Lehmbau: Was Lehm heute kann und wo seine Grenzen liegen

Von Dominik Hochwarth

17,5 cm statt früher 36,5 cm Mindestwanddicke, tragende Wände bis 13 m Gebäudehöhe: Der Lehmbau hat sich in den vergangenen Jahren technisch deutlich weiterentwickelt. DIN 18940 schafft erstmals ein Bemessungsverfahren für tragendes Lehmsteinmauerwerk, das sich am Sicherheitskonzept der Eurocodes orientiert. Im Juni 2026 kam eine Änderung der Norm hinzu.

Damit wird aus einem jahrtausendealten Baustoff allerdings kein Universalbaustoff. Lehm kann Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen, viel Wärme speichern und lässt sich in vielen Fällen wiederverwenden. Gleichzeitig dämmt schwerer Lehm vergleichsweise schlecht und muss zuverlässig vor dauerhafter Nässe geschützt werden.

Wo lohnt sich Lehm also? Und wann sind Lehmputz, Lehmplatten, Lehmsteine oder Stampflehm die richtige Wahl?

Lehmsteine
Lehmsteine lassen sich zum Beispiel für Innenwände oder Ausfachungen nutzen

Das erwartet Sie in diesem Beitrag

Was ist Lehm?

Lehm ist ein natürlich vorkommendes Gemisch aus Ton, Schluff und Sand. Je nach Lagerstätte können weitere mineralische Bestandteile enthalten sein. Entscheidend für die Eigenschaften als Baustoff ist vor allem der Tonanteil.

Die Tonminerale sorgen für den Zusammenhalt. Wird Wasser zugegeben, lässt sich Lehm plastisch formen. Beim Trocknen verdunstet das Wasser und das Material wird fest. Im Unterschied zu Zement findet dabei keine hydraulische Abbindereaktion statt.

Unstabilisierter Lehm kann deshalb durch Wasser grundsätzlich wieder aufgeweicht werden. Das erleichtert eine spätere Wiederverwendung, macht aber gleichzeitig einen sorgfältigen Feuchteschutz notwendig.

Warum wird wieder mehr mit Lehm gebaut?

Lehm bringt Eigenschaften mit, die gerade im modernen Holzbau, bei Sanierungen und beim Innenausbau interessant sind.

Eine davon ist das Sorptionsvermögen. Lehmoberflächen können Wasserdampf aus der Raumluft aufnehmen und später wieder abgeben. Dadurch lassen sich kurzfristige Schwankungen der Raumluftfeuchte abpuffern. Das ist einer der Gründe, warum Lehmputz häufig in Wohn- und Schlafräumen eingesetzt wird. Auch die aktuelle DIN 18947 regelt industriell hergestellte Lehmputzmörtel für Innenräume und witterungsgeschützte Außenbereiche.

Daraus sollte man allerdings keine Wunderwirkung ableiten. Lehm verhindert Schimmel nicht automatisch. Feuchte Wände, Wärmebrücken, niedrige Oberflächentemperaturen oder falsches Lüften kann auch ein Lehmputz nicht ausgleichen.

Eine zweite Stärke ist seine Masse. Schwere Lehmbauteile können viel Wärme aufnehmen und zeitversetzt wieder abgeben. Das kann Temperaturschwankungen im Gebäude reduzieren.

Wärmespeicherung und Wärmedämmung sind jedoch zwei verschiedene Dinge.

Lehm speichert Wärme, dämmt aber nur begrenzt

Ist Lehm eine gute Wärmedämmung?

Massiver Lehm ist vor allem Wärmespeicher und kein besonders guter Dämmstoff.

Das zeigt beispielsweise eine aktuelle schwere Lehmbauplatte von ClayTec: Sie besitzt laut Hersteller eine Rohdichte von rund 1.550 kg/m³ und eine Wärmeleitfähigkeit von 0,353 W/(mK). Zum Vergleich: klassische Dämmstoffe liegen erheblich darunter.

Soll eine massive Lehmwand bei einem beheizten Neubau eingesetzt werden, muss deshalb der gesamte Wandaufbau betrachtet werden. Lehm wird häufig mit einer zusätzlichen Dämmung kombiniert.

Bei Leichtlehm lässt sich die Wärmeleitfähigkeit durch leichte Zuschläge reduzieren. Dafür sinken mit abnehmender Rohdichte in der Regel auch Festigkeit und Wärmespeichervermögen.

Welche Vorteile hat Lehm?

Die wichtigsten Eigenschaften lassen sich relativ klar voneinander trennen:

EigenschaftVorteilGrenze
Feuchtesorptionpuffert kurzfristige Schwankungen der Raumluftfeuchteschützt nicht vor Feuchteschäden
Wärmespeicherungschwere Bauteile speichern viel Wärmekeine hohe Dämmwirkung
Verarbeitungviele Produkte lassen sich wieder anfeuchten und nacharbeitenNassverfahren benötigen Trocknungszeit
Wiederverwendungunstabilisierter Lehm kann erneut aufbereitet werdenVerbundstoffe und Zusätze können die Wiederverwendung erschweren
Innenausbauals Putz, Platte oder Stein vielseitig einsetzbarnicht für dauernd nasse Oberflächen geeignet
Gestaltungviele Strukturen und natürliche Farbtöne möglichOberflächen sind je nach System empfindlicher gegen Abrieb
Rohstoffkein Brennvorgang wie bei keramischen Ziegeln notwendigTransport und industrielle Aufbereitung beeinflussen die Umweltbilanz

Auch beim Thema Nachhaltigkeit lohnt sich Differenzierung. Dass ein Baustoff Lehm enthält, macht ihn nicht automatisch ökologisch überlegen. Entscheidend sind unter anderem Rohstoffgewinnung, Transport, Trocknung, Zuschläge, Lebensdauer und Rückbaumöglichkeit. Das DIBt hebt insbesondere den fehlenden Brennvorgang und die Möglichkeit zur Rückgewinnung der Ausgangsstoffe hervor.

Welche Lehmbaustoffe gibt es?

Wer mit Lehm bauen möchte, muss kein komplettes Lehmhaus errichten. In vielen Gebäuden wird der Baustoff nur an bestimmten Stellen eingesetzt.

LehmbaustoffTypischer Einsatz
LehmputzInnenwände und Decken
LehmplattenTrockenbau, Wand- und Deckenbekleidungen
LehmsteineInnenwände, Vorsatzschalen, Ausfachungen und tragendes Mauerwerk
LehmmauermörtelMauerwerk aus Lehmsteinen
Stampflehmmassive Wände, Vorsatzschalen und gestalterische Bauteile
LeichtlehmAusfachungen und leichte Konstruktionen
StrohlehmFachwerk und Sanierung
LehmschüttungDecken, Böden und Hohlräume

Für zahlreiche industriell hergestellte Lehmprodukte existieren inzwischen DIN-Normen. 2024 wurden unter anderem die Produktnormen für Lehmsteine, Lehmmauermörtel, Lehmputzmörtel und Lehmplatten neu veröffentlicht. Im Juni 2026 folgten Änderungen für DIN 18940, DIN 18945 und DIN 18946.

verschiedene Lehmbaustoffe und ihre Einsatzmöglichkeiten

Die wichtigsten Lehmbau-Normen

NormInhalt
DIN 18940 + A1tragendes Lehmsteinmauerwerk
DIN 18942-100Übereinstimmungs- und Konformitätsnachweis
DIN 18945 + A1Lehmsteine
DIN 18946 + A1Lehmmauermörtel
DIN 18947Lehmputzmörtel
DIN 18948Lehmplatten

Die DIN 18942-100 regelt dabei den Konformitätsnachweis für Lehmbaustoffe und Lehmbauprodukte nach DIN 18945 bis DIN 18948.

Lehmputz: der einfachste Einstieg

Für die meisten Hausbesitzer dürfte Lehmputz der naheliegendste Weg sein, Lehm im Gebäude einzusetzen.

Lehmputzmörtel bestehen hauptsächlich aus Baulehm und Gesteinskörnungen. Je nach Produkt kommen weitere mineralische oder organische Bestandteile hinzu. DIN 18947:2024-03 regelt Anforderungen, Prüfung und Kennzeichnung werkmäßig hergestellter Lehmputzmörtel.

Interessant ist Lehmputz besonders wegen seiner direkten Verbindung zur Raumluft. Die frei zugängliche Oberfläche kann Wasserdampf aufnehmen und wieder abgeben. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt unter anderem vom verwendeten Material, der Schichtdicke und der späteren Beschichtung ab.

Sehr dichte Beschichtungen können die gewünschte Feuchtepufferung einschränken.

Kann Lehmputz im Badezimmer verwendet werden?

Ja – aber nicht überall.

Lehmputz kann beispielsweise an Wandflächen eines normal genutzten Badezimmers eingesetzt werden. Hersteller weisen ausdrücklich auf Anwendungen in Bädern hin. Direkt mit Spritzwasser belastete Flächen, etwa innerhalb einer Dusche, sind dagegen kein geeigneter Einsatzort für normale Lehmoberflächen.

Auch bei Lehmplatten muss auf den Anwendungsbereich geachtet werden. Eine aktuelle schwere Lehmbauplatte von ClayTec ist beispielsweise für die Wassereinwirkungsklasse W0-I nach DIN 18534-1 vorgesehen – also unter anderem für Badezimmer außerhalb des Duschbereichs.

Die oft gehörte Aussage „Lehm eignet sich nicht für Feuchträume“ ist damit ebenso falsch wie „Lehm kann problemlos nass werden“. Entscheidend ist die tatsächliche Wasserbeanspruchung.

Lehm und Feuchtigkeit

Kann man Lehmputz selbst verarbeiten?

Grundsätzlich ja. Gerade für Heimwerker hat Lehm einen Vorteil: Weil er durch Trocknung fest wird, lässt sich die Oberfläche bei vielen Produkten erneut anfeuchten und nachbearbeiten.

Hersteller bieten entsprechende Lehmputze ausdrücklich für Handverarbeitung an.

Ganz ohne handwerkliches Können geht es trotzdem nicht. Untergrundvorbereitung, Putzdicke, Armierungsgewebe, Trocknung und die Herstellung einer gleichmäßigen Sichtoberfläche entscheiden über das Ergebnis. Wer bislang noch nie verputzt hat, sollte zumindest an einer kleinen Fläche beginnen.

Lehmplatten bringen Lehm in den Trockenbau

Lehmplatten vermeiden einen großen Teil der Feuchtigkeit, die bei dickeren Nassaufbauten zunächst in das Gebäude eingebracht wird.

Sie werden ähnlich wie andere Trockenbauplatten auf Holz- oder Metallunterkonstruktionen befestigt. Anschließend werden Fugen und Flächen je nach System armiert, gespachtelt oder mit einem Lehmputz beschichtet.

DIN 18948:2024-03 legt Anforderungen, Prüfungen und Kennzeichnung für Lehmplatten fest.

Ein Unterschied zu Gipskarton fällt auf der Baustelle sofort auf: Schwere Lehmplatten können ein beträchtliches Gewicht erreichen. Bei einem aktuellen Produkt sind es beispielsweise rund 32 kg/m² bei 22 mm Plattendicke. Das erhöht die Speichermasse, stellt aber auch Anforderungen an Transport, Unterkonstruktion und Montage.

Wie lassen sich Lasten an Lehmplatten befestigen?

Das hängt vom Plattensystem und von der Last ab. Leichte Gegenstände können je nach Hersteller und Konstruktion direkt an dafür geeigneten Platten befestigt werden.

Bei schweren Lasten sollte dagegen nicht pauschal auf die Tragfähigkeit einer Lehmplatte vertraut werden. Entscheidend sind die geprüfte Konstruktion, geeignete Befestigungsmittel und gegebenenfalls die dahinterliegende Unterkonstruktion. Hersteller von Lehmtrockenbausystemen geben dafür eigene Konstruktionen und Befestigungsmöglichkeiten vor.

Lehmsteine: getrocknet statt gebrannt

Lehmsteine werden aus einer aufbereiteten Lehmmischung geformt und anschließend getrocknet. Anders als Ziegel werden sie nicht keramisch gebrannt.

Je nach Rohdichte, Festigkeit und Produkt eignen sie sich für unterschiedliche Aufgaben: nichttragende Innenwände, Ausfachungen, Vorsatzschalen oder tragendes Mauerwerk.

Für werkmäßig hergestellte Lehmsteine gilt DIN 18945. Lehmmauermörtel werden in DIN 18946 behandelt. Beide Normen stammen in ihrer aktuellen Grundfassung aus März 2024 und wurden im Juni 2026 durch A1 ergänzt.

Kann man ein Haus mit tragenden Lehmwänden bauen?

Ja. Gerade hier hat sich die technische Grundlage stark verändert.

DIN 18940:2023-06 enthält Regeln für Konstruktion, Bemessung und Ausführung von tragendem Lehmsteinmauerwerk im Neubau. Das Verfahren lehnt sich an das Teilsicherheitskonzept der Eurocodes an und berücksichtigt zugleich Besonderheiten des Baustoffs – insbesondere die Abhängigkeit seiner mechanischen Eigenschaften von der Feuchte.

Gegenüber den früheren Lehmbau Regeln erweitert sich der mögliche Einsatz erheblich. Das DIBt nennt eine Verringerung der Mindestwanddicke von 36,5 auf 17,5 cm. Auch die frühere generelle Begrenzung auf zwei Vollgeschosse entfällt. Innerhalb des Anwendungsbereichs der Norm ist tragendes Lehmsteinmauerwerk bis zu 13 m Gebäudehöhe möglich.

Im Juni 2026 erschien DIN 18940/A1. Die Norm gilt für tragende Lehmsteinwände im Neubau außerhalb von Hochwasser- und Überschwemmungsgebieten.

DIN vorhanden heißt noch nicht überall bauaufsichtlich eingeführt

Bei einem konkreten Bauprojekt muss allerdings noch genauer hingesehen werden.

Beim DIBt ist derzeit weiterhin MVV TB 2025/1 als aktuelle Ausgabe ausgewiesen. Die Ausgabe 2026/1 befindet sich noch im Verfahren; bislang ist lediglich das Anhörungsdokument veröffentlicht.

Das DIBt kündigt für Lehmsteinmauerwerk an, dass DIN 18940 mit Erscheinen der MVV TB 2026/1 für Planung, Bemessung und Ausführung herangezogen werden soll. Anschließend müssen die Regelungen zudem in den Ländern umgesetzt werden.

Für ein konkretes Bauvorhaben ist deshalb der aktuelle bauaufsichtliche Stand des jeweiligen Bundeslandes zu prüfen.

Werden Lehmsteine oder Lehmmauermörtel verwendet, die von den Normen nicht abschließend erfasst sind, kann für das Bauprodukt eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) erforderlich sein. Für nicht normativ geregelte Bauarten, etwa bestimmte Konstruktionen mit nicht genormten Steinen oder Dünnbettmörtel, erteilt das DIBt allgemeine Bauartgenehmigungen (aBG).

Stampflehm: spektakulär, aber aufwendig

Beim Stampflehmbau wird erdfeuchter Lehm lagenweise in eine Schalung eingebracht und mechanisch verdichtet. Nach dem Ausschalen bleibt die horizontale Struktur der einzelnen Stampflagen sichtbar.

Das macht Stampflehm architektonisch attraktiv. Gleichzeitig handelt es sich um eine arbeitsintensive Bauweise. Schalung, Materialaufbereitung und Verdichtung verursachen Aufwand; hinzu kommen Anforderungen an Trocknung und Witterungsschutz. Der Dachverband Lehm bezeichnet massive Stampflehmwände deshalb im Vergleich zu anderen Massivwänden als verhältnismäßig teuer.

Neben dem Stampfen auf der Baustelle werden inzwischen auch vorgefertigte Stampflehmelemente eingesetzt.

Wichtig: DIN 18940 bezieht sich auf tragendes Lehmsteinmauerwerk. Tragende Stampflehmkonstruktionen sind damit nicht automatisch durch diese Norm abgedeckt.

Wasser bleibt die Schwachstelle

Beim Lehmbau muss zwischen Wasserdampf in der Raumluft und flüssigem Wasser unterschieden werden.

Dass Lehm Luftfeuchte aufnehmen kann, bedeutet nicht, dass er dauerhaft nass werden darf. Eindringendes Wasser kann unstabilisierten Lehm aufweichen und dessen Festigkeit beeinträchtigen.

Bei Außenbauteilen sind daher konstruktiver Feuchteschutz, ein geeigneter Sockel, Schutz gegen aufsteigende Feuchtigkeit und sorgfältig geplante Anschlüsse entscheidend. Auch während der Bauphase müssen Lehmbauteile vor Niederschlag geschützt werden. Der Dachverband Lehm nennt dies ausdrücklich als zentrale Anforderung.

Diese Feuchteempfindlichkeit spielt auch bei tragendem Lehmsteinmauerwerk eine Rolle. DIN 18940 berücksichtigt den Einfluss der Umgebungsfeuchte auf die mechanischen Eigenschaften des Mauerwerks.

Was ist mit Brand- und Schallschutz?

Auch hier sollte man dem Material keine pauschalen Eigenschaften zuschreiben.

Die hohe Masse schwerer Lehmbauteile kann für den Schallschutz günstig sein. Entscheidend ist allerdings immer der komplette Wand- oder Deckenaufbau.

Ähnliches gilt für den Brandschutz. Einzelne Lehmbauplatten können beispielsweise als nichtbrennbar klassifiziert sein; daraus lässt sich aber nicht automatisch ein bestimmter Feuerwiderstand für jede Wand ableiten. Dieser muss für die jeweilige Konstruktion nachgewiesen sein. Das DIBt nennt Brand- und Schallschutz ausdrücklich als Anforderungen, die abhängig vom Anwendungsbereich an Lehmsteinmauerwerk gestellt werden.

Leichtlehm und Strohlehm

Leichtlehm enthält leichte organische oder mineralische Zuschläge. Dadurch sinken Rohdichte und Gewicht. Das Material kommt beispielsweise in Ausfachungen, Vorsatzschalen oder bei bestimmten Sanierungskonstruktionen zum Einsatz.

Eine traditionelle Form ist Strohlehm – eine Mischung aus Lehm und Stroh. Sie findet sich vor allem im historischen Fachwerkbau und wird dort weiterhin für Reparaturen und Ausfachungen verwendet.

Nicht zu verwechseln ist Strohlehm mit dem Strohballenbau. Dort bildet das Stroh einen wesentlichen Bestandteil des Wandaufbaus, während Lehm beispielsweise als Putz dienen kann.

Lehmschüttungen für Decken und Böden

Lehm ist außerdem als lose Schüttung erhältlich. Solche Materialien können unter anderem in Holzbalkendecken, Bodenkonstruktionen und geeigneten Hohlräumen eingesetzt werden.

Schwere Schüttungen erhöhen die Masse eines Bauteils und können sich damit auf Wärmespeicherung und Schallschutz auswirken. Leichte Zuschläge reduzieren das Gewicht und verändern die thermischen Eigenschaften.

Gerade bei alten Holzbalkendecken ist das interessant. Vor einer Sanierung sollte allerdings geprüft werden, welche zusätzliche Last die bestehende Konstruktion aufnehmen kann.

Wellerlehm spielt heute vor allem bei Sanierungen eine Rolle

Wellerlehm ist eine traditionelle Bauweise, bei der meist strohhaltiger Lehm ohne klassische Schalung zu massiven Wänden aufgeschichtet wird.

Historisch wurden damit sogar tragende Häuser gebaut. Im modernen Neubau spielt das Verfahren wegen des hohen Arbeitsaufwands und der langen Trocknung nur noch eine geringe Rolle. Der Dachverband Lehm nennt heute vor allem die Sanierung historischer Wellerlehmbauten als Einsatzgebiet.

Was kostet Bauen mit Lehm?

Eine allgemeingültige Zahl pro Quadratmeter wäre unseriös. Zwischen einem dünnen Lehmoberputz, einer Lehmbauplatte und einer Sichtwand aus Stampflehm liegen völlig unterschiedliche Material- und Arbeitsaufwände.

Für die Kosten ist entscheidend:

  • Welcher Lehmbaustoff verwendet wird
  • wie viele Arbeitsgänge notwendig sind
  • ob der Untergrund vorbereitet werden muss
  • wie dick der Aufbau ist
  • ob in Eigenleistung gearbeitet wird
  • wie weit das Material transportiert werden muss
  • ob Sonderkonstruktionen oder individuelle Oberflächen gewünscht sind

Lehmputz kann insbesondere bei Eigenleistung vergleichsweise überschaubar bleiben. Bei mehrlagigen hochwertigen Sichtoberflächen steigt dagegen der Arbeitsaufwand.

Lehmplatten verursachen höhere Material- und Transportmassen als sehr leichte Trockenbauplatten, reduzieren dafür den Feuchteeintrag auf der Baustelle und ermöglichen schnelle Trockenbauabläufe.

Stampflehm gehört eher zu den aufwendigen Anwendungen. Hier bestimmen Schalung, Verdichtung, Arbeitszeit, Oberflächenanspruch und gegebenenfalls Vorfertigung wesentlich den Preis.

Bei tragendem Lehmsteinmauerwerk hängen die Kosten zudem davon ab, welches System eingesetzt wird und welche planerischen beziehungsweise bauaufsichtlichen Nachweise notwendig sind.

Wer konkrete Preise vergleichen möchte, sollte deshalb nicht nach „Lehmbau pro m²“ suchen, sondern identische Wand- oder Deckenaufbauten ausschreiben und vergleichen.

Wann lohnt sich Lehm?

Lehm muss nicht das gesamte Gebäude bestimmen. Oft ist der gezielte Einsatz sinnvoller.

Für einen bestehenden Wohnraum kann ein Lehmputz interessant sein. Im Holzbau bringen Lehmplatten oder schwere Lehmsteine zusätzliche Speichermasse in leichte Konstruktionen. Bei einem Fachwerkhaus lässt sich Lehm häufig materialgerecht mit der vorhandenen historischen Bausubstanz kombinieren. Und tragendes Lehmsteinmauerwerk eröffnet inzwischen Möglichkeiten, die mit den früheren Lehmbau Regeln kaum erreichbar waren.

Die Grenzen sind ebenso klar: Massiver Lehm ersetzt keine zeitgemäße Wärmedämmung. Dauerhafte Nässe verträgt er nicht. Stampflehm kann teuer werden. Und beim tragenden Neubau müssen Normen, Produkte und bauaufsichtlicher Rahmen zusammenpassen.

Wer diese Punkte berücksichtigt, kann Lehm dort einsetzen, wo seine Eigenschaften tatsächlich einen Vorteil bringen.

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