Viele Bauherren denken bei einem feuchten Keller sofort an eine Drainage. Die Vorstellung klingt logisch: Wasser ableiten, Keller trocken halten, Problem gelöst. Genau so einfach ist es allerdings nicht. Eine Drainage ist keine Universallösung gegen Feuchtigkeit. In manchen Fällen hilft sie tatsächlich. In anderen bringt sie kaum Vorteile oder verursacht später sogar neue Probleme.
Ob eine Drainage sinnvoll ist, hängt vor allem vom Boden, vom Wasser rund ums Haus und von der Bauweise des Kellers ab.

Das erwartet Sie in diesem Beitrag
- Was macht eine Drainage überhaupt?
- Drainage ist kein Standard mehr
- Wann eine Drainage sinnvoll sein kann
- Wann eine Drainage wenig bringt
- Welche Arten von Drainageschichten gibt es?
- Typische Fehler bei Drainagen
- Wohin darf das Wasser eigentlich?
- Drainagen brauchen Wartung
- Vorteile einer Drainage
- Nachteile einer Drainage
- Was kostet eine Drainage fürs Haus?
- Fazit
Was macht eine Drainage überhaupt?
Eine Gebäudedrainage sammelt Sickerwasser im Bereich der Kellerwände und leitet es kontrolliert ab. Dadurch soll verhindert werden, dass sich Wasser dauerhaft an erdberührten Bauteilen staut.
Wichtig ist dabei: Eine Drainage ersetzt niemals die Kellerabdichtung. Sie kann die Belastung auf die Abdichtung reduzieren, mehr aber auch nicht. Der eigentliche Schutz gegen Feuchtigkeit bleibt immer die Abdichtung des Kellers.
Moderne Keller werden heute nach der DIN 18533 gegen Feuchtigkeit geschützt. Die Norm legt fest, welche Abdichtung bei welcher Wasserbelastung notwendig ist. Die DIN 4095 regelt dagegen Planung und Einbau von Drainagen.
Eine typische Ringdrainage besteht aus mehreren Bauteilen:
- Drainagerohre mit leichtem Gefälle
- Kiesschicht rund um die Rohre
- Filtervlies gegen Verschlämmung
- Kontroll- und Spülschächte
- Ableitung oder Versickerung des Wassers
Die Rohre verlaufen meist rund um das Gebäude. Sie liegen in der Regel knapp unterhalb der Bodenplatte. Durch kleine Öffnungen gelangt Wasser in die Rohre und wird abgeleitet.
Damit die Rohre nicht verschlammen, wird rundherum eine durchlässige Kiesschicht eingebaut. Ein Filtervlies verhindert zusätzlich, dass feine Bodenpartikel die Drainage zusetzen.

Drainage ist kein Standard mehr
Früher wurden Drainagen deutlich häufiger eingebaut als heute. Viele ältere Häuser besitzen deshalb eine Ringdrainage rund ums Gebäude.
Bei modernen Neubauten verzichten Planer inzwischen oft bewusst darauf. Dafür gibt es mehrere Gründe:
- moderne Abdichtungssysteme funktionieren deutlich besser,
- Drainagen benötigen Wartung,
- falsch ausgeführte Anlagen verursachen häufig Schäden,
- und nicht jeder Boden eignet sich überhaupt dafür.
Gerade bei Neubauten setzen viele Bauunternehmen heute stattdessen auf sogenannte wasserundurchlässige Konstruktionen. Umgangssprachlich ist häufig von der „Weißen Wanne“ die Rede. Dabei besteht der Keller aus wasserundurchlässigem Beton. Zusätzlich werden Fugen und Anschlüsse besonders abgedichtet.
Wann eine Drainage sinnvoll sein kann
Eine Drainage kommt vor allem dann infrage, wenn sich zeitweise Sickerwasser an den Kellerwänden staut und nicht schnell genug versickert.
Das betrifft häufig bindige Böden wie:
- Lehm
- Ton
- stark schluffhaltige Böden
Solche Böden lassen Wasser nur langsam durchsickern. Nach längeren Regenfällen kann sich deshalb Feuchtigkeit im Bereich der Kellerwände sammeln. Eine Drainage kann dann helfen, die Wasserbelastung rund ums Gebäude zu reduzieren.
Besonders bei älteren Häusern ist das oft sinnvoll. Viele Altbauten besitzen keine durchgehende Bodenplatte oder nur eine unzureichende Abdichtung. Manche Keller wurden ursprünglich gar nicht für trockene Wohnräume ausgelegt. Eine Drainage kann hier Feuchtigkeitsprobleme zumindest verringern.
Wann eine Drainage wenig bringt
Nicht jeder feuchte Keller braucht automatisch eine Drainage. Genau hier passieren viele Fehlentscheidungen.
Liegt dauerhaft hoher Grundwasserstand vor, hilft eine klassische Drainage häufig kaum weiter. Denn die Rohre würden dauerhaft im Wasser liegen. Teilweise sind Drainagen in solchen Fällen sogar unzulässig.
Auch bei drückendem Wasser reicht eine einfache Drainage nicht aus. Dann braucht das Gebäude eine deutlich aufwendigere Abdichtung.
Ein weiterer Irrtum:
Viele Hausbesitzer hoffen, mit einer Drainage Schäden an einer mangelhaften Kellerabdichtung ausgleichen zu können. Das funktioniert meistens nicht dauerhaft.
Eine Drainage kann Wasser ableiten. Sie kann aber keine defekte Abdichtung ersetzen.

Welche Arten von Drainageschichten gibt es?
Damit Wasser überhaupt bis zu den Drainagerohren gelangt, braucht es eine durchlässige Schicht entlang der Kellerwand. Dafür kommen unterschiedliche Systeme infrage.
Stufenfilter aus Kies
Die klassische Lösung besteht aus einer Kiesschicht mit zusätzlicher Filterschicht.
Verwendet wird zum Beispiel Kies der Körnung:
- 8/16 mm
- 16/32 mm
Ein Filtervlies oder eine feine Sandschicht verhindert, dass Bodenpartikel eingeschwemmt werden.
Das System funktioniert zuverlässig, benötigt aber ausreichend Platz in der Baugrube.
Drainagesteine
Drainagesteine bestehen meist aus haufwerksporigem Beton. Durch die vielen Hohlräume kann Wasser nach unten abfließen.
Die Steine werden ohne Mörtel an die Kellerwand gestellt. Sie bilden gleichzeitig eine Drainageschicht und einen mechanischen Schutz der Abdichtung.
Heute sieht man solche Systeme allerdings seltener als früher.
Drainageplatten
Drainageplatten kombinieren Wärmedämmung und Wasserableitung.
Viele Systeme bestehen aus druckfestem Perimeterdämmstoff mit eingeprägten Wasserkanälen. Ein aufkaschiertes Filtervlies verhindert das Zusetzen der Kanäle.
Solche Lösungen sparen Platz und werden bei Neubauten häufig eingesetzt.
Wichtig ist eine saubere Verlegung:
- möglichst fugenarm,
- ohne Kreuzstöße,
- und passend zum Abdichtungssystem.
Drainagematten
Drainagematten ähneln Noppenbahnen, besitzen zusätzlich aber eine Drainagefunktion.
Sie bestehen meist aus Kunststoff und werden als Rollenware geliefert. Das erleichtert die Verarbeitung.
Das Vlies auf der Außenseite verhindert, dass Erde die Hohlräume zusetzt. Gleichzeitig schützen die Matten die Kellerabdichtung beim Verfüllen der Baugrube.

Typische Fehler bei Drainagen
Genau hier entstehen in der Praxis viele Probleme.
Häufige Fehler sind:
- falsches Gefälle der Rohre,
- ungeeigneter Kies,
- fehlende Kontrollschächte,
- verschlämmte Filtervliese,
- beschädigte Drainagerohre,
- fehlende Wartung,
- falscher Anschluss der Ableitung.
Besonders kritisch wird es, wenn das Wasser später nicht zuverlässig abgeführt werden kann. Dann staut sich Feuchtigkeit trotz Drainage wieder am Gebäude.
Auch billige flexible Wellrohre sorgen häufig für Probleme. Sie verformen sich leichter und lassen sich schlechter reinigen als stabile Drainagerohre.
Wohin darf das Wasser eigentlich?
Das unterschätzen viele Bauherren.
Drainagewasser darf nicht automatisch:
- in die Kanalisation,
- in ein Gewässer,
- oder einfach ins Erdreich geleitet werden.
Welche Lösung erlaubt ist, hängt von:
- Kommune,
- Bodenverhältnissen,
- Wasserrecht
- und Grundstückssituation ab.
Teilweise braucht es:
- Rigolen,
- Sickerschächte,
- Pumpensümpfe,
- oder Hebeanlagen.
Vor dem Bau sollte deshalb immer mit Gemeinde oder Entwässerungsbetrieb gesprochen werden.
Drainagen brauchen Wartung
Eine Drainage funktioniert nur dauerhaft, wenn sie kontrolliert werden kann.
Deshalb gehören Spül- und Kontrollschächte zu jeder fachgerecht ausgeführten Anlage. Darüber lassen sich die Rohre später reinigen und überprüfen.
Viele ältere Drainagen fallen irgendwann aus, weil:
- Rohre verschlammen,
- Wurzeln einwachsen,
- oder Schäden unbemerkt bleiben.
Regelmäßige Kontrollen sind deshalb sinnvoll.
Vorteile einer Drainage
Eine fachgerecht geplante Drainage kann einige Vorteile bringen:
- geringere Wasserbelastung der Kellerwände,
- weniger Feuchtigkeitsprobleme,
- Entlastung der Abdichtung,
- sinnvoll bei bestimmten Altbauten und schwierigen Böden.
Nachteile einer Drainage
Drainagen besitzen allerdings auch deutliche Nachteile:
- hohe Kosten,
- wartungsintensiv,
- fehleranfällig,
- nicht überall zulässig,
- und keine Lösung bei Grundwasserproblemen.
Genau deshalb verzichten viele Neubauten heute bewusst auf eine Drainage.
Was kostet eine Drainage fürs Haus?
Eine Drainage fürs Haus ist deutlich teurer, als viele Bauherren erwarten. Das Problem sind weniger die Rohre selbst, sondern:
- Erdarbeiten,
- Aushub,
- Entsorgung,
- Wiederherstellung der Außenanlagen,
- Kontrollschächte,
- Rigolen,
- und die Arbeitszeit.
Für ein normales Einfamilienhaus liegen die Gesamtkosten heute oft zwischen:
| Maßnahme | Typische Kosten |
|---|---|
| Drainage beim Neubau | ca. 4.000 bis 10.000 € |
| Nachträgliche Drainage am Bestandsgebäude | ca. 8.000 bis 25.000 € |
| Kosten pro laufendem Meter | ca. 90 bis 150 € |
| Zusätzliche Rigole | ca. 1.000 bis 3.000 € |
| Kontroll-/Spülschacht | ca. 100 bis 300 € pro Stück |
Warum Bestandsgebäude deutlich teurer sind
Beim Neubau liegt die Baugrube ohnehin offen. Dadurch lässt sich die Drainage relativ einfach verlegen.
Bei bestehenden Häusern wird es teuer, weil:
- rund ums Haus aufgegraben werden muss,
- Terrassen und Wege entfernt werden,
- eventuell Bäume im Weg stehen,
- Abdichtungsschäden sichtbar werden,
- Boden entsorgt werden muss.
Der größte Kostenblock sind fast immer die Erdarbeiten.
Beispielrechnung für ein typisches Einfamilienhaus
Angenommen:
- Hausgrundfläche: 10 × 10 Meter
- Ringdrainage rund ums Gebäude
- etwa 40 Meter Drainageleitung
Dann entstehen grob:
| Posten | Kosten |
|---|---|
| Erdarbeiten | 3.000–8.000 € |
| Drainagerohre | 150–400 € |
| Kies + Filtervlies | 500–1.500 € |
| Kontrollschächte | 500–1.200 € |
| Arbeitskosten | 2.000–6.000 € |
| Wiederherstellung Außenbereich | 1.000–5.000 € |
Realistisch landen viele Projekte deshalb irgendwo zwischen:
10.000 und 20.000 €
Vor allem bei älteren Häusern.
Fazit
Ob ein Haus eine Drainage braucht, lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend sind Bodenverhältnisse, Wasserbelastung und Bauweise des Gebäudes.
Eine Drainage kann sinnvoll sein, wenn sich zeitweise Sickerwasser an den Kellerwänden staut. Sie ersetzt aber niemals die eigentliche Kellerabdichtung.
Gerade bei Neubauten lohnt sich eine genaue Planung. Denn eine falsch ausgeführte Drainage verursacht später oft mehr Probleme, als sie löst.















Hi Ich habe eine Frage zu dein Artikel. Ist die Drainage das gleiche wie eine Rohrreinigung?Und ab wann lohnt es sich zu entscheiden für eine Rohrsanierung?
Hallo Mian,
Drainage und Rohrreinigung sind zwei völlig verschiedene Dinge. Eine Drainage sorgt dafür, dass sich kein Oberflächenwasser am Baukörper staut und diesen beschädigt. Eine Rohrreinigung wird benötigt, wenn sich eine Abwasserleitung zusetzt.
Viele Grüße
Dominik Hochwarth