Welches Laminat ist das beste? Ein Praxis-Check

Von Dominik Hochwarth

Die Frage klingt einfach. Die Antwort ist es nicht. Denn „das beste Laminat“ gibt es nicht pauschal. Es gibt nur das Laminat, das zu Ihrem Raum, Ihrem Alltag und Ihrem Budget passt. Wer im Schlafzimmer läuft, braucht etwas anderes als jemand, der einen stark genutzten Flur oder ein Homeoffice ausstattet.

Der Markt ist 2026 deutlich weiter als noch vor zehn Jahren. Laminat wirkt nicht mehr künstlich. Die Oberflächen fühlen sich realistischer an. Die Klicksysteme sind stabiler. Und selbst das Thema Feuchtigkeit ist nicht mehr automatisch ein Ausschlusskriterium. Schauen wir uns an, worauf es wirklich ankommt.

Mann verlegt Laminat
Wer Laminat selbst verlegt, sollte Nutzungsklasse, Raumklima und Untergrund nicht dem Zufall überlassen.

Das erwartet Sie in diesem Beitrag

Der wichtigste Punkt: Die Trägerplatte

Viele achten nur auf die Optik. Das ist verständlich. Aber die Technik steckt im Kern. Hochwertige Hersteller wie Haro, MeisterWerke oder Parador setzen auf HDF-Platten. Das sind hochverdichtete Holzfaserplatten.

Warum ist das relevant?

Weil die Klickverbindung direkt aus diesem Material gefräst wird. Ist der Kern zu weich, bricht die Verriegelung schneller aus. Dann entstehen Fugen. Und Fugen sehen nicht nur unschön aus, sie sind auch anfälliger für Feuchtigkeit.

Meine Empfehlung:
Gehen Sie nicht unter 8 mm Stärke. Besser sind 10 mm oder mehr. Dickere Paneele liegen ruhiger, fühlen sich wertiger an und klingen weniger hohl.

Nutzungsklasse: Bitte nicht zu niedrig ansetzen

Laminat wird in Nutzungsklassen eingeteilt. NK 21 bis 23 für privat. NK 31 bis 34 für gewerblich. Viele greifen automatisch zu NK 23, weil es „für privat“ reicht. Ich sehe das kritischer.

Wenn Sie länger Ruhe haben wollen, nehmen Sie mindestens NK 32. Das ist offiziell schon für gewerbliche Nutzung ausgelegt. In einem normalen Haushalt bedeutet das: mehr Reserve, weniger Verschleiß.

Dazu kommt die Abriebklasse (AC1 bis AC6). Für Wohnräume ist AC4 eine gute Basis. AC5 bietet zusätzlichen Schutz gegen Kratzer durch Sand oder Haustiere.

Welche Marken überzeugen?

Im Premiumbereich sind Namen wie Haro oder MeisterWerke seit Jahren konstant stark.

Der Haro „Tritty 100“ ist ein solider Allrounder. Das Klicksystem „Top Connect 5G“ funktioniert zuverlässig und spart Zeit bei der Verlegung. Wer selbst verlegt, merkt das.

Der „LL 150“ von Meister punktet mit robuster Oberfläche und guter Trittschalldämpfung. Gerade in Mehrfamilienhäusern ist das angenehm.

Aber: Gute Qualität gibt es auch günstiger. Marken wie Bodomo Premium oder Logoclic liefern im Bereich um 17–20 €/m² durchaus ordentliche Werte. Wichtig ist, dass Sie die technischen Daten prüfen und nicht nur den Preis. Günstig ist kein Problem. Billig kann eins werden.

Die 5 häufigsten Laminat-Fehler bei Verlegung und Nutzung

Feuchtraum-Laminat: Kann man das ernst nehmen?

Früher hätte ich klar gesagt: Laminat gehört nicht ins Bad. Heute ist die Lage differenzierter. Systeme wie „Aqua+“ von Egger oder wasserresistente Serien von Parador sind deutlich robuster gegen Feuchtigkeit als klassische Produkte.

Aber bleiben wir realistisch: Stehendes Wasser über viele Stunden bleibt problematisch. Für eine Küche oder ein Gäste-WC kann modernes Aqua-Laminat funktionieren. Für eine bodengleiche Dusche nicht. Hier ist Vinyl technisch überlegen.

Nachhaltigkeit: Nicht nur ein Label

Laminat besteht größtenteils aus Holzfasern. Das klingt gut. Entscheidend ist aber die Herkunft und die Emission.

Achten Sie auf:

  • FSC oder PEFC
  • „Blauer Engel“
  • Emissionsklasse E1

Hersteller wie Egger oder Wineo setzen hier transparente Standards.

Wenn Sie empfindlich auf Gerüche reagieren oder Kinder im Haushalt leben, sollten Sie diesen Punkt nicht unterschätzen.

Akustik und Haptik: Das merkt man jeden Tag

Ein häufiger Kritikpunkt an Laminat ist der Klang. Es wirkt lauter als Vinyl oder Parkett. Moderne Systeme mit integrierter Trittschalldämmung verbessern das deutlich. Trotzdem bleibt Laminat ein harter Boden. Teppiche und Möbel beeinflussen die Raumakustik stärker als viele denken.

Zur Haptik: Geprägte Oberflächen wirken realistischer. Fühlen Sie die Muster im Fachmarkt an. Fotos helfen hier wenig.

Elektrostatische Aufladung: Ein unterschätztes Thema

Gerade im Winter kann Laminat elektrostatisch laden. Beim Berühren von Metall kommt es zu kleinen Entladungen. Hersteller integrieren heute antistatische Additive in das Overlay. Produkte von Classen zeigen hier gute Werte.

In Büros oder Räumen mit viel Elektronik lohnt es sich, gezielt nach antistatischen Eigenschaften zu fragen.

Pflege: So bleibt Ihr Laminat lange schön

Laminat wird nebelfeucht gewischt. Niemals nass. Ein Staubsauger mit Hartbodendüse ist sinnvoll. Modelle wie der AEG VX8.2 Silence schneiden in Tests gut ab, weil sie leise arbeiten und die Oberfläche schonen. Vermeiden Sie aggressive Reiniger. Ein neutraler Bodenreiniger reicht aus.

Verlegung: Selber machen oder Profi beauftragen?

Das Klicksystem moderner Böden ist durchdacht. Mit sauberem Untergrund, Dehnungsfugen und etwas Geduld schaffen Sie das selbst.

Professionelle Verlegung kostet etwa 15–40 €/m². Bei komplizierten Grundrissen oder Altbauten kann das sinnvoll sein. Planen Sie Materialreserve ein. 5–10 % Verschnitt sind üblich.

Empfohlene Nutzungsklassen und Stärke für Laminat nach Raumtyp

Was in der Laminat-Diskussion fast immer fehlt

Viele Ratgeber sprechen über Nutzungsklassen und Abriebwerte. Das ist richtig – aber unvollständig. Vier Punkte entscheiden in der Praxis mindestens genauso stark über Ihre Zufriedenheit.

1. Garantie: Was bedeutet „25 Jahre“ wirklich?

„25 Jahre Garantie im Wohnbereich“ klingt gut. Aber lesen Sie die Bedingungen.

Garantie deckt fast nie normale Abnutzung ab. Sie bezieht sich meist auf:

  • Durchscheuern der Deckschicht
  • Material- oder Produktionsfehler
  • Delaminierung (Ablösen von Schichten)

Nicht enthalten sind oft:

  • Falsche Reinigung
  • Wasserschäden durch stehende Nässe
  • Schäden durch ungeeigneten Untergrund

Ein Hersteller wie Haro oder MeisterWerke gibt lange Garantien, verlangt aber fachgerechte Verlegung nach Herstellervorgabe.

Wichtig ist deshalb nicht nur die Dauer. Entscheidend ist, was konkret abgedeckt ist – und was nicht.

Mein Rat: Lesen Sie die Garantiebedingungen vor dem Kauf. Nicht danach.

2. Fugenbild und Format: Optik ist nicht nur Geschmack

Breite Landhausdielen wirken ruhiger. Der Raum erscheint großzügiger. Schmale Streifen oder Schiffsboden-Optiken wirken lebendiger – manchmal auch unruhiger.

Großformate sind aktuell gefragt. Sie haben weniger Fugen, sehen hochwertig aus. Aber sie stellen höhere Anforderungen an den Untergrund.

Je länger und breiter das Paneel, desto sensibler reagiert es auf Unebenheiten. Kleine Wellen im Estrich führen schneller zu Hohlstellen oder Knarzgeräuschen.

Hier gilt: Großes Format = höherer Anspruch an Ebenheit.

Wenn der Untergrund nicht perfekt ist, fahren Sie mit klassischem Format oft stressfreier.

3. Der Untergrund: Der unterschätzte Risikofaktor

Das ist der Punkt, der am häufigsten Probleme verursacht.

Der beste Boden nützt nichts, wenn der Estrich nicht passt.

Als Richtwert gelten maximal 2 mm Abweichung pro Meter. Alles darüber sollten Sie ausgleichen. Entweder mit Spachtelmasse oder durch Nacharbeit.

Typische Fehler:

  • Alte Kleberreste nicht entfernt
  • Feuchtigkeit im Estrich nicht geprüft
  • Trittschalldämmung falsch kombiniert

Ein unebener Untergrund führt zu:

  • Knackgeräuschen
  • Aufspringenden Klickverbindungen
  • Frühzeitigem Verschleiß

Viele Reklamationen entstehen nicht wegen schlechter Qualität, sondern wegen schlechter Vorbereitung.

4. Raumklima: Laminat ist kein Kunststoffboden

Laminat besteht überwiegend aus Holzfasern. Holz reagiert auf Luftfeuchtigkeit.

Ideal sind 40–60 % relative Luftfeuchte.
Im Winter sinkt die Luftfeuchte oft unter 35 %. Dann können Fugen sichtbar werden.

Im Sommer bei hoher Luftfeuchte dehnt sich das Material aus. Deshalb sind umlaufende Dehnungsfugen zwingend erforderlich.

Wenn Sie Fußbodenheizung haben, sollten Sie die Aufheizprotokolle beachten und die Restfeuchte im Estrich messen lassen.

Raumklima ist kein Nebenthema. Es beeinflusst Maßhaltigkeit und Lebensdauer direkt.

Fazit: Welches Laminat ist das beste?

Das beste Laminat erfüllt vier Kriterien:

  1. Nutzungsklasse mindestens 32
  2. Stärke 8–10 mm (besser 10–12 mm)
  3. Emissionsarm (Blauer Engel)
  4. Stabiles Klicksystem

Für hohe Ansprüche bieten Haro Tritty 100 oder Meister LL 150 sehr ausgewogene Pakete. Für preisbewusste Renovierer sind Bodomo oder Logoclic solide Alternativen.

Wichtig ist nicht der Markenname allein. Entscheidend sind technische Daten, Nutzung und Raumklima.

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