Das folgende Modell ist bewusst einfach konstruiert. Es besteht aus zwei Seitenteilen, drei Ablageböden und einer schmalen Rückwandstrebe. Zuschnittservice, Akkuschrauber und Schleifgerät reichen aus. Dübel-, Lamello- oder Fräsverbindungen sind nicht erforderlich.
Multiplex besteht aus mehreren kreuzweise verleimten Furnierlagen. Platten ab mehr als 12 mm Dicke und mindestens fünf Lagen werden üblicherweise als Multiplex bezeichnet. Der Schichtaufbau sorgt für hohe Formstabilität und macht die sichtbaren Kanten gestalterisch interessant.

Inhaltsverzeichnis
- Das fertige Schuhregal
- Konstruktionsprinzip
- Zuschnittliste
- Material
- Werkzeug
- Aufteilung der Ablageböden
- Schritt 1: Platten kontrollieren
- Schritt 2: Schnittkanten schleifen
- Schritt 3: Bodenpositionen anzeichnen
- Schritt 4: Schraublöcher bohren
- Schritt 5: Ersten Boden montieren
- Schritt 6: Weitere Böden befestigen
- Schritt 7: Regal rechtwinklig ausrichten
- Schritt 8: Rückwandstrebe montieren
- Schritt 9: Oberfläche behandeln
- Schritt 10: Möbelgleiter anbringen
- Sicherheit: Regal an der Wand befestigen
- Typische Fehler
- Kosten
- Varianten
- Technische Bewertung der Konstruktion
Das fertige Schuhregal
| Merkmal | Maß |
| Breite | 900 mm |
| Höhe | 600 mm |
| Tiefe | 320 mm |
| Plattenstärke | 18 mm |
| Anzahl Ablageebenen | 3 |
| nutzbare Fachhöhe | jeweils etwa 250 mm |
| Kapazität | etwa 6 bis 9 Paar Schuhe |
Das Regal ist für normale Schuhe, Sneaker und Halbschuhe gedacht. Hohe Stiefel passen nur auf die obere Ablage.
Wichtig: Die Konstruktion ist kein Sitzmöbel. Wer das Regal zugleich als Bank nutzen möchte, benötigt eine zusätzliche Mittelwand und eine entsprechend ausgelegte Verbindung.

Konstruktionsprinzip
Die beiden Seitenteile tragen drei waagerechte Böden:
- Unterboden
- Mittelboden
- Oberboden
Die Böden liegen zwischen den Seitenwänden. Sie werden von außen verschraubt. Eine rückseitige Multiplexstrebe verhindert, dass sich das Regal seitlich verschiebt.
Die offene Konstruktion lässt Luft an feuchte Schuhe. Eine geschlossene Rückwand ist nicht notwendig.
Zuschnittliste
Verwendet wird 18 mm starkes Birken-Multiplex.
| Bauteil | Anzahl | Länge | Breite |
| Seitenteile | 2 | 600 mm | 320 mm |
| Ablageböden | 3 | 864 mm | 300 mm |
| Rückwandstrebe | 1 | 864 mm | 100 mm |
Die Ablageböden sind 20 mm weniger tief als die Seitenteile. Dadurch springen sie vorne und hinten jeweils etwa 10 mm zurück. Kleine Ungenauigkeiten beim Zuschnitt fallen so weniger auf.
Die Gesamtbreite ergibt sich aus:
- 864 mm Bodenlänge
- plus zweimal 18 mm Seitenstärke
- ergibt 900 mm

Material
- etwa 1,5 m² Birken-Multiplex, 18 mm stark
- 18 Senkkopfschrauben, etwa 4 × 50 mm
- 4 bis 6 Schrauben, etwa 4 × 35 mm, für die Rückwandstrebe
- Holzleim für Innenräume, optional
- Hartwachsöl, Möbelöl oder wasserbasierter Klarlack
- Schleifpapier mit Körnung 120, 180 und 240
- vier Filzgleiter oder Möbelgleiter
Multiplex eignet sich neben Leimholz und verschiedenen Massivhölzern grundsätzlich gut für selbst gebaute Schuhregale. Auch BAUHAUS nennt Multiplex als geeignetes Plattenmaterial für solche Möbel.
Werkzeug
- Maßband oder Zollstock
- Bleistift und Anschlagwinkel
- Akkuschrauber
- Holzbohrer mit 3 mm Durchmesser
- Senker
- Exzenterschleifer oder Schleifklotz
- Schraubzwingen
- Wasserwaage
- optional Handkreissäge mit Führungsschiene
Wer keine Führungsschiene besitzt, sollte die Teile im Holzfachhandel oder Baumarkt zuschneiden lassen. Entscheidend ist, dass die drei Ablageböden exakt gleich lang sind.
Aufteilung der Ablageböden
Die Oberkanten der Böden liegen in diesem Beispiel auf folgenden Höhen:
| Boden | Oberkante über Fußboden |
| Unterboden | 70 mm |
| Mittelboden | 335 mm |
| Oberboden | 600 mm |
Der Oberboden schließt damit bündig mit den Seitenteilen ab.
Zwischen Unter- und Mittelboden bleiben rund 247 mm lichte Höhe. Zwischen Mittel- und Oberboden sind es ebenfalls rund 247 mm.
Schritt 1: Platten kontrollieren
Legen Sie alle zugeschnittenen Teile auf eine ebene Fläche. Prüfen Sie:
- Sind beide Seitenteile gleich groß?
- Sind alle drei Ablageböden gleich lang?
- Sind die Schnittkanten rechtwinklig?
- Gibt es ausgerissene Furnierstellen?
- Welche Flächen sollen später außen sichtbar sein?
Multiplexplatten besitzen häufig eine optisch bessere und eine weniger gleichmäßige Seite. Richten Sie die besseren Flächen nach außen beziehungsweise nach oben.
Schritt 2: Schnittkanten schleifen
Schleifen Sie zunächst die Flächen und danach die Kanten.
Empfohlene Reihenfolge:
- Körnung 120 zum Entfernen grober Bearbeitungsspuren
- Körnung 180 für die Zwischenglättung
- Körnung 240 vor der Oberflächenbehandlung
Brechen Sie die scharfen Kanten nur leicht. Ein bis zwei Schleifzüge reichen meist aus. Stark verrundete Kanten verändern die klare Multiplexoptik.
Die Furnierlagen dürfen nicht aggressiv geschliffen werden. Besonders an den Flächen ist die Decklage relativ dünn.
Schritt 3: Bodenpositionen anzeichnen
Legen Sie beide Seitenteile deckungsgleich übereinander und fixieren Sie sie mit Schraubzwingen. Markieren Sie auf den Innenflächen die Oberkanten der drei Böden:
- 70 mm
- 335 mm
- 600 mm
Zeichnen Sie anschließend jeweils eine zweite Linie 18 mm darunter. Zwischen diesen beiden Linien sitzt später der jeweilige Ablageboden.
Übertragen Sie die Linien mit einem Anschlagwinkel exakt über die gesamte Breite. Nur wenn beide Seitenteile identisch markiert sind, stehen die Böden später waagerecht.
Schritt 4: Schraublöcher bohren
Pro Verbindung werden drei Schrauben verwendet. Damit erhält jeder Boden auf jeder Seite drei Befestigungspunkte.
Positionieren Sie die Bohrungen ungefähr:
- 45 mm von der Vorderkante
- mittig bei 160 mm
- 45 mm von der Hinterkante
Die Bohrungen verlaufen mittig durch die angezeichnete 18-mm-Zone.
Bohren Sie mit einem 3-mm-Holzbohrer durch die Seitenteile. Senken Sie die Außenseiten anschließend so weit an, dass die Schraubenköpfe später bündig sitzen.
Ohne Vorbohren können die Furnierlagen aufplatzen oder Schrauben aus der vorgesehenen Linie laufen.

Schritt 5: Ersten Boden montieren
Stellen Sie ein Seitenteil auf die Werkbank. Positionieren Sie den Unterboden zwischen den Markierungslinien und fixieren Sie ihn mit Schraubzwingen.
Prüfen Sie:
- Die Vorderkante springt etwa 10 mm zurück.
- Die Hinterkante springt ebenfalls etwa 10 mm zurück.
- Der Boden liegt exakt zwischen den Markierungslinien.
- Die Bauteile stehen rechtwinklig zueinander.
Bohren Sie durch die vorhandenen Löcher etwa 35 bis 40 mm tief in die Stirnkante des Bodens vor. Schrauben Sie den Boden anschließend fest.
Optional kann eine dünne Leimraupe auf die Stirnkante gegeben werden. Leim erhöht die Steifigkeit, erschwert aber eine spätere Demontage.
Schritt 6: Weitere Böden befestigen
Montieren Sie Mittel- und Oberboden nach demselben Prinzip. Kontrollieren Sie nach jedem Boden mit dem Winkel, ob die Bauteile rechtwinklig stehen.
Danach wird das zweite Seitenteil aufgelegt und verschraubt. Am einfachsten gelingt das, wenn das Regal auf der bereits montierten Seitenwand liegt.
Ziehen Sie die Schrauben nicht mit maximalem Drehmoment an. Zu tief eingezogene Schraubenköpfe beschädigen die Deckfurniere.
Schritt 7: Regal rechtwinklig ausrichten
Stellen Sie das Regal auf eine ebene Fläche. Messen Sie die beiden Diagonalen zwischen den gegenüberliegenden Ecken.
Sind beide Diagonalen gleich lang, steht der Korpus rechtwinklig. Weichen die Werte voneinander ab, wird das Regal vorsichtig in die richtige Richtung gedrückt.
Ohne Rückwand oder Strebe kann sich ein offener Korpus seitlich verschieben. Deshalb folgt nun die rückseitige Aussteifung.

Schritt 8: Rückwandstrebe montieren
Setzen Sie die 100 mm hohe Multiplexstrebe an der Rückseite unterhalb des Oberbodens ein. Die Strebe liegt zwischen den Seitenteilen und kann zusätzlich mit dem Oberboden verbunden werden.
Befestigen Sie sie:
- mit zwei Schrauben je Seitenteil,
- optional zusätzlich mit drei Schrauben von oben durch den Oberboden.
Bohren und senken Sie auch diese Verbindungen vor.
Die Strebe übernimmt zwei Aufgaben:
- Sie stabilisiert den Korpus gegen seitliches Verschieben.
- Sie hält Schuhe davon ab, nach hinten gegen die Wand zu rutschen.
Schritt 9: Oberfläche behandeln
Für einen Flur kommen vor allem Öl, Hartwachsöl und Klarlack infrage.
| Oberfläche | Vorteil | Nachteil |
| Möbelöl | natürliche Optik, einfach auszubessern | begrenzter Schutz gegen nasse Schuhe |
| Hartwachsöl | natürliche Haptik, widerstandsfähiger als reines Öl | muss sorgfältig und dünn verarbeitet werden |
| Klarlack | gut abwischbar, hoher Feuchteschutz | Schäden sind aufwendiger auszubessern |
| unbehandelt | kein zusätzlicher Aufwand | nimmt Schmutz und Feuchtigkeit schneller auf |
Für ein Schuhregal ist ein wasserbasierter Klarlack oder Hartwachsöl meist praxisgerecht. Besonders die Ablageflächen und Vorderkanten sollten geschützt werden.
Tragen Sie zwei dünne Schichten nach Herstellerangabe auf. Schleifen Sie die aufgerichteten Holzfasern zwischen den Aufträgen leicht mit Körnung 240 an.
Ölige Lappen können sich durch Oxidationswärme selbst entzünden. Breiten Sie gebrauchte Tücher nach der Verarbeitung einzeln zum Trocknen aus oder bewahren Sie sie entsprechend den Herstellerhinweisen in einem geeigneten geschlossenen Metallbehälter auf.
Schritt 10: Möbelgleiter anbringen
Kleben oder schrauben Sie unter jedes Seitenteil zwei Möbelgleiter. Sie schützen:
- den Fußboden,
- die unteren Multiplexkanten,
- das Regal vor kleinen Mengen Wischwasser.
Bei weichen oder unebenen Böden sind höhenverstellbare Möbelgleiter sinnvoll.
Sicherheit: Regal an der Wand befestigen
Das Regal ist mit 600 mm vergleichsweise niedrig. Trotzdem kann es kippen, wenn Kinder daran hochklettern oder schwere Gegenstände ungünstig auf dem Oberboden stehen.
Eine kleine Kippsicherung zwischen Oberboden und Wand erhöht die Sicherheit. Dübel und Schrauben müssen zur Wandkonstruktion passen.
Typische Fehler
- Zu wenig vorgebohrt: Schrauben in der Stirnkante von Multiplex können vom gewünschten Verlauf abweichen oder Furnierlagen aufspreizen. Bohren Sie alle Verbindungen sauber vor.
- Schrauben zu dicht an den Plattenkanten: Zu geringe Randabstände erhöhen das Risiko von Ausbrüchen. Die Schrauben sollten nicht direkt an Vorder- oder Hinterkante sitzen.
- Uneinheitliche Zuschnitte: Schon 2 mm Unterschied zwischen den Ablageböden können den Korpus verspannen. Lassen Sie alle gleichartigen Teile möglichst in einem Arbeitsgang zuschneiden.
- Fehlende Aussteifung: Zwei Seitenteile und mehrere Böden ergeben noch keinen dauerhaft verwindungssteifen Korpus. Die Rückwandstrebe ist daher konstruktiv wichtig.
- Unbehandelte Ablageflächen: Nasse und verschmutzte Schuhe hinterlassen auf rohem Birken-Multiplex schnell Flecken. Mindestens die Böden sollten oberflächenbehandelt werden.
- Regal als Sitzbank verwenden: Der breite Oberboden wird nur an den Seiten getragen. Für eine Schuhbank ist eine Mittelwand oder eine andere tragende Unterkonstruktion erforderlich.
Kosten
Die Materialkosten hängen stark von Plattenqualität, Zuschnitt und Oberflächenmittel ab.
| Position | Grobe Größenordnung |
| 18-mm-Birken-Multiplex | 90 bis 160 € |
| Schrauben und Möbelgleiter | 10 bis 20 € |
| Öl oder Lack | 15 bis 30 € |
| optional Kippsicherung | 5 bis 10 € |
| Gesamt | 120 bis 220 € |
Das selbst gebaute Regal ist damit nicht zwingend billiger als ein einfaches Serienmöbel. Es bietet aber exakte Wunschmaße, reparierbare Bauteile und eine deutlich hochwertigere Materialanmutung.
Varianten
Schmales Schuhregal
Für kleine Flure:
- Breite: 600 mm
- Böden: 564 × 300 mm
- übrige Maße unverändert
Breites Regal
Ab etwa 1.000 mm Gesamtbreite sollte eine senkrechte Mittelwand eingeplant werden. Sie reduziert die freie Spannweite der Böden und stabilisiert die Konstruktion.
Schuhbank
Zusätzlich erforderlich:
- Mittelwand bis unter den Oberboden
- belastbare Verbindungen
- ausreichend dimensionierter Oberboden
- Kippsicherung
- gegebenenfalls statische Verstärkung
Eine bloße Verlängerung der Schrauben macht das Grundmodell nicht automatisch zur sicheren Sitzbank.
Technische Bewertung der Konstruktion
Die Konstruktion ist für Einsteiger geeignet, weil sie:
- nur rechtwinklige Zuschnitte benötigt,
- keine verdeckten Möbelverbinder verlangt,
- Maßabweichungen durch zurückspringende Böden optisch kaschiert,
- durch die Rückwandstrebe ausreichend ausgesteift wird,
- später demontiert und repariert werden kann.
Der kritische Punkt ist nicht das Verschrauben, sondern die Genauigkeit der Markierungen. Sind die Bodenpositionen auf beiden Seitenteilen nicht identisch, wird der Korpus schief oder verspannt.















