Ein nasser Keller ist für Hausbesitzer ein ernstes Problem. Feuchtigkeit schadet nicht nur der Bausubstanz, sondern senkt auch den Wert des gesamten Gebäudes. In der Vergangenheit dienten Kellerräume oft nur als Lager für Kohlen oder Vorräte. Heute ist das anders. Viele nutzen das Untergeschoss als Büro, Fitnessraum oder sogar als Einliegerwohnung. Solche hochwertigen Nutzungen erfordern absolut trockene Wände. Damit das gelingt, müssen die Bauteile, die das Erdreich berühren, professionell abgedichtet sein.
Eines der gängigsten Verfahren für diesen Zweck ist die sogenannte Schwarze Wanne. Dieser Beitrag erklärt Ihnen im Detail, wie die Abdichtung mit Bitumen funktioniert, welche technischen Regeln Sie beachten müssen und wie Sie typische Fehler vermeiden.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Schwarze Wanne schützt den Keller durch eine äußere Schicht aus Bitumen vor Feuchtigkeit.
- Moderne kunststoffmodifizierte Bitumendickbeschichtungen (KMB) sind flexibel, wasserabweisend und umweltfreundlicher als alte Teeranstriche.
- Vor dem Start ist die Analyse der Bodenverhältnisse (Lastfälle) nach DIN 18533 entscheidend.
- Eine sorgfältige Untergrundvorbereitung inklusive Hohlkehle ist das Fundament für eine dichte Wand.
- Die Schichtdicke muss während der Arbeit mit einem Messkamm kontrolliert werden, da das Material beim Trocknen schrumpft.
- Fehler bei der Abdichtung führen oft zu hohen Sanierungskosten; eine lückenlose Dokumentation ist daher ratsam.
Das erwartet Sie in diesem Beitrag
- Was ist eigentlich eine Schwarze Wanne?
- Die Wissenschaft hinter dem „Erdpech“
- Planung nach Maß: Die Rolle der Lastfälle
- Material und Werkzeug: Die Checkliste für Ihr Projekt
- Die Vorbereitung des Untergrunds
- Die Wahl des Systems: 1K oder 2K?
- Der richtige Schichtaufbau
- Der Messkamm: Präzision an der Wand
- Dokumentation und Kontrolle
- Häufige Fehlerquellen vermeiden
- Schutz der fertigen „Schwarzen Wanne“
- Fazit für Hausbesitzer
Was ist eigentlich eine Schwarze Wanne?
Der Name dieses Verfahrens ist Programm. Er leitet sich von der tiefschwarzen Farbe des verwendeten Materials ab. Im Gegensatz dazu besteht eine Weiße Wanne aus wasserundurchlässigem Beton (WU-Beton), der ohne zusätzliche Schicht dicht ist. Bei der Schwarzen Wanne hingegen erhält die Außenseite der Kellerwand einen wasserdichten Schutzmantel.
Früher verwendeten Handwerker hierfür oft Mischungen, die Teer enthielten. Diese sind heute aufgrund ihrer gesundheitsschädlichen Eigenschaften vom Markt verschwunden. Die moderne Baubranche setzt stattdessen auf kunststoffmodifizierte Bitumendickbeschichtungen, die Fachleute kurz KMB nennen. Diese Materialien sind deutlich leistungsfähiger als ihre Vorgänger. Sie bleiben auch bei Bewegungen im Mauerwerk elastisch und sind zudem umweltfreundlicher.
Die Wissenschaft hinter dem „Erdpech“
Bitumen ist ein Werkstoff mit einer langen Geschichte. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und lässt sich mit „Erdpech“ übersetzen. Es handelt sich um ein Naturprodukt, das entweder in Gesteinsschichten vorkommt oder bei der Verarbeitung von Erdöl gewonnen wird. Für die Bauwirtschaft ist vor allem das physikalische Verhalten interessant. Bitumen ist elasto-viskos. Das bedeutet, dass sich seine Zähigkeit mit der Temperatur ändert.
Ein entscheidender Vorteil ist die hydrophobe Eigenschaft: Bitumen stößt Wasser aktiv ab. Da reines Bitumen jedoch spröde werden kann, mischen Hersteller heute Kunststoffe und spezielle Emulsionen bei. Dadurch wird die Masse flexibel und kann Risse im Untergrund überbrücken. Das Material passt sich also den Gegebenheiten am Bau an, ohne seine Schutzfunktion zu verlieren.
Planung nach Maß: Die Rolle der Lastfälle
Bevor Sie mit der Arbeit beginnen oder Material bestellen, müssen Sie die Situation vor Ort genau analysieren. Nicht jede Kellerwand benötigt den gleichen Schutz. In Deutschland regelt die Norm DIN 18533, wie eine Abdichtung beschaffen sein muss. Hierbei spielen die sogenannten Lastfälle eine zentrale Rolle. Ein Bodengutachten gibt Ihnen Aufschluss darüber, wie durchlässig das Erdreich ist und wo der Grundwasserspiegel liegt.
Man unterscheidet zwei wesentliche Szenarien:
- Lastfall 4 (Bodenfeuchte): Hierbei handelt es sich um Wasser, das im Boden durch Kapillarkräfte gebunden ist. Es übt keinen Druck auf das Gebäude aus. Das Wasser versickert schnell im Untergrund.
- Lastfall 6 (Drückendes Wasser): Dies ist die anspruchsvollere Variante. Wasser drückt hierbei dauerhaft oder zeitweise gegen das Bauwerk. Das kann Grundwasser sein oder Sickerwasser, das sich vor der Wand aufstaut.
Die Wahl des Materials und vor allem die erforderliche Dicke der Schicht hängen direkt von diesen Fällen ab. Bei drückendem Wasser müssen Sie deutlich mehr Aufwand betreiben als bei einfacher Bodenfeuchte.
Material und Werkzeug: Die Checkliste für Ihr Projekt
Eine gute Vorbereitung ist bei der Arbeit mit Bitumen entscheidend. Das Material zieht oft schnell an oder reagiert empfindlich auf die Witterung. Sie sollten daher alle notwendigen Utensilien griffbereit haben.
1. Die Einkaufsliste
- Reinigung und Reparatur: Ein Hochdruckreiniger oder ein harter Besen zum Säubern der Wände. Zudem benötigen Sie Ausgleichsmörtel oder mineralische Dichtschlämmen, um Schadstellen im Mauerwerk zu flicken.
- Grundierung: Ein spezieller Bitumen-Voranstrich ist Pflicht. Er muss zwingend zum gewählten KMB-System passen.
- Hohlkehlen-Mörtel: Für den Übergang zwischen Bodenplatte und Wand benötigen Sie mineralischen Sperrmörtel.
- Bitumendickbeschichtung (KMB): Messen Sie die Außenwand genau aus. Planen Sie etwa 4 bis 5 Liter pro m² ein. Damit decken Sie die geforderten Schichtsticken ab und haben genug Reserve für Unebenheiten.
- Verstärkungseinlage: Bei drückendem Wasser (Lastfall 6) müssen Sie ein Panzervlies oder Glasgewebeband in die erste Schicht einbetten.
- Schutzschichten: Perimeter-Dämmplatten (aus XPS oder EPS) schützen die Abdichtung später. Denken Sie auch an den passenden Bitumen-Kleber.
- Noppenbahn: Sie dient als mechanischer Schutz beim Verfüllen der Baugrube. Wählen Sie Modelle mit integriertem Filtervlies.
2. Die Werkzeugliste
- Rührwerk: Ein kräftiger, langsam laufender Rührer mit Korbaufsatz ist für 2-Komponenten-Systeme (2K) unerlässlich.
- Auftragswerkzeug: Maurer- und Glättekelle zum Aufspachteln. Für die Ecken eignen sich Hohlkehlenschlitten.
- Messwerkzeug: Ein Schichtdickenmesser (Messkamm) ist Ihr wichtigstes Kontrollinstrument.
- Schutzausrüstung: Bitumen klebt extrem stark. Tragen Sie Einmalhandschuhe, einen Schutzoverall und festes Schuhwerk.
Bitumen-Bedarf berechnen
Gesamtmenge: 0 Liter
Benötigte Gebinde: 0 Stück (à 30 Liter)
* Bitte beachten Sie die individuellen Verarbeitungsrichtlinien des Herstellers auf dem Gebinde.
Die Vorbereitung des Untergrunds
Die beste Bitumenschicht nützt nichts, wenn der Untergrund nicht tragfähig ist. Die Kellerwand muss sauber, fest und frei von Staub oder Fett sein. Wenn Ihr Keller aus Mauerwerk besteht, müssen alle Fugen bündig gefüllt sein. Offene Fugen oder Löcher im Stein müssen Sie vorab mit Ausgleichsmörtel schließen.
Ein kritischer Punkt sind die Übergänge. An der Stelle, wo die Wand auf die Bodenplatte trifft, darf kein rechter Winkel bestehen bleiben. Hier müssen Sie eine sogenannte Hohlkehle aus Mörtel herstellen. Diese sorgt für einen sanften Radius. Das verhindert, dass die spätere Abdichtung in der Ecke bricht oder reißt. Auch die äußeren Kanten der Mauerecken sollten Sie leicht abschrägen.
Bevor das eigentliche Bitumen kommt, tragen Sie die Grundierung auf. Dieser Voranstrich bindet den restlichen Staub und sorgt dafür, dass die Dickbeschichtung eine feste Verbindung mit der Wand eingeht. Ein Tipp für Sanierungen im Altbau: Führen Sie einen Test mit Testbenzin durch. Wenn sich ein alter Anstrich löst, handelt es sich um Bitumen. Wenn sich die Stelle nur leicht schwärzlich verfärbt, könnte es alter Teer sein. In diesem Fall ist oft eine komplette Entfernung der alten Schichten nötig.
Die Wahl des Systems: 1K oder 2K?
Im Baumarkt oder Fachhandel finden Sie einkomponentige (1K) und zweikomponentige (2K) Produkte.
- 1K-Systeme sind sofort einsatzbereit. Sie eignen sich gut für Ausbesserungen oder zum Kleben der Dämmplatten.
- 2K-Systeme bestehen aus der Bitumenmasse und einem Pulver-Härter. Profis bevorzugen diese Variante für große Flächen. Der Härter sorgt dafür, dass das Material chemisch trocknet und schneller regenfest wird.
Beim Anmischen von 2K-Produkten ist Geduld gefragt. Rühren Sie die Masse so lange, bis sie homogen und klumpenfrei ist. Verarbeiten Sie das Material niemals bei Frost oder wenn Regen droht.
Der richtige Schichtaufbau
Eine professionelle Abdichtung besteht niemals aus nur einem Arbeitsgang. Die Norm schreibt mindestens zwei Schichten vor. Wie dick diese sein müssen, bestimmt wieder der Lastfall:
- Bodenfeuchte (Lastfall 4): Die fertige Trockenschicht muss mindestens 3 mm dick sein.
- Drückendes Wasser (Lastfall 6): Hier ist eine Trockenschicht von mindestens 4 mm vorgeschrieben.
Sie können die Masse spachteln oder im Spritzverfahren auftragen. Für Selbermacher ist die Spachteltechnik mit der Glättekelle meist am einfachsten. Bei Bodenfeuchte können Sie die zweite Lage oft schon auftragen, wenn die erste noch leicht feucht ist. Bei drückendem Wasser muss die erste Schicht so weit getrocknet sein, dass sie durch den zweiten Auftrag nicht mehr beschädigt wird. In diesem anspruchsvollen Fall betten Sie zudem ein Verstärkungsvlies flächig in die erste Schicht ein.
Der Messkamm: Präzision an der Wand
Da Bitumen beim Trocknen schrumpft, müssen Sie beim Auftrag mehr Material verwenden, als am Ende übrig bleiben soll. Hier kommt der Messkamm ins Spiel. Dieses kleine Werkzeug aus Edelstahl hat Zähne in unterschiedlichen Längen.
So messen Sie richtig:
- Drücken Sie den Kamm senkrecht in die frische, nasse Schicht, bis die Außenfüße auf dem Mauerwerk aufstehen.
- An den benetzten Zähnen lesen Sie die Nassschichtdicke ab.
- Ist die Schicht zu dünn, müssen Sie sofort nachbessern.
Rechnen Sie mit einem Sicherheitszuschlag. Um 3 mm Trockenschicht zu erreichen, ist oft ein nasser Auftrag von etwa 4 mm nötig. Hersteller geben diesen Schrumpffaktor meist auf der Verpackung an. Oft wird ein Zuschlag von 25 % bis 50 % empfohlen, um Unebenheiten auszugleichen.
Dokumentation und Kontrolle
Ein Protokoll schützt Sie vor bösen Überraschungen und hilft bei der späteren Fehlersuche. Laut DIN-Vorgaben sollten Sie etwa 20 Messpunkte pro 100 m² dokumentieren. Notieren Sie das Datum, die Temperatur und die Chargennummer des Materials.
Ein praktischer Trick ist die Referenzprobe. Beschichten Sie einen losen Ziegelstein mit der gleichen Schichtdicke wie die Wand und legen Sie ihn neben das Bauwerk. An diesem „Dummy“ können Sie später einen Probeschnitt machen. Wenn der Kern des Bitumens auf dem Stein schwarz und fest ist, ist auch die Abdichtung an der Wand durchgetrocknet. Erst dann dürfen Sie die Schutzplatten anbringen.
Häufige Fehlerquellen vermeiden
Ein folgenschwerer Fehler betrifft die Platzierung der Schichten. Die Abdichtung gehört immer direkt auf den Rohbau, also auf das Mauerwerk. „Das ist technisch völlig verkehrt und muss natürlich korrigiert werden“, erklären Experten immer wieder, wenn sie beobachten, dass die Beschichtung fälschlicherweise auf der Außenseite der Dämmung landet.
Achten Sie zudem auf den oberen Abschluss. Die Abdichtung muss mindestens 50 cm über das geplante Geländeniveau hinausreichen. So verhindern Sie, dass Spritzwasser hinter die Schicht gelangt. Ein weiterer wunder Punkt sind Durchführungen für Rohre. Diese müssen Sie entweder mit speziellen Flanschen sichern oder extrem sorgfältig mit dem Bitumen ummanteln. Jede Lücke führt hier unweigerlich zu Feuchtigkeit im Innenraum.
Schutz der fertigen „Schwarzen Wanne“
Sobald die Schicht nach einigen Tagen komplett durchgetrocknet ist, ist sie noch immer empfindlich gegen mechanische Beschädigungen. Steine im Erdreich könnten die weiche Schicht beim Verfüllen der Baugrube durchstoßen. Deshalb müssen Sie Schutzschichten anbringen.
Meist nutzt man hierfür Perimeter-Dämmplatten. Diese halten den Keller warm und schützen gleichzeitig die Abdichtung. Noppenbahnen sind ebenfalls wichtig, sollten aber immer mit dem Vlies zum Erdreich zeigen. So wird Sickerwasser zur Drainage geleitet, ohne dass die Noppen das Bitumen punktförmig belasten.
Fazit für Hausbesitzer
Der Bau einer Schwarzen Wanne in Eigenleistung ist möglich, erfordert aber höchste Disziplin. Jeder Fehler bei der Kellerabdichtung lässt sich später nur mit einem enormen Aufwand korrigieren. Meist muss man die gesamte Wand erneut freilegen, was extrem teuer ist.
Halten Sie sich strikt an die Vorgaben der Hersteller und die DIN-Normen. Im Zweifel ist es ratsam, einen Fachmann für die kritischen Phasen oder die Planung hinzuzuziehen. Ein trockener Keller ist das Rückgrat Ihres Hauses und die Basis für eine gesunde Wohnatmosphäre.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zur Bitumendickbeschichtung
Was ist der Unterschied zwischen 1K- und 2K-Bitumen? 1K-Bitumen ist einkomponentig und trocknet durch die Abgabe von Wasser an die Luft. 2K-Bitumen besteht aus zwei Komponenten und härtet chemisch schneller und gleichmäßiger aus, was besonders bei feuchter Witterung oder großen Schichtstärken von Vorteil ist.
Wie lange muss die Beschichtung trocknen? In der Regel ist die Bitumendickbeschichtung nach zwei bis drei Tagen durchgetrocknet. Die genaue Dauer hängt von der Außentemperatur, der Luftfeuchtigkeit und dem verwendeten Produkt ab. Vor dem Verfüllen der Baugrube muss die Schicht vollständig belastbar sein.
Kann man Bitumen auch bei Regen verarbeiten? Nein. Die Beschichtung muss bis zum Erreichen der Regenfestigkeit vor Wasser geschützt werden. Auch Frost während der Verarbeitung und Trocknung führt zu massiven Schäden an der Struktur und beeinträchtigt die Dichtigkeit.
Warum braucht man eine Hohlkehle? Die Hohlkehle verhindert, dass die Bitumenschicht im kritischen 90-Grad-Winkel zwischen Bodenplatte und Wand reißt. Durch die Rundung wird die mechanische Spannung im Material reduziert.
Wie dick muss die Schicht sein? Das hängt vom Lastfall ab. Bei Bodenfeuchte sind 3 mm Trockenschichtdicke vorgeschrieben, bei drückendem Wasser 4 mm. In der Praxis wird meist etwas dicker aufgetragen, um den Schwund beim Trocknen auszugleichen.
















Die schwarze Wanne wird hier sehr gut erklär. Die Noppenbahnen werden wir vermutlich für den Schutz verwenden. Sie nimmt etwas weniger Platz in Anspruch, wie die Polystyrol-Hartschaumplatten.
Bornit Grundbit Grundierung wurde vergessen.