In Deutschland wird gepflastert, asphaltiert und betoniert, was Maschinen und Hände hergeben.  Die Folge: Die Flächenversiegelung schreitet stetig voran. Mit drastischen Folgen für Menschen, Tiere und Pflanzen. Ich habe mich vor 10 Jahren an anderer Stelle bereits schon einmal ausführlich damit beschäftigt. Da das Thema wichtig ist, möchte ich es hier auf bauredakteur.de nochmals behandeln.

Betonpflaster mit breiten Fugen oder Poren lassen Regenwasser durchsickern. Foto:epr/BetonBild

  • Die Flächenversiegelung sorgt für zahlreiche Probleme, die wichtigsten sind:
  • Gefahr von Überschwemmungen bei Starkregen
  • Sinkende Grundwasserstände mit Auswirkungen auf das Trinkwasser
  • Verlorener Lebensraum für Flora und Fauna
  • Verschlechterte klimatische Bedingungen
  • Flächenversiegelung lässt sich schwer rückgängig machen

Flächenversiegelung bringt also einige unschöne Begleiterscheinungen mit. Ok, Sie können sich nun sagen. Was geht mich das an, ich pflastere meinen Garten trotzdem zu, damit kein Unkraut mehr sprießt. Alles kein Problem. Wundern Sie sich aber nicht, wenn Ihnen Ihre Stadt oder Gemeinde in Kürze einen neuen Abwassergebührenbescheid schickt. Mit deutlich höheren Kosten. Das Ableiten des Regenwassers auf Ihrem Grundstück in die Kanalisation müssen Sie nämlich bezahlen. Versickern ist kostenlos. Wenn schon ökologische Gründe nicht ziehen, dann hoffentlich ökonomische.

Flächenversiegelung in Zahlen

Die gute Nachricht zuerst – seit Jahren sinkt in Deutschland die Fläche, die jährlich neu versiegelt wird. Die schlechte Nachricht – die Flächenversiegelung nimmt trotzdem immer weiter zu. Zwar nicht mehr so schnell wie früher, doch trotzdem spürbar. Eines muss klar sein – die Fläche ist eine begrenzte Ressource.

Nach Daten des statistischen Bundesamtes lag der Flächenverbrauch für die Jahre 1997 bis 2000 bei rund 129 Hektar am Tag. Er ist seitdem auf derzeit 66 Hektar am Tag gesunken. Immer noch zu viel. Geplant ist ein Absinken auf 30 Hektar täglich bis 2020. Und ab 2050 sollen keine neuen Flächen mehr versiegelt werden.

Wenn man mal überlegt, was 66 Hektar am Tag bedeutet, ist das schon heftig. Das sind 660.000 Quadratmeter an einem einzigen Tag. Oder 27.500 Quadratmeter in der Stunde oder 460 Quadratmeter in einer Minute. Und das nur in Deutschland. Einfach irre.

Darum steigt die Überschwemmungsgefahr

Im Prinzip ist es ganz einfach – kann das Wasser nicht versickern, sucht es sich andere Wege. Es fließt entweder in die Kanalisation oder in einen Bach, Fluss oder See. Kommt zu viel Wasser auf einmal – wie bei einem schweren Regenguss, sorgt das schnell zu einem Kollaps und es kommt zu Überschwemmungen. Überflutete Städte, Dörfer und Keller sind die Folge.

Nun mag mancher denken: „Dann macht doch einfach die Kanalisation größer“. Geht sicherlich, doch das grundsätzliche Problem ist damit nicht gelöst. Was passiert mit dem Wasser vor und in der Kläranlage? Hier braucht es dann spezielle Bauwerke, um diese Regenwasserspitzen aufzunehmen. Ab solche Regenüberläufe und Regenüberlaufbecken haben auch nur bestimmte Kapazitäten.

Und so kommt es häufig vor, dass Regenwasser direkt ins Fließgewässer weitergeleitet wird, ohne die Kläranlage von innen gesehen zu haben. Oder nur Teile des Reinigungsvorgangs durchlaufen haben. Bei einem Mischsystem gelangen so mit dem Regenwasser auch Teile des Abwassers mit ins Gewässer. Wobei das bei stark verdünntem Abwasser nicht ganz so dramatisch ist, wie es sich zunächst anhört. Fließgewässer setzen durchaus einen respektablen Selbstreinigungsprozess in Gang. Zu viel Abwasser darf es jedoch nicht sein.

Einfluss auf Fauna und Klima

Eine versiegelte Fläche kann kein Wasser speichern, was Auswirkungen auf das Kleinklima insbesondere in Städten hat. Verdunstendes Wasser trägt zur Kühlung im Sommer bei. In dicht bebauten Städten ist es an heißen Sommertagen daher gerne einmal einige Grad wärmer als auf dem Land.

Hinzu kommt, dass auf versiegelten Flächen keine Pflanzen wachsen, die als zusätzliche Feuchtigkeitsspender, aber auch als Schattenspender fungieren. Das berüchtigte Stadtklima lässt grüßen.

Selbst wenn man lange Zeit versiegelte Flächen entsiegelt, dauert es lange, bis dort wieder Pflanzen wachsen. Wenn der Boden überhaupt noch einmal so fruchtbar wird, wie vor der Versiegelung. Wenn die Bodenfauna durch vollständigen Ausschluss von Feuchtigkeit und Sauerstoff erst einmal zerstört, lässt sich das nicht mehr so ohne weiteres rückgängig machen.

Befestigt aber dennoch grün und wasserdurchlässig – Rasengitter. Foto:epr/Gutta

Was können Sie gegen die Flächenversiegelung tun?

Klar ist, die größten Flächen werden nicht auf Ihrem Grundstück, sondern an anderer Stelle versiegelt. Aber Kleinvieh macht auch Mist und wenn jeder etwas zur Entsiegelung beiträgt, hilft das ebenfalls. Außerdem nutzen wir alle die Infrastruktur – also Straßen, Flughäfen, Einkaufszentren usw. Da ist es nur fair, wenn wir alles dafür tun, dass das Regenwasser natürlich versickern kann.

Auf befestigte Flächen muss dabei nicht verzichtet werden, denn es gibt einige wasserdurchlässige Pflaster:

Porenpflaster

Die auch als Porensteine, Filtersteine oder Sickersteine bezeichneten Porenpflaster sind durch ihr hohlraumreiches Gefüge wasserdurchlässig. Es gibt sie in verschiedenen Ausführungen mit unterschiedlicher Wasserdurchlässigkeit. Sie kommen zum Beispiel für Gehwege, Stellplätze oder Zufahrten zum Einsatz. Durch den hohen Porenanteil sind die Steine jedoch nicht so stark belastbar wie Rasengittersteine oder Pflastersteine mit Fugenversickerung. Gelangt Schmutz und Sand in die Poren, nimmt die Versickerungsleistung mit der Zeit zu. Bei Starkregen fließt sehr viel Wasser bereits ab, bevor es versickern kann.

Rasengittersteine

Rasengittersteine gibt es aus Beton oder Kunststoff. Die Waben werden mit Rasensaat, aber auch mit Splitt oder grobem Brechsand befüllt. Die Steine eignen sich weniger für Fußwege, sondern eher für Parkplätze oder Zufahrten. Elemente aus Beton sind sehr stabil und können auch mit schweren Fahrzeugen befahren werden. Durch den hohen Fugenanteil besitzen Rasengitterstein bzw. Pflasterstein mit Sickeröffnung eine hohe Versickerungsleistung.

Rasen- /Splittfugenpflaster

Diese auch als Sickerfugensteine bezeichneten Pflaster haben besonders breite Fugen, durch die das Wasser nach unten abfließen kann. Die Fugen können mit Rasen, grobem Brechsand oder Splitt gefüllt sein und werden dann entsprechend als Rasenfugenpflaster oder Splittfugenpflaster bezeichnet.  Die Steine eignen sich für häufig befahrene Verkehrsflächen mit schweren Fahrzeugen wie Wohnmobile. Die Fugen bieten Lebensraum für Kleinstlebewesen. Allerdings bildet sich auf Unkraut. Die Fugen können zudem ausgeschwemmt werden.

Kies- und Splitdecken

Eine Kieseinfahrt ist sehr kostengünstig und bietet eine hohe Versickerungsleistung. Allerdings ist solch eine Kies- oder Splitdecke nicht gut begehbar. Stabiler ist hier Brechkies – ein Gemisch aus Splitt und Sand. Zur Verstärkung lassen sich sogenannte Wabenmatten verbauen. Sie sind insbesondere bei Gefälle notwendig, damit der lose Kies nicht wegrutscht. Außerdem verhindern sie das Bilden von Fahrrinnen. Schnelles Anfahren sollte vermieden werden, sonst fliegt Kies und Splitt durch die Luft. Kratzer im Wagen sind die Folge.

Splittfugenpflaster Flächenentsiegelung

Splittfugenpflaster hilft bei der Flächenentsiegelung

Was kann die Politik gegen die Flächenversiegelung tun?

Wasserdurchlässige Pflastersteine oder Rasengitterstein – das sind Maßnahmen, die jeder selbst in Angriff nehmen kann. Wichtig ist aber auch, dass die Politik alles dafür tut, dass nicht mehr so viele Flächen versiegelt werden. Und da gibt es einige Ansatzpunkte.

Brachflächen und Baulücken nutzen

So weisen zum Beispiel viele Städte und Kommunen weitere Gewerbeflächen oder Bauplätze aus, obwohl noch genügend andere Flächenpotenziale vorhanden sind. Laut Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) gibt es noch etwa ungenutzte 120.000 Hektar Brachflächen und Baulücken.

Brachflächen haben allerdings ein Problem – sie müssen zunächst recycelt werden, ehe sie neu bebaut werden können. Und das kostet. Es muss nicht nur eine bestehende Bebauung abgerissen werden, oft müssen Altlasten beseitigt werden, was den Preis weiter in die Höhe treibt. Da ist es einfacher auf der grünen Wiese zu bauen.

Kompaktere Häuser

Ein weiteres Problem – wir Menschen in Deutschland beanspruchen immer mehr Platz für uns. Alleine zwischen den Jahren 2000 und 2014 stieg die genutzte Wohnfläche um fast 14 Prozent. Was auch daran liegt, dass es immer mehr Ein-Personen-Haushalte gibt. Es ist sicherlich schwierig, unsere Lebensgewohnheiten politisch zu ändern, ich wollte es hier dennoch nicht unerwähnt lassen.

Generell lässt sich jedoch durch kompaktere Häuser Siedlungsfläche einsparen. Gehen Sie beim Bauen eher in die Höhe als in die Breite. Sie sparen dadurch nicht nur Fläche, sondern benötigen zudem weniger Energie, wenn das Haus kompakt gebaut ist.