Ein Badezimmer im Trockenbau bietet große gestalterische Freiheit. Vormauerungen, abgehängte Decken oder nichttragende Trennwände lassen sich schnell und präzise umsetzen. Gleichzeitig gehört das Bad zu den technisch anspruchsvollsten Räumen im Haus. Feuchtigkeit, Spritzwasser und Wasserdampf stellen hohe Anforderungen an Materialien, Konstruktion und Abdichtung. Wer hier Fehler macht, riskiert Schimmel, Bauschäden und teure Sanierungen.
Entscheidend ist daher nicht nur das „Wie“, sondern auch das regelwerkskonforme Planen.

Das erwartet Sie in diesem Beitrag
- 1. Normen: Ohne DIN 18534 geht im Bad nichts mehr
- 2. Trockenbauplatten: Nicht jede Gipsplatte gehört ins Bad
- 3. Unterkonstruktion: Korrosionsschutz ist Pflicht
- 4. Beplankung: Stabilität schlägt Sparsamkeit
- 5. Abdichtung: Fliesen sind keine Abdichtung
- 6. Oberflächen: Putz ist kein Schutzschild
- 7. Lüftung: notwendig, aber keine Lösung für Konstruktionsfehler
- 8. Elektroinstallation: oft vergessen, aber sicherheitsrelevant
- Schichtaufbau einer Trockenbauwand im Duschbereich (normkonform nach DIN 18534)
- Kritische Detailpunkte (häufige Schadensursachen)
- Technische Einordnung
- Einordnung der Bereiche im Bad (Norm & Bedarf)
- Technische Ausführung & typische Fehler
- Fazit: Trockenbau im Bad funktioniert – wenn er richtig geplant ist
1. Normen: Ohne DIN 18534 geht im Bad nichts mehr
Die zentrale technische Grundlage für Badezimmer ist die DIN 18534 „Abdichtung von Innenräumen“.
Sie gilt verbindlich für Wohnbäder, Gäste-WCs, Duschen und bodengleiche Nassbereiche.
Die Norm teilt Räume in Wassereinwirkungsklassen ein:
| Klasse | Bedeutung | Typische Bereiche |
| W0-I | geringe Beanspruchung | Wände außerhalb von Spritzwasser |
| W1-I | mäßige Beanspruchung | Wandflächen an Waschbecken, Badewannen |
| W2-I | hohe Beanspruchung | Duschen, Duschwände |
| W3-I | sehr hoch | gewerbliche Nassräume |
Wichtig:
Ein Badezimmer ist kein pauschaler Feuchtraum, sondern besteht aus Zonen mit unterschiedlicher Beanspruchung. Daraus leiten sich Materialwahl und Abdichtungsumfang ab.

2. Trockenbauplatten: Nicht jede Gipsplatte gehört ins Bad
2.1 Was zulässig ist – und was nicht
Im Bad dürfen keine Standard-Gipskartonplatten (GKB) eingesetzt werden, wenn sie Feuchtigkeit oder Spritzwasser ausgesetzt sind. Zulässig sind:
- Feuchteunempfindliche Gipsplatten (H2 nach DIN EN 520)
→ Standardlösung für Wohnbäder - Zementgebundene Bauplatten
→ besonders robust in Duschbereichen - Glasfaserverstärkte Gipsplatten
Normale Gipsplatten können nur dann verwendet werden, wenn:
- sie außerhalb aller Spritzwasserbereiche liegen und
- keine erhöhte Luftfeuchte dauerhaft zu erwarten ist.
Die frühere Praxis „normale Platte + Lüften reicht“ ist nicht mehr Stand der Technik.
3. Unterkonstruktion: Korrosionsschutz ist Pflicht
Die Unterkonstruktion im Bad muss auf Feuchtigkeit ausgelegt sein:
- ausschließlich verzinkte Metallprofile
- keine unbehandelten Holzlattungen in Nassbereichen
- Befestigungsmittel korrosionsgeschützt (Schrauben, Dübel)
Besonders bei Vorwandinstallationen wirken zusätzlich hohe Punktlasten durch Sanitärobjekte. Hier sind tragfähige Systeme mit geprüften Lastwerten erforderlich.
4. Beplankung: Stabilität schlägt Sparsamkeit
Für geflieste Flächen gilt:
- mindestens doppelte Beplankung
- versetzte Stoßfugen
- ausreichende Plattendicke je nach System
Der Grund ist simpel:
Fliesen sind starr, Trockenbau bewegt sich. Eine zu leichte Konstruktion führt zu Rissen – nicht sofort, aber zuverlässig.

5. Abdichtung: Fliesen sind keine Abdichtung
Ein zentraler Irrtum hält sich hartnäckig:
Fliesen und Fugen sind keine wasserdichte Schicht.
Nach DIN 18534 ist unter Fliesen zwingend eine Verbundabdichtung erforderlich, bestehend aus:
- flüssiger Abdichtung (Dichtschlämme / Dichtfolie)
- Dichtbändern in Ecken und Übergängen
- Dichtmanschetten an Rohrdurchführungen
- systemkonformen Produkten mit Prüfzeugnis
Die Abdichtung muss:
- vollflächig
- rissüberbrückend
- lückenlos ausgeführt sein
- in definierten Höhen an Wand und Boden hochgeführt werden
Besonders kritisch sind:
- Wand-Boden-Übergänge
- Duschrinnen
- Durchdringungen für Armaturen
Hier entstehen die meisten Schäden.
6. Oberflächen: Putz ist kein Schutzschild
Verputzte Trockenbauflächen können im Bad eingesetzt werden – aber nur außerhalb von Spritzwasserzonen.
Wichtig:
- Putz ersetzt keine Abdichtung
- auch verputzte Flächen benötigen darunter geeignete Platten
- für Fliesen sind flexible Kleber (z. B. D2TE) erforderlich
Direkt verputzte Duschbereiche ohne Abdichtung sind technisch falsch.
7. Lüftung: notwendig, aber keine Lösung für Konstruktionsfehler
Eine gute Lüftung ist wichtig, ersetzt aber keine feuchteresistente Konstruktion.
Empfehlungen:
- Fensterlüftung oder mechanische Abluft
- ausreichende Luftwechselrate
- Feuchtesensoren bei fensterlosen Bädern
Aber klar:
Wer auf richtige Materialien verzichtet und auf „Lüften wird’s schon richten“ setzt, plant am Problem vorbei.
8. Elektroinstallation: oft vergessen, aber sicherheitsrelevant
Im Bad gelten Schutzbereiche nach DIN VDE 0100-701:
- Zone 0: Wanne / Dusche
- Zone 1: direkt angrenzend
- Zone 2: erweiterter Spritzbereich
Das beeinflusst:
- Einbaupositionen von Leuchten
- Steckdosen
- Schaltern
- Transformatoren
Trockenbauwände müssen diese Planung von Anfang an berücksichtigen, sonst sind nachträgliche Änderungen teuer.
Schichtaufbau einer Trockenbauwand im Duschbereich (normkonform nach DIN 18534)
Schichtfolge (von innen nach außen / Raumseite → Tragkonstruktion)
- Oberfläche
- Keramische Fliesen oder alternative wasserfeste Wandbeläge
- Flexible Verfugung (zementär oder Epoxid, systemabhängig)
- Fliesenkleber
- Flexkleber nach DIN EN 12004 (z. B. C2 TE S1)
- Schub- und spannungsausgleichend
- Verbundabdichtung (zwingend)
- Flüssigabdichtung / Dichtschlämme vollflächig
- Mindestschichtdicke gemäß Hersteller
- Systemkomponenten integriert:
- Dichtbänder in Ecken und Übergängen
- Dichtmanschetten an Rohrdurchführungen
- ggf. vorgefertigte Innenecken
- Trockenbauplatte (Feuchtraum geeignet)
- Bevorzugt: zementgebundene Bauplatte
- Alternativ: feuchteunempfindliche Gipsplatte H2 nach DIN EN 520
- Keine Standard-Gipskartonplatte (GKB)
- Zweite Beplankung (empfohlen / oft erforderlich)
- Erhöht Steifigkeit
- Reduziert Rissrisiko unter Fliesen
- Stoßfugen versetzt zur ersten Lage
- Unterkonstruktion
- Verzinkte Metallprofile (CW/UW)
- Achsabstände gemäß System (typisch 62,5 cm oder enger)
- Bei Vorwänden: geprüfte Tragprofile für Sanitärlasten
- Dämm-/Installationsebene (optional, aber praxisüblich)
- Mineralwolle oder Installationsraum
- Schalldämmung + Platz für Leitungen
- Keine ungeschützten Leitungen in Abdichtungsebene
- Rückseitige Beplankung / Bestandswand
- Je nach Konstruktion
- Im Mehrfamilienhaus: Schallschutz beachten

Kritische Detailpunkte (häufige Schadensursachen)
- ❌ Fliesen direkt auf Platte ohne Abdichtung
- ❌ Abdichtung nur „im Spritzbereich“, nicht vollflächig
- ❌ Silikonfugen statt Dichtmanschetten
- ❌ Standard-Gipskarton im Duschbereich
- ❌ Fehlende zweite Beplankung bei großformatigen Fliesen
Technische Einordnung
- Der wasserdichte Teil der Konstruktion ist die Verbundabdichtung, nicht die Fliese.
- Die Trockenbauwand ist nur Träger, kein Schutz gegen Wasser.
- Das System ist nur so gut wie sein schwächstes Detail (Ecke, Durchdringung, Übergang).
Einordnung der Bereiche im Bad (Norm & Bedarf)
| Bereich im Bad | Typische Beanspruchung | Wassereinwirkungsklasse (DIN 18534) | Abdichtung erforderlich? |
| Decke (außerhalb Dusche) | Kondensat, Wasserdampf | W0-I | i. d. R. nein (bei normaler Nutzung) |
| Wandflächen außerhalb Spritzwasser | nur Luftfeuchte | W0-I | i. d. R. nein |
| Wand am Waschbecken | Spritzwasser punktuell | W1-I | ja (Spritzwasserzone) |
| Wand an Badewanne (Wandanschluss) | Spritzwasser, gelegentlich stehend | W1-I (bis W2-I je nach Nutzung) | ja |
| Duschwand (senkrecht) | häufig, direktes Wasser | W2-I | ja, zwingend |
| Bodengleiche Dusche (Boden) | hohe Wasserlast, ggf. stehend | W2-I (teils W3-I) | ja, zwingend |
| Boden im Bad (ohne Ablauf) | Spritz-, Reinigungswasser | meist W1-I | ja in Teilbereichen |
| Wand hinter WC (Vorwand) | geringe Spritzwasserlast | W0-I bis W1-I | nur bei Spritzwasser |
| Rohrdurchführungen / Armaturen | Leckage-, Kapillarwasser | je nach Umgebung | ja, lokal immer |
| Wand-Boden-Übergänge / Ecken | kritische Anschlussfugen | je nach Umgebung | ja (in abgedichteten Zonen) |
Technische Ausführung & typische Fehler
| Bereich im Bad | Geeignete Platten im Trockenbau | Typische Abdichtung (Beispiele) | Häufige Fehler |
|---|---|---|---|
| Decke (außerhalb Dusche) | H2-Gipsplatte | — | Standard-Gipsplatte in dauerhaft feuchtem Bad |
| Wandflächen außerhalb Spritzwasser | H2-Gipsplatte | — | Zonen werden nicht unterschieden |
| Wand am Waschbecken | H2- oder zementgebundene Platte | Verbundabdichtung + Dichtband | Abdichtung weggelassen |
| Wand an Badewanne | H2- oder zementgebundene Platte | Verbundabdichtung + Dichtband + Wannenrandband | Fuge als alleinige Abdichtung |
| Duschwand | zementgebundene Platte oder H2 (System) | Verbundabdichtung + Manschetten + Dichtbänder | Standardplatte, Abdichtung nur punktuell |
| Bodengleiche Dusche | Nassraum-Systeme | Systemabdichtung + Rinnenanschluss | fehlendes Gefälle, undichte Rinne |
| Boden ohne Ablauf | kein Trockenbau / freigegebener Trockenestrich | Teilabdichtung, Wand-Boden hochgeführt | Abdichtung komplett weggelassen |
| Wand hinter WC | H2-Platte, stabile Vorwand | ggf. Teilabdichtung | zu schwache Vorwand |
| Rohrdurchführungen | abhängig vom Bereich | Dichtmanschetten (System) | Silikon statt Manschette |
| Wand-Boden-Übergänge | wie Umgebung | Dichtband | Band vergessen / falsch eingebettet |
Fazit: Trockenbau im Bad funktioniert – wenn er richtig geplant ist
Ein Badezimmer im Trockenbau ist technisch problemlos machbar. Entscheidend ist jedoch:
- klare Trennung von Nass- und Trockenbereichen
- normgerechte Abdichtung nach DIN 18534
- feuchtraumgeeignete Platten
- stabile, korrosionsgeschützte Konstruktion
- realistische Einschätzung der Risiken
Wer diese Punkte ignoriert, spart kurzfristig – und zahlt langfristig.
















Wir hatten uns auch letztes Jahr dazu entschieden unser Badezimmer zu einer kleinen Oase umzubauen und haben auch auf Trockenbau gesetzt, da es uns viel Zeit und Arbeit erspart hatte. Schließlich hatten wir uns auch für einen „Feuchtigkeits Resistenten“ Putz im Baumarkt bei uns entschieden und die Fließen außen vor gelassen.
Da wir noch nicht genau wissen, wie wir unser Bad sanieren können, bin ich auf der Suche nach machbaren Optionen. Da ich bei dem Umbau von Sanitäranlagen wie wir sie im Bad haben, nicht gedacht hätte, dass es möglich wäre diese in Trockenbau zu integrieren, bin ich durch Ihren Artikel positiv überrascht. Wir werden denke ich aber auch für die Wände feuchtraumgeeignete Bauplatten verwenden, nur um sicher zu gehen.
Für den Weg zu unserem Traumbad haben wir letzte Woche erfahren, dass eventuell alle Umbauten in Trockenbau machbar sind. Ihre Hinweise zur Vorbereitung und Durchführung werden uns dabei helfen, vor allem Ihr Punkt zur Abdichtung von Rohren und Übergängen. Entsprechend Ihrer Empfehlung werden wir uns dafür Manschetten besorgen Dichtbänder zuschneiden.