Wechselschaltung anschließen: Licht von zwei Stellen schalten

Von Dominik Hochwarth

Wer kennt das nicht? Sie betreten das Haus durch die Haustür und schalten im dunklen Flur das Licht ein. Am anderen Ende des Ganges angekommen, müssten Sie theoretisch den ganzen Weg zurücklaufen, um die Lampe wieder auszuschalten. Oder Sie verbringen den Abend im Wohnzimmer, während im Flur unnötig Energie verbraucht wird. In modernen Wohnungen gehört die Lösung für dieses Problem zum Standard: die Wechselschaltung. Sie sorgt für Komfort und Sicherheit, indem sie die Steuerung einer Lichtquelle von zwei verschiedenen Orten ermöglicht.

Lichtschalter anschließen
Licht von zwei Stellen schalten: Erfahren Sie in unserem Ratgeber, wie Sie eine Wechselschaltung sicher planen, verkabeln und Fehler im Altbau vermeiden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Funktion: Eine Wechselschaltung steuert eine Lichtquelle von zwei verschiedenen Standorten aus.
  • Material: Nutzen Sie bevorzugt 5-adrige Kabel (NYM-J 5×1,5 mm²), um flexibel für spätere Erweiterungen zu bleiben.
  • Sicherheit: Vor Arbeitsbeginn immer die Sicherung ausschalten und die Spannungsfreiheit mit einem zweipoligen Messgerät prüfen.
  • Rechtliches: Elektroarbeiten dürfen laut Gesetz nur von Fachbetrieben final abgenommen werden.
  • Komplexität: Bei mehr als zwei Schaltstellen ist eine Kreuzschaltung oder ein Stromstoßrelais (Tasterschaltung) nötig.

Was ist eine Wechselschaltung – und wann braucht man sie?

Die Wechselschaltung ist der „Klassiker“ der Elektroinstallation. Sie ermöglicht es, eine oder mehrere Lampen von zwei verschiedenen Schaltern aus unabhängig voneinander ein- und auszuschalten.

Typische Einsatzorte:

  • Flure und Dielen: Licht an der Haustür an, im Wohnzimmer aus.
  • Treppenhäuser: Unten einschalten, oben ausschalten.
  • Schlafzimmer: Ein Schalter an der Tür, einer direkt am Bett.

Das Grundprinzip einfach erklärt

Um zu verstehen, wie die Wechselschaltung funktioniert, hilft ein Blick auf die Logik dahinter. Ein normaler Ausschalter unterbricht lediglich den Stromfluss oder stellt ihn wieder her. Er ist wie eine einfache Brücke, die man hochklappen kann. Ein Wechselschalter hingegen funktioniert wie eine Weiche bei der Eisenbahn. Er besitzt einen Eingang und zwei Ausgänge. Der Strom wird also nicht einfach gestoppt, sondern auf einen von zwei möglichen Wegen umgeleitet.

In einer Wechselschaltung arbeiten zwei dieser „Weichen“ zusammen. Sie sind über zwei Leitungen miteinander verbunden. Diese Leitungen nennen Elektriker Korrespondierende. Das System ist so aufgebaut, dass der Stromkreis nur dann geschlossen ist, wenn beide Schalter auf denselben Verbindungsweg eingestellt sind. Betätigt man einen der beiden Schalter, wechselt der Strom auf den anderen Pfad. Ist dort der zweite Schalter nicht „auf Empfang“ gestellt, geht das Licht aus. Dieses einfache, aber effektive System benötigt keine komplexe Elektronik oder Software. Es ist reine Mechanik und Elektrizität.

Wechselschaltung Grundprinzip

Welche Kabel benötigt werden

Bevor Sie mit der Installation beginnen, müssen Sie die passenden Kabel auswählen. Hier entscheiden Nuancen über die spätere Flexibilität Ihrer Anlage. Für die Zuleitung vom Sicherungskasten zur ersten Schalterdose verwenden Profis in der Regel ein NYM-J 3×1,5 mm² Kabel. Dieses enthält die Phase (L), den Neutralleiter (N) und den Schutzleiter (PE).

Für die Verbindung zwischen den beiden Schaltern empfiehlt sich jedoch ein Upgrade. Anstelle eines einfachen 3-adrigen Kabels sollten Sie zum NYM-J 5×1,5 mm² greifen. „Warum fünf Adern? Du brauchst zwei für die Schaltung selbst, hast aber dann noch Adern für den Neutralleiter und Dauerstrom übrig, falls du später eine Steckdose unter den Schalter setzen willst.“

Diese weitsichtige Planung spart Ihnen bei einer späteren Renovierung viel Dreck und Arbeit. Wenn Sie nur drei Adern verlegen, verbauen Sie sich die Chance, unter dem Lichtschalter jemals eine funktionierende Steckdose zu betreiben, da dort der notwendige Neutralleiter für den Rückstrom fehlen würde.

Hier alles noch einmal kurz und kompakt:

  • Zuleitung: NYM-J 3×1,5 mm² (Phase, Neutralleiter, Schutzleiter).
  • Verbindung zwischen den Schaltern: Hier greifst du am besten zum NYM-J 5×1,5 mm². Warum fünf Adern? Du brauchst zwei für die Schaltung selbst, hast aber dann noch Adern für den Neutralleiter und Dauerstrom übrig, falls du später eine Steckdose unter den Schalter setzen willst.
  • Lampenleitung: NYM-J 3×1,5 mm².

Schaltplan lesen lernen (ohne Fachchinesisch)

Schaltpläne wirken auf Laien oft wie Hieroglyphen. Dabei folgen sie einer logischen Symbolik. Der Außenleiter (L), oft als Phase bezeichnet, führt die Spannung. In modernen Installationen ist dieser Draht braun oder schwarz gefärbt. An den Schaltern selbst finden Sie oft eine Klemme, die mit einem „L“ oder einem „P“ markiert ist. Dies ist der Eingangskontakt, der häufig rot hervorgehoben wird.

Die Ausgänge für die Korrespondierenden sind meist mit Pfeilsymbolen gekennzeichnet. Der Neutralleiter (N) leuchtet blau. Seine Aufgabe ist es, den Strom von der Lampe zurückzuführen. Schließlich gibt es noch den Schutzleiter (PE), erkennbar an der grün-gelben Isolierung. Er ist Ihre Lebensversicherung, da er im Fehlerfall gefährliche Spannungen gegen Erde ableitet.

Hier alles noch einmal kurz und kompakt:

  • L (Außenleiter/Phase): Meist braun oder schwarz. Hier liegt der „Saft“ an.
  • P oder L am Schalter: Dies ist der Eingangskontakt (oft rot markiert).
  • Pfeil-Symbole (): Dies sind die Ausgänge für die Korrespondierenden.
  • N (Neutralleiter): Blau. Er führt den Strom von der Lampe zurück.
  • PE (Schutzleiter): Grün-gelb. Die Erdung für deine Sicherheit.
Schaltplan Wechselschaltung

Sicherheit geht vor: Die fünf Regeln

Bevor Sie einen Schraubendreher in die Hand nehmen, steht die Sicherheit an erster Stelle. Stromunfälle können tödlich enden. Deshalb sind die fünf Sicherheitsregeln der Elektrotechnik kein Vorschlag, sondern Pflicht. Zuerst müssen Sie freischalten. Das bedeutet: Sicherung raus. Sichern Sie den Leitungsschutzschalter danach gegen Wiedereinschalten, zum Beispiel mit einem Klebestreifen über dem Schalter.

Der wichtigste Schritt folgt nun: Stellen Sie die Spannungsfreiheit fest. Verlassen Sie sich dabei niemals auf einen einfachen „Lügenstift“ (Phasenprüfer in Schraubendreherform). Verwenden Sie einen zweipoligen Spannungsprüfer, wie einen Duspol. Nur dieses Gerät liefert ein zuverlässiges Ergebnis. Die weiteren Regeln – Erden und Kurzschließen sowie benachbarte Teile abdecken – sind bei einer Standardinstallation im Haushalt mit 230 Volt oft weniger relevant, sollten aber dennoch im Hinterkopf bleiben. Denken Sie immer daran: „Spannungsfreiheit feststellen!“ ist der entscheidende Moment vor dem ersten Kontakt mit den Drähten.

Hier alles noch einmal kurz und kompakt:

  1. Freischalten (Sicherung raus).
  2. Gegen Wiedereinschalten sichern.
  3. Spannungsfreiheit feststellen.
  4. Erden und Kurzschließen (bei Niederspannung meist vernachlässigbar, aber Standard).
  5. Benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken.

Wechselschaltung richtig anschließen: Schritt für Schritt

Wenn die Vorbereitungen abgeschlossen sind, beginnt die eigentliche Verkabelung.

Erster Schritt: Schalter 1 anschließen. Die ankommende Phase (der braune Draht der Zuleitung) wird an die Klemme L oder P des ersten Schalters angeschlossen. Nun nehmen Sie das Verbindungskabel, das zum zweiten Schalter führt. Zwei der Adern (beispielsweise die schwarze und die graue) werden an die beiden Pfeil-Klemmen des Schalters geklemmt. Dies sind Ihre Korrespondierenden.

Zweiter Schritt: Schalter 2 verkabeln. Am Zielort angekommen, werden die beiden Korrespondierenden (schwarz und grau) ebenfalls an die Pfeil-Klemmen des zweiten Schalters angeschlossen. An die verbleibende L-Klemme dieses Schalters kommt nun der braune Draht, der direkt zur Lampe führt. In der Fachsprache nennt man diesen Draht die „geschaltete Phase“.

Dritter Schritt: Die Durchgangsleitungen. Ein häufiger Fehler ist der Versuch, den blauen Neutralleiter oder den grün-gelben Schutzleiter am Schalter selbst anzuschließen. Das ist falsch. Diese Adern werden in den Schalterdosen mit Wago-Klemmen direkt miteinander verbunden. Man schleift sie gewissermaßen durch, bis sie schließlich an der Lampenfassung ankommen. „Neutral- und Schutzleiter: Diese werden in den Schalterdosen nicht am Schalter angeschlossen, sondern mit Wago-Klemmen direkt miteinander verbunden…“

Wechselschaltung richtig anschließen

Stolperfallen im Altbau

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Sie in einem Gebäude arbeiten, das vor den 1970er Jahren errichtet wurde. Hier herrscht oft ein regelrechtes Farben-Chaos. In alten Leitungen kann die Phase schwarz sein, während der Neutralleiter grau und der Schutzleiter rot erscheint. Eine fatale Verwechslungsgefahr. Deshalb gilt hier das eiserne Gesetz: „Messe immer nach! Verlasse dich niemals blind auf die Farben.“

Ein weiteres Relikt vergangener Tage ist die sogenannte Sparwechselschaltung. Hier wurde früher eine Ader gespart, um trotz Wechselschaltung eine Steckdose unter dem Schalter betreiben zu können. Diese Schaltung ist heute oft problematisch, da sie für moderne Erweiterungen oder den Einsatz von Dimmern ungeeignet sein kann. Noch gefährlicher ist die klassische Nullung, bei der kein separater Schutzleiter vorhanden ist. Sollten Sie auf eine solche Installation stoßen, ist das Heimwerker-Projekt hier beendet. „Hier sollte immer ein Profi ran“, da Lebensgefahr besteht.

Hier alles noch einmal kurz und kompakt:

  • Farben-Chaos: In alten Leitungen kann die Phase schwarz, der Neutralleiter grau und der Schutzleiter rot sein. Messe immer nach! Verlasse dich niemals blind auf die Farben.
  • Sparwechselschaltung: Hier wurde früher eine Ader gespart, um unter dem Schalter eine Steckdose zu ermöglichen. Diese Schaltung ist heute oft problematisch, wenn man sie erweitern will.
  • Klassische Nullung: Wenn kein separater Schutzleiter (grün-gelb) vorhanden ist, herrscht Lebensgefahr bei falschem Anschluss. Hier sollte immer ein Profi ran.

Wenn mehr als zwei Schalter nötig sind: Kreuzschaltung

Manchmal reicht eine Steuerung von zwei Stellen nicht aus. Denken Sie an einen langen Flur mit vielen Zimmertüren oder ein Treppenhaus über drei Etagen. Hier stößt die Wechselschaltung an ihre Grenzen. Die Lösung ist die Kreuzschaltung. Dabei wird zwischen die beiden Wechselschalter ein Kreuzschalter gesetzt. Dieser besitzt vier Anschlüsse und vertauscht im Grunde nur die beiden Korrespondierenden miteinander.

Allerdings wird die Verkabelung bei drei, vier oder fünf Schaltstellen schnell unübersichtlich und die Dosen werden extrem voll. In solchen Fällen greifen Profis heute eher zu einem Stromstoßrelais, oft auch „Eltako“ genannt. Dieses Bauteil sitzt im Sicherungskasten. An den Wänden werden dann keine Schalter, sondern Taster verbaut. Ein kurzer Impuls genügt, und das Relais schaltet den Strom für die Lampe an oder aus. Das ist oft einfacher zu installieren und weniger fehleranfällig.

Kreuzschaltung

Erweiterungen: Dimmer und Bewegungsmelder

Die klassische Wechselschaltung lässt sich flexibel erweitern. Wer es gemütlicher mag, kann einen der Wechselschalter durch einen Dimmer ersetzen. Dabei ist wichtig, dass das Gerät als „wechselschaltungsfähig“ oder als „Universal-Dimmer“ gekennzeichnet ist. Ein Standard-Dimmer ohne Wechseleingang würde das System lahmlegen.

Auch Bewegungsmelder lassen sich integrieren. Oft wird ein Schalter durch einen 3-Draht-Bewegungsmelder ersetzt. Das Licht geht dann automatisch an, wenn Sie den Raum betreten. Der Clou: „So geht das Licht automatisch an, kann aber am anderen Schalter noch manuell übersteuert werden.“ Das ist besonders in Durchgangszimmern oder Kellertreppen praktisch, wo man oft keine Hand frei hat.

Profi-Tipp für enge Dosen

In tiefen Unterputzdosen wird es oft eng. Nutze für die Wechselschaltung die Wago-Verbindungsklemmen der Serie 221. Diese sind deutlich kompakter als die alten grauen Klemmen und lassen sich dank der Hebel auch bei starren Drähten in engen Nischen gut handhaben.

Rechtlicher Rahmen und Fachabnahme

Auch wenn das Internet voller Anleitungen ist, darf man die rechtliche Komponente in Deutschland nicht ignorieren. Strom ist ein gefährliches Gut. Gemäß § 13 der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) dürfen Arbeiten an der elektrischen Anlage grundsätzlich nur durch ein im Installateurverzeichnis eingetragenes Elektroinstallationsunternehmen ausgeführt werden.

Für Sie als engagierten Heimwerker bedeutet das: Sie können die Schlitze klopfen, Kabel ziehen und Dosen setzen. Auch die grundlegende Verkabelung ist als Vorbereitung oft möglich. Die finale Prüfung, der Anschluss an das Stromnetz und die Abnahme sollten jedoch immer durch einen Fachbetrieb erfolgen. Nur so sind Sie im Falle eines Brandes oder Schadens gegenüber Ihrer Versicherung auf der sicheren Seite. Ein Protokoll über die durchgeführten Messungen ist dabei Ihr wichtigstes Dokument.

FAQ: Häufige Fragen zur Wechselschaltung

Kann ich eine Wechselschaltung mit Funkmodulen nachrüsten? Ja, das ist möglich. Wenn das Ziehen neuer Kabel zu aufwendig ist, können Sie smarte Unterputzmodule verwenden. Diese benötigen jedoch meist einen Neutralleiter in der Schalterdose.

Warum leuchtet meine LED-Lampe in der Wechselschaltung schwach weiter, obwohl sie ausgeschaltet ist? Das liegt oft an der sogenannten Kapazitiven Kopplung. Die eng beieinander liegenden Korrespondierenden wirken wie ein Kondensator und übertragen eine minimale Spannung. Ein Grundlastmodul kann hier Abhilfe schaffen.

Darf ich verschiedene Kabelfarben für die Korrespondierenden nehmen? Innerhalb eines Kabels sind die Farben meist vorgegeben (z. B. schwarz und grau). Wichtig ist, dass Sie nicht den blau isolierten Draht als korrespondierende Phase verwenden, wenn dieser als Neutralleiter benötigt wird.

Was ist der Unterschied zwischen Wechselschalter und Ausschalter? Ein Ausschalter hat nur zwei Kontakte (Ein/Aus). Ein Wechselschalter hat drei Kontakte und leitet den Strom zwischen zwei Ausgängen hin und her. Die meisten heute verkauften Schalter sind ohnehin Wechselschalter, da man sie auch als einfache Ausschalter nutzen kann.

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