Heizleistung im Einfamilienhaus ermitteln

Von Dominik Hochwarth

Wie Sie realistisch planen – und warum grobe Faustwerte oft nicht reichen

Spätestens wenn eine neue Heizung ansteht, taucht eine entscheidende Frage auf: Wie viel Heizleistung braucht mein Einfamilienhaus eigentlich?
Wer hier danebenliegt, merkt das schnell. Ist die Anlage zu klein, bleiben Räume an kalten Tagen kühl. Ist sie zu groß, arbeitet sie ineffizient, kostet mehr Geld und verschleißt schneller. Gerade bei modernen Heizsystemen wie Wärmepumpen ist eine passende Auslegung entscheidend.

Dieser Beitrag erklärt, wie Sie die benötigte Heizleistung Ihres Einfamilienhauses ermitteln können – verständlich, praxisnah und technisch sauber. Von der schnellen Orientierung bis zur belastbaren Berechnung.

Heizkörper Frau
Heizleistung berechnen und dann am wohltemperierten Heizkörper entspannen

Das erwartet Sie in diesem Beitrag

Heizleistung, Heizlast, Heizwärmebedarf – was ist was?

Viele Begriffe klingen ähnlich, beschreiben aber unterschiedliche Dinge. Eine klare Trennung hilft, Missverständnisse zu vermeiden.

BegriffEinheitBedeutung
HeizleistungkWLeistung, die die Heizung aktuell liefern muss
HeizlastkWMaximale Heizleistung bei sehr kalten Außentemperaturen
HeizwärmebedarfkWh/JahrEnergiemenge über eine gesamte Heizperiode

Für die Auslegung einer Heizungsanlage ist die Heizlast maßgeblich. Sie beschreibt den ungünstigsten Fall – also den kältesten Wintertag, den die Anlage zuverlässig abdecken muss.

heizlast

Woraus sich die Heizlast eines Hauses zusammensetzt

Ein Einfamilienhaus verliert im Winter kontinuierlich Wärme. Diese Verluste bestimmen, wie viel Leistung die Heizung bereitstellen muss. Entscheidend sind zwei Faktoren:

1. Wärmeverluste über die Gebäudehülle

Dazu zählen Außenwände, Dach, Fenster, Türen und Bodenplatte. Je besser gedämmt diese Bauteile sind, desto geringer fällt der Wärmeverlust aus.

2. Wärmeverluste durch Lüftung

Beim Lüften – oder durch Undichtigkeiten – wird warme Innenluft gegen kalte Außenluft ausgetauscht. Auch diese Verluste müssen ausgeglichen werden.

Interne Wärmequellen wie Personen, Elektrogeräte oder Sonneneinstrahlung werden bei der Heizlast bewusst nicht berücksichtigt. Die Heizung soll auch dann zuverlässig funktionieren, wenn diese Effekte fehlen.

Die Heizlast wird für eine festgelegte Norm-Außentemperatur berechnet. Diese variiert je nach Region und liegt in Deutschland meist zwischen –10 °C und –16 °C.

Die schnelle Orientierung: Heizleistung pro Quadratmeter

Für eine erste Einschätzung greifen viele auf Richtwerte pro Quadratmeter Wohnfläche zurück. Das ist legitim – solange klar ist, dass es sich um eine grobe Annäherung handelt.

Übliche Richtwerte für Einfamilienhäuser

GebäudezustandTypische Heizlast
Unsaniert (vor 1977)90–120 W/m²
Teilweise saniert60–80 W/m²
Neubau nach GEG40–55 W/m²
Sehr gut gedämmt30–40 W/m²

Beispiel:
150 m² Wohnfläche × 60 W/m² → rund 9 kW Heizleistung

Solche Rechnungen liefern eine brauchbare Größenordnung. Sie können aber je nach Bauform, Fensteranteil oder Lüftung deutlich vom tatsächlichen Bedarf abweichen.

Heizleistung-Schätzer (Orientierung)

Wenn es genauer sein soll: Heizlast nach DIN EN 12831

Sobald es um die konkrete Auslegung einer neuen Heizungsanlage geht, reicht eine Überschlagsrechnung nicht mehr aus. Dann kommt die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 ins Spiel.

Dabei werden unter anderem berücksichtigt:

  • alle Außenflächen und ihre Dämmwerte
  • Raumgrößen und Nutzung
  • Standort und Norm-Außentemperatur
  • Luftwechselraten
  • Wärmeverluste für jeden einzelnen Raum

Das Ergebnis ist nicht nur eine Gesamt-Heizlast für das Einfamilienhaus, sondern auch eine raumweise Heizlast. Diese Werte sind die Grundlage für eine stimmige Planung – egal ob Gasheizung, Wärmepumpe oder Pelletanlage.

faustformel

Heizleistung des Hauses und Heizkörperleistung sind nicht dasselbe

Ein häufiger Irrtum: Die Heizleistung des Hauses wird direkt mit der Leistung einzelner Heizkörper gleichgesetzt. In der Praxis sind das zwei verschiedene Ebenen.

  • Die Heizlast beschreibt den Bedarf des Gebäudes.
  • Die Heizkörperleistung gibt an, wie viel Wärme ein Heizkörper bei bestimmten Vor- und Rücklauftemperaturen abgeben kann.

Viele Heizkörper sind nach Normbedingungen ausgelegt, die mit modernen Heizsystemen nicht mehr übereinstimmen. Sinkt die Vorlauftemperatur, sinkt auch die abgegebene Leistung. Das wird besonders relevant, wenn eine bestehende Heizung durch eine Wärmepumpe ersetzt wird.

Lüftung: Fenster oder Lüftungsanlage?

Viele Hausbesitzer unterschätzen, welchen Einfluss die Art der Lüftung auf die benötigte Heizleistung hat.

  • Fensterlüftung: Hoher Luftaustausch, dadurch vergleichsweise hohe Lüftungswärmeverluste.
  • Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung (WRG): Ein Großteil der Wärme bleibt im Gebäude, die Heizlast fällt deutlich geringer aus.

Typische Planungsfehler, die sich vermeiden lassen

In der Praxis begegnen immer wieder dieselben Annahmen:

  • Die Leistung des alten Heizkessels wird einfach übernommen
  • pauschale W/m²-Werte dienen als alleinige Grundlage
  • Heizkörper werden ohne Raum-Heizlast ausgewählt
  • Vorlauftemperaturen werden nicht berücksichtigt

Solche Vereinfachungen funktionieren manchmal – oft aber nur zufällig.

Was für Hausbesitzer sinnvoll ist

Denken Sie in Leistung, nicht nur in Verbrauch

Nutzen Sie Faustwerte, um ein Gefühl für die Größenordnung zu bekommen

Lassen Sie eine Heizlastberechnung durchführen, wenn eine neue Heizung geplant ist

Prüfen Sie bei Modernisierungen, ob Heizkörper und Systemtemperaturen zusammenpassen

Über den Autor

2 Gedanken zu „Heizleistung im Einfamilienhaus ermitteln“

Schreibe einen Kommentar