Pflanzen mit PET-Flaschen bewässern: Warum der einfache Trick oft scheitert

Von Dominik Hochwarth

Ein Loch in den Deckel bohren, die Flasche mit Wasser füllen und kopfüber in die Blumenerde stecken: Einfacher kann eine Urlaubsbewässerung kaum sein. Zumindest in der Theorie. In der Praxis ist die PET-Flasche manchmal schon nach wenigen Stunden leer. In anderen Fällen gibt sie überhaupt kein Wasser ab.

Der Grund: Die Flasche erkennt nicht, wie viel Wasser eine Pflanze benötigt. Wie schnell sie sich entleert, hängt unter anderem von der Größe der Öffnung, der Beschaffenheit der Erde und der Luftzufuhr ab. Trotzdem kann die Methode funktionieren – wenn Sie das System vor der Abreise testen und richtig aufbauen.

Bewässerung mit PET-Flasche
Loch in den Deckel, Flasche in die Erde – fertig? So bauen Sie eine PET-Bewässerung und vermeiden Staunässe und trockene Pflanzen.

Inhaltsverzeichnis

Wie funktioniert die Bewässerung mit einer PET-Flasche?

Bei der einfachsten Variante wird eine mit Wasser gefüllte Flasche kopfüber in die Erde gesteckt. Durch ein oder mehrere Löcher im Deckel gelangt das Wasser in den Wurzelbereich.

Dabei wirken mehrere Faktoren zusammen:

  • Die Schwerkraft zieht das Wasser nach unten.
  • In der Flasche entsteht ein Unterdruck.
  • Luft muss in die Flasche nachströmen, damit weiteres Wasser austreten kann.
  • Die Erde vor der Öffnung bremst den Wasserfluss.
  • Feuchte, Struktur und Verdichtung des Substrats beeinflussen die Abgabemenge.

Die Pflanze „saugt“ sich also nicht automatisch genau die Wassermenge aus der Flasche, die sie gerade benötigt. Aussagen, nach denen das System über Osmose bedarfsgerecht geregelt werde, sind irreführend. Eine einfache PET-Flasche besitzt weder ein Ventil noch einen Sensor.

Deshalb kann dieselbe Flasche in einem lockeren, trockenen Substrat innerhalb weniger Stunden auslaufen, während sie in dichter Erde kaum Wasser abgibt.

so gibt die PET-Flasche Wasser ab

Warum der PET-Flaschen-Trick häufig scheitert

Die Methode sieht einfach aus. Tatsächlich muss das Zusammenspiel aus Flasche, Öffnung, Erde und Wasserbedarf einigermaßen passen. Vor allem die folgenden Fehler sorgen für Probleme.

Das Loch im Deckel ist zu groß

Ist die Öffnung zu groß, kann Wasser nahezu ungebremst austreten. Besonders schnell leert sich die Flasche, wenn sie nicht tief genug in der Erde steckt oder die Öffnung keinen direkten Kontakt zum Substrat hat.

Der NDR empfiehlt für die Urlaubsbewässerung ein mindestens 4 mm großes Loch. Eine solche Angabe lässt sich jedoch nicht allgemein auf jeden Kübel übertragen. In lockerer Erde kann eine Öffnung dieser Größe bereits zu einem sehr hohen Durchfluss führen. Entscheidend ist deshalb nicht ein vermeintlich perfekter Durchmesser, sondern ein Test unter den tatsächlichen Bedingungen.

Warum der Trick mit der PET-Flasche scheitert

Das Loch ist zu klein oder verstopft

Sehr kleine Öffnungen können durch Erde, feine Wurzeln oder Ablagerungen verschlossen werden. Dann sieht die Flasche zwar voll aus, die Pflanze erhält aber kein Wasser.

Das Risiko steigt, wenn der Deckel beim Einsetzen kräftig in trockene oder lehmige Erde gedrückt wird. Hilfreich ist ein kleines vorbereitetes Loch im Substrat, in das der Flaschenhals eingesetzt wird.

Die Erde ist bereits ausgetrocknet

Vollständig trockene Blumenerde nimmt Wasser häufig nur schlecht und ungleichmäßig auf. Das Wasser kann an einzelnen Stellen vorbeilaufen oder sich nur unmittelbar am Flaschenhals sammeln.

Gießen Sie die Pflanze deshalb vor dem Einsetzen der Flasche gründlich. Die PET-Flasche soll die vorhandene Feuchtigkeit möglichst lange erhalten. Sie ist nicht dafür gedacht, einen vollständig ausgetrockneten Wurzelballen langsam wieder zu durchfeuchten.

Der Wasserbedarf wurde unterschätzt

Eine 1,5-l-Flasche enthält maximal 1,5 l Wasser. Das klingt zunächst viel, kann bei einer großen Tomate, einer Hortensie oder einem dicht bepflanzten Balkonkasten aber nur für kurze Zeit reichen.

Topfpflanzen sind vollständig auf das im Gefäß vorhandene Wasser angewiesen. Bei Hitze und Wind können manche Kübelpflanzen täglich oder sogar zweimal täglich Wasser benötigen. Große und tiefe Töpfe speichern Feuchtigkeit länger als flache Gefäße. Auch Terrakottatöpfe trocknen schneller aus als Kunststoffkübel.

Die Flasche steht nicht sicher

Eine volle 1,5-l-Flasche ist relativ schwer und bietet dem Wind eine große Angriffsfläche. In kleinen oder leichten Töpfen kann sie kippen und dabei die Pflanze beschädigen.

Eine kleinere Flasche oder eine zusätzliche Halterung ist hier meist sinnvoller. Alternativ können Sie die Flasche tiefer einsetzen oder neben einem stabilen Pflanzenstab befestigen.

Das System wurde vorher nicht getestet

Der größte Fehler ist, die Flasche erst am Abreisetag einzusetzen. Ob sie zwei Stunden oder mehrere Tage hält, lässt sich anhand der Lochgröße allein nicht zuverlässig vorhersagen.

Planen Sie deshalb mindestens zwei bis drei Testtage ein. Beobachten Sie dabei:

  • Wie stark sinkt der Wasserstand innerhalb von 24 Stunden?
  • Bleibt die Erde gleichmäßig feucht?
  • Läuft Wasser aus dem Topf?
  • Ist die Flasche am nächsten Morgen noch gefüllt?
  • Zeigt die Pflanze Anzeichen von Trockenheit oder Staunässe?

Bewässerung mit PET-Flasche selber bauen

Für die klassische Variante benötigen Sie:

  • eine saubere PET-Getränkeflasche,
  • den dazugehörigen Schraubdeckel,
  • einen dünnen Bohrer, eine Ahle oder einen Nagel,
  • bei Bedarf einen Pflanzenstab und eine Schnur.

Verwenden Sie keine Behälter, in denen zuvor Reinigungsmittel, Kraftstoffe oder andere problematische Flüssigkeiten gelagert wurden.

Schritt 1: Flasche auswählen

Für kleinere Töpfe reichen Flaschen mit 0,5 oder 1 l Inhalt. In größeren Kübeln können Sie eine 1,5-l- oder 2-l-Flasche verwenden.

Die Größe der Flasche sollte zum Pflanzgefäß passen. Eine große Flasche in einem kleinen Topf ist instabil und kann zu viel Wasser an einer Stelle konzentrieren.

Schritt 2: Öffnung in den Deckel bohren

Beginnen Sie mit einer kleinen Öffnung. Bohren Sie nicht sofort mehrere große Löcher in den Deckel. Der Durchfluss lässt sich später leichter erhöhen als wieder verringern.

Statt die Öffnung allein nach ihrem Durchmesser zu beurteilen, testen Sie die Flasche im vorgesehenen Pflanzgefäß. Erde und Standort beeinflussen das Ergebnis stärker, als viele Anleitungen vermuten lassen.

Schritt 3: Pflanze gründlich wässern

Gießen Sie den Topf langsam und gleichmäßig. Die Erde sollte feucht sein, aber nicht vollständig unter Wasser stehen.

Lassen Sie überschüssiges Wasser aus den Abzugslöchern ablaufen. Dadurch startet das Flaschensystem unter realistischen Bedingungen und muss nicht zunächst einen trockenen Wurzelballen versorgen.

PET-Bewässerung selber bauen

Schritt 4: Loch für den Flaschenhals vorbereiten

Drücken Sie den Deckel nicht mit Gewalt in die Erde. Stechen oder graben Sie zunächst ein schmales Loch. Setzen Sie die gefüllte und verschlossene Flasche anschließend mit dem Deckel nach unten hinein.

Die Flasche sollte mehrere Zentimeter tief und möglichst senkrecht stehen. Der Deckel muss Kontakt zur Erde haben.

Schritt 5: Flasche sichern

Bei größeren Flaschen empfiehlt sich eine Befestigung an einem Pflanzenstab. Binden Sie die Flasche locker fest, damit sie bei Wind nicht umkippt.

Achten Sie darauf, dass die Konstruktion keine Triebe abknickt und der Flaschenhals nicht auf empfindliche Wurzeln gedrückt wird.

Schritt 6: Wasserabgabe kontrollieren

Markieren Sie den Wasserstand mit einem Stift oder einem Stück Klebeband. Kontrollieren Sie nach einigen Stunden und am folgenden Tag, wie viel Wasser ausgetreten ist.

Ist die Flasche bereits leer, verkleinern Sie die Öffnung oder verwenden Sie einen neuen Deckel. Bleibt der Wasserstand unverändert und beginnt die Erde auszutrocknen, benötigen Sie eine etwas größere oder eine zusätzliche Öffnung.

Wie lange reicht eine PET-Flasche?

Die mögliche Dauer hängt vom tatsächlichen Wasserverbrauch der Pflanze ab. Eine einfache Rechnung zeigt, warum eine einzelne Flasche keine mehrwöchige Versorgung garantieren kann.

Täglicher Wasserbedarf1-l-Flasche1,5-l-Flasche2-l-Flasche
200 ml5 Tage7,5 Tage10 Tage
500 ml2 Tage3 Tage4 Tage
1.000 ml1 Tag1,5 Tage2 Tage

Die Tabelle zeigt nur theoretische Werte. In der Praxis kann Wasser zu schnell auslaufen, verdunsten oder nicht den gesamten Wurzelraum erreichen.

Bei großen, stark belaubten Pflanzen in sonniger Lage kann eine Flasche deshalb deutlich kürzer reichen. Kleine Zimmerpflanzen an einem kühlen Standort kommen möglicherweise wesentlich länger damit aus.

Alternative 1: PET-Flasche aufrecht eingraben

Für Beete und große Kübel kann eine aufrecht eingesetzte Flasche praktischer sein.

Dazu stechen Sie mehrere kleine Löcher in den unteren Bereich der Flasche und graben sie neben der Pflanze ein. Der Flaschenhals bleibt oberhalb der Erde und dient zum Nachfüllen. Auch der NDR beschreibt eingegrabene Kunststoffflaschen als einfache Möglichkeit, Wasser direkt in den Boden zu bringen.

Diese Variante hat mehrere Vorteile:

  • Die Flasche steht stabiler.
  • Sie lässt sich nachfüllen, ohne sie herauszuziehen.
  • Das Wasser gelangt tiefer in den Wurzelbereich.
  • Die Öffnungen werden weniger stark durch das Gewicht der Flasche belastet.

Allerdings muss auch dieses System getestet werden. Zu viele oder zu große Löcher führen dazu, dass der Vorrat sofort im Boden versickert.

Bei mehrjährig genutzten Beeten sind poröse Tongefäße, sogenannte Ollas, meist die dauerhaft bessere Lösung. Sie geben Wasser langsam über ihre Wandung an die umgebende Erde ab.

Alternative 2: Bewässerung mit einem Docht

Eine weitere Möglichkeit ist eine PET-Flasche als Wasserreservoir neben dem Blumentopf. Eine Baumwollschnur verbindet das Wasser mit der Blumenerde.

So gehen Sie vor:

  1. Füllen Sie die Flasche oder einen anderen Behälter mit Wasser.
  2. Tränken Sie eine Baumwollkordel vollständig mit Wasser.
  3. Stecken Sie ein Ende tief in die Blumenerde.
  4. Legen Sie das andere Ende bis zum Flaschenboden ins Wasser.
  5. Stellen Sie den Wasservorrat möglichst auf gleicher Höhe oder etwas oberhalb des Topfes auf.

Das Wasser wandert durch die feinen Hohlräume der Schnur zur trockeneren Erde. Verantwortlich ist der Kapillartransport. Auch hier ist die Wassermenge nicht automatisch perfekt dosiert. Dicke, Länge und Material der Schnur sowie der Höhenunterschied zwischen Vorratsbehälter und Topf beeinflussen den Durchfluss.

Die Dochtbewässerung eignet sich vor allem für Zimmerpflanzen und kleinere Töpfe. Bei großen, durstigen Balkonpflanzen reicht ein einzelner Docht oft nicht aus.

Bewässerungs-Systeme im Vergleich

Welche Pflanzen eignen sich für die Flaschenbewässerung?

Gut geeignet ist die Methode für einzelne Pflanzen in überschaubaren Gefäßen, beispielsweise:

  • Kräuter in größeren Töpfen,
  • kleinere Zimmerpflanzen,
  • Geranien und andere Balkonblumen,
  • einzelne Paprika- oder Tomatenpflanzen,
  • frisch gesetzte Pflanzen im Beet.

Weniger geeignet ist sie für:

  • sehr große Kübelpflanzen,
  • dicht bepflanzte Balkonkästen,
  • mehrere große Tomatenpflanzen,
  • Pflanzen mit empfindlichen Wurzeln,
  • längere Abwesenheiten während einer Hitzeperiode,
  • Pflanzen, die keine dauerhaft feuchte Erde vertragen.

Sukkulenten, Kakteen und viele mediterrane Kräuter benötigen häufig keine kontinuierliche Wasserzufuhr. Eine tropfende Flasche kann bei ihnen eher Staunässe und Wurzelschäden verursachen.

So reduzieren Sie den Wasserverbrauch vor dem Urlaub

Die PET-Flasche sollte nur ein Teil der Vorbereitung sein. Häufig lässt sich der Wasserbedarf stärker reduzieren, indem Sie den Standort und die Pflanze vorbereiten.

Kübel schattiger aufstellen

Stellen Sie bewegliche Töpfe während der Abwesenheit an einen hellen, aber weniger sonnigen und windgeschützten Platz. In warmem, windigem Wetter verlieren Pflanzen besonders viel Wasser über ihre Blätter. Ein schattigerer Standort senkt den Verbrauch.

Töpfe zusammenstellen

Eng zusammengestellte Pflanzen beschatten sich gegenseitig. Gleichzeitig ist die Luftfeuchtigkeit zwischen den Blättern etwas höher. Das kann die Verdunstung verringern.

Erde abdecken

Eine dünne Mulchschicht aus geeignetem Pflanzenmaterial, Rindenstücken oder mineralischem Mulch bremst die Verdunstung an der Erdoberfläche. Die Flasche hält dadurch länger.

Nicht unmittelbar vorher düngen

Dünger regt das Wachstum an. Neue Triebe und Blätter erhöhen den Wasserbedarf. Sowohl der NDR als auch die University of Vermont raten deshalb davon ab, Pflanzen kurz vor einer längeren Abwesenheit zu düngen.

Verblühtes und unnötige Triebe entfernen

Bei geeigneten Balkon- und Zierpflanzen können Sie Verblühtes sowie sehr lange Triebe zurückschneiden. Weniger Blattmasse bedeutet in vielen Fällen einen geringeren Wasserverbrauch. Der Rückschnitt muss allerdings zur jeweiligen Pflanzenart passen.

Wann reicht eine PET-Flasche nicht aus?

Die Flaschenbewässerung ist eine günstige Übergangslösung. Sie ersetzt keine verlässlich geregelte Bewässerungsanlage.

Bei einer Abwesenheit von mehr als einigen Tagen sollten Sie eine andere Lösung einplanen, wenn:

  • die Wettervorhersage hohe Temperaturen ankündigt,
  • mehrere große Kübel versorgt werden müssen,
  • der Balkon sehr sonnig und windig ist,
  • empfindliche oder wertvolle Pflanzen betroffen sind,
  • niemand das System zwischendurch kontrollieren kann.

Mögliche Alternativen sind größere Wasserspeicher, Blumenkästen mit Reservoir, Tropfschläuche, Tonkegel, Ollas oder automatische Tropfbewässerungen. Bei langen Reisen bleibt eine Person, die regelmäßig nach den Pflanzen sieht, meist die zuverlässigste Lösung.

Fazit: Die PET-Flasche funktioniert nur mit Testlauf

Eine PET-Flasche kann einzelne Pflanzen mehrere Tage mit Wasser versorgen. Verlassen sollten Sie sich darauf aber erst nach einem erfolgreichen Test.

Es gibt keine Lochgröße, die in jedem Topf funktioniert. Zu unterschiedlich sind Erde, Pflanzengröße, Standort und Wasserbedarf. Bohren Sie deshalb zunächst eine kleine Öffnung, wässern Sie die Erde gründlich und beobachten Sie den Wasserstand mindestens zwei Tage lang.

Läuft die Flasche kontrolliert leer und bleibt die Erde gleichmäßig feucht, eignet sich das System für eine kurze Abwesenheit. Entleert sie sich innerhalb weniger Stunden oder bleibt vollständig gefüllt, müssen Sie nachbessern. Der einfache Trick ist damit keine automatische Bewässerung – aber eine brauchbare Notlösung, wenn sie sorgfältig vorbereitet wird.

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