Keller überschwemmt: So handeln Sie richtig

Von Dominik Hochwarth

Starkregen, Hochwasser oder eine überlastete Kanalisation können innerhalb weniger Minuten dafür sorgen, dass Wasser in den Keller eindringt. Was zunächst wie ein überschaubarer Wasserschaden aussieht, kann schnell teuer werden. Neben beschädigtem Hausrat drohen Probleme mit der Elektrik, Schimmelbildung oder sogar Schäden an der Bausubstanz.

Wer in einer solchen Situation richtig handelt, kann die Folgen oft deutlich begrenzen. Entscheidend ist, Ruhe zu bewahren und die Maßnahmen in der richtigen Reihenfolge umzusetzen.

überschwemmter Keller
Ein überfluteter Keller ist mehr als ein Wasserschaden: Feuchtigkeit in Wänden und Böden kann später Schimmel und Schäden an der Bausubstanz verursachen.

Inhaltsverzeichnis

Die ersten Minuten entscheiden

Wenn Sie feststellen, dass Wasser im Keller steht, sollten Sie nicht sofort hinunterlaufen.

Die größte Gefahr geht häufig von elektrischen Anlagen aus. Befinden sich Steckdosen, Verlängerungskabel oder Elektrogeräte im Wasser, besteht akute Lebensgefahr durch Stromschläge. Besonders kritisch wird es, wenn sich der Sicherungskasten ebenfalls im Keller befindet.

Betreten Sie den Keller deshalb nur, wenn Sie sicher ausschließen können, dass elektrische Anlagen betroffen sind. Lässt sich der Strom gefahrlos abschalten, sollte dies sofort geschehen. Ist der Sicherungskasten nicht trocken erreichbar, sollten Feuerwehr oder Energieversorger verständigt werden.

Achten Sie außerdem auf ungewöhnliche Gerüche oder zischende Geräusche. Sie können auf beschädigte Gasleitungen hindeuten. In diesem Fall sollten Sie das Gebäude umgehend verlassen und die Feuerwehr alarmieren.

Die richtige Reihenfolge nach Kellerüberschwemmung

Die größte Gefahr lauert oft nach dem Unwetter

Viele Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer möchten den Keller möglichst schnell leerpumpen. Genau das kann jedoch zum Problem werden.

Steht außerhalb des Gebäudes noch Hochwasser oder ein hoher Grundwasserstand an, wirkt auf Kellerwände und Bodenplatte weiterhin erheblicher Druck. Wird das Wasser im Inneren zu schnell entfernt, fehlt dieser Gegendruck.

Im schlimmsten Fall können dadurch Risse entstehen. Selbst Schäden an Kellerwänden oder Bodenplatten sind möglich. Fachleute empfehlen deshalb, mit dem vollständigen Abpumpen zu warten, bis der Wasserstand außerhalb des Gebäudes ausreichend gesunken ist.

Vorsicht: Hochwasserwasser ist oft verunreinigt

Viele Menschen unterschätzen, was sich im Wasser befindet.

Bei Starkregen oder Rückstau aus der Kanalisation enthält das Wasser häufig:

  • Fäkalien
  • Bakterien
  • Viren
  • Heizölreste
  • Kraftstoffe
  • Chemikalien

Deshalb sollten Sie bei Aufräumarbeiten immer wasserdichte Handschuhe und Gummistiefel tragen. Offene Wunden sollten geschützt werden. Kinder und Haustiere haben in den betroffenen Bereichen nichts zu suchen.

Nach der Reinigung empfiehlt sich eine gründliche Desinfektion aller betroffenen Oberflächen.

Wann zahlt die Versicherung?

Nach der ersten Schrecksekunde geht es oft um die Frage der Kosten. Hier kommt es darauf an, wie das Wasser ins Gebäude gelangt ist.

Die Wohngebäudeversicherung übernimmt Schäden am Gebäude selbst, etwa an Wänden, Böden oder technischen Anlagen. Beschädigte Möbel, Werkzeuge oder Elektrogeräte fallen dagegen meist unter die Hausratversicherung.

Wichtig ist jedoch ein weiterer Punkt: Bei Überschwemmungen leisten viele Versicherungen nur dann, wenn zusätzlich eine Elementarschadenversicherung vereinbart wurde.

Warum Versicherungen häufig genauer hinschauen

Ein häufiger Streitpunkt ist der Weg des Wassers. Als klassische Überschwemmung gilt in der Regel, wenn sich Wasser zunächst auf dem Grundstück sammelt und anschließend von außen ins Gebäude eindringt. Komplizierter wird es bei anderen Szenarien.

Typische Streitfälle sind:

  • Wasser dringt ausschließlich über einen Lichtschacht ein.
  • Abwasser wird durch die Kanalisation zurückgedrückt.
  • Grundwasser drückt durch Kellerwände oder Bodenplatte.

Besonders beim Rückstau verlangen Versicherer häufig den Nachweis einer funktionierenden und regelmäßig gewarteten Rückstausicherung. Fehlt diese, kann es Probleme bei der Regulierung geben.

Keller leerpumpen, nicht immer eine gute Idee

Schäden dokumentieren, bevor Sie aufräumen

Bevor Schlamm entfernt oder Möbel entsorgt werden, sollten sämtliche Schäden dokumentiert werden.

Hilfreich sind:

  • Fotos aus mehreren Perspektiven
  • Videos der betroffenen Räume
  • Aufnahmen der Wasserstände
  • Listen beschädigter Gegenstände
  • Kaufbelege und Rechnungen

Je besser die Dokumentation ausfällt, desto einfacher lässt sich der Schaden später gegenüber der Versicherung nachweisen.

Schimmel kann bereits nach zwei Tagen entstehen

Das sichtbare Wasser verschwindet meist relativ schnell. Die Feuchtigkeit bleibt jedoch häufig wochenlang in Wänden, Estrich und Dämmstoffen gespeichert. Genau hier beginnt das nächste Problem.

Bereits nach 24 bis 48 Stunden steigt das Risiko für Schimmelbildung deutlich an. Besonders betroffen sind Materialien mit organischen Bestandteilen wie:

Deshalb sollten durchfeuchtete Materialien möglichst früh entfernt oder professionell getrocknet werden.

Warum Lüften allein meist nicht genügt

Viele Betroffene öffnen nach einer Kellerüberflutung Fenster und Türen. Das hilft zwar bei der Geruchsbildung, ersetzt aber keine technische Trocknung.

Professionelle Sanierungsfirmen setzen spezielle Bautrockner und Ventilatoren ein. Diese Geräte entziehen Wänden und Böden über mehrere Wochen Feuchtigkeit.

Gerade im Sommer kann dauerhaftes Lüften sogar zusätzliche Feuchtigkeit in den Keller bringen. Warme Außenluft trifft auf kühle Kellerwände. Dort kondensiert der Wasserdampf und verschlechtert die Situation unter Umständen weiter.

Trinkwasser und Haustechnik nicht vergessen

Nach größeren Überflutungen sollten auch die technischen Anlagen überprüft werden.

Dazu gehören:

  • Heizungsanlage
  • Strominstallation
  • Gasanschluss
  • Wärmepumpe
  • Wechselrichter von Photovoltaikanlagen

Auch Wasserleitungen sollten gründlich gespült werden. Bei Unsicherheiten empfiehlt sich die Rücksprache mit dem örtlichen Wasserversorger oder einer Fachfirma.

auf diese Weise kommt Wasser in den Keller

So schützen Sie Ihren Keller künftig besser

Starkregenereignisse nehmen vielerorts zu. Umso wichtiger wird die Vorsorge. Zu den wirksamsten Schutzmaßnahmen zählen:

  • Rückstauklappen in der Abwasserleitung
  • Hebeanlagen für Entwässerungsanlagen unterhalb der Rückstauebene
  • druckwasserdichte Kellerfenster
  • erhöhte Lichtschächte
  • nachträgliche Kellerabdichtungen
  • mobile Hochwasserschutzsysteme

Eine Rückstauklappe verhindert beispielsweise, dass Abwasser aus einer überlasteten Kanalisation zurück in den Keller gedrückt wird. Gerade in älteren Gebäuden kann ihre Nachrüstung sinnvoll sein.

Ebenso sollten empfindliche technische Anlagen möglichst nicht im Keller installiert werden. Wer bei einer Modernisierung die Möglichkeit hat, kann Sicherungskasten, Heiztechnik oder Wechselrichter in höher gelegene Bereiche verlegen.

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