine gespannte Leine niemals um Finger oder Hand. Schon ein kleiner Drachen kann bei einer kräftigen Böe erheblich ziehen.

Bei welchem Wind fliegt der Papierdrachen?
Für den ersten Versuch eignet sich gleichmäßiger Wind auf einer möglichst freien Fläche. Häuser, Hecken und Baumreihen erzeugen Verwirbelungen. Direkt hinter solchen Hindernissen kann der Wind deshalb deutlich unruhiger sein, als er sich zunächst anfühlt.
Für diesen leichten Papierdrachen sind etwa 2 bis 3 Beaufort ein guter Bereich für erste Versuche. Nach der Beaufort-Skala des Deutschen Wetterdienstes entsprechen 2 Beaufort ungefähr 6 bis 11 km/h und 3 Beaufort etwa 12 bis 19 km/h.
Bei 2 Beaufort ist der Wind bereits im Gesicht spürbar und Blätter bewegen sich. Bei 3 Beaufort bewegen sich auch dünne Zweige. Das sind gute Bedingungen, um den selbst gebauten Drachen vorsichtig auszuprobieren.
Bei starken oder böigen Winden sollten Sie auf den Start verzichten. Papier, Holzleisten und Schnur können dabei erheblich stärker belastet werden.
So starten Sie den Drachen
Stellen Sie sich mit dem Rücken zum Wind. Eine zweite Person hält den Drachen einige Meter entfernt vor sich, die Vorderseite zeigt zu Ihnen.
Spannen Sie die Flugleine leicht. Sobald eine gleichmäßige Böe kommt, lässt die zweite Person den Drachen los. Sie müssen den Drachen nicht kräftig werfen.
Geben Sie nach und nach Leine frei, sobald der Drachen Höhe gewinnt. Ziehen Sie nicht permanent stark an der Schnur. Ein richtig eingestellter Drachen sollte sich selbst im Wind halten.
Bei ausreichend Wind ist in der Regel auch kein langer Sprint über die Wiese nötig. Muss jemand permanent mit dem Drachen laufen, fehlen meist Wind oder Auftrieb.

Drachen fliegt nicht: Die häufigsten Ursachen
Ein selbst gebauter Drachen funktioniert nicht zwangsläufig beim ersten Versuch perfekt. Häufig lassen sich Probleme mit kleinen Änderungen lösen.
| Problem | Mögliche Ursache | Was hilft? |
| Drachen steigt kaum | zu wenig Wind | anderen Zeitpunkt oder freiere Fläche wählen |
| Drachen zieht, gewinnt aber wenig Höhe | Waage zu steil eingestellt | Waagepunkt schrittweise Richtung obere Drachenspitze verschieben |
| Drachen steigt schnell auf und wird instabil | Waage ungünstig eingestellt | Waagepunkt in kleinen Schritten zurück Richtung untere Spitze verändern |
| Drachen dreht oder pendelt stark | Schwanz zu kurz oder zu leicht | Schwanz verlängern oder etwas beschweren |
| Drachen steigt nur schwer | Schwanz zu schwer | Gewicht reduzieren |
| Drachen zieht ständig zu einer Seite | Rahmen, Querleiste oder Papier asymmetrisch | Maße und Spannung kontrollieren |
| Drachen flattert stark | Papier zu locker oder Wind zu böig | Bespannung prüfen beziehungsweise Start abbrechen |
Verändern Sie immer nur eine Sache und testen Sie anschließend erneut. Sonst ist kaum noch zu erkennen, welche Änderung tatsächlich geholfen hat.
Bei der Waage reichen kleine Schritte. Verschieben Sie den Anknüpfpunkt zunächst nur um wenige Millimeter oder Zentimeter und beobachten Sie das Flugverhalten erneut.

Sicherheit beim Drachensteigen
Auch ein kleiner Papierdrachen gehört nicht überall in die Luft. Besonders wichtig ist großer Abstand zu Freileitungen und anderen elektrischen Anlagen. Lassen Sie den Drachen außerdem niemals bei Gewitter steigen.
Geeignet sind große freie Flächen ohne Straßen, Bahnstrecken, Gebäude, Bäume oder größere Menschengruppen in unmittelbarer Nähe.
Auch das Luftverkehrsrecht setzt Grenzen. Nach § 20 Luftverkehrs-Ordnung ist das Steigenlassen von Drachen mit einer Leinenlänge von mehr als 100 Metern erlaubnispflichtig. Innerhalb von 1,5 Kilometern von der Begrenzung eines Flugplatzes ist das Steigenlassen von Drachen nach § 19 LuftVO grundsätzlich verboten. Die zuständige Luftfahrtbehörde kann Ausnahmen zulassen.
Für einen normalen selbst gebauten Kinderdrachen gibt es ohnehin keinen vernünftigen Grund, eine 100 Meter lange Leine auszureizen. Eine deutlich kürzere Flugleine erleichtert die Kontrolle.
Achten Sie außerdem auf folgende Punkte:
- niemals bei Gewitter starten,
- großen Abstand zu Stromleitungen halten,
- Abstand zu Straßen und Bahnstrecken halten,
- keine metallischen oder elektrisch leitenden Leinen verwenden,
- die Schnur niemals um Hände oder Finger wickeln,
- bei starkem oder böigem Wind nicht starten,
- Kinder beim Drachensteigen beaufsichtigen.
Papierdrachen bauen: kleine Konstruktion, erstaunlich viel Technik
Ein klassischer Papierdrachen sieht denkbar einfach aus. Trotzdem müssen mehrere Dinge zusammenspielen: Das Holzgerüst sollte symmetrisch sein, die Bespannung darf sich nicht verziehen und die Querleiste braucht eine leichte Wölbung. Vor allem die Drachenwaage entscheidet darüber, in welchem Winkel der Wind auf das Papier trifft.
Deshalb ist es völlig normal, wenn der erste Start nicht sofort funktioniert. Meist reichen kleine Korrekturen an Waage oder Schwanz. Sobald die Einstellung stimmt, braucht ein solcher Drachen weder Fiberglasstäbe noch Kunststoffsegel, um zuverlässig in der Luft zu stehen.
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