Die Zahl der heftigen Unwetter mit Starkregen hat in den vergangenen Jahren enorm zugenommen. Die Kanalisation ist mit so viel Wasser auf einmal häufig überfordert, überflutete Keller und geschädigte Bausubstanz sind die Folge. Wer sein Haus vor Überschwemmung schützen will, muss selbst tätig werden. Erfahren Sie hier, was Sie für den Hochwasserschutz tun können.

Überschwemmung Haus

Wenn die Flut kommt ist guter Rat teuer. Foto: epr/Massiv mein Haus aus Mauerwerk

Viele Wege führen nach Rom – für Wasser aber leider auch ins Haus. Von oben, unten sowie von der Seite lauert die Gefahr. Gegen alltägliche Ereignisse wie einem normalen Regenguss oder Bodenfeuchtigkeit und Grundwasser sollte ein Gebäude geschützt sein, sofern bei Planung und Bau keine Fehler gemacht wurden. Lesen Sie dazu meinen Beitrag über die Kellerabdichtung. Bei einem Starkregen gibt es zwei Gefahrenquellen: Oberflächenwasser und Rückstau aus der Kanalisation. Mit beiden Ursachen für überschwemmte Keller und Häuser möchte ich mich hier näher befassen.

Mögliche Schwachstellen bei Starkregen und Oberflächenwasser

Die folgende Infografik soll aufzeigen, wo mögliche Schwachstellen am Haus bei einer Überschwemmung lauern. Diese Bereiche müssen besonders vor der Flut geschützt werden.

Infografik Schwachstellen bei Hochwasser

Schwachstellen bei einer Überschwemmung durch Starkregen oder Oberflächenwasser

1. Schutz vor Überflutungen durch Oberflächenwasser

Oberflächenwasser spielt in der Bauplanung keine oder kaum eine Rolle. Steigt das Wasser bei einer Überschwemmung, kann es in der Regel widerstandslos durch Türen, Fenster, Lichtschächte oder tiefliegende Garagen eindringen.

Wer ist besonders gefährdet durch Oberflächenwasser?

Wenn der Wettergott seine Schleusen öffnet, ist nicht jeder gleich gefährdet. Wer an einem Hang oder in einer Mulde wohnt, muss bei Starkregen besonders aufpassen. Ebenfalls gefährdet sind Häuser in der Nähe von Bächen, Flüssen oder Seen. Die meisten werden es wissen: Innerhalb kürzester Zeit verwandeln sich kleine, harmlose Bäche in reißende Ströme, die Hab und Gut bedrohen. Und wenn größere Flüsse über ihr Ufer treten, versinken ganze Stadtteile im Wasser – Bewohner der Kölner oder Heidelberger Altstadt können ein Lied davon singen.

Maßnahmen gegen Überflutungen

Die Holländer sind Meister darin, ihr Land vor Überflutungen zu schützen. Hohe Deiche und andere Wasserbauwerke schützen vor den Tücken der Nordsee. Ganz so groß müssen Sie bei Ihrem Haus nicht denken, aber es schadet nicht, dort einmal etwas genauer hinzuschauen. Konkret können Sie Ihr Haus zum einen durch konstruktive Maßnahmen vor Wassereintritt schützen. Oder Sie verwenden mobile Schutzelemente, die nur temporär bei Gefahr von Überschwemmungen zum Einsatz kommen.

Hochwasserschutz Garage

Abschüssige Garage vor Hochwasser schützen. Foto: epr/Prefa

A) Konstruktive Maßnahmen

Es sind häufig die kleinen Details, die über einen trockenen oder überfluteten Keller entscheiden. Bei den konstruktiven Maßnahmen müssen die Schwachstellen der Gebäudehülle genau angeschaut werden. Konkret heißt das: Wo kann im Falle einer Überflutung Wasser ungehindert eindringen? Hauseingänge sind zum Beispiel nur überflutungssicher, wenn die Türschwelle deutlich höher als die Straßenoberkante liegt.

Lichtschächte und Kellerfenster

Eine Schwachstelle sind Lichtschächte vor Kellerfenstern. Werden sie falsch eingebaut, steht schon bei mittelstarken Regengüssen das Wasser im Keller. Wichtig ist vor allem, dass Regenwasser nicht widerstandslos in den Schacht und durch das Fenster laufen kann. Mindestens 15 cm hohe Aufkantungen – und zwar zwischen Erdreich und Lichtschacht sowie zwischen Lichtschachtsohle und Kellerfenster – helfen dabei.

Tief liegende Garagen oder Kellereingänge

Über Kellertreppen oder Garageneinfahrten dringt bei Starkregen häufig Wasser in die Räume ein. Da hilft nur eines: Setzen Sie den Wassermassen einen Widerstand entgegen. Das kann vor einem Kellerabgang eine Schwelle sein, auch eine Überdachung hilft zumindest gegen Wasser von oben.
Vermeiden Sie zudem abfallende Garagenzufahrten. Es mag zwar zunächst praktisch klingen, den Wagen im Keller parken zu können. Doch nur bis zum ersten stärkeren Regenguss. Lassen Sie das Wasser lieber in die andere Richtung laufen – planen Sie also eine Garage oberhalb des Straßenniveaus ein. Notfalls kann eine Bodenschwelle helfen. Sie darf allerdings nur so hoch sein, dass sie mit dem Auto überfahren werden kann.

B) Mobile Schutzelemente

Neben den konstruktiven Maßnahmen haben sich mobile Schutzelemente bewährt – insbesondere in hochwassergefährdeten Gebieten. Sie machen jedoch nur Sinn bei einer gewissen Vorlaufzeit. Bei einem spontanen Starkregenereignis können sie nicht helfen.

Sandsäcke

Sandsäcke sind sicherlich das erste, was einem bei mobilem Schutz des Hauses vor Überflutungen einfällt. Wenn sie nicht gerade griffbereit und bereits befüllt auf dem Grundstück lagern, ist es allerdings äußerst mühsam und langwierig, sein Haus trocken zu halten. Es hat nicht jeder Zugriff auf eine Hundertschaft an Helfern.

Barrieresysteme

Mit Hilfe eines Barrieresytems lässt sich das Haus wirkungsvoll schützen. Es besteht zum Beispiel aus Winkelstützen und Dammbalken aus Aluminium. Die Stützen sollten fest montiert sein, so dass die Balken im Falle einer Flut schnell in die Führungsschienen eingesetzt werden können. Die Dammbalken müssen an der Unterseite eine Dichtung aufweisen. Zusätzlich sind Spannvorrichtungen empfehlenswert.

Mit einem Barrieresystem lassen sich zum Beispiel abschüssige Garagenzufahrten oder ebenerdige Eingangstüren vor Wassereintritt schützen. Generell sind solche Systeme ein effektiver Hochwasserschutz. Sie lassen sich schnell und nur von ein, zwei Personen im Katastrophenfall errichten, Mit der Voraussetzung, dass die Führungsschienen bereits fest im Boden verankert sind.

mobiler Hochwasserschutz

Mobiler Hochwasserschutz. Foto: epr/Prefa

Fenster- und Türklappen – Sperrplatten für Fenster

Fenster- und Türklappen sind die Alternative zu druckwasserdichten Fenstern. Abdeckplatten für Fenster gibt es in den verschiedensten Ausführungen. Sie lassen sich schnell und einfach montieren und werden innen oder außen angebracht. So gibt es zum Beispiel Fensterklappen, die von innen fest an einem Rahmen hängen. Im Bedarfsfall wird die Klappe hochgeklappt und fest mit dem Rahmen verschraubt. Das Kellerfenster ist dann so dicht, dass kein Wasser mehr eindringen kann.

Andere Tür- und Fensterklappen werden erst angebracht, wenn die Flut kommt. Das macht insbesondere dann Sinn, wenn eine Außenmontage erfolgt. Welches System für Sie am besten ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Es hängt von den Begebenheiten vor Ort aus und was Ihnen am meisten zusagt.

2. Schutz gegen Rückstau aus dem Kanalnetz

Kellerüberschwemmungen durch Rückstau aus der Kanalisation haben in den vergangenen Jahren ebenfalls zugenommen. Es ist wirklich eine ziemliche Sauerei, wenn das Wasser aus dem Kanal durch die Toilette oder das Waschbecken im Keller nach oben schießt. Mit geeigneten Maßnahmen lassen sich solche Überschwemmungen jedoch problemlos vermeiden.

Warum kommt es zum Rückstau?

Der Laie ärgert sich bei jedem stärkeren Regenguss, warum das Wasser nicht schnell genug über die Kanalisation abläuft. Hätte man nicht einfach die Kanäle größer dimensionieren sollen? Sicher geht das, doch das System muss auch wirtschaftlich sein. Noch mehr ärgern wir uns doch über saftige Rechnungen von den Stadtwerken. So müssen wir damit leben, dass es mitunter zu einem Rückstau kommt.

Ein Einstau im Kanal und in den Entwässerungsleitungen des Hauses kann sich bis zur Straßenoberkante einstellen. Der Expert sagt „Rückstauebene“ dazu. Rückstaugefährdet sind alle Abläufe, die unterhalb dieser Ebene liegen. Das können Bodenabläufe, Duschababläufe, Waschbecken oder Toiletten sein. Sie müssen besonders geschützt werden.

Hebeanlage Bad im Keller

Eine Hebeanlage im Keller schützt vor Rückstau: Foto: epr/Sanibroy

Vorkehrungen

Zum Schutz vor Rückstau lassen sich entweder automatisch arbeitende Hebeanlagen oder Rückstauverschlüsse verwenden. Am sichersten sind Abwasserhebeanlagen, die auch bei Rückstau funktioniert und das Abwasser zuverlässig zur öffentlichen Kanalisation hochpumpt. Wenn Sie also auch bei Hochwasser aufs Klo gehen oder die Dusche im Keller nutzen möchten, brauchen Sie eine Hebeanlage.

Besteht ausreichend Gefälle zum Kanal, können Ablaufstellen unter der Rückstauebene auch mit Rückstauverschlüssen abgesperrt werden. Sie müssen jedoch wissen, dass Klos oder Waschbecken im Falle eines Rückstaus nicht verwendet werden dürfen. Sie sollten dann schon ein Ersatzklo über der Rückstauebene besitzen. Eine Rückstauklappe eignet sich daher eher für Räume von untergeordneter Nutzung.