Bis zu 30 Tonnen schwere Steine, aufgerichtet ohne Kran, Lkw oder Stahlseile: Stonehenge gehört zu den erstaunlichsten Bauleistungen der Jungsteinzeit. Noch verblüffender ist, woher einige der Steine stammen. Während die großen Sarsensteine etwa 25 Kilometer zurücklegen mussten, kamen kleinere Steine aus Wales. Der rund sechs Tonnen schwere Altarstein wurde sogar aus mehr als 700 Kilometern Entfernung nach Südengland gebracht.
Wie das gelang, lässt sich nach rund 4500 Jahren nicht mehr Schritt für Schritt rekonstruieren. Archäologische Funde und Versuche zeigen aber, welche Techniken wahrscheinlich zum Einsatz kamen: Schlitten, Seile, Holzhebel, vorbereitete Gruben und vermutlich hölzerne Gerüste.
Neue Untersuchungen liefern zudem immer genauere Hinweise darauf, woher die Steine stammen – und werfen damit neue Fragen zu ihrem Transport auf.

Das Wichtigste in Kürze
- Stonehenge entstand über viele Jahrhunderte. Die großen Steinsetzungen wurden überwiegend um 2500 v. Chr. errichtet.
- Die schweren Sarsensteine stammen größtenteils aus den West Woods, rund 25 Kilometer nördlich von Stonehenge.
- Viele kleinere „Blausteine“ kamen aus dem Westen von Wales, mehr als 200 Kilometer entfernt.
- Der rund sechs Tonnen schwere Altarstein stammt nach aktuellem Forschungsstand aus Nordostschottland, wahrscheinlich aus Caithness oder der Region Inverness–Black Isle.
- Die Steine wurden vermutlich mit Schlitten, Seilen und Hebeln bewegt. Wie die genauen Transportwege aussahen, ist nicht bekannt.
- Zum Aufrichten nutzten die Bauleute vorbereitete Gruben und wahrscheinlich Holzgerüste und Seile.
- Die Sarsensteine wurden mit Verbindungen zusammengefügt, die eher an traditionellen Holzbau erinnern: Zapfen sowie Nut und Feder.
Stonehenge entstand nicht auf einmal
Stonehenge ist das Ergebnis mehrerer Bauphasen.
Um 3000 v. Chr. entstand zunächst ein fast kreisförmiger Graben mit Erdwall. Im Inneren lagen 56 Gruben, die heute als Aubrey Holes bezeichnet werden. Das Gelände wurde in dieser frühen Phase unter anderem als Begräbnisstätte genutzt.
Die monumentalen Steinsetzungen kamen später hinzu. Um etwa 2500 v. Chr. wurden die großen Sarsensteine aufgerichtet. Weitere Veränderungen folgten in den Jahrhunderten danach.
Stonehenge war also keine Baustelle, auf der nach einem fertigen Plan innerhalb weniger Jahre ein Monument entstand. Generationen von Menschen veränderten und erweiterten die Anlage.
Ähnliche Fragen zur prähistorischen Bautechnik stellen sich auch bei anderen Bauformen. So zeigen beispielsweise Pfahlbauten aus der Jungsteinzeit, wie geschickt Menschen bereits vor rund 5000 Jahren mit Holz und einfachen Werkzeugen konstruierten.

Woher kamen die großen Steine von Stonehenge?
Stonehenge besteht nicht einfach aus einer einzigen Gesteinsart. Die Herkunft der verschiedenen Steine unterscheidet sich erheblich.
Besonders auffällig sind die großen Sarsensteine. Sie bilden den äußeren Kreis und die zentralen sogenannten Trilithen – Konstruktionen aus jeweils zwei senkrechten Steinen und einem waagerechten Deckstein.
Viele dieser Blöcke wiegen etwa 20 bis 30 Tonnen.
Geochemische Untersuchungen ergaben, dass 50 von 52 untersuchten Sarsensteinen eine sehr ähnliche Zusammensetzung besitzen. Als wahrscheinlichste Herkunft gilt West Woods südlich von Marlborough, rund 25 Kilometer nördlich von Stonehenge.
Sarsen ist ein stark verkieseltes Sedimentgestein und ausgesprochen hart. Mehr über Entstehung und Eigenschaften verschiedener Gesteine erfahren Sie in unserem Beitrag über Natursteine im Bauwesen.
Die Blausteine kamen aus Wales
Noch wesentlich weiter wurden die sogenannten Blausteine transportiert.
Der Begriff ist etwas irreführend: Es handelt sich nicht um eine einzige Gesteinsart. Unter den Blausteinen finden sich beispielsweise Dolerit, Rhyolith und vulkanische Tuffe.
Mehrere dieser Gesteine lassen sich mit den Preseli Hills im Westen von Wales in Verbindung bringen. Die Entfernung zu Stonehenge beträgt je nach Herkunftsort rund 230 Kilometer.
Wie Menschen mehrere Tonnen schwere Steine über diese Entfernung nach Südengland brachten, ist nicht geklärt.
Denkbar sind unterschiedliche Routen über Land und Wasser. Gelegentlich werden Transporte auf Flößen oder Booten vorgeschlagen. Einen archäologischen Nachweis für eine bestimmte Strecke oder Transporttechnik gibt es jedoch nicht.

Der Altarstein kam aus Nordostschottland
Noch größere Entfernungen legte wahrscheinlich der sogenannte Altarstein zurück.
Der flach liegende Sandstein im Zentrum von Stonehenge ist etwa sechs Tonnen schwer. Lange wurde vermutet, dass auch er aus Wales stammen könnte.
Eine 2024 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Untersuchung änderte das Bild. Forschende analysierten winzige Zirkon-, Apatit- und Rutilkörner im Sandstein. Alter und chemische Zusammensetzung dieser Minerale weisen auf das Orcadian Basin in Nordostschottland hin.
Damit muss der Stein mehr als 700 Kilometer zurückgelegt haben.
Eine Studie aus dem Jahr 2026 grenzt die wahrscheinlichste Herkunft weiter ein. Nach einem Vergleich der Zirkone kommen vor allem zwei Gebiete auf dem schottischen Festland infrage: Caithness sowie Inverness–Black Isle.
Die genaue Stelle, an der der Stein ursprünglich lag oder gebrochen wurde, ist weiterhin unbekannt.
Hat ein Gletscher beim Transport geholfen?
Bei der Herkunft der Stonehenge-Steine wird seit Langem diskutiert, ob Gletscher einen Teil des Transports übernommen haben könnten.
Eine Anfang 2026 veröffentlichte Studie untersuchte Sedimente rund um Stonehenge. Die Forschenden fanden darin keine entsprechenden Zirkon- und Apatit-Signaturen, die einen Transport von Gesteinsmaterial aus den bekannten Herkunftsregionen bis zur Salisbury Plain durch Gletscher stützen würden.
Beim Altarstein ist die Frage etwas komplizierter.
Ebenfalls 2026 untersuchte ein Forschungsteam anhand von Eisschildmodellen, wohin Gletscher Gestein aus Nordostschottland während der letzten Eiszeit hätten transportieren können.
Für Material aus Caithness zeigen die Modelle eine mögliche Route in Richtung Doggerbank in der heutigen Nordsee. Ein Gletscher könnte einen Stein demnach theoretisch einen Teil der Strecke nach Süden beziehungsweise Südosten bewegt haben.
Damit wäre das Transportproblem allerdings längst nicht gelöst. Von der Doggerbank bis Stonehenge wären immer noch ungefähr 400 Kilometer geblieben.
Zudem gibt es ein zeitliches Problem: Die Doggerbank wurde bereits mehrere Jahrtausende überflutet, bevor der Altarstein wahrscheinlich in Stonehenge aufgestellt wurde.
Die Forschenden kommen deshalb zu einem vorsichtigen Ergebnis: Eine glaziale Zwischenetappe lässt sich nicht ausschließen. Einen Transport bis zur Salisbury Plain erklärt sie nicht.

Wie wurden die Steine ohne Maschinen transportiert?
Hier beginnt der spekulativere Teil der Rekonstruktion.
Direkte Belege dafür, wie die Menschen die einzelnen Steine bewegten, gibt es nicht. Technisch standen ihnen jedoch durchaus wirkungsvolle Hilfsmittel zur Verfügung.
Dazu gehörten wahrscheinlich:
- Holzschlitten,
- Seile aus Pflanzenfasern,
- lange Holzhebel,
- vorbereitete Wege,
- Holzgerüste zum Anheben der Steine.
Besonders häufig wird ein Transport auf Schlitten diskutiert. Ein schwerer Stein wird dabei nicht direkt über den Boden gezogen, sondern liegt auf einer hölzernen Konstruktion. Dadurch lässt sich die Reibung kontrollieren und die Last besser verteilen.
Ob zusätzlich Rundhölzer als Rollen verwendet wurden, ist nicht belegt. Solche Darstellungen finden sich häufig in Rekonstruktionen, dürfen aber nicht mit einem archäologischen Nachweis verwechselt werden.
Auch Wasserwege könnten eine Rolle gespielt haben. Gerade bei den walisischen Blausteinen und dem schottischen Altarstein erscheint ein Transport über Flüsse oder entlang der Küste grundsätzlich denkbar.
Welche Route tatsächlich genutzt wurde, weiß bislang niemand.
Wie viele Menschen waren für den Transport nötig?
Eine genaue Zahl lässt sich ebenfalls nicht nennen.
Experimente zeigen, dass Gruppen von Menschen mehrere Tonnen schwere Steine mit Seilen und Schlitten bewegen können. Bei 20 oder 30 Tonnen schweren Sarsenblöcken steigt der Aufwand jedoch erheblich.
Hinzu kommt, dass nicht allein Menschen zum Ziehen benötigt wurden. Die gesamte Baustelle musste versorgt werden.
English Heritage geht davon aus, dass Hunderte Menschen an Bau und Logistik beteiligt gewesen sein könnten. Neben den eigentlichen Bauleuten mussten andere Nahrung bereitstellen, Holz beschaffen, Seile herstellen oder Werkzeuge anfertigen.
Das macht Stonehenge auch zu einem Organisationsprojekt. Ein Stein konnte schließlich nur dann bewegt werden, wenn genügend Menschen, Material und Verpflegung zur richtigen Zeit verfügbar waren.

So könnten die tonnenschweren Steine aufgerichtet worden sein
Der Transport war nur ein Teil der Aufgabe. Am Bauplatz mussten die großen Steine senkrecht gestellt werden.
Ausgrabungen liefern Hinweise auf das mögliche Verfahren.
Für die aufrecht stehenden Steine wurden Gruben angelegt. Wahrscheinlich zog man den Stein zunächst bis an die Grube. Eine Seite der Vertiefung war abgeschrägt, sodass das untere Ende des Blocks hineinrutschen konnte.
Anschließend konnte der Stein mit Seilen und Hebeln Stück für Stück aufgerichtet werden.
English Heritage hält zusätzlich hölzerne A-Rahmen für möglich. Solche Gerüste hätten dabei geholfen, die Zugkraft der Seile umzulenken und den Stein kontrollierter aufzurichten.
War der Block in der richtigen Position, wurde die Grube mit Erde, Kreide und Steinen verfüllt und verdichtet.
Die genaue Konstruktion der verwendeten Holzgerüste ist nicht bekannt. Das grundsätzliche Verfahren funktioniert jedoch ohne Metall oder moderne Maschinen.
Noch schwieriger: Wie kamen die Decksteine nach oben?
Bei den großen Trilithen stehen nicht nur zwei gewaltige Steine senkrecht. Oben liegt zusätzlich ein tonnenschwerer Querstein.
Wie bekamen die Menschen diesen mehrere Meter nach oben?
Als mögliche Lösung gilt eine schrittweise aufgebaute Holzplattform. In englischen Rekonstruktionen wird dieses Verfahren als „cribbing“ bezeichnet.
Dabei wird der Stein zunächst mit Hebeln leicht angehoben. Unter ihn kommen Holzstämme oder Balken. Anschließend wird er erneut angehoben und die Holzkonstruktion weiter erhöht.
Schicht für Schicht lässt sich die Last dadurch nach oben bewegen.
Ist die notwendige Höhe erreicht, kann der Deckstein auf seine endgültige Position geschoben oder gehebelt werden.
Auch dieses Verfahren ist eine Rekonstruktion. Es zeigt aber, dass für das Anheben schwerer Lasten nicht zwingend ein Kran erforderlich ist.

Stonehenge nutzt Verbindungen aus dem Holzbau
Besonders bemerkenswert ist, dass die Decksteine nicht einfach lose auf den senkrechten Blöcken liegen.
Die Erbauer arbeiteten zapfenartige Erhebungen aus den Oberseiten der stehenden Sarsensteine heraus. Dazu passen Vertiefungen auf der Unterseite der Decksteine.
Das Prinzip entspricht einer Zapfenverbindung.
Auch die Decksteine des äußeren Rings wurden miteinander verbunden. An ihren Enden befinden sich Formen, die einer Nut-und-Feder-Verbindung ähneln.
Solche konstruktiven Prinzipien kennt man vor allem aus dem traditionellen Holzbau. In Stonehenge wurden sie auf tonnenschwere Steine übertragen.
Dadurch wurden die einzelnen Elemente nicht nur aufeinandergelegt, sondern zu einer zusammenhängenden Konstruktion verbunden.
Wie ließ sich der harte Stein ohne Eisen bearbeiten?
Eisenwerkzeuge standen den Erbauern nicht zur Verfügung.
Bei Ausgrabungen rund um Stonehenge wurden jedoch zahlreiche Schlagsteine gefunden. English Heritage geht davon aus, dass größere Exemplare für den groben Materialabtrag und kleinere Hammersteine für feinere Arbeiten verwendet wurden.
Die Methode war einfach, aber arbeitsintensiv: Wiederholte Schläge entfernten nach und nach kleine Stücke aus dem Stein.
Moderne Laserscans zeigen zudem, dass die Sarsensteine keineswegs überall gleich sorgfältig bearbeitet wurden. Einige nach innen beziehungsweise zu wichtigen Sichtachsen gerichtete Flächen erhielten eine deutlich feinere Oberfläche.
Die Menschen investierten ihre Arbeitszeit also gezielt in bestimmte Bereiche des Bauwerks.
Warum wurde Stonehenge gebaut?
Eine eindeutige Antwort gibt es nicht.
Fest steht, dass der Ort über lange Zeit mit Bestattungen verbunden war. Gleichzeitig besitzt Stonehenge eine auffällige Ausrichtung auf die Sonnenwenden.
Wer im Zentrum steht, blickt entlang der Hauptachse ungefähr in Richtung des Sonnenaufgangs zur Sommersonnenwende beziehungsweise des Sonnenuntergangs zur Wintersonnenwende.
Ob Stonehenge in erster Linie religiöse, gesellschaftliche, astronomische oder mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllte, lässt sich aus den archäologischen Befunden nicht eindeutig ableiten.
Stonehenge war ein enormes Logistikprojekt
Die einzelnen Hilfsmittel waren technisch vergleichsweise einfach: Holz, Seile, Steinwerkzeuge und Muskelkraft.
Schwierig wurde ihre Kombination.
Die Menschen mussten tonnenschwere Blöcke beschaffen, bearbeiten, über teilweise enorme Entfernungen transportieren und anschließend so positionieren, dass sogar die sorgfältig ausgearbeiteten Verbindungen zusammenpassten.
Bei den großen Sarsensteinen betrug der Weg wahrscheinlich rund 25 Kilometer. Die walisischen Blausteine kamen mehr als 200 Kilometer weit. Beim Altarstein weist die Forschung inzwischen auf eine Herkunft aus mehr als 700 Kilometern Entfernung hin.
Gerade dieser Stein zeigt, wie viele Fragen noch offen sind. Woher er ungefähr stammt, lässt sich heute mit modernen Analysemethoden erstaunlich gut bestimmen.
Wie Menschen ihn vor rund 4500 Jahren bis nach Südengland brachten, wissen wir dagegen immer noch nicht.
Quellen
- English Heritage: Building Stonehenge
- Nature: A Scottish provenance for the Altar Stone of Stonehenge
- Journal of Quaternary Science: From Highlands to Henge – Provenance and transport pathways of Stonehenge’s Altar Stone
- Communications Earth & Environment: Detrital zircon–apatite fingerprinting challenges glacial transport of Stonehenge’s megaliths
- Science Advances: Origins of the sarsen megaliths at Stonehenge








