Ob Akku- oder Benzin-Kettensäge besser passt, hängt weniger von der Größe des Gartens ab als von der Arbeit, die dort anfällt. Wer nur gelegentlich Obstbäume zurückschneidet oder Kaminholz ablängt, braucht etwas anderes als jemand, der regelmäßig mehrere Raummeter Holz verarbeitet.
Hinzu kommt: Akku-Kettensägen sind heute deutlich leistungsfähiger als noch vor einigen Jahren. Starke Modelle reichen inzwischen bis in den professionellen Bereich und kommen auch mit anspruchsvolleren Arbeiten zurecht.
Die einfache Faustregel „Akku für kleine Arbeiten, Benzin für dickes Holz“ ist deshalb überholt. Wichtiger sind Holzstärke, Arbeitsmenge und die Frage, wie lange die Säge am Stück laufen soll.

Das Wichtigste in Kürze
- Für typische Arbeiten im privaten Garten reicht eine gute Akku-Kettensäge heute meist aus.
- Akku-Sägen eignen sich besonders zum Entasten, für Pflegeschnitte und gelegentliche Brennholzarbeiten.
- Benzinsägen sind weiterhin im Vorteil, wenn lange und mit wenigen Unterbrechungen gearbeitet wird.
- Dickes Holz ist nicht automatisch ein Argument für Benzin. Auch leistungsstarke Akku-Sägen können kräftige Stämme bearbeiten.
- Akku-Sägen sind deutlich leiser und verursachen am Einsatzort keine Abgase.
- Beim Gewicht ist Akku nicht zwangsläufig im Vorteil – der Akku selbst muss mitgerechnet werden.
- Wer bereits passende Akkus für andere Gartengeräte besitzt, sollte diesen Kostenvorteil berücksichtigen.
- Unabhängig vom Antrieb bleibt eine Kettensäge ein gefährliches Werkzeug.
Für viele Gartenarbeiten reicht Akku inzwischen aus
Noch vor einigen Jahren ließ sich der Unterschied recht einfach beschreiben: Akku-Sägen waren praktisch und leise, Benzinsägen deutlich leistungsfähiger. Diese Grenze ist verschwommen.
Wie nah beide Antriebskonzepte inzwischen zusammenliegen können, zeigen professionelle Geräte von Husqvarna. Die Akku-Kettensäge 542i XP wird mit 1,8 kW Ausgangsleistung angegeben. Die benzinbetriebene 540 XP Mark III kommt auf 1,9 kW. Das macht daraus noch keine direkt vergleichbaren Sägen – unter anderem unterscheiden sich Schneidgarnitur und konstruktive Auslegung. Die Leistungswerte zeigen aber, dass ein Akku-Antrieb längst nicht mehr automatisch für geringe Motorleistung steht.
Für typische Arbeiten rund ums Haus braucht es solche Profigeräte ohnehin nicht. Wer Obstbäume pflegt, einzelne Äste entfernt, Sturmholz zerteilt oder gelegentlich Brennholz ablängt, findet mittlerweile eine große Auswahl geeigneter Akku-Modelle.
Wer noch unsicher ist, ob überhaupt eine Kettensäge oder vielleicht eine andere Säge benötigt wird, findet hier einen Überblick: Die wichtigsten Sägen für Heimwerker und Gartenbesitzer.
Wann stößt eine Akku-Kettensäge an ihre Grenzen?
Der wesentliche Unterschied zeigt sich weniger beim einzelnen Schnitt als bei der Menge der Arbeit. Eine Benzinsäge lässt sich nach wenigen Minuten wieder betanken. Bei einer Akku-Säge braucht es dagegen einen geladenen Wechselakku oder eine Ladepause.
Beim Zurückschneiden einiger Äste spielt das kaum eine Rolle. Eine Kettensäge läuft bei solchen Arbeiten ohnehin nicht permanent. Nach einem Schnitt wird Holz weggeräumt, die Arbeitsposition verändert oder der nächste Ast vorbereitet.
Anders sieht es aus, wenn ein größerer Stapel Stammholz zu Brennholz verarbeitet werden soll. Dann kann die Säge über längere Zeit stark belastet werden. Mehrere große Akkus können das ausgleichen – sie verteuern das System aber erheblich.
Nicht der einzelne dicke Stamm spricht deshalb für Benzin. Die Menge des Holzes kann es tun.
Benzin bleibt vor allem interessant, wenn:
- regelmäßig größere Mengen Brennholz gesägt werden,
- längere Arbeitseinsätze geplant sind,
- weit entfernt von einer Lademöglichkeit gearbeitet wird,
- mehrere Stunden mit möglichst kurzen Unterbrechungen gesägt werden soll.
Für gelegentliche Gartenarbeiten ist dieser Vorteil häufig weniger wichtig.

Wie lange hält der Akku einer Kettensäge?
Angaben wie „30 Minuten Laufzeit“ sind bei einer Kettensäge nur begrenzt hilfreich.
Wie lange ein Akku durchhält, hängt unter anderem von Holzart, Stammdurchmesser, Kette, Säge und Belastung ab. Hinzu kommt, dass die Maschine bei typischen Gartenarbeiten nur einen Teil der Arbeitszeit tatsächlich sägt.
Auch Akkus unterscheiden sich erheblich. Beim STIHL-AK-System reicht der Energieinhalt beispielsweise von 72 Wh beim AK 10 über 144 Wh beim AK 20 bis 180 Wh beim AK 30 S. Letzterer wiegt 1,3 kg. Interessant ist dabei auch die Bezeichnung der Spannung: STIHL nennt 36 V Nennspannung und 40 V Maximalspannung für denselben Akku. Die Voltzahl allein taugt daher kaum als Maßstab für die Leistungsfähigkeit einer Kettensäge.
Beim Kauf sind andere Fragen wichtiger:
- Welchen Akku empfiehlt der Hersteller für die Säge?
- Wie viel Energie speichert er?
- Wie lange dauert das Laden?
- Was kostet ein zweiter Akku?
- Passt der Akku auch in andere Gartengeräte?
Gerade der letzte Punkt kann die Rechnung verändern.
Ein vorhandenes Akkusystem kann viel Geld sparen
Wer bereits Akku-Rasenmäher, Heckenschere, Rasentrimmer oder Laubbläser eines Systems besitzt, braucht möglicherweise für die Kettensäge weder neuen Akku noch Ladegerät. Dann wird aus dem vermeintlich teureren Akku-System schnell die günstigere Lösung.
Das funktioniert allerdings nur innerhalb kompatibler Akku-Familien. Selbst beim selben Hersteller sind nicht zwangsläufig sämtliche Geräte untereinander kompatibel. STIHL unterscheidet beispielsweise verschiedene Akku-Systeme für private und professionelle Anwendungen.
Wer mehrere Gartengeräte anschaffen möchte, sollte deshalb weniger auf den Einzelpreis der Säge und stärker auf das gesamte Akku-System schauen.

Dickes Holz ist kein automatisches Argument für Benzin
Eine kleine Akku-Säge für leichte Baumpflege ist natürlich nicht die richtige Maschine, um regelmäßig starke Stämme zu zerlegen.
Umgekehrt kann eine leistungsfähige Akku-Kettensäge durchaus kräftiges Holz bearbeiten. Bei der bereits genannten Husqvarna 542i XP sind beispielsweise Führungsschienen zwischen 30 und 40 cm vorgesehen.
Für die tatsächliche Schnittleistung spielen mehrere Faktoren zusammen:
- Motorleistung,
- Schienenlänge,
- Kettentyp,
- Schärfe der Kette,
- Holzart und Holzzustand,
- Belastungsdauer.
Deshalb sollte eine Motorsäge nach dem vorgesehenen Einsatz ausgewählt werden – und nicht allein danach, ob ein Akku oder ein Tank im Gehäuse steckt.
Akku oder Benzin: Was passt zu welcher Arbeit?
| Arbeit | Tendenz |
| Obstbäume auslichten | Akku |
| einzelne stärkere Äste entfernen | Akku |
| Sturmholz im Garten zerteilen | Akku |
| gelegentlich Brennholz ablängen | Akku |
| kleineren Baum fällen | beide möglich; Erfahrung wichtiger als Antrieb |
| regelmäßig größere Brennholzmengen sägen | eher Benzin |
| mehrere Stunden mit kurzen Unterbrechungen arbeiten | eher Benzin |
| Arbeiten in dichter Wohnbebauung | klarer Vorteil Akku |
| abgelegenes Grundstück ohne Lademöglichkeit | Benzin oder mehrere Akkus |
| bereits vorhandenes Akku-Gartensystem | Akku besonders interessant |
Beim Fällen eines Baums entscheidet allerdings nicht nur die Motorsäge. Größe, Fallrichtung, Umgebung und Erfahrung sind wesentlich wichtiger. Zudem kann eine Fällung aus naturschutzrechtlichen oder kommunalen Gründen eingeschränkt sein. Mehr dazu: Baum fällen im eigenen Garten – darf man das?.

Akku ist nicht automatisch leichter
Beim Gewicht lohnt sich ein genauer Blick in die technischen Daten.
Viele Akku-Sägen werden ohne Akku gewogen. Das lässt sie auf dem Papier besonders leicht erscheinen. Die Husqvarna 542i XP wiegt beispielsweise ohne Akku und Schneidausrüstung 3,1 kg. Bei einem größeren Akku kommt schnell deutlich mehr als 1 kg hinzu. Eine vergleichbare Benzinsäge trägt dafür Kraftstoff und Öl mit sich.
Für die Praxis zählt daher das einsatzbereite Gewicht. Außerdem beeinflusst die Gewichtsverteilung, wie handlich eine Säge wirkt. Gerade bei längeren Arbeiten kann eine gut ausbalancierte Maschine angenehmer sein als ein nominell leichteres Modell.
Beim Start ist der Akku bequemer
Akku einsetzen, Maschine entsperren, starten. Beim Benziner kommen je nach Modell Seilzugstarter, Kraftstoff und ein kalter Verbrennungsmotor hinzu. Moderne Benzinsägen sind zwar erheblich komfortabler geworden, der Elektromotor bleibt im Alltag aber unkomplizierter.
Auch der Wartungsaufwand des Antriebs ist geringer. Bei einer Benzinsäge müssen je nach Bauart unter anderem Luftfilter, Zündkerze und Kraftstoffsystem berücksichtigt werden.
Kette und Führungsschiene brauchen dagegen bei beiden Varianten Pflege:
- Kette kontrollieren und nachspannen,
- Kettenöl nachfüllen,
- Führungsschiene reinigen,
- Kette schärfen oder austauschen.
Eine Akku-Kettensäge ist also wartungsärmer, aber keineswegs wartungsfrei.
Beim Lärm gibt es einen deutlichen Unterschied
Vor allem in Wohngebieten spricht der Geräuschpegel für Akku.Beim Husqvarna-Beispiel gibt der Hersteller für die Akku-Säge 542i XP einen Schalldruckpegel am Ohr der Bedienperson von 91 dB(A) an. Bei der Benzinsäge 540 XP Mark III sind es 102 dB(A). Auch wenn es sich nicht um baugleiche Maschinen handelt, ist der Unterschied beträchtlich. Die Dezibelskala ist logarithmisch. Elf Dezibel Differenz sind deshalb keineswegs gering.
Leise ist aber auch die Akku-Kettensäge nicht. Kette und Holz verursachen weiterhin erheblichen Schall. Gehörschutz sollte auch bei Akku-Geräten getragen werden. Der TÜV-Verband zählt ihn neben Schnittschutzhose, geeignetem Schuhwerk, Handschuhen sowie Kopf- und Gesichtsschutz zur empfohlenen Sicherheitsausrüstung.
Weitere Hinweise zum sicheren Umgang mit Gartengeräten finden Sie hier: Sicherheit im Garten – die 6 größten Unfallgefahren.
Darf eine Akku-Kettensäge sonntags laufen?
Eine leisere Motorsäge darf nicht automatisch zu jeder Zeit eingesetzt werden. Die Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung erfasst tragbare Motorkettensägen ausdrücklich.
In den von der Verordnung genannten Wohn-, Erholungs- und vergleichbaren Gebieten dürfen sie an Sonn- und Feiertagen grundsätzlich nicht und werktags zwischen 20 und 7 Uhr nicht im Freien betrieben werden. Samstag zählt dabei als Werktag. Weitergehende örtliche Vorschriften bleiben möglich.
Die zusätzlichen Ruhezeiten, die beispielsweise für bestimmte Laubbläser und Freischneider gelten, betreffen Motorkettensägen nicht.
Akku verursacht am Einsatzort keine Abgase
Eine Akku-Säge stößt während der Arbeit am Gerät keine Verbrennungsabgase aus. Gerade wenn länger gesägt wird, ist das angenehm.
Daraus sollte allerdings nicht die Aussage werden, eine Akku-Kettensäge sei grundsätzlich „emissionsfrei“. Herstellung, Stromerzeugung und vor allem der Akku verursachen ebenfalls Umweltwirkungen.
Das Umweltbundesamt nennt deshalb bei akkubetriebenen Gartengeräten neben dem Lärm auch Langlebigkeit, Reparierbarkeit, Akkuqualität und die langfristige Verfügbarkeit von Ersatzakkus als wichtige Kriterien.
Ein Akku, der auch nach mehreren Jahren noch ersetzt und in unterschiedlichen Geräten verwendet werden kann, ist daher sinnvoller als ein kurzlebiges Inselsystem.
Vorsicht bei kleinen Top-Handle-Kettensägen
Kompakte Kettensägen wirken auf den ersten Blick besonders handlich. Bei sogenannten Top-Handle-Sägen sitzt der hintere Griff oben auf dem Gehäuse. Solche Modelle werden jedoch für die professionelle Baumpflege entwickelt. STIHL beschreibt aktuelle Top-Handle-Geräte ausdrücklich als professionelle Baumpflegesägen.
Für Einsteiger im Garten ist eine normale Zweihand-Kettensäge mit hinterem Griff die sinnvollere Wahl. Auch eine kleine Akku-Säge bleibt eine Motorsäge. Der elektrische Antrieb ändert nichts an der Gefährlichkeit der schnell laufenden Kette.
Braucht man für die Kettensäge einen Motorsägenschein?
Auf dem eigenen Grundstück gibt es keine allgemeine bundesweite Pflicht, einen sogenannten Motorsägenschein zu besitzen.
Bei Arbeiten im Wald kann das anders aussehen. Das Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) weist darauf hin, dass Waldbesitzer für Selbstwerber einen Motorsägenkurs verlangen können. In zertifizierten Waldbeständen wird ein entsprechender Nachweis in der Regel vorausgesetzt. Eine bundesweit einheitliche Regelung gibt es laut KWF nicht.
Auch ohne Pflicht ist ein Kurs für unerfahrene Nutzer sinnvoll. Dort lassen sich Schnitttechnik, Rückschlaggefahr und der sichere Umgang mit der Maschine praktisch trainieren.
Akku oder Benzin: Was lohnt sich nun?
Für viele typische Arbeiten eines privaten Gartenbesitzers spricht inzwischen viel für Akku: Die Maschinen starten unkompliziert, sind wartungsärmer und erheblich leiser. Wer bereits ein geeignetes Akkusystem besitzt, kann außerdem bei der Anschaffung sparen.
Benzin lohnt sich weiterhin dort, wo die Kettensäge lange und häufig läuft. Wer regelmäßig größere Mengen Brennholz verarbeitet oder fernab jeder Lademöglichkeit arbeitet, kann den Tank innerhalb weniger Minuten füllen und weitersägen. Die Größe des Gartens sagt darüber wenig aus.
Der einzelne dicke Ast ist kein überzeugendes Argument für einen Benziner. Viele dicke Äste und lange Arbeitstage können es dagegen durchaus sein.
Quellen
- Husqvarna: Technische Daten der Akku-Motorsäge 542i XP
- Husqvarna: Technische Daten der Benzin-Motorsäge 540 XP Mark III
- STIHL: AK-System und Akku-Technologie
- TÜV-Verband: Arbeitsschutz im Garten: Kettensägen sicher einsetzen
- Bundesministerium der Justiz: § 7 der Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung
- Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF): FAQ zu Motorsägenkursen und Motorsägenschein
- Umweltbundesamt: Beschaffungsleitfaden für Gartengeräte



