Wie benutzt man ein Bidet? Anleitung für Bidet, Dusch-WC und Hygienedusche

Von Dominik Hochwarth

Ein Bidet ist für viele Menschen in Deutschland ungewohnt. In südlichen Ländern, in Teilen Asiens und im arabischen Raum gehört die Reinigung mit Wasser dagegen ganz selbstverständlich zum Bad. Wer zum ersten Mal davorsteht, fragt sich oft: Setzt man sich darauf? Nutzt man Seife? Und braucht man danach noch Toilettenpapier?

Die Antwort ist einfacher, als viele denken. Ein Bidet dient der Reinigung des Intimbereichs mit Wasser. Je nach System funktioniert das etwas anders. Ein klassisches Bidet steht als separates Becken neben der Toilette. Ein Dusch-WC reinigt direkt auf der Toilette. Eine Hygienedusche arbeitet wie eine kleine Handbrause neben dem WC.

Wichtig ist vor allem: Wasser reinigt sanft und gründlich. Toilettenpapier wischt Rückstände mechanisch ab. Wasser spült sie zusätzlich weg. Das kann angenehmer für die Haut sein und den Papierverbrauch senken. Dieser Ratgeber erklärt Schritt für Schritt, wie Sie ein Bidet richtig benutzen.

Bidet neben einer Toilette
Das Bidet zu nutzen ist gar nicht so kompliziert, wie es sich im ersten Moment vielleicht anfühlt

Das erwartet Sie in diesem Beitrag

Warum überhaupt ein Bidet?

Ein Bidet ergänzt oder ersetzt Toilettenpapier bei der Reinigung nach dem Toilettengang. Statt ausschließlich zu wischen, wird der Intimbereich mit Wasser abgespült. Das empfinden viele Menschen als sauberer und angenehmer.

Besonders sinnvoll kann ein Bidet sein:

  • bei empfindlicher Haut,
  • bei häufigen Hautreizungen,
  • während der Menstruation,
  • in der Schwangerschaft,
  • bei eingeschränkter Beweglichkeit,
  • nach bestimmten medizinischen Eingriffen, sofern ärztlich nichts dagegenspricht,
  • wenn weniger Toilettenpapier verwendet werden soll.

Ein weiterer Vorteil: Wer Wasser nutzt, braucht meist weniger Papier. Das schont nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Abwasserleitungen. Besonders in Haushalten, in denen viel feuchtes Toilettenpapier verwendet wird, kann das ein Argument sein. Feuchttücher gehören ohnehin nicht in die Toilette, weil sie Abflüsse und Kläranlagen belasten können.

In deutschen Bädern findet man klassische Bidets eher selten. Häufiger werden inzwischen Dusch-WCs, WC-Aufsätze mit Duschfunktion oder Hygieneduschen eingebaut. Sie benötigen weniger Platz und passen besser in moderne Bäder.

Vergleich von klassischem Bidet, Dusch-WC und Hygienedusche

Drei Systeme, drei Anwendungen

Nicht jedes Bidet funktioniert gleich. Deshalb sollten Sie zuerst unterscheiden, welches System im Bad vorhanden ist.

SystemBedienungTypischer Vorteil
Klassisches Bidetseparates Becken neben der Toiletteeinfache Technik, gründliche Reinigung
Dusch-WCReinigung direkt auf der Toilettesehr komfortabel, kein Platzwechsel
Hygieneduschekleine Handbrause neben dem WCplatzsparend, flexibel nachrüstbar

Alle drei Systeme haben denselben Zweck: Sie reinigen mit Wasser. Der Unterschied liegt in der Bedienung.

Entscheidungshilfe für klassisches Bidet, Dusch-WC, Hygienedusche und WC-Aufsatz

Das klassische Bidet: separates Becken neben der Toilette

Das klassische Bidet sieht aus wie ein niedriges Waschbecken. Es steht meist direkt neben der Toilette. Nach dem Toilettengang wechseln Sie vom WC zum Bidet.

Viele Menschen wischen sich vorher einmal kurz mit Toilettenpapier ab. Das ist nicht zwingend nötig, kann die anschließende Reinigung aber erleichtern. Danach setzen Sie sich auf das Bidet. Ob Sie dabei mit dem Gesicht zu den Armaturen oder mit dem Rücken zur Wand sitzen, hängt vom Modell und von Ihrer persönlichen Vorliebe ab.

Praktisch ist häufig die Sitzrichtung mit Blick auf den Wasserhahn. Dann lassen sich Temperatur und Wassermenge leichter einstellen. Bei manchen Bidets ist aber die umgekehrte Richtung bequemer.

Öffnen Sie den Wasserhahn langsam. Prüfen Sie die Temperatur zuerst mit der Hand. Lauwarmes Wasser reicht vollkommen aus. Zu heißes Wasser kann die Haut reizen, zu kaltes Wasser empfinden viele als unangenehm.

Dann reinigen Sie den Intimbereich mit dem Wasserstrahl. Je nach Bidet können Sie zusätzlich die Hand verwenden. Eine milde, pH-neutrale Waschlotion ist möglich, aber im Alltag meist nicht notwendig. Klares Wasser genügt in der Regel.

Nach der Reinigung trocknen Sie sich ab. Dafür eignet sich Toilettenpapier oder ein kleines Handtuch. Wenn Sie ein Handtuch verwenden, sollte es ausschließlich für diesen Zweck bestimmt sein und regelmäßig gewaschen werden.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Benutzung eines klassischen Bidets

Schritt für Schritt: Klassisches Bidet benutzen

  1. Nach dem Toilettengang zum Bidet wechseln.
  2. Bei Bedarf vorher grob mit Toilettenpapier abwischen.
  3. Auf das Bidet setzen.
  4. Wasser langsam aufdrehen.
  5. Temperatur mit der Hand prüfen.
  6. Intimbereich mit lauwarmem Wasser reinigen.
  7. Bei Bedarf milde Waschlotion verwenden.
  8. Mit Papier oder eigenem Handtuch abtrocknen.
  9. Bidet kurz ausspülen.

Das Dusch-WC: Bidet und Toilette in einem

Ein Dusch-WC kombiniert Toilette und Bidetfunktion in einem Gerät. Nach dem Toilettengang bleiben Sie einfach sitzen. Die Reinigung startet per Knopfdruck.

Eine kleine Düse fährt aus und sprüht Wasser von unten. Bei vielen Geräten lassen sich Wasserdruck, Temperatur und Düsenposition einstellen. Manche Modelle bieten getrennte Programme für Anal- und Intimreinigung. Hochwertige Geräte besitzen zusätzlich eine Warmlufttrocknung.

Die Bedienung wirkt beim ersten Mal technischer, ist aber meist selbsterklärend. Häufig gibt es seitliche Bedientasten, eine Fernbedienung oder ein Wandpanel. Beginnen Sie mit niedrigem Wasserdruck. Danach können Sie die Einstellung anpassen.

Nach der Reinigung trocknet entweder die Warmluftfunktion oder Sie nutzen etwas Toilettenpapier. Ein Dusch-WC ist besonders komfortabel, weil kein Platzwechsel nötig ist. Das ist auch ein Vorteil für ältere Menschen oder Personen mit eingeschränkter Beweglichkeit.

Die Hygienedusche: kleine Handbrause neben dem WC

Die Hygienedusche ist eine kleine Brause neben der Toilette. Sie wird oft auch Bidetbrause, WC-Dusche oder Shattaf genannt. In vielen Ländern ist sie Standard. In Deutschland wird sie vor allem in kleinen Bädern beliebter, weil sie wenig Platz benötigt.

Die Nutzung ist einfach. Sie bleiben auf der Toilette sitzen und nehmen die Brause in die Hand. Führen Sie die Brause vorsichtig von vorne oder hinten in die passende Position. Testen Sie den Wasserdruck zuerst kurz im WC-Becken. Manche Handbrausen liefern mehr Druck, als man erwartet.

Reinigen Sie den Intimbereich mit einem kurzen, kontrollierten Wasserstrahl. Wenig Druck reicht. Auch hier ist lauwarmes Wasser angenehmer als sehr kaltes oder heißes Wasser. Danach trocknen Sie sich mit Toilettenpapier ab.

Wichtig: Hängen Sie die Brause nach der Nutzung sauber zurück in die Halterung. Achten Sie außerdem darauf, dass kein Wasser auf Boden oder Wand spritzt. In kleinen Bädern kann eine Hygienedusche sonst schnell für Feuchtigkeit rund um das WC sorgen.

Braucht man beim Bidet Seife?

Für die normale Reinigung nach dem Toilettengang reicht klares Wasser meist aus. Seife ist nicht zwingend nötig. Im Intimbereich kann zu viel Seife sogar stören, weil sie die Haut austrocknen oder reizen kann.

Wenn Sie eine Waschlotion verwenden möchten, sollte sie mild und pH-neutral sein. Aggressive Duschgele, parfümierte Seifen oder Intimsprays sind keine gute Wahl. Sie können die Haut unnötig belasten.

Reinigt man von vorne oder hinten?

Für Frauen gilt: immer von vorne nach hinten reinigen. Das senkt das Risiko, Keime aus dem Analbereich in Richtung Harnröhre oder Scheide zu verschleppen. Dieser Grundsatz gilt unabhängig davon, ob Sie ein klassisches Bidet, ein Dusch-WC oder eine Hygienedusche nutzen.

Bei Männern ist die Richtung weniger kritisch. Trotzdem sollte die Reinigung kontrolliert erfolgen und nicht mit zu hohem Wasserdruck.

Welche Wassertemperatur ist richtig?

Lauwarmes Wasser ist ideal. Es reinigt angenehm und reizt die Haut nicht. Sehr heißes Wasser ist ungeeignet, weil die Haut im Intimbereich empfindlich ist. Sehr kaltes Wasser kann unangenehm sein und dazu führen, dass man die Reinigung zu kurz hält.

Bei einem klassischen Bidet sollten Sie die Temperatur immer mit der Hand prüfen, bevor Wasser den Körper berührt. Bei Dusch-WCs lässt sich die Temperatur meist über die Bedienung einstellen.

Muss man danach noch Toilettenpapier benutzen?

Nach der Wasserreinigung müssen Sie die Haut trocknen. Dafür können Sie Toilettenpapier verwenden. Sie brauchen aber meist deutlich weniger als ohne Bidet.

Bei einem klassischen Bidet kann auch ein kleines Handtuch sinnvoll sein. Dieses Handtuch sollte ausschließlich für diesen Zweck verwendet und regelmäßig gewaschen werden. In Gäste-Bädern ist Toilettenpapier hygienischer und unkomplizierter.

Dusch-WCs mit Warmluftfunktion trocknen automatisch. Viele Nutzer verwenden trotzdem zusätzlich ein wenig Papier, um Restfeuchtigkeit aufzunehmen.

Typische Fehler bei der Bidet-Nutzung

Ein Bidet ist einfach zu benutzen. Einige Fehler kommen trotzdem häufig vor:

FehlerBesser so
Wasser zu stark aufdrehenlangsam starten und Druck anpassen
Temperatur nicht prüfenzuerst mit der Hand testen
zu viel Seife verwendenklares Wasser reicht meistens
feuchtes Toilettenpapier ins WC werfenvermeiden, es kann Rohre verstopfen
Hygienedusche mit zu hohem Druck nutzensanften Wasserstrahl wählen
Handtuch mehrfach unkontrolliert verwendeneigenes Handtuch regelmäßig waschen

Fazit: Ein Bidet ist einfacher, als es wirkt

Die Benutzung eines Bidets ist keine komplizierte Sache. Entscheidend ist nur, welches System vorhanden ist. Beim klassischen Bidet wechseln Sie nach dem Toilettengang zum separaten Becken. Beim Dusch-WC bleiben Sie sitzen und starten die Reinigung per Knopfdruck. Bei der Hygienedusche nutzen Sie eine kleine Handbrause neben der Toilette.

In allen Fällen gilt: lauwarmes Wasser, wenig Druck und anschließend gründlich trocknen. Seife ist im Alltag meist nicht nötig. Wer das Prinzip einmal verstanden hat, nutzt ein Bidet schnell selbstverständlich.

Gerade in kleinen deutschen Bädern sind Dusch-WCs und Hygieneduschen oft praktischer als ein separates Bidet. Sie benötigen weniger Platz und bringen trotzdem den wichtigsten Vorteil: Reinigung mit Wasser statt nur mit Papier.

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