First, Traufe, Ortgang & Co.: Die wichtigsten Dachbegriffe einfach erklärt

Von Dominik Hochwarth

Wer mit Dachdeckern, Architekten oder einem Bauamt spricht, stößt schnell auf Begriffe wie First, Traufe, Ortgang oder Kehle. Auf einem Dach lassen sich diese Bauteile meist leicht zeigen – mit Worten ist die Unterscheidung manchmal schwieriger. Dabei beschreiben die meisten Begriffe schlicht bestimmte Flächen, Kanten oder Übergänge des Daches.

Hier finden Sie die wichtigsten Dachbegriffe verständlich erklärt.

Mehrere ineinandergreifende geneigte Dächer mit dunkler Dacheindeckung, Firsten, Graten, Kehlen und Schornsteinen.
Komplexe Dachlandschaft mit mehreren geneigten Dachflächen: Gut zu erkennen sind Firste, Grate, Kehlen und unterschiedliche Dachanschlüsse.

Die wichtigsten Dachbegriffe auf einen Blick

BegriffEinfach erklärt
FirstOberste Kante eines geneigten Daches
TraufeUntere Kante einer geneigten Dachfläche
OrtgangSeitliche Dachkante am Giebel
GratNach außen gerichtete Kante zwischen zwei Dachflächen
KehleNach innen gerichtete Schnittlinie zweier Dachflächen
WalmGeneigte Dachfläche an der Stirnseite eines Gebäudes
GiebelWandfläche unter beziehungsweise zwischen den geneigten Dachflächen
DachüberstandTeil des Daches, der über die Außenwand hinausragt
DachneigungWinkel einer Dachfläche gegenüber der Waagerechten
GaubeAufbau, der aus einer geneigten Dachfläche herausragt
ZwerchhausAus der Fassade aufsteigender Gebäudeteil mit eigenem Dach
DachloggiaIn die Dachfläche eingeschnittener, nach außen offener Bereich
Infografik eines Hauses mit beschrifteten Dachbegriffen wie First, Traufe, Ortgang, Grat, Kehle, Walm, Giebel, Gaube und Dachüberstand.
First, Traufe, Ortgang, Grat, Kehle, Walm, Giebel, Gaube und Dachüberstand: Die Grafik zeigt, wo die wichtigsten Dachbegriffe am Gebäude zu finden sind.

First: die oberste Dachkante

Der First, auch Dachfirst genannt, liegt bei vielen geneigten Dächern ganz oben. Bei einem klassischen Satteldach ist er die waagerechte Linie, an der die beiden geneigten Dachflächen zusammentreffen.

Wie der First konstruktiv ausgebildet wird, hängt von der Dachdeckung ab. Bei einem Ziegeldach kommen beispielsweise spezielle Firstziegel beziehungsweise Firststeine zum Einsatz.

Nicht jedes Dach besitzt einen langen First. Bei einem Zeltdach mit quadratischem Grundriss treffen die Dachflächen beispielsweise in einer Spitze zusammen. Auch bei einem Walmdach ist der First kürzer als bei einem vergleichbaren Satteldach.

Die Lage des Firstes ist zudem für die Firsthöhe wichtig. Damit wird in der Regel die Höhe des höchsten Punktes eines Gebäudes beschrieben. Bebauungspläne können maximale Gebäude-, First- oder Traufhöhen festsetzen. Was Begriffe wie GRZ, GFZ, Baugrenze und Gebäudehöhe bedeuten, erklären wir ausführlich im Beitrag Bebauungsplan verstehen: Was GRZ, GFZ, WA, Baugrenze und Co. bedeuten.

Traufe: hier endet die Dachfläche unten

Die Traufe ist die untere Kante einer geneigten Dachfläche. Hier läuft Regenwasser vom Dach ab. Deshalb befindet sich an dieser Stelle bei vielen Gebäuden die Dachrinne.

Der Schnittpunkt beziehungsweise die Schnittlinie von Außenwand und Dachhaut spielt außerdem bei der Bestimmung der Traufhöhe eine Rolle. Welche Höhe baurechtlich maßgeblich ist, hängt jedoch von der jeweiligen Vorschrift beziehungsweise den Festsetzungen des Bebauungsplans ab.

Die Traufe gibt einem Gebäude auch seine Orientierung. Steht ein Haus traufständig zur Straße, verläuft seine Traufseite parallel zur Straße. Der Giebel weist dann seitlich.

Das Gegenstück ist das giebelständige Haus: Hier zeigt die Giebelseite zur Straße.

Ortgang: die seitliche Kante am Giebel

Der Ortgang begrenzt eine geneigte Dachfläche seitlich. Er verläuft bei einem Satteldach vom First hinunter bis zur Traufe und liegt oberhalb des Giebels.

Damit ist der Unterschied einfach:

Traufe = untere Dachkante
Ortgang = seitliche Dachkante

Der Ortgang ist der Witterung besonders ausgesetzt und muss deshalb so ausgeführt werden, dass Wind und Niederschlag nicht unter die Dachdeckung gelangen. Je nach Dachdeckung kommen dafür beispielsweise Ortgangziegel, Dachsteine, Bleche oder andere konstruktive Lösungen infrage.

Mehr zum Aufbau erfahren Sie in unserem Lexikon unter Ortgang.

Grat: eine nach außen laufende Dachkante

Ein Grat entsteht dort, wo zwei geneigte Dachflächen an einer nach außen gerichteten Kante zusammentreffen. Typisch sind solche Dachgrate bei Walm- und Zeltdächern.

First und Grat lassen sich leicht verwechseln. Der Unterschied:

  • Der First bildet die obere Schnittlinie von Dachflächen.
  • Der Grat verläuft schräg nach unten und bildet eine Außenecke des Daches.

Bei Dächern mit Ziegeln oder Dachsteinen wird auch der Grat häufig mit speziellen Formsteinen abgedeckt.

Vergleich von Dachgrat und Dachkehle: Grat als Außenecke zweier Dachflächen und Kehle als Innenecke mit eingezeichnetem Wasserlauf.
Der Grat bildet eine nach außen gerichtete Dachkante, die Kehle eine nach innen gerichtete Schnittlinie zweier Dachflächen. In der Kehle läuft Regenwasser aus beiden Dachflächen zusammen.

Kehle: das Gegenstück zum Grat

Die Kehle ist gewissermaßen das Gegenstück zum Grat. Auch hier treffen zwei geneigte Dachflächen aufeinander. Die Schnittlinie zeigt jedoch nach innen.

Dachkehlen entstehen zum Beispiel dort, wo sich zwei Gebäudeteile mit geneigten Dächern kreuzen oder wenn bestimmte Dachaufbauten an das Hauptdach anschließen.

Kehlen verdienen bei Planung und Ausführung besondere Aufmerksamkeit, weil sich dort Niederschlagswasser aus mehreren Dachflächen sammelt. Wie die Kehle ausgeführt wird, hängt unter anderem von Dachform und Dachdeckung ab. Möglich sind beispielsweise Metallkehlen oder konstruktiv eingedeckte Kehlen.

Eine fachgerecht ausgeführte Kehle ist deshalb nicht automatisch eine „Schwachstelle“. Fehler bei Planung oder Ausführung können an dieser stark wasserbeanspruchten Stelle allerdings besonders schnell zu Problemen führen. Die Unterscheidung zwischen Grat als Außenecke und Kehle als Innenecke entspricht auch der üblichen bautechnischen Definition.

Walm: Dachfläche statt Giebel

Der Walm ist eine geneigte Dachfläche an der Stirnseite eines Gebäudes. Bei einem klassischen Walmdach gibt es deshalb nicht nur an den langen Gebäudeseiten geneigte Dachflächen, sondern auch an den beiden Stirnseiten.

Genau darin unterscheidet sich das Walmdach vom Satteldach: Beim Satteldach befinden sich an den Stirnseiten Giebel. Beim Walmdach werden diese Bereiche ganz oder teilweise durch geneigte Dachflächen ersetzt.

Bleibt ein Teil des Giebels erhalten, spricht man je nach Ausführung beispielsweise von einem Krüppel- oder Halbwalmdach.

Mehr zu diesen Unterschieden finden Sie in unserem Überblick über die beliebtesten Dachformen und ihre Vor- und Nachteile sowie im Lexikoneintrag zum Walmdach.

Giebel: die Wand unter dem Dach

Der Giebel gehört streng genommen nicht zur Dachfläche, ist für das Verständnis der Dachbegriffe aber wichtig.

Bei einem klassischen Satteldach bezeichnet der Giebel den oberen Bereich der Stirnwand zwischen den beiden geneigten Dachflächen. Seine Form ergibt sich damit weitgehend aus der Dachform und Dachneigung.

Der Giebel sollte nicht mit dem Ortgang verwechselt werden:

Giebel = Wandfläche
Ortgang = Dachkante oberhalb beziehungsweise seitlich dieser Wandfläche

Dachüberstand: wenn das Dach über die Wand hinausragt

Ragt das Dach über die Außenwand hinaus, spricht man vom Dachüberstand. Er kann sich sowohl an der Traufe als auch am Ortgang befinden.

Der Dachüberstand schützt Teile der Fassade vor direkter Bewitterung. Wie weit ein Dach überstehen darf oder soll, hängt von Konstruktion, Gestaltung und gegebenenfalls baurechtlichen Vorgaben ab.

Bei Abstandsflächen können Dachüberstände je nach Landesbauordnung besonders behandelt werden. In Nordrhein-Westfalen bleiben beispielsweise Dachüberstände bis zu bestimmten Abmessungen bei der Bemessung der Abstandsflächen außer Betracht. Solche Regelungen dürfen allerdings nicht pauschal auf andere Bundesländer übertragen werden.

Dachneigung: wie steil ist das Dach?

Die Dachneigung gibt an, in welchem Winkel eine Dachfläche gegenüber der Waagerechten ansteigt. Sie wird üblicherweise in Grad angegeben.

Ein Dach mit 45° Dachneigung steigt beispielsweise auf einem Meter waagerechter Strecke ebenfalls um einen Meter an.

Die Dachneigung beeinflusst unter anderem:

  • die nutzbare Höhe im Dachgeschoss,
  • die mögliche Dachdeckung,
  • die Entwässerung,
  • die Gestaltung des Gebäudes,
  • die Ausführung verschiedener Anschlussdetails.

Wie sich der Winkel auch ohne Bauzeichnung bestimmen lässt, zeigen wir Schritt für Schritt im Beitrag Dachneigung berechnen – wie schräg ist mein Dach?.

Vergleich von Gaube, Zwerchhaus und Dachloggia an drei Häusern mit Darstellung ihrer unterschiedlichen Lage in Dachfläche und Fassade.
Gaube, Zwerchhaus und Dachloggia sehen ähnlich aus, unterscheiden sich aber konstruktiv: Die Gaube sitzt in der Dachfläche, das Zwerchhaus wächst aus der Fassade heraus, die Dachloggia ist in das Dach eingeschnitten.

Dachgaube: Aufbau innerhalb der Dachfläche

Eine Dachgaube ragt aus einer geneigten Dachfläche heraus. Typischerweise besitzt sie ein senkrechtes Fenster und ein eigenes kleines Dach.

Gauben bringen Licht in das Dachgeschoss und können zusätzlich die nutzbare Raumhöhe vergrößern. Es gibt zahlreiche Formen, beispielsweise Schleppgauben, Satteldachgauben, Flachdachgauben oder Fledermausgauben.

Charakteristisch ist, dass die Gaube innerhalb der Dachfläche sitzt. Mehr zu Aufbau und Varianten lesen Sie im Lexikonartikel Dachgaube.

Zwerchhaus: keine Gaube

Gauben und Zwerchhäuser sehen sich auf den ersten Blick ähnlich, konstruktiv und architektonisch besteht jedoch ein wichtiger Unterschied.

Ein Zwerchhaus entwickelt sich aus der Außenwand beziehungsweise Fassade des Gebäudes nach oben und durchbricht die Traufe des Hauptdaches. Es besitzt ein eigenes Dach, dessen First meist quer zum First des Hauptdaches verläuft.

Eine Dachgaube sitzt dagegen innerhalb der Dachfläche.

Vereinfacht:

Gaube → sitzt auf beziehungsweise innerhalb der Dachfläche
Zwerchhaus → wächst aus der Fassade nach oben

Diese Unterscheidung ist beispielsweise bei Umbauten oder bei der Beurteilung von Bebauungsplänen wichtig.

Dachloggia: Balkon innerhalb der Dachfläche

Bei einer Dachloggia wird ein Bereich aus der Dachfläche herausgenommen. Dadurch entsteht eine nach außen offene Fläche, die seitlich und häufig auch nach oben von Gebäudeteilen begrenzt wird.

Sie funktioniert damit anders als ein Balkon. Ein Balkon ragt normalerweise vor die Fassade. Eine Dachloggia liegt dagegen innerhalb des Gebäude- beziehungsweise Dachvolumens.

Der Begriff „Loggia“ allein ist weiter gefasst. Im Zusammenhang mit einem geneigten Dach ist daher „Dachloggia“ die präzisere Bezeichnung.

Und wo gehören Sparren und Pfetten hin?

Sparren, Pfetten oder Kehlbalken sind ebenfalls wichtige Dachbegriffe. Sie beschreiben jedoch nicht die von außen sichtbare Geometrie des Daches, sondern Teile seiner Tragkonstruktion.

Die Sparren verlaufen bei vielen Konstruktionen schräg vom Traufbereich in Richtung First und tragen unter anderem die darüberliegenden Schichten des Daches. Pfetten verlaufen dagegen in der Regel in Längsrichtung des Daches und können Sparren unterstützen beziehungsweise deren Lasten weiterleiten.

Welche Bauteile tatsächlich vorhanden sind, hängt vom Dachtragwerk ab. Einen ausführlichen Vergleich finden Sie im Beitrag Dachstühle im Vergleich: Pfettendach, Sparrendach und Kehlbalkendach erklärt.

First, Traufe, Ortgang, Grat und Kehle: der Unterschied in einem Satz

Wer sich nur fünf Begriffe merken möchte, kann sich an dieser Zuordnung orientieren:

First: ganz oben
Traufe: unten an der Dachfläche
Ortgang: seitlich am Giebel
Grat: nach außen gerichtete Schnittkante zweier Dachflächen
Kehle: nach innen gerichtete Schnittkante zweier Dachflächen

Mit diesen fünf Begriffen lassen sich bereits die meisten Stellen eines klassischen geneigten Daches eindeutig beschreiben.

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