Als Flachdach wird hierzulande (Deutschland) alles bezeichnet, was eine geringere Dachneigung als 25 Grad aufweist. In Österreich darf es zum Beispiel höchsten 5 Grad geneigt sein. So oder so braucht das Regenwasser wesentlich länger als bei einem Steildach, bis es vom Dach verschwunden ist. Der Dachentwässerung muss bei einem Flachdach daher besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, denn auf dem Dach stehendes Wasser bekommt ihm häufig nicht wirklich gut. Das liegt zum einen am Gewicht und zum anderen findet Wasser jede noch so kleine Lücke im System.

Flachdach

Grundsätzliches zur Flachdachentwässerung

Steht das Regenwasser erst einmal auf dem Dach, besteht die Gefahr, dass es früher oder später einen Weg in die Konstruktion findet und schließlich in die Wohnung landet – Dachabdichtung hin oder her. Ist der Schaden erst einmal da, wird es teuer und die Suche nach dem Leck häufig mühsam. Zudem setzen große Wassermassen auf dem Flachdach der Statik zu, so dass eine funktionierende Flachdachentwässerung auf jeden Fall sichergestellt sein muss.

Freispiegelentwässerung Flachdach

Ein Flachdach braucht nach DIN EN 12056-3 und DIN 1986-100 nicht nur einen Dachablauf, sondern in der Regel (Ausnahme z.B. Gründach) zusätzlich einen Notablauf. Die Notentwässerung muss die Wassermassen aufnehmen, die außerhalb des Bemessungsregens liegen, der bei der Planung der Dachentwässerung angenommen wurde. Solch ein Starkregen tritt mittlerweile immer häufiger auf, so dass der Noteinlauf im Dauereinsatz ist. Und da die Kanalisation in diesem Fall eh schon überfordert ist, darf die Notentwässerung des Flachdachs nicht an das Entwässerungssystem angeschlossen werden. Sie führt daher frei aufs Grundstück.

Innenliegende oder außenliegende Entwässerung beim Flachdach?

Die Entwässerung eines Flachdachs erfolgt entweder über innenliegende oder außenliegende Rohre. Die Regel bei Flachdächern ist die innenliegende Entwässerung, wobei die Entwässerungsleitungen möglichst senkrecht verlaufen sollten und gedämmt sein müssen. So werden Wärmebrücken vermieden. Wichtig ist bei der innenliegenden Entwässerung zudem der Schallschutz. Durch Verwendung der richtigen Fallrohrschellen kann die Geräuschentwicklung stark minimiert werden.

Der Vorteil einer außenliegenden Flachdachentwässerung liegt natürlich darin, dass sie frei zugänglich ist. Allerdings friert sie im Winter gerne zu und vorbei ist es mit dem ungehinderten Wasserablauf. Das lässt sich durch den Einbau von Rinnenheizungen oder Rohrbegleitheizungen zwar vermeiden. Allerdings ist der Energiebedarf doch erheblich und steht nicht unbedingt im Einklang mit den sonstigen Energieeinsparmaßnahmen, die rund ums Haus eingehalten werden müssen.

Freispiegelentwässerung oder Unterdruckentwässerung?

Für das tägliche Geschäft ist jedoch die Flachdachentwässerung zuständig, die grundsätzlich auf zwei unterschiedliche Weisen erfolgen kann. Der Fachmann unterscheidet Freispiegelentwässerung sowie Druckströmungs- bzw. Unterdruckentwässerung, wobei beide Verfahren dem Prinzip der Schwerkraft folgen. Bei der Freispiegelentwässerung wird das Regenwasser zu Gullys geführt, durch die verschwindet es in einer im Gefälle verlegten Grundleitung und landet schließlich in der Kanalisation.

Druckstromentwässerung Flachdach

Etwas anders funktioniert die Druckströmungsentwässerung, die mit Unterdruck arbeitet. Sie hat insbesondere bei größeren Dachflächen ihre Vorteile, da keine Wasserleitungen im Gefälle verlegt werden müssen, was auf längere Strecken zu einem Raumproblem führt. Vielmehr herrscht in der Sammelleitung ein Unterdruck, der sich nur einstellt, wenn die Leitung voll gefüllt ist. Das Regenwasser wird dann regelrecht angesaugt und verschwindet dann schnell und effektiv in der Kanalisation.

Wichtige Infos zur Dachentwässerung nach Flachdachrichtlinie

  • Gullys und Aufstockelementen in der Unterkonstruktion befestigen
  • Kies- und Laubfangkörbe schützen den Ablauf vor Verstopfung
  • Dachablauf muss regelmäßig gewartet werden
  • Abläufe müssen regelmäßig gereinigt werden
  • Der Dachablauf muss frei zugänglich sein
  • Bei Nutzung als Terrasse: Gitterroste über dem Ablauf
  • Dampfsperre am Grundkörper des Ablaufs anschließen
  • Abläufe bei innenliegender Entwässerung an Tiefpunkten anordnen
  • Abstand zwischen Dachdurchdringungen mindestens 30 cm
  • Abstand des Ablaufs zum Dachrand mindestens 30 cm
  • Möglichst kurze Wege bei der Entwässerung einhalten

Gullys stellen eine sicheren Ablauf des Regenwassers sicher

Eben wurden sie bereits kurz erwähnt – die Gullys, die jeweils an den Tiefpunkten des Flachdachs angeordnet werden. Dachgullys spielen eine wichtige Rolle bei der Entwässerung von Flachdächern. Sie werden meist aus Metall (Stahl oder Gusseisen) oder Kunststoffen wie PVC, PU und PE gefertigt und bilden den Eingang zur Unterwelt, die in diesem Fall als Kanalisation bezeichnet wird. Welches Material verwendet wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Sind zum Beispiel hohe Brandschutzauflagen zu erfüllen, sind Gullys aus Stahl oder Gusseisen erste Wahl.

Dachentwässerung Gully

Bei Gullys und anderen Dachdurchdringungen wird die Abdichtung des Flachdachs unterbrochen, das hat in diesem Fall zwar nichts mehr mit Dachentwässerung zu tun, darf jedoch nicht vergessen werden. Gullys müssen mit einer passenden Anschlussmanschette oder mit Klemmflanschen an die bestehende Dachabdichtung angeschlossen werden. Für alle gängigen Dachbahnen (Bitumenbahnen, Polymerbitumenbahnen, PVC-, PE-, PU- oder VAE-Bahnen) werden spezielle Manschetten angeboten.

Dimensionierung der Entwässerung bei einem Flachdach

Damit das mit der Dachentwässerung des Flachdachs klappt, müssen die Dachgullys und Entwässerungsleitungen entsprechend dimensioniert sein. Der Planer bemisst die Entwässerung mit Hilfe der sogenannten örtlichen Bemessungsregenspende r5,5. Diese bezeichnet ein fünfminütiges Regenereignis, das statistisch betrachtet nur maximal alle fünf Jahre überschritten wird. Die Bemessungsregenspende ist von Ort zu Ort unterschiedlich und wird zudem ständig an Veränderungen angepasst.

Wichtig ist im Zusammenhang mit der Flachdachentwässerung zudem die Bemessungsregenspende r5,100. Sie berücksichtigt den sogenannten Jahrhundertregen, also ein fünfminütiges Regenereignis, das nur alle 100 Jahre auftritt. Benötigt wird sie zur Bemessung des Notüberlaufs und für besonders schützenswerte Gebäude. Die Werte können beim Deutschen Wetterdienst oder der örtlichen Baubehörde erfragt werden.

Foto: Schwörer

Zeichnungen: ACO Haustechnik