Welche Wandfarbe deckt am besten?

Von Dominik Hochwarth

Sie rollen Weiß über Altweiß. Und sehen nach dem Trocknen: Schatten. Streifen. Flecken. Also noch eine Runde. Und noch eine. Das kostet Zeit, Material und Nerven. Die zentrale Frage lautet deshalb: Welche Wandfarbe deckt wirklich gut? Und noch wichtiger: Woran erkennen Sie das vor dem Kauf? Wer hier nur auf Werbesprüche schaut, tappt schnell in die Falle. Entscheidend sind zwei technische Angaben: Deckkraftklasse und Ergiebigkeit.

Mann streicht Wand
Mit der richtigen Wandfarbe und guter Vorbereitung reicht oft ein Anstrich.

Das erwartet Sie in diesem Beitrag

Deckkraftklasse 1 – was steckt dahinter?

Innenfarben werden nach der DIN EN 13300 eingeteilt. Diese Norm sorgt für Vergleichbarkeit. Sie definiert unter anderem die sogenannte Deckkraftklasse.

DeckkraftklasseKontrastverhältnisPraxisbedeutung
Klasse 1≥ 99,5 %Sehr hohe Deckkraft
Klasse 2≥ 98 %Gute Deckkraft
Klasse 3≥ 95 %Mittel
Klasse 4< 95 %Schwach

Klasse 1 ist das, was Sie suchen, wenn Sie möglichst mit einem Anstrich auskommen wollen.

Aber Achtung: Diese Einstufung gilt immer bei einer bestimmten Ergiebigkeit. Eine Farbe, die Klasse 1 bei 8 m²/l erreicht, ist effizienter als eine, die denselben Wert nur bei 5 m²/l schafft. Das steht meist klein auf dem Eimer. Für Sie heißt das: Immer beide Werte prüfen.

Wandfarbe Deckkraftklasse

Ergiebigkeit: Der Wert, den viele übersehen

Zwei Farben können beide Klasse 1 sein. Die eine deckt bei 8 m²/l, die andere nur bei 5 m²/l. Rein technisch sind beide gleich eingestuft. In der Praxis sind sie es nicht.

Ein Beispiel:

Raum mit 20 m² Wandfläche
Zwei Anstriche = 40 m²

Bei 6 m²/l brauchen Sie rund 6,7 Liter.
Bei 8 m²/l reichen 5 Liter.

Wenn die höherwertige Farbe zudem mit einem Anstrich auskommt, halbiert sich der Aufwand. Plötzlich relativiert sich der höhere Preis. Nicht der Literpreis entscheidet. Sondern der Preis pro Quadratmeter fertige Fläche.

Warum manche Farben besser decken als andere

Deckkraft entsteht durch Pigmente. Vor allem durch Titandioxid. Dieses Weißpigment reflektiert Licht besonders stark. Je höher der Anteil, desto besser deckt die Farbe.

Günstige Wandfarben sparen hier. Sie mischen mehr Füllstoffe wie Kreide bei. Das macht den Eimer billiger, aber die Wand nicht deckender. Deshalb gilt: Ein höherer Literpreis kann sich rechnen, wenn Sie dadurch einen Anstrich sparen.

Wandfarbe deckt nicht

Profi-Farbe oder Baumarkt?

Hier wird viel diskutiert. Marken wie Caparol oder Brillux kommen aus dem Fachhandwerk. Alpina ist im Baumarkt groß geworden. Interessant ist: Alpina gehört zur gleichen Unternehmensgruppe wie Caparol. Trotzdem sind die Produkte unterschiedlich positioniert.

Caparol Indeko-plus

Im Handwerk ein Klassiker. Sehr hohe Deckkraft, gute Ergiebigkeit. Wird oft als „Einschichtfarbe“ bezeichnet, weil sie bei normalen Kontrasten tatsächlich mit einem Anstrich auskommt.

Alpinaweiß Das Original

Regelmäßig gut bewertet von der Stiftung Warentest. Für Selbermacher einfach zu verarbeiten und ebenfalls Klasse 1.

Eigenmarken aus dem Baumarkt

Überraschend stark. Toom oder Hornbach bieten Farben mit Klasse 1 zu moderatem Preis. Für normale Renovierungen oft völlig ausreichend.

Die Wahrheit liegt also dazwischen: Es gibt sehr gute Profi-Produkte. Aber auch solide DIY-Farben mit hoher Deckkraft.

Der Untergrund entscheidet mit

Viele unterschätzen die Vorbereitung. Neue Gipskartonflächen oder frischer Putz saugen stark. Tragen Sie direkt Farbe auf, verschwindet ein Teil im Untergrund. Die Folge: Fleckige Optik trotz guter Farbe.

Hier hilft ein passender Tiefgrund. Er reduziert die Saugfähigkeit und schafft eine gleichmäßige Basis. Wenn Ihre Wand glänzend oder stark verschmutzt ist, sollten Sie sie reinigen oder leicht anschleifen. Auch hier liegt die Ursache für schlechte Deckung oft nicht an der Farbe selbst.

Dunkle Wand überstreichen – die echte Bewährungsprobe

Wenn Sie von Dunkelblau oder Bordeaux auf Weiß wechseln, zeigt sich die Qualität. Billige Farben brauchen hier drei bis fünf Anstriche. Das frustriert schnell.

Hochwertige Klasse-1-Farben schaffen das meist in zwei Durchgängen. Mehr ist physikalisch kaum machbar. Wer hier spart, zahlt am Ende mit Arbeitszeit.

Streiflicht: Wenn jede Rolle sichtbar wird

Moderne Wohnräume mit großen Fensterflächen oder seitlicher LED-Beleuchtung erzeugen Streiflicht. Dabei fällt Licht flach über die Wand und betont jede Unebenheit.

Hier hilft:

  • Stumpfmatte Farbe statt seidenmatt
  • Gleichmäßiger Auftrag
  • Produkte mit längerer Offenzeit

Deckkraft allein schützt nicht vor sichtbaren Ansätzen. Der Glanzgrad spielt eine große Rolle.

Farbtöne decken unterschiedlich gut

Weiße Wandfarbe deckt am besten, weil sie viel Titandioxid enthält. Intensive Farbtöne wie Rot oder Gelb enthalten weniger Weißpigment. Sie wirken leuchtend, aber weniger deckend. Wenn Sie kräftige Farben wählen, planen Sie realistisch zwei Anstriche ein.

Problemfälle: Nikotin, Wasserflecken, Ruß

Hier hilft normale Dispersionsfarbe nicht. Flecken schlagen durch, egal wie oft Sie streichen.

Sie brauchen sogenannte Isolierfarben oder Nikotinsperren. Diese kapseln die Schadstoffe ein. Moderne Varianten arbeiten wasserbasiert und deutlich geruchsärmer als ältere Produkte. Wichtig: Mehr Deckkraft ersetzt keine Sperrwirkung.

Nassabrieb – die unterschätzte Angabe

Viele achten nur auf Deckkraft. Doch die Oberfläche muss auch etwas aushalten.

NassabriebklasseEinsatz
Klasse 1Flur, stark beanspruchte Bereiche
Klasse 2Küche, Kinderzimmer
Klasse 3Wohnräume

Für Küche oder Flur sollten Sie mindestens Klasse 2 wählen. Sonst sehen Sie schnell Glanzstellen vom Reinigen.

Was kostet der zweite Anstrick

Kostenvergleich: Billig vs. hochwertig

Nehmen wir zwei Szenarien:

Billigfarbe
30 € für 10 Liter
Ergiebigkeit 6 m²/l
Zwei Anstriche nötig

Hochwertige Farbe
60 € für 10 Liter
Ergiebigkeit 8 m²/l
Ein Anstrich ausreichend

Rechnet man den tatsächlichen Verbrauch durch, ist die teurere Farbe pro m² oft günstiger. Dazu kommt die gesparte Arbeitszeit.

Gesundheit und Emissionen

Hoch deckende Farben enthalten viel Bindemittel und Pigment. Manche nutzen Konservierungsstoffe, um im Eimer stabil zu bleiben. Diese können empfindliche Personen reizen.

Es gibt inzwischen emissionsarme oder konservierungsmittelfreie Varianten. Achten Sie auf entsprechende Hinweise wie „ELF“ oder spezielle Umweltkennzeichnungen.

Also: Welche Wandfarbe deckt am besten?

Kurz gesagt:

  • Klasse 1 ist Pflicht, wenn Sie Zeit sparen wollen.
  • Achten Sie auf mindestens 7–8 m²/l Ergiebigkeit.
  • Für dunkle Untergründe lieber ein hochwertiges Produkt wählen.
  • Bei Flecken immer zu Isolierfarbe greifen.

Eine gute Wandfarbe spart Ihnen meist einen kompletten Arbeitstag. Und das relativiert den Preis schnell.

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