Eine Frostschürze ist ein umlaufender, nach unten reichender Bauteilrand an einer Bodenplatte. Sie wird vor allem bei nicht unterkellerten Gebäuden eingesetzt, wenn die Bodenplatte selbst nicht bis in frostfreie Tiefe reicht.
Ziel ist es, Frostschäden an der Gründung zu vermeiden. Denn gefriert Wasser in frostempfindlichem Boden unter einem Gebäude, kann sich der Boden anheben. Solche Frosthebungen können zu Rissen und Verformungen an Bodenplatte und Gebäude führen.
Wie ist eine Frostschürze aufgebaut?
Eine klassische Frostschürze wird häufig als umlaufender Beton- oder Stahlbetonstreifen entlang der Außenkante der Bodenplatte ausgeführt.
Sie reicht tiefer in den Boden als die eigentliche Bodenplatte.
Typischerweise wird sie:
- entlang des Gebäudeumfangs angeordnet,
- bis in frostfreie Tiefe geführt,
- statisch und konstruktiv auf die Bodenplatte abgestimmt,
- häufig gemeinsam mit der Bodenplatte betoniert.
Je nach Konstruktion kann sie Ähnlichkeiten mit einem Streifenfundament haben.
Wie tief muss eine Frostschürze sein?
Als häufig genannter Mindestwert gelten in Deutschland etwa 80 cm unter der endgültigen Geländeoberkante.
Dieser Wert darf jedoch nicht pauschal auf jedes Grundstück übertragen werden.
Die tatsächlich erforderliche Tiefe hängt unter anderem ab von:
- Standort und Klima,
- Bodenbeschaffenheit,
- Frostempfindlichkeit des Bodens,
- Höhenlage,
- Gebäudeart,
- Aufbau der Gründung.
In besonders frostgefährdeten Regionen kann eine größere Tiefe erforderlich sein.
Nach DIN 1054 muss die Frostsicherheit der Gründung gewährleistet werden. Wenn sie nicht auf andere Weise nachgewiesen wird, wird für die frostfreie Gründung häufig ein Abstand von mindestens 0,80 m zur frostexponierten Geländeoberfläche angesetzt.
Warum kann Frost eine Bodenplatte beschädigen?
Problematisch ist nicht allein die niedrige Temperatur.
Frostschäden entstehen vor allem dann, wenn gleichzeitig:
- frostempfindlicher Boden vorhanden ist,
- genügend Wasser im Boden enthalten ist,
- Temperaturen unter den Gefrierpunkt sinken.
Unter diesen Bedingungen können sich im Boden Eislinsen bilden. Dabei wird zusätzlich Wasser aus tieferen Bereichen angezogen und gefriert.
Der Boden kann sich dadurch deutlich anheben.
Taut er später wieder auf, kann er sich ungleichmäßig setzen. Für ein Gebäude sind vor allem solche unterschiedlichen Bewegungen kritisch.
Welche Böden sind frostempfindlich?
Besonders frostempfindlich sind häufig Böden mit größeren Anteilen feiner Körnungen, beispielsweise:
- Schluff,
- bestimmte Lehme,
- tonhaltige Böden,
- Sande oder Kiese mit hohem Feinkornanteil.
Reiner grober Kies oder grober Sand ist deutlich weniger frostempfindlich, sofern Wasser ausreichend abfließen kann.
Welche Bodenverhältnisse tatsächlich vorliegen, sollte bei größeren Bauvorhaben durch ein Baugrundgutachten geklärt werden.
Braucht jede Bodenplatte eine Frostschürze?
Nein.
Eine Frostschürze ist nur eine Möglichkeit, die erforderliche Frostsicherheit herzustellen.
Abhängig von Boden, Gebäude und Konstruktion kommen auch andere Lösungen infrage, beispielsweise:
- ausreichend tief gegründete Fundamente,
- frostunempfindliche Tragschichten,
- Bodenaustausch,
- spezielle gedämmte Gründungssysteme,
- horizontal angeordnete Frostschirme.
Deshalb ist die Aussage „Jede Bodenplatte braucht eine 80 cm tiefe Frostschürze“ zu pauschal.
Was ist der Unterschied zwischen Frostschürze und Frostschirm?
Eine Frostschürze verläuft überwiegend vertikal am Rand der Bodenplatte und reicht in größere Tiefe.
Ein Frostschirm arbeitet dagegen mit Wärmedämmung. Dabei wird eine geeignete Dämmung häufig horizontal über den Rand der Bodenplatte hinausgeführt.
Dadurch wird der Weg des Wärmestroms verlängert und das Eindringen des Frostes unter die Gründung reduziert.
Solche Konstruktionen können nach entsprechenden wärmetechnischen Nachweisen eine Alternative zur klassischen tiefen Frostschürze darstellen.
Ist die Frostschürze ein Fundament?
Das hängt von der Konstruktion ab.
Eine Frostschürze kann gleichzeitig tragende Aufgaben übernehmen und wie ein Streifenfundament ausgebildet sein. Es gibt jedoch auch Konstruktionen, bei denen die Bodenplatte selbst die Gebäudelasten verteilt und die Frostschürze primär der Frostsicherheit des Randbereichs dient.
Deshalb dürfen Frostschürze und Streifenfundament nicht grundsätzlich gleichgesetzt werden.
Die statische Wirkung muss bei der Planung der Bodenplatte berücksichtigt werden.
Frostschürze und Wärmedämmung
Eine Frostschürze aus Beton besitzt selbst keine besonders gute Wärmedämmwirkung. Beton leitet Wärme vergleichsweise gut.
Bei energieeffizienten Gebäuden muss deshalb auch der Übergang zwischen Bodenplatte, Frostschürze und Außenwand wärmetechnisch sorgfältig geplant werden.
Andernfalls können Wärmebrücken entstehen.
Häufig kommen deshalb zusätzliche Perimeterdämmungen oder speziell gedämmte Bodenplattensysteme zum Einsatz.
Kann man eine Frostschürze selbst herstellen?
Bei kleinen Bauwerken wie einem Gartenhaus kann die Herstellung eines Fundaments teilweise in Eigenleistung erfolgen.
Bei Wohnhäusern gehört die Frostschürze jedoch zum Gründungssystem des Gebäudes. Abmessungen, Bewehrung und konstruktiver Anschluss an die Bodenplatte sollten deshalb auf Grundlage der Tragwerksplanung und der Bodenverhältnisse festgelegt werden.
Der vorhandene Ratgeber Bodenplatte fürs Haus selber machen: Anleitung und Tipps erklärt Aufbau und Frostschutz einer Bodenplatte ausführlicher.
Auch beim Fundament für ein Gartenhaus spielt eine frostfreie Gründung eine wichtige Rolle.





