Das Bad ist eigentlich noch top in Schuss. Nur die Wanne sieht müde aus. Flecken, Kratzer, ein stumpfer Glanz – nicht schön, aber auch kein Grund für Abriss und Staubwolken. Genau hier kommt das Thema „Badewanne streichen“ ins Spiel. Die gute Nachricht: Es geht, und zwar auch in Eigenregie. Die weniger gute: Es braucht Vorbereitung, Geduld und ein paar Regeln, die Sie ernst nehmen sollten. Aber fangen wir von vorne an.

Das erwartet Sie in diesem Beitrag
- Warum nicht gleich austauschen?
- Welche Wannen lassen sich streichen?
- Vorbereitung: Der halbe Erfolg
- Das Streichen selbst: Jetzt wird’s spannend
- Nach dem Streichen: Warten, warten, warten
- Typische Fehler – und wie Sie sie vermeiden
- Reparieren statt komplett streichen?
- Alternativen zum Selberstreichen
- Was kostet das?
- Wie lange hält so ein Anstrich?
- Pflege nach dem Streichen
- Bereit für Ihr neues Projekt?
- Video: Badewanne lackieren
Warum nicht gleich austauschen?
Klar, eine neue Wanne ist schick. Aber: Wer schon mal eine Badewanne ausgebaut hat, weiß, was das bedeutet. Fliesen klopfen, Staub, Schmutz, Lärm. Ganz zu schweigen von den Kosten. Und mal ehrlich: Wenn das einzige Problem eine stumpfe Oberfläche oder ein paar Kratzer sind, wäre das ziemlich viel Aufwand für wenig Nutzen. Streichen spart Zeit, Nerven und Geld.
Manchmal reicht sogar ein Wochenendeinsatz – und Ihre Wanne sieht fast wie neu aus.
Welche Wannen lassen sich streichen?
Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Nicht jedes Material lässt sich gleich gut beschichten.
- Emaille oder Stahl: sehr robust. Kleine Abplatzer lassen sich mit Spachtelmasse reparieren, größere Flächen mit Lack.
- Keramik: sehr hart und glatt. Der Lack haftet nur, wenn die Vorbereitung gründlich gemacht wird.
- Acryl: fühlt sich wärmer an und gibt leicht nach. Hier braucht es zwingend eine spezielle Grundierung, sonst hält der Lack nicht lange.
Kleiner Test: Klopfen Sie mit dem Fingerknöchel an den Rand. Klingt es metallisch und kühl? Wahrscheinlich Emaille oder Stahl. Klingt es dumpf und fühlt sich leicht warm an? Meist Acryl. Glatt, glasig und sehr hart? Keramik.
Vorbereitung: Der halbe Erfolg
Es klingt langweilig, aber die Wahrheit ist: 80 % des Erfolgs stecken in der Vorbereitung. Wer hier schlampt, ärgert sich später über Blasen, Flecken oder abplatzenden Lack.
1. Alles raus!
Handtücher, Vorleger, Regale, Pflanzen – alles, was Staub fangen könnte, muss raus. Je leerer das Bad, desto besser.
2. Fugen raus!
Altes Silikon schneiden Sie vorsichtig mit einem Cutter oder Fugenmesser heraus. Silikonreste sind Gift für Lack, darauf hält keine Farbe. Rückstände wischen Sie mit Silikonentferner oder Alkohol ab.
3. Gründlich reinigen
Die Wanne wird erst mit Badreiniger geschrubbt, dann entkalkt. Dafür eignet sich Zitronensäure – auflösen, auftragen, einwirken lassen, abspülen. Ziel: Eine blitzsaubere, fett- und kalkfreie Oberfläche.
4. Anschleifen
Jetzt kommt Schleifpapier ins Spiel. Beginnen Sie mit einer mittleren Körnung (P120–P180), danach feiner (P240–P360). Die Oberfläche soll gleichmäßig matt sein. Kein Hochglanz darf bleiben. Dann alles absaugen, abwischen und entfetten.
5. Acryl braucht Grundierung
Bei Acrylwannen tragen Sie jetzt eine spezielle Grundierung auf. Sie wirkt wie eine Haftbrücke zwischen Acryl und Lack. Ohne diesen Schritt löst sich die Schicht nach kurzer Zeit wieder.
Das Streichen selbst: Jetzt wird’s spannend
Bevor Sie den Pinsel schwingen: Noch einmal tief durchatmen. Lackieren bedeutet Ruhe, langsame Bewegungen und absolute Konzentration.
Lack mischen
Die meisten Systeme sind 2-Komponenten-Lacke. Sie mischen also Lack und Härter im vorgeschriebenen Verhältnis. Danach läuft die Uhr: Sie haben rund 45–60 Minuten, um die Mischung zu verarbeiten. Also vorher alles vorbereiten, nicht erst anfangen zu suchen, wenn der Lack schon dick wird.
Erste Schicht
Beginnen Sie mit einem Pinsel: Kanten, Ecken, Rundungen, Ablauf. Dort, wo die Rolle nicht hinkommt. Danach die Flächen mit einer Schaumrolle. Arbeiten Sie zuerst längs, dann quer. Das ergibt ein gleichmäßiges Bild.
Wichtig: lieber dünn auftragen. Zu dick bedeutet Tropfnasen oder „Orangenhaut“. Dünn, dafür gleichmäßig, ist das Motto.
Zweite Schicht
Nach der angegebenen Trockenzeit kommt die zweite Schicht. Wieder: erst die Ränder, dann die Flächen. Arbeiten Sie ruhig und ohne Hektik. Wer hier Geduld hat, wird mit einer gleichmäßigen Oberfläche belohnt.
Nach dem Streichen: Warten, warten, warten
Und jetzt: nicht gleich stolz in die Wanne steigen. Frischer Lack ist empfindlich.
- Die ersten Stunden: Staub ist das größte Risiko. Halten Sie die Tür geschlossen, keine Fenster aufreißen, niemand betritt das Bad.
- Nach einem Tag: Die Oberfläche ist meist trocken genug, dass Sie vorsichtig das Abklebeband entfernen können.
- Nach zwei Tagen: Neue Silikonfugen ziehen. Dabei nicht auf die Wanne stützen.
- Nach vier bis fünf Tagen: Erst jetzt darf Wasser hinein. Am besten lauwarm einfüllen und langsam steigern. So verhindern Sie Spannungsrisse.
Kleiner Tipp: Stellen Sie sich schon mal auf ein paar Tage ohne Badewanne ein. Vielleicht ist das die Gelegenheit, die Nachbar*innen besser kennenzulernen.
Typische Fehler – und wie Sie sie vermeiden
Staubeinschlüsse: Passiert, wenn nicht gründlich geputzt wurde oder jemand während des Trocknens durchs Bad gelaufen ist. Tipp: vorher alles reinigen und wirklich niemanden ins Bad lassen.
Lack läuft: Zu viel Material oder zu langsam gearbeitet. Tipp: Lieber dünn rollen, zur Not eine Schicht mehr.
Schlechte Haftung: Meist Silikonreste oder fehlender Haftgrund bei Acryl. Tipp: Fugen konsequent raus, gründlich entfetten, bei Acryl immer grundieren.
Unschöne matte Stellen: Zu ungleichmäßig gestrichen. Tipp: Anschleifen, reinigen, eine dünne Schicht nachlegen.
Reparieren statt komplett streichen?
Nicht immer muss die ganze Wanne neu lackiert werden.
- Emaille: Abplatzer können mit Spachtelmasse repariert werden.
- Keramik: Kleine Kratzer lassen sich mit Reparatur-Schleifmitteln versiegeln.
- Acryl: Für Macken gibt es Reparaturgele.
Das lohnt sich, wenn es nur um wenige Stellen geht. Bei größeren Flächen wirkt ein kompletter Anstrich gleichmäßiger.
Alternativen zum Selberstreichen
- Profi-Beschichtung: Fachbetriebe spritzen Lack auf und härten ihn oft mit Infrarot. Vorteil: sehr glatte Oberfläche, Garantie. Nachteil: teurer.
- Wanne-in-Wanne: Ein passgenauer Acryl-Einsatz wird in die alte Wanne gesetzt. Kein Schmutz, schnelle Montage. Der Wannenrand ragt allerdings ein Stück weiter raus, das muss ins Bad passen.
Was kostet das?
- DIY-Sets: zwischen 50 und 150 €. Dazu kommen Kleinteile wie Abdeckfolie, Malerkrepp, Schleifpapier.
- Profi-Beschichtung: oft mehrere Hundert Euro, je nach Aufwand.
- Wanneneinsatz: ebenfalls im höheren dreistelligen Bereich, dafür mit Garantie und sehr schneller Umsetzung.
Wie lange hält so ein Anstrich?
Das hängt von der Nutzung und Pflege ab. Mit sanften Reinigern, weichen Tüchern und ohne aggressive Scheuermittel sind fünf bis zehn Jahre realistisch. Wer Scheuermilch oder Stahlwolle benutzt, ruiniert die Schicht schneller.
Pflege nach dem Streichen
- Nur milde, pH-neutrale Reiniger
- Keine Scheuermilch oder scharfen Schwämme
- Nach dem Baden einmal mit klarem Wasser nachspülen
- Ab und zu trockenreiben, um Kalkflecken zu vermeiden
So bleibt der neue Glanz länger erhalten.
Bereit für Ihr neues Projekt?
Badewanne streichen ist nichts für die schnelle Stunde zwischendurch, aber mit guter Vorbereitung absolut machbar. Wichtig sind gründliche Reinigung, geduldiges Anschleifen, passende Produkte und die nötige Ruhe beim Trocknen. Wer diese Punkte beachtet, kann seiner alten Wanne ein zweites Leben schenken – ganz ohne Abrisshammer.
Video: Badewanne lackieren
Im folgenden Video wird ausführlich erklärt, wie sich eine Badewanne streichen lässt:














