Trockenbau im Badezimmer: Kleine Fehler, große Schäden

Von Dominik Hochwarth

Ein Badezimmer im Trockenbau bietet große gestalterische Freiheit. Vormauerungen, abgehängte Decken oder nichttragende Trennwände lassen sich schnell und präzise umsetzen. Gleichzeitig gehört das Bad zu den technisch anspruchsvollsten Räumen im Haus. Feuchtigkeit, Spritzwasser und Wasserdampf stellen hohe Anforderungen an Materialien, Konstruktion und Abdichtung. Wer hier Fehler macht, riskiert Schimmel, Bauschäden und teure Sanierungen.

Entscheidend ist daher nicht nur das „Wie“, sondern auch das regelwerkskonforme Planen.

Trockenbau im Badezimmer
Trockenbau im Badezimmer: Wo Abdichtung nötig ist, welche Platten geeignet sind und was die DIN 18534 vorschreibt.

Das erwartet Sie in diesem Beitrag

1. Normen: Ohne DIN 18534 geht im Bad nichts mehr

Die zentrale technische Grundlage für Badezimmer ist die DIN 18534 „Abdichtung von Innenräumen“.
Sie gilt verbindlich für Wohnbäder, Gäste-WCs, Duschen und bodengleiche Nassbereiche.

Die Norm teilt Räume in Wassereinwirkungsklassen ein:

KlasseBedeutungTypische Bereiche
W0-Igeringe BeanspruchungWände außerhalb von Spritzwasser
W1-Imäßige BeanspruchungWandflächen an Waschbecken, Badewannen
W2-Ihohe BeanspruchungDuschen, Duschwände
W3-Isehr hochgewerbliche Nassräume

Wichtig:
Ein Badezimmer ist kein pauschaler Feuchtraum, sondern besteht aus Zonen mit unterschiedlicher Beanspruchung. Daraus leiten sich Materialwahl und Abdichtungsumfang ab.

Bad Wassereinwirkung nach DIN 18534

2. Trockenbauplatten: Nicht jede Gipsplatte gehört ins Bad

2.1 Was zulässig ist – und was nicht

Im Bad dürfen keine Standard-Gipskartonplatten (GKB) eingesetzt werden, wenn sie Feuchtigkeit oder Spritzwasser ausgesetzt sind. Zulässig sind:

  • Feuchteunempfindliche Gipsplatten (H2 nach DIN EN 520)
    → Standardlösung für Wohnbäder
  • Zementgebundene Bauplatten
    → besonders robust in Duschbereichen
  • Glasfaserverstärkte Gipsplatten

Normale Gipsplatten können nur dann verwendet werden, wenn:

  • sie außerhalb aller Spritzwasserbereiche liegen und
  • keine erhöhte Luftfeuchte dauerhaft zu erwarten ist.

Die frühere Praxis „normale Platte + Lüften reicht“ ist nicht mehr Stand der Technik.

3. Unterkonstruktion: Korrosionsschutz ist Pflicht

Die Unterkonstruktion im Bad muss auf Feuchtigkeit ausgelegt sein:

  • ausschließlich verzinkte Metallprofile
  • keine unbehandelten Holzlattungen in Nassbereichen
  • Befestigungsmittel korrosionsgeschützt (Schrauben, Dübel)

Besonders bei Vorwandinstallationen wirken zusätzlich hohe Punktlasten durch Sanitärobjekte. Hier sind tragfähige Systeme mit geprüften Lastwerten erforderlich.

4. Beplankung: Stabilität schlägt Sparsamkeit

Für geflieste Flächen gilt:

  • mindestens doppelte Beplankung
  • versetzte Stoßfugen
  • ausreichende Plattendicke je nach System

Der Grund ist simpel:
Fliesen sind starr, Trockenbau bewegt sich. Eine zu leichte Konstruktion führt zu Rissen – nicht sofort, aber zuverlässig.

Abdichtung im Duschbereich

5. Abdichtung: Fliesen sind keine Abdichtung

Ein zentraler Irrtum hält sich hartnäckig:
Fliesen und Fugen sind keine wasserdichte Schicht.

Nach DIN 18534 ist unter Fliesen zwingend eine Verbundabdichtung erforderlich, bestehend aus:

  • flüssiger Abdichtung (Dichtschlämme / Dichtfolie)
  • Dichtbändern in Ecken und Übergängen
  • Dichtmanschetten an Rohrdurchführungen
  • systemkonformen Produkten mit Prüfzeugnis

Die Abdichtung muss:

  • vollflächig
  • rissüberbrückend
  • lückenlos ausgeführt sein
  • in definierten Höhen an Wand und Boden hochgeführt werden

Besonders kritisch sind:

  • Wand-Boden-Übergänge
  • Duschrinnen
  • Durchdringungen für Armaturen

Hier entstehen die meisten Schäden.

6. Oberflächen: Putz ist kein Schutzschild

Verputzte Trockenbauflächen können im Bad eingesetzt werden – aber nur außerhalb von Spritzwasserzonen.

Wichtig:

  • Putz ersetzt keine Abdichtung
  • auch verputzte Flächen benötigen darunter geeignete Platten
  • für Fliesen sind flexible Kleber (z. B. D2TE) erforderlich

Direkt verputzte Duschbereiche ohne Abdichtung sind technisch falsch.

7. Lüftung: notwendig, aber keine Lösung für Konstruktionsfehler

Eine gute Lüftung ist wichtig, ersetzt aber keine feuchteresistente Konstruktion.

Empfehlungen:

  • Fensterlüftung oder mechanische Abluft
  • ausreichende Luftwechselrate
  • Feuchtesensoren bei fensterlosen Bädern

Aber klar:
Wer auf richtige Materialien verzichtet und auf „Lüften wird’s schon richten“ setzt, plant am Problem vorbei.

8. Elektroinstallation: oft vergessen, aber sicherheitsrelevant

Im Bad gelten Schutzbereiche nach DIN VDE 0100-701:

  • Zone 0: Wanne / Dusche
  • Zone 1: direkt angrenzend
  • Zone 2: erweiterter Spritzbereich

Das beeinflusst:

  • Einbaupositionen von Leuchten
  • Steckdosen
  • Schaltern
  • Transformatoren

Trockenbauwände müssen diese Planung von Anfang an berücksichtigen, sonst sind nachträgliche Änderungen teuer.

Schichtaufbau einer Trockenbauwand im Duschbereich (normkonform nach DIN 18534)

Schichtfolge (von innen nach außen / Raumseite → Tragkonstruktion)

  1. Oberfläche
    • Keramische Fliesen oder alternative wasserfeste Wandbeläge
    • Flexible Verfugung (zementär oder Epoxid, systemabhängig)
  2. Fliesenkleber
    • Flexkleber nach DIN EN 12004 (z. B. C2 TE S1)
    • Schub- und spannungsausgleichend
  3. Verbundabdichtung (zwingend)
    • Flüssigabdichtung / Dichtschlämme vollflächig
    • Mindestschichtdicke gemäß Hersteller
    • Systemkomponenten integriert:
      • Dichtbänder in Ecken und Übergängen
      • Dichtmanschetten an Rohrdurchführungen
      • ggf. vorgefertigte Innenecken
  4. Trockenbauplatte (Feuchtraum geeignet)
    • Bevorzugt: zementgebundene Bauplatte
    • Alternativ: feuchteunempfindliche Gipsplatte H2 nach DIN EN 520
    • Keine Standard-Gipskartonplatte (GKB)
  5. Zweite Beplankung (empfohlen / oft erforderlich)
    • Erhöht Steifigkeit
    • Reduziert Rissrisiko unter Fliesen
    • Stoßfugen versetzt zur ersten Lage
  6. Unterkonstruktion
    • Verzinkte Metallprofile (CW/UW)
    • Achsabstände gemäß System (typisch 62,5 cm oder enger)
    • Bei Vorwänden: geprüfte Tragprofile für Sanitärlasten
  7. Dämm-/Installationsebene (optional, aber praxisüblich)
  8. Rückseitige Beplankung / Bestandswand
    • Je nach Konstruktion
    • Im Mehrfamilienhaus: Schallschutz beachten
Fehler Trockenbau Badezimmer

Kritische Detailpunkte (häufige Schadensursachen)

  • ❌ Fliesen direkt auf Platte ohne Abdichtung
  • ❌ Abdichtung nur „im Spritzbereich“, nicht vollflächig
  • ❌ Silikonfugen statt Dichtmanschetten
  • ❌ Standard-Gipskarton im Duschbereich
  • ❌ Fehlende zweite Beplankung bei großformatigen Fliesen

Technische Einordnung

  • Der wasserdichte Teil der Konstruktion ist die Verbundabdichtung, nicht die Fliese.
  • Die Trockenbauwand ist nur Träger, kein Schutz gegen Wasser.
  • Das System ist nur so gut wie sein schwächstes Detail (Ecke, Durchdringung, Übergang).

Einordnung der Bereiche im Bad (Norm & Bedarf)

Bereich im BadTypische BeanspruchungWassereinwirkungsklasse (DIN 18534)Abdichtung erforderlich?
Decke (außerhalb Dusche)Kondensat, WasserdampfW0-Ii. d. R. nein (bei normaler Nutzung)
Wandflächen außerhalb Spritzwassernur LuftfeuchteW0-Ii. d. R. nein
Wand am WaschbeckenSpritzwasser punktuellW1-Ija (Spritzwasserzone)
Wand an Badewanne (Wandanschluss)Spritzwasser, gelegentlich stehendW1-I (bis W2-I je nach Nutzung)ja
Duschwand (senkrecht)häufig, direktes WasserW2-Ija, zwingend
Bodengleiche Dusche (Boden)hohe Wasserlast, ggf. stehendW2-I (teils W3-I)ja, zwingend
Boden im Bad (ohne Ablauf)Spritz-, Reinigungswassermeist W1-Ija in Teilbereichen
Wand hinter WC (Vorwand)geringe SpritzwasserlastW0-I bis W1-Inur bei Spritzwasser
Rohrdurchführungen / ArmaturenLeckage-, Kapillarwasserje nach Umgebungja, lokal immer
Wand-Boden-Übergänge / Eckenkritische Anschlussfugenje nach Umgebungja (in abgedichteten Zonen)

Technische Ausführung & typische Fehler

Bereich im BadGeeignete Platten im TrockenbauTypische Abdichtung (Beispiele)Häufige Fehler
Decke (außerhalb Dusche)H2-GipsplatteStandard-Gipsplatte in dauerhaft feuchtem Bad
Wandflächen außerhalb SpritzwasserH2-GipsplatteZonen werden nicht unterschieden
Wand am WaschbeckenH2- oder zementgebundene PlatteVerbundabdichtung + DichtbandAbdichtung weggelassen
Wand an BadewanneH2- oder zementgebundene PlatteVerbundabdichtung + Dichtband + WannenrandbandFuge als alleinige Abdichtung
Duschwandzementgebundene Platte oder H2 (System)Verbundabdichtung + Manschetten + DichtbänderStandardplatte, Abdichtung nur punktuell
Bodengleiche DuscheNassraum-SystemeSystemabdichtung + Rinnenanschlussfehlendes Gefälle, undichte Rinne
Boden ohne Ablaufkein Trockenbau / freigegebener TrockenestrichTeilabdichtung, Wand-Boden hochgeführtAbdichtung komplett weggelassen
Wand hinter WCH2-Platte, stabile Vorwandggf. Teilabdichtungzu schwache Vorwand
Rohrdurchführungenabhängig vom BereichDichtmanschetten (System)Silikon statt Manschette
Wand-Boden-Übergängewie UmgebungDichtbandBand vergessen / falsch eingebettet

Fazit: Trockenbau im Bad funktioniert – wenn er richtig geplant ist

Ein Badezimmer im Trockenbau ist technisch problemlos machbar. Entscheidend ist jedoch:

  • klare Trennung von Nass- und Trockenbereichen
  • normgerechte Abdichtung nach DIN 18534
  • feuchtraumgeeignete Platten
  • stabile, korrosionsgeschützte Konstruktion
  • realistische Einschätzung der Risiken

Wer diese Punkte ignoriert, spart kurzfristig – und zahlt langfristig.

Über den Autor

3 Gedanken zu „Trockenbau im Badezimmer: Kleine Fehler, große Schäden“

  1. Wir hatten uns auch letztes Jahr dazu entschieden unser Badezimmer zu einer kleinen Oase umzubauen und haben auch auf Trockenbau gesetzt, da es uns viel Zeit und Arbeit erspart hatte. Schließlich hatten wir uns auch für einen „Feuchtigkeits Resistenten“ Putz im Baumarkt bei uns entschieden und die Fließen außen vor gelassen.

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  2. Da wir noch nicht genau wissen, wie wir unser Bad sanieren können, bin ich auf der Suche nach machbaren Optionen. Da ich bei dem Umbau von Sanitäranlagen wie wir sie im Bad haben, nicht gedacht hätte, dass es möglich wäre diese in Trockenbau zu integrieren, bin ich durch Ihren Artikel positiv überrascht. Wir werden denke ich aber auch für die Wände feuchtraumgeeignete Bauplatten verwenden, nur um sicher zu gehen.

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  3. Für den Weg zu unserem Traumbad haben wir letzte Woche erfahren, dass eventuell alle Umbauten in Trockenbau machbar sind. Ihre Hinweise zur Vorbereitung und Durchführung werden uns dabei helfen, vor allem Ihr Punkt zur Abdichtung von Rohren und Übergängen. Entsprechend Ihrer Empfehlung werden wir uns dafür Manschetten besorgen Dichtbänder zuschneiden.

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