Der Grill ist heiß, die ersten Würstchen liegen auf dem Rost und plötzlich beginnt es zu regnen. Wer eine Garage direkt neben der Terrasse hat, kommt schnell auf eine scheinbar einfache Lösung: Grill hineinschieben, Tor offen lassen, weitergrillen. Doch genau das kann gefährlich werden. Denn auch ein weit geöffnetes Garagentor garantiert nicht, dass das beim Grillen entstehende Kohlenmonoxid schnell genug abgeführt wird.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt ausdrücklich davor, mit Holzkohle in Garagen zu grillen. Selbst bei weit geöffneten Fenstern und Türen können gefährliche Konzentrationen des giftigen Gases entstehen. In einer früheren Untersuchung gemeinsam mit der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) bezog das BfR diese Warnung ausdrücklich auch auf geöffnete Garagentore.

Inhaltsverzeichnis
- Grillabend in der Garage endet im Krankenhaus
- Warum entsteht beim Grillen Kohlenmonoxid?
- 800 g Holzkohle reichen für mehr als 3000 ppm CO
- Warum reicht ein geöffnetes Garagentor nicht?
- Kein Rauch bedeutet nicht: keine Gefahr
- Auch nach dem Grillen gehört der Grill nicht in die Garage
- Gilt das auch für einen Gasgrill?
- Und was ist mit Carport oder Pavillon?
- Kann ein CO-Melder schützen?
Grillabend in der Garage endet im Krankenhaus
Dass die Gefahr nicht theoretisch ist, zeigte sich im April 2026 in Waldmössingen bei Schramberg. Wegen schlechten Wetters verlegten fünf junge Männer im Alter von 16 bis 21 Jahren ihren Grillabend in eine an ein Wohnhaus angebaute Garage. Das Garagentor wurde laut Polizei zeitweise geschlossen.
Kurz darauf klagten die ersten Beteiligten über Atemwegsprobleme und Übelkeit, einer musste sich übergeben. Alle fünf kamen ins Krankenhaus. Die Feuerwehr stellte Kohlenmonoxid nicht nur in der Garage fest: Das Gas hatte sich auch im angrenzenden Wohnhaus ausgebreitet. Die Eltern eines Beteiligten mussten das Gebäude verlassen, bis die Feuerwehr es gelüftet hatte.
Bei diesem Vorfall war das Garagentor zeitweise geschlossen. Daraus sollte man allerdings nicht den Umkehrschluss ziehen, bei dauerhaft geöffnetem Tor sei das Grillen ungefährlich.
Warum entsteht beim Grillen Kohlenmonoxid?
Beim Verbrennen von Holzkohle entsteht unter anderem Kohlenmonoxid, kurz CO. Das Problem: Ein Grill besitzt keinen Schornstein und keinen definierten Abgasweg. Im Freien werden die Verbrennungsgase von der Umgebungsluft verdünnt und abtransportiert. In einer Garage können sie dagegen in die Raumluft gelangen und sich dort anreichern. Das BfR zählt Garagen deshalb ausdrücklich zu den Innenräumen, in denen Holzkohlegrills nicht betrieben werden dürfen.
Kohlenmonoxid ist besonders heimtückisch, weil Menschen es weder sehen noch riechen oder schmecken können. Wer das Gas einatmet, bemerkt zunächst häufig nichts. Gleichzeitig beeinträchtigt CO die Sauerstoffversorgung des Körpers. Bei zunehmender Belastung können Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit auftreten, später drohen Bewusstlosigkeit und schwere gesundheitliche Schäden.
800 g Holzkohle reichen für mehr als 3000 ppm CO
Wie schnell sich problematische Konzentrationen entwickeln können, haben BfR und BAM bereits in Versuchen untersucht. Die Wissenschaftler brachten jeweils 800 g glühende Holzkohle in eine Versuchskammer mit einem Volumen von 19 m³. Das entspricht ungefähr der Größenordnung einer kleinen Garage oder eines kleinen Wohnraums.
Nach zwei Stunden wurden dort mehr als 3000 ppm Kohlenmonoxid gemessen. ppm steht für „parts per million“, also Teile pro Million Teile Luft. Nach Angaben des BfR können Menschen bei derartigen Konzentrationen bereits nach wenigen Minuten bewusstlos werden.
Auch interessant: Die Forscher maßen die CO-Konzentration sowohl unter der Decke als auch unmittelbar über dem Grill. Große Unterschiede gab es nicht. Das Verbrennungsgas hatte sich relativ gleichmäßig im Raum verteilt. Die Vorstellung, Kohlenmonoxid sammle sich ausschließlich oben oder unten und lasse sich deshalb leicht umgehen, ist falsch.

Auf Grundlage der Messungen simulierten die Forscher außerdem die CO-Ausbreitung in einer üblichen Garage. An 42 Punkten wurde die Konzentration berechnet. Für eine geschlossene Garage ergaben sich beim Verbrennen von 800 g Holzkohle Werte zwischen etwa 750 und 1100 ppm. Diese Zahlen gelten ausdrücklich nicht für eine Garage mit geöffnetem Tor, zeigen aber, welche Mengen ein vergleichsweise kleiner Holzkohlegrill freisetzen kann.
Nach den vom BfR herangezogenen klinischen Daten können bereits bei 200 ppm nach etwa zwei Stunden leichte Kopfschmerzen auftreten. Bei 800 ppm sind Schwindel und Übelkeit möglich; nach längerer Exposition kann Bewusstlosigkeit folgen.
Warum reicht ein geöffnetes Garagentor nicht?
Ein großes offenes Tor sieht nach reichlich Belüftung aus. Genau darin liegt das Problem: Die Öffnung vermittelt Sicherheit, ohne einen ausreichenden Luftaustausch garantieren zu können.
Wie viel Luft tatsächlich durch eine Garage strömt, hängt unter anderem von Wind, Temperaturunterschieden, Gebäudegeometrie und weiteren Öffnungen ab. Gleichzeitig produziert die glühende Kohle kontinuierlich Verbrennungsgase. Ein offenes Tor ist deshalb kein kontrollierter Abgasweg.
Das BfR formuliert seine Empfehlung entsprechend eindeutig: Selbst bei geöffneten Fenstern, Türen oder Garagentoren können beim Grillen mit Holzkohle CO-Konzentrationen entstehen, die tödlich sein können. Auch in seiner im Juni 2026 aktualisierten Grill-FAQ warnt das Institut davor, Holzkohlegrills in Garagen zu betreiben – selbst bei weit geöffneten Fenstern und Türen.
Wie schnell das Gas auftaucht, zeigte noch ein anderes Detail des BAM/BfR-Versuchs. In der 19-m³-Kammer war ein CO-Melder installiert. Er schlug bereits wenige Sekunden nach dem Hineinbringen des Grills mit glühender Kohle Alarm – zu diesem Zeitpunkt war die Tür der Versuchskammer noch offen.
Kein Rauch bedeutet nicht: keine Gefahr
Hinzu kommt ein weiterer Unterschied zu einem normalen Brand. Bei glühender Holzkohle muss keine auffällige Rauchentwicklung vorhanden sein, damit gefährliche Gase entstehen.
Das zeigte sich ebenfalls im Versuch: Der installierte Rauchmelder löste laut BfR nicht aus. Ein üblicher optischer Rauchmelder reagiert auf Rauchpartikel. Kohlenmonoxid ist dagegen ein Gas und wird von ihm nicht erkannt.
Das erklärt, warum eine gefährliche Situation lange harmlos wirken kann: kein dichter Rauch, kein ungewöhnlicher Geruch und möglicherweise zunächst nur leichte Beschwerden.

Auch nach dem Grillen gehört der Grill nicht in die Garage
Gefährlich ist nicht nur das aktive Grillen. Wer den noch warmen Holzkohlegrill nach dem Essen vor einem Regenschauer schnell in die Garage schiebt, kann dasselbe Problem erzeugen. Holzkohle kann lange weiterglimmen und dabei weiterhin Kohlenmonoxid freisetzen.
Die Initiative zur Prävention von Kohlenmonoxid-Vergiftungen „CO macht K.O.“ warnte deshalb im Juni 2026 ausdrücklich davor, warme oder glühende Grills in Garagen, Keller, Wintergärten oder Gartenhäuser zu stellen. Kohle und Asche sollen vollständig im Freien erlöschen und auskühlen.
Im Frühjahr 2026 kam es gleich zu mehreren schweren Vorfällen. Nur wenige Tage nach dem Unfall bei Schramberg mussten beispielsweise in Dresden fünf Menschen nach einem Grillabend in einer Wohnung ins Krankenhaus. Die Feuerwehr stellte erhöhte CO-Werte bei den Betroffenen fest.
Gilt das auch für einen Gasgrill?
Auch ein Gasgrill gehört nicht in die Garage. Beim Verbrennen von Gas kann ebenfalls Kohlenmonoxid entstehen. Die Initiative „CO macht K.O.“ warnt deshalb sowohl vor Holzkohle- als auch vor Gasgrills in Innenräumen und ausdrücklich auch in teilweise geschlossenen, schlecht belüfteten Bereichen.
Anders sieht es bei einem Elektrogrill aus: Da keine Kohle und kein Gas verbrannt werden, entsteht durch die Wärmequelle kein Kohlenmonoxid. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass jedes Gerät für den Betrieb in einer Garage oder in Innenräumen freigegeben ist. Hier gelten die Angaben des Herstellers.
Und was ist mit Carport oder Pavillon?
Ein nach mehreren Seiten vollständig offener Carport ist nicht dasselbe wie eine Garage mit geöffnetem Tor. Eine pauschale Aussage für jede Konstruktion wäre deshalb unseriös.
Problematisch werden vor allem teilweise geschlossene und schlecht belüftete Bereiche. Dazu können beispielsweise Pavillons mit geschlossenen Seitenwänden, eingehauste Terrassen oder sehr geschlossene Carports gehören. Genau vor solchen Situationen warnt auch die Initiative „CO macht K.O.“.
Wer einen Grill unter einem Dach betreiben möchte, sollte deshalb die Betriebsanleitung beachten. Dort finden sich auch die erforderlichen Abstände zu Wänden, Dächern und anderen brennbaren Bauteilen.
Kann ein CO-Melder schützen?
Ein CO-Melder kann Kohlenmonoxid erkennen, bevor Menschen das Gas selbst bemerken. Er ist vor allem in Wohn- und Schlafräumen sowie in der Nähe möglicher CO-Quellen sinnvoll. Rauchmelder übernehmen diese Aufgabe nicht.
Eines darf daraus aber nicht werden: ein Freibrief für den Grill in der Garage. Ein CO-Melder beseitigt das Kohlenmonoxid nicht. Er warnt lediglich davor.
Die richtige Reihenfolge ist deshalb eindeutig: Grills gehören ins Freie. Der CO-Melder ist zusätzlicher Schutz für das Haus – kein Sicherheitssystem für einen improvisierten Grillplatz in der Garage.
Wer während oder nach dem Grillen plötzlich unter Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit leidet und eine CO-Quelle nicht ausschließen kann, sollte den betroffenen Bereich verlassen. Die Initiative „CO macht K.O.“ empfiehlt bei Verdacht, ins Freie zu gehen und den Notruf 112 zu wählen.
Quellen
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): FAQ „Bedenkenlos Grillen – so lassen sich gesundheitliche Risiken minimieren“ (23.06.2026)
- BfR/BAM: Untersuchungen zu Kohlenmonoxid beim Grillen in Innenräumen
- Initiative „CO macht K.O.“: „Lebensgefahr im Sommer: Holzkohle- und Gasgrills niemals in Innenräumen nutzen“ (25.06.2026)
- SWR: „Fünf Jugendliche nach Verdacht auf Kohlenmonoxidvergiftung im Krankenhaus“ (12.04.2026)














