Lehm-Dünnbettmörtel macht Ziegelwände recycelbar

Von Dominik Hochwarth

Das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) hat erstmals eine Allgemeine Bauartgenehmigung (aBG) für ein Mauerwerkssystem erteilt, das gebrannte Ziegel mit einem vollständig reversiblen Mörtel verbindet. Konkret geht es um die Kombination von Planhochlochziegeln und dem ClayTec Lehm-Dünnbettmörtel.

Diese Zulassung (Bescheid Z-17.11-1327) bedeutet einen grundlegenden Fortschritt für die Bauwirtschaft. Sie schafft die technische und rechtliche Grundlage, um Mauerwerk nach der Nutzungsdauer sortenrein zu trennen und die wertvollen Ziegel als hochwertige Baustoffe wiederzuverwenden. Damit wird ein wichtiger Schritt hin zu geschlossenen Stoffkreisläufen und einer deutlichen Reduzierung von Bauschutt vollzogen.

Ziegelsteine Abriss
Künftig können Ziegelsteine wiederverwendet werden – möglich macht dies ein neuer Lehm-Dünnbettmörtel

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Was der Lehm-Mörtel anders macht

Im Bauwesen stellt die Entsorgung von Mauerwerk aus Ziegeln eine enorme Herausforderung dar. Herkömmliche Dünnbettmörtel arbeiten mit einer hydraulischen Bindung; sie verkleben die Ziegel dauerhaft miteinander. Nach dem Abriss werden die Steine so zu einem mineralischen Gemisch, das meist nur noch durch Downcycling – also die Weiterverarbeitung zu minderwertigeren Baustoffen – oder durch eine aufwendige und energieintensive Aufbereitung nutzbar bleibt. Oftmals landet es direkt auf der Deponie.

Genau hier setzt der Lehm-Dünnbettmörtel der Firma ClayTec an. Er nutzt Lehm als Bindemittel, welches im Gegensatz zu Zement oder Kalk wasserlöslich ist. Damit entsteht eine Verbindung, die sich am Ende des Gebäudelebenszyklus wieder vollständig lösen lässt. Die gebrannten Ziegel können dann unbeschädigt und im ursprünglichen Zustand zurückgewonnen werden. Das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) erkannte dieses Prinzip an und erteilte die Allgemeine Bauartgenehmigung (aBG) für die Kombination des Lehm-Dünnbettmörtels mit Planhochlochziegeln (PHLzB).

Die Zulassung gilt für tragendes und nichttragendes Mauerwerk bis einschließlich Gebäudeklasse 4. Sie umfasst Ziegel aller namhaften Hersteller, welche die Norm DIN 20000-401 erfüllen.

Wertschöpfung statt Abfallwirtschaft

Die ökologische Bedeutung dieser Neuerung ist weitreichend. Durch die reversible Verbindung bleibt der Wert der Ziegel vollständig erhalten. Das Vermeiden von Downcycling, Entsorgung und unnötigen mineralischen Vermischungen ist ein direkter Beitrag zur Ressourcenschonung und zur CO2-Einsparung in der Bauindustrie.

Ein solches System besteht aus drei Kernkomponenten, welche die Wiederverwendbarkeit ermöglichen:

  1. Planhochlochziegel: Der langlebige und leistungsstarke Massivbaustoff.
  2. ClayTec Lehm-Dünnbettmörtel: Das leistungsfähige, aber vollständig lösbare Bindemittel.
  3. Lehmputzsysteme von ClayTec: Ebenfalls ohne Abfall trennbar und für zirkuläre Anwendungen erprobt.

Daraus ergibt sich eine Mauerwerkskonstruktion, deren Komponenten nach dem Rückbau direkt wiederverwendet werden können, anstatt zu Abfall zu werden. Die Mauersteine werden so zu einem Wertstoff-Depot im Gebäude.

Lehm als vielseitiges Bindemittel

Der Spezialist für Lehmbau-Lösungen, ClayTec, entwickelt den Lehm-Dünnbettmörtel kontinuierlich weiter. Das Produkt besteht aus mineralischen Rohstoffen und pflanzlichen Zusätzen. Forschende stellen den Mörtel auf der Baustelle einfach durch Zugabe von Wasser her. Das Auftragen funktioniert ähnlich wie bei konventionellen Dünnbettmörteln: mittels Mörtelschlitten, -rollen oder -walzen, in einer Schichtstärke von zwei Millimetern.

Der Mörtel ist bereits seit 2024 für nichttragendes Mauerwerk aller Steinarten auf dem Markt. Anfang 2025 erhielten ClayTec und der Ziegelhersteller GIMA eine weitere allgemeine Bauartgenehmigung für tragendes Lehmsteinmauerwerk bis zur Gebäudeklasse 5. Auf ingenieur.de habe ich darüber bereits geschrieben. Die aktuelle Zulassung für Planhochlochziegel erweitert das Anwendungsspektrum erheblich.

Laut dem Unternehmen fungiert der Mörtel als ökologischer Kleber. Er ist demnach ebenso leistungsstark wie herkömmliche gebrannte Bindemittel, jedoch umweltverträglich und hautschonend.

Von der Zulassung zur Praxis

Die erteilte DIBt-Zulassung ist zwar ein wichtiger rechtlicher Schritt, doch die praktische Umsetzung des Rückbaus erfordert ebenfalls Planung. Deshalb arbeitet ClayTec in einem aktuellen Forschungsprojekt an einer detaillierten Anleitung für den praktikablen Rückbau des Mauerwerks.

Mit der Zulassung des Lehm-Dünnbettmörtels für Planhochlochziegel wird ein wichtiger Hebel in Bewegung gesetzt. Es ermöglicht die Kreislauffähigkeit von leistungsstarken Massivbaustoffen, welche einen hohen Graue-Energie-Anteil besitzen. Das Bauwesen beginnt, die darin gespeicherten Ressourcen neu zu bewerten und die Weichen für eine echte Circular Economy zu stellen.

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