Donald Trump hat beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos erneut scharf gegen die Windkraft geschossen. Er sprach von einem „Betrug“, nannte Käufer von Windrädern „stupid people“ und verhöhnte Europas Energiewende als „Green New Scam“. Besonders Deutschland und Großbritannien nahm er dabei ins Visier. Inhaltlich sind diese Angriffe nicht neu. Neu ist jedoch ihre Zuspitzung – und der politische Kontext, in dem Trump sie nun platziert.
Ein nüchterner Blick zeigt: Trumps Worte sind weniger Ausdruck mangelnder Sachkenntnis. Sie folgen einer klaren Logik aus Interessen, Lobbystrukturen und politischen Allianzen.

Das erwartet Sie in diesem Beitrag
- China nutzt Windkraft – massiv
- Rekordjahr für Windenergie
- Deutschland: Zahlen ohne Kontext
- Weht der Wind nicht?
- Verdient Trump zu wenig an Windkraft?
- Schwache Lobby gegen starke Gegenspieler
- Persönliche Vorgeschichte
- Wer ist hier dumm?
China nutzt Windkraft – massiv
Eine seiner auffälligsten Behauptungen betrifft China. Das Land produziere Windräder für den Export, nutze sie selbst aber kaum. Die Daten widersprechen eindeutig. Ende 2024 lag Chinas installierte Windleistung bei rund 521.000 Megawatt. Fast 479.000 MW an Land, gut 41.800 MW auf See. Damit vereint China nahezu die Hälfte der globalen Windkraftkapazität auf sich.
Zum Vergleich: Die USA kommen auf etwa 154.300 MW, Deutschland auf 72.800 MW. China ist nicht nur der größte Hersteller, sondern auch der mit Abstand größte Nutzer von Windenergie. Dass Kohle dort weiterhin eine dominante Rolle spielt, ist richtig. Beides schließt sich nicht aus. China baut Wind- und Solaranlagen aus, während es fossile Kraftwerke weiter betreibt. Trumps Darstellung greift zu kurz.
Rekordjahr für Windenergie
2024 markierte weltweit einen neuen Höchststand. Rund 117 Gigawatt Windleistung kamen neu hinzu. Die globale Gesamtkapazität überschritt 1,1 Terawatt. Windenergie ist längst keine Randtechnologie mehr. Sie ist Teil der Grundversorgung. In vielen Regionen ist sie eine der günstigsten Formen der Stromerzeugung.
Deutschland: Zahlen ohne Kontext
Trump warf Deutschland vor, heute 22 Prozent weniger Strom zu erzeugen als 2017, bei gleichzeitig 64 Prozent höheren Preisen. Beides ist irreführend. Die Bruttostromerzeugung ist seit 2017 tatsächlich gesunken – allerdings eher um rund ein Drittel. Gründe sind Effizienzgewinne, geringerer Industriebedarf und der Wandel vom Exportüberschuss zum Nettoimport.
Auch bei den Preisen liegt Trump daneben. Der Haushaltsstrompreis stieg von etwa 29 Cent pro Kilowattstunde (2017) auf rund 40 Cent (2025). Das entspricht 35 bis 40 Prozent, nicht 64. Hauptursache war der Gaspreisschock nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Seit dem Höhepunkt 2022/2023 sinken die Preise wieder.
Weht der Wind nicht?
Trump spottete, in Deutschland wehe der Wind nicht stark genug. Tatsächlich war der März 2025 ungewöhnlich windschwach. Trotzdem deckten erneuerbare Energien im Gesamtjahr knapp 56 Prozent des Stromverbrauchs. Windenergie allein kam auf rund 30 Prozent der Bruttostromerzeugung und lag erstmals vor der Kohle.
Verdient Trump zu wenig an Windkraft?
Die naheliegende Frage lautet: Warum diese Vehemenz? Verdient Trump zu wenig an Windkraft? Die Antwort ist klar: Er verdient gar nichts daran. Weder Trump selbst noch sein Unternehmensumfeld haben bekannte wirtschaftliche Verbindungen zur Windenergie. Für ihn erzeugt diese Technologie keinen politischen oder finanziellen Nutzen.
Ganz anders sieht es bei fossilen Energien aus. Trumps politische Netzwerke und Wahlkämpfe wurden maßgeblich von Akteuren aus der Öl- und Gasbranche unterstützt. Diese Branchen profitieren direkt von Deregulierung, Steuererleichterungen und dem Abbau von Umweltauflagen. Genau das hat Trump in seiner ersten Amtszeit vorangetrieben – und genau das kündigt er erneut an.
Schwache Lobby gegen starke Gegenspieler
Die Windbranche verfügt in den USA zwar über Interessenverbände. Ihre politische Schlagkraft reicht jedoch nicht an jene der fossilen Industrie heran. Öl- und Gasunternehmen sind seit Jahrzehnten tief in Kongress, Ministerien und Behörden verankert. Unter Trump müssen sie kaum Überzeugungsarbeit leisten. Die politische Linie ist ihnen ohnehin gewogen.
Windkraft dagegen stört das fossile Geschäftsmodell. Sie senkt Strompreise, verdrängt Kohle und Gas aus dem Markt und reduziert die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen. Trumps Rhetorik folgt diesem Konflikt. Wenn er Windräder als „Loser“ bezeichnet, delegitimiert er eine Technologie, die wirtschaftlich funktioniert – und politisch unbequem ist.
Persönliche Vorgeschichte
Hinzu kommt eine persönliche Note. Schon vor seiner Präsidentschaft bekämpfte Trump Windparks in der Nähe eigener Immobilien, etwa in Schottland. Dort argumentierte er mit Landschaftsschutz und Wertverlust. Das Muster ist bekannt: Windkraft wird nicht als Infrastruktur gesehen, sondern als Störfaktor.
Wer ist hier dumm?
Trumps Aussagen leben von Vereinfachung. Komplexe Energiesysteme reduziert er auf Schlagworte. Die Datenlage ist eindeutig: Windenergie ist günstig, skalierbar und weltweit auf dem Vormarsch.
Dumm ist nicht, wer Windräder baut oder kauft. Fragwürdig ist, wer belegbare Zahlen ignoriert – und politische Interessen als Fakten verkauft.














