Ein neues Dach gehört zu den größeren Investitionen am Eigenheim – aber auch zu den wichtigsten. Wenn die Ziegel bröckeln oder die Dämmung schwächelt, wird es Zeit zu handeln. Denn über ein undichtes oder schlecht gedämmtes Dach gehen schnell 30 % der Heizenergie verloren.
Die gute Nachricht: Wer rechtzeitig plant, kann Kosten senken, Fördermittel nutzen und die Maßnahme effizient umsetzen. In diesem Beitrag erfahren Sie, mit welchen Kosten Sie beim Dachdecken rechnen müssen, was gesetzlich vorgeschrieben ist und wo sich Eigenleistung wirklich lohnt.

Das erwartet Sie in diesem Beitrag
- Muss es gleich das ganze Dach sein?
- Wann wird eine Neueindeckung notwendig?
- Was kostet ein neues Dach wirklich?
- Preisfaktoren im Detail
- Dämmung: Pflicht oder Kür?
- Materialwahl: günstig oder langlebig?
- Förderungen: Bis zu 12.000 € geschenkt
- Eigenleistung: Lohnt sich das?
- Brauchen Sie eine Baugenehmigung?
- Dacharbeiten mit Weitblick: PV-Anlage & Wohnraumerweiterung
- Beispielrechnung: Was kostet ein neues Dach konkret?
- Wie finde ich das passende Angebot?
Muss es gleich das ganze Dach sein?
Zunächst ist entscheidend, ob es sich um eine reine Neueindeckung oder eine komplette Sanierung handelt. Beide Begriffe werden oft gleichbedeutend verwendet – zu Unrecht.
Dach neu decken
Eine Neueindeckung betrifft im Wesentlichen den sichtbaren Teil des Daches. Sie tauschen dabei Dachziegel, Dachsteine oder Schindeln aus – eventuell inklusive Lattung und Unterspannbahn. Die tragende Konstruktion, also der Dachstuhl mit Pfetten und Sparren, bleibt in der Regel erhalten. Auch die Dämmung wird oft nicht verändert, es sei denn, sie ist marode oder gesetzlich nicht mehr zulässig.
Dachsanierung
Eine Sanierung geht deutlich weiter. Sie umfasst meist den Abriss der alten Konstruktion bis hinunter zum Dachstuhl. Die Dämmung wird erneuert, manchmal auch der gesamte Dachstuhl – etwa wenn er morsch ist oder die Dachform geändert werden soll. Auch Fenster, Gauben oder Solaranlagen lassen sich in diesem Zuge gleich mit integrieren.
Merksatz: Neueindeckung = kosmetisch & oberflächlich. Sanierung = tiefgreifend & strukturell.
Wann wird eine Neueindeckung notwendig?
Dachziegel oder Dachsteine halten etwa 50 bis 70 Jahre. Danach lassen Witterungseinflüsse das Material spröde werden. Sichtbare Schäden sind:
- Risse oder abgeplatzte Ziegel
- Moosbefall
- durchhängende Dachflächen
- Wasserschäden oder feuchte Stellen im Dachstuhl
Wenn das Dach zudem keine ausreichende Dämmung aufweist, wird eine Sanierung zur Pflicht. Nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) gilt: Wer eine Immobilie nach dem 1. Februar 2002 gekauft hat, muss bestimmte Dämmwerte einhalten – spätestens zwei Jahre nach dem Kauf.
Was kostet ein neues Dach wirklich?
Die Kosten hängen stark vom Zustand des Daches und der geplanten Maßnahme ab. Zur Orientierung:
| Maßnahme | Kosten pro m² | Beschreibung |
| Dach neu decken (ohne Dämmung) | 100–150 € | Austausch von Ziegeln, Lattung und Unterspannbahn |
| Dachsanierung inkl. Dämmung | 250–375 € | Umfassende Erneuerung inkl. Dämmung und evtl. neuer Dachstuhl |
| Dachdämmung allein | 60–310 € | je nach Dämmart: Zwischen-, Unter- oder Aufsparrendämmung |
Preisfaktoren im Detail
Folgende Aspekte treiben die Kosten in die Höhe oder helfen beim Sparen:
- Dachform: Pult- oder Satteldächer sind günstiger als Walmdächer oder Mansarddächer.
- Dachneigung: Je steiler das Dach, desto aufwändiger die Arbeiten.
- Materialwahl: Schiefer ist teurer als Betondachsteine, aber langlebiger.
- Größe & Zuschnitt: Viele Ecken, Gauben oder Dachfenster erhöhen die Arbeitszeit.
- Holzpreise: Neue Pfetten oder Sparren schlagen mit bis zu 120 €/m² zu Buche.
- Eigenleistung: Abriss und Entsorgung lassen sich häufig selbst übernehmen – spart 25–30 €/m².
- Förderungen: Sanierungen mit Dämmung können bis zu 12.000 € BAFA-Zuschuss bringen.
Dämmung: Pflicht oder Kür?
Wer ein Dach neu deckt, steht oft auch vor der Frage: Dämmung ja oder nein? Die Antwort hängt vom Gebäudeenergiegesetz (GEG) ab – und vom Zustand des Hauses. Für viele Altbauten gilt die Pflicht zur nachträglichen Dämmung. Das betrifft vor allem Häuser, die nach dem 1. Februar 2002 gekauft wurden. Dann haben Sie zwei Jahre Zeit, um den geforderten Wärmeschutz herzustellen.
Auch bei frei geplanten Sanierungen ist die Dämmung in vielen Fällen sinnvoll. Sie senkt nicht nur die Heizkosten, sondern steigert auch den Wohnkomfort im Sommer – vor allem unterm Dach.
Welche Dämmvarianten gibt es?
Je nach Aufbau des Dachs und gewünschtem Aufwand haben Sie drei Möglichkeiten:
| Dämmart | Beschreibung | Kosten/m² | Vorteil |
| Zwischensparrendämmung | Dämmmaterial wird zwischen die Sparren eingebracht | 60–120 € | kostengünstig, auch von innen möglich |
| Untersparrendämmung | Ergänzung zur Zwischensparrendämmung, wird unterhalb montiert | 35–80 € | niedriger Preis, einfache Nachrüstung |
| Aufsparrendämmung | Dämmung liegt oberhalb der Sparren, unter der Eindeckung | 250–310 € | beste Dämmwirkung, ideal bei Neueindeckung |
Materialwahl: günstig oder langlebig?
Beim Dachdecken geht es nicht nur um die Optik. Auch Haltbarkeit, Gewicht und Montageaufwand spielen eine Rolle. Wer sich für hochwertige Materialien entscheidet, zahlt zwar mehr, spart aber langfristig durch weniger Wartung und Reparaturen.
Preisvergleich Dacheindeckungen
| Material | Kosten/m² (nur Material) | Lebensdauer | Bemerkung |
| Betondachstein | ab 20 € | 30–50 Jahre | preiswert, robust |
| Tonziegel | ab 25 € | 40–60 Jahre | natürliche Optik, haltbar |
| Schiefer | ab 80 € | 80–100 Jahre | aufwändig, sehr langlebig |
| Metalldach (z. B. Zink, Alu) | 15–100 € | 30–50 Jahre | leicht, moderne Optik |
| Reet | ab 100 € | 30–40 Jahre | nur regional üblich, hohe Pflegekosten |
Förderungen: Bis zu 12.000 € geschenkt
Wer sein Dach dämmt, profitiert von staatlichen Zuschüssen. Grundlage ist die „Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen“ (BEG EM) durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).
Förderhöhe (Stand 2025)
| Maßnahme | Förderung | Voraussetzung |
| Dämmung + neue Eindeckung | 15 % | GEG-konforme Ausführung |
| Mit Sanierungsfahrplan (iSFP) | 20 % | zertifizierter Energieberater erforderlich |
| Max. förderfähige Kosten | 60.000 € pro Wohneinheit | – |
| Max. Zuschuss | 12.000 € | bei 20 % Förderung |
Eigenleistung: Lohnt sich das?
Wenn Sie handwerklich geschickt sind, können Sie bestimmte Arbeiten selbst übernehmen – und sparen dabei bares Geld. Vor allem der Abriss der alten Ziegel und das Entsorgen lassen sich mit etwas Aufwand selbst erledigen. Auch Dämmarbeiten von innen (Zwischensparrendämmung) sind für geübte Heimwerker*innen machbar.
Aber: Komplette Neueindeckungen oder der Einbau von Dachfenstern und Gauben gehören in die Hände von Fachleuten. Fehler kosten später mehr, als sie heute einsparen.
Sparpotenzial durch Eigenleistung
| Arbeitsschritt | Ersparnis/m² |
| Abriss & Entsorgung (ohne Asbest) | ca. 25–30 € |
| Zwischensparrendämmung (von innen) | ca. 20–40 € |
| Dachrinnen- und Fallrohrmontage | je nach Aufwand |
Brauchen Sie eine Baugenehmigung?
Nicht jede Maßnahme am Dach ist genehmigungspflichtig. Bei einer Neueindeckung ohne Änderung der Form oder Nutzung ist in der Regel keine Baugenehmigung nötig. Anders sieht es aus, wenn Gauben gebaut oder Fensterflächen erweitert werden.
Übersicht Genehmigungspflicht
| Maßnahme | Genehmigung nötig? |
| Austausch der Dacheindeckung | ❌ |
| Nachrüsten einer Dämmung | ❌ |
| Einbau Dachfenster | ❌ (meist) |
| Bau einer Gaube | ✅ |
| Änderung der Dachform | ✅ |
| Asbestsanierung | ✅ (Sondervorschriften!) |
Dacharbeiten mit Weitblick: PV-Anlage & Wohnraumerweiterung
Wenn Sie schon ein Gerüst stellen und das Dach abdecken, lohnt es sich, über zusätzliche Maßnahmen nachzudenken. Zwei beliebte Ergänzungen:
Photovoltaik kombinieren
Wer ohnehin das Dach öffnet, kann gleich eine Photovoltaik-Anlage installieren. Das spart Gerüstkosten und erleichtert die Montage. Für ein Einfamilienhaus mit 10 kWp Leistung (ca. 50 m² Fläche) liegen die Kosten bei rund 10.000–12.000 €, Förderung inklusive.
Dachausbau vorbereiten
Ein ausgebauter Dachboden schafft neuen Wohnraum. Wenn Sie das Dach neu decken, denken Sie dabei an:
- passende Dämmung (Wohnstandard)
- Einbau großer Dachfenster oder Gauben
- vorbereitete Elektro- und Heizungsanschlüsse
Der eigentliche Dachausbau kostet etwa 400–600 €/m² – je nach Ausstattung und Umfang.
Beispielrechnung: Was kostet ein neues Dach konkret?
Die folgende Musterrechnung zeigt die voraussichtlichen Kosten für eine Dacheindeckung mit Dämmung bei einem typischen Einfamilienhaus. Wir gehen von einem Satteldach mit 200 m² Fläche aus, ohne Gauben oder besondere Aufbauten. Die Eindeckung erfolgt mit Betondachsteinen, die Dämmung mit einer Zwischensparrendämmung.
Kostenübersicht (inkl. Material, Arbeit & MwSt.)
| Maßnahme | Preis/m² | Gesamtkosten (200 m²) |
| Gerüst (pauschal, 2 Seiten) | – | 2.000 € |
| Abriss & Entsorgung | 30 € | 6.000 € |
| Neue Lattung & Unterspannbahn | 45 € | 9.000 € |
| Betondachsteine | 20 € | 4.000 € |
| Zwischensparrendämmung | 90 € | 18.000 € |
| Kleinteile & Zusatzleistungen | – | 1.500 € |
| Gesamtsumme | ca. 145 €/m² | ca. 40.500 € |
Wie finde ich das passende Angebot?
Tipp 1: Mehrere Angebote einholen
Holen Sie sich mindestens drei Vergleichsangebote von Dachdeckerbetrieben aus Ihrer Region ein. Achten Sie auf:
- transparente Aufschlüsselung von Material- und Lohnkosten
- klare Angaben zu enthaltenen Leistungen (z. B. Gerüst, Entsorgung)
- separate Positionierung förderfähiger Posten
Tipp 2: Bauleitung durch Energieberater
Ein zertifizierter Energieeffizienz-Experte hilft nicht nur beim Förderantrag, sondern übernimmt auch die fachliche Begleitung. So erkennen Sie frühzeitig Fehler oder unnötige Zusatzkosten. Die Beratungskosten sind ebenfalls förderfähig.
Tipp 3: Materialwahl mit Bedacht
Lassen Sie sich Muster zeigen. Dachsteine und Ziegel unterscheiden sich nicht nur preislich, sondern auch optisch und in der Haptik. Eine langlebige Entscheidung will gut überlegt sein – schließlich bleibt Ihr Dach in der Regel 50 Jahre oder länger unverändert.















