Heizkurve einstellen und Heizkosten optimieren

Von Dominik Hochwarth

Die Heizkurve gibt modernen Heizungsanlagen vor, mit welcher Vorlauftemperatur die Heizkörper abhängig von der Außentemperatur beschickt werden. Vereinfacht gesagt – wie warm das Heizwasser sein muss, damit im Raum immer die gewünschte Wohlfühltemperatur herrscht. Eine schlecht eingestellte Heizkennlinie kann zu unnötigen Wärmeverlusten und somit erhöhten Heizkosten führen. Hier erfahren Sie, wie Sie das verhindern.

Heizkurve einstellen
Eine falsch eingestellte Heizkurve geht direkt ans Portemonnaie

Das erwartet Sie in diesem Beitrag

Das ist die Heizkennlinie

Früher wurden die Heizkörper unabhängig von den Witterungsverhältnissen mit immer der gleichen Vorlauftemperatur beschickt. Tag und Nacht. Einstellmöglichkeiten gab es nur über das Thermostat. Moderne Heizungsanlagen (Bei Neuanlagen nach EnEV vorgeschrieben) sind intelligenter und orientieren sich an der Außentemperatur.

Grob gesagt, je niedriger die Außentemperatur, desto höher die benötigte Vorlauftemperatur. Trägt man die Zahlen in ein Diagramm ein, ergibt sich die Heizkurve. Die ist nicht geradlinig, sondern leicht gekrümmt. Das liegt daran, dass die Wärmeabgabe der Heizflächen bei unterschiedlichen Temperaturen nicht linear verläuft.

Die Heizkennlinie hängt von verschiedenen Faktoren wie Effizienz der Gebäudehülle, Art der Heizflächen, Wunschtemperatur oder Leistungsbedarf des Heizkessels ab. Es gibt daher keine allgemeingültige Lösung für die ideale Heizkurve.

Die Kurve muss für jedes Gebäude individuell ermittelt werden. In der Regel durch Ausprobieren. Klar gibt es Erfahrungswerte, doch selbst ein routinierter Installateur braucht eventuell mehrere Versuche, ehe er die ideale Einstellung gefunden hat.

Warum ist die Heizkurve so wichtig?

Ich habe bereits angedeutet, dass eine schlecht eingestellte Heizkennlinie einige unliebsame Folgen nach sich ziehen kann. Hier die wichtigsten im Überblick:

  • Überhitzte Räume
  • Zu hohe Heizkosten
  • Zu kalte Räume
  • Feuchtigkeitsschäden

Überhitzte Räume braucht keiner, sie schaden nicht nur der Gesundheit, sondern gehen außerdem direkt an Ihr Portemonnaie. Durch eine Anpassung der Heizkurve lassen sich die Heizkosten merklich senken.

Auf der anderen Seite können die Räume aber auch durchweg zu kalt sein. Das mindert nicht nur Ihr Wohlbefinden, sondern führt außerdem schneller zu Schimmelbildung. An kalten Wänden setzt sich mehr Feuchtigkeit ab.

Die Kurve richtig deuten

heizkurve
Verschiedene Heizkurven oder Heizkennlinien

Sie können die Heizkurve über einen Regler an Ihrer Heizungsanlage selbst beeinflussen. Es bringt aber nichts, wenn Sie nicht wissen, was Sie tun. Daher müssen wir uns die Heizkennlinien einmal etwas genauer anschauen:

Im Diagramm sind verschiedene Kurven – also Heizkennlinien – eingezeichnet.  Mal sind sie steiler, mal sind sie flacher. Auf der X-Achse finden Sie die Außentemperaturen in Grad Celsius, auf der y-Achse die Vorlauftemperaturen ebenfalls in Grad Celsius.

Es gibt keinen Nullpunkt, im Normalfall wird davon ausgegangen, dass ab Außentemperaturen von 20 Grad Celsius keine Heizung notwendig ist. Die Vorlauftemperatur steht dann ebenfalls bei 20 Grad Celsius, was bedeutet, dass der Heizkessel nicht in Betrieb ist.

Nehmen wir eine Außentemperatur von -5 Grad Celsius an und die Heizkennlinie 1.2 an, dann ergibt sich eine Vorlauftemperatur des Heizsystems von rund 56 Grad Celsius.

Hier noch ein paar typische Neigungen der Heizkennlinie:

  • Gut wärmegedämmtes Haus mit Radiatoren: 1,0 – 1,2
  • Gut wärmegedämmtes Haus mit Fußbodenheizung: 0,3 – 0,5
  • Älteres Gebäude (Radiatoren) in freier Lage: 1,4 – 1,6

Eine Neigung von 1.5 sagt aus, dass bei einer Veränderung der Außentemperatur von einem Kelvin die Vorlauftemperatur um 1,5 Kelvin steigt.  Bei einer Neigung 3.0 steigt die Vorlauftemperatur bereits um den doppelten wert. Mit jedem Kelvin weniger, steigt die Vorlauftemperatur um drei Grad Kelvin (Beachte: ein Kelvin entspricht einem Grad Celsius).

Fußbodenheizungen werden generell mit flachen Neigungen gefahren um die Vorlauftemperaturen niedrig zu halten. Zu hohe Temperaturen schaden Estrich und Bodenbelag.

Haben Sie in Ihrer Wohnung sowohl normale Heizkörper als auch eine Fußbodenheizung, müssen Sie zwei separate Heizkurven einstellen.

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Verschiedene Stellschrauben

Auf der Suche nach der richtigen Heizkurve gibt es in der Regel zwei Stellschrauben, an denen sich drehen lässt:

  • Sie können die Neigung (Steilheit) der Kurve ändern
  • Sie können das Niveau der Kurve ändern

Einflussfaktor 1: Neigung der Kurve

Eine steile Kurve ist charakteristisch für ungedämmte Altbauten. Es ist relativ schnell eine hohe Vorlauftemperatur notwendig, wenn es draußen etwas kälter wird. Hohe Vorlauftemperatur ist gleichbedeutend mit hohem Energiebedarf und saftigen Heizkosten.

Je flacher eine Kurve, desto weniger müssen Sie heizen. Solch eine Energiekennlinie ist sicherlich erstrebenswert, sollte aber nicht auf Kosten des Wohlfühlfaktors gehen. Zumal eine kalte Wohnung des Schimmelrisiko steigen lässt.

Haben Sie Ihr Haus neu gedämmt, müssen Sie sicherlich danach eine flachere Heizkurve einstellen. Ansonsten droht Ihnen eine ständige Überhitzung des Gebäudes. Außerdem ist es Sinn einer Dämmung, danach weniger Heizkosten zu verursachen.

Einflussfaktor 2: Niveau der Kurve

In diesem Fall findet eine Parallelverschiebung der Heizkurve statt. Der Fußpunkt wird neu definiert. Durch die Verschiebung der Kurve nach oben oder unten lässt sich die Wärmeabgabe des Heizkessels gleichmäßig erhöhen oder senken.

Wenn es Ihnen immer zu kalt oder immer zu warm ist, sollten Sie an dieser Stellschraube drehen. Bedenken Sie: Heben Sie das Niveau an, steigen die Heizkosten. Durch eine Niveauabsenkung lassen sich die Kosten hingegen senken.

Nachtabsenkung

Bei der Nachtabsenkung wird die Heizkurve für eine bestimmte Zeit parallel nach unten verschoben – zum Beispiel zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens. Wenn Sie in Urlaub gehen, können Sie die Kurve auch für zwei, drei Wochen runterfahren. Allerdings nicht zu sehr, damit die Räume nicht zu stark abkühlen.

Es gibt allerdings keine typischen Werte, da die Häuser unterschiedlich gedämmt sind und somit unterschiedlich stark auskühlen. Außerdem ist die Differenz zwischen Tag- und Nachttemperaturen örtlich unterschiedlich. Im Gebirge gibt es zum Beispiel größere, in Städten kleinere Temperaturschwankungen.

Die optimale Einstellung finden

Sie wissen jetzt, was Sie alles mit der Heizkurve beeinflussen, nun möchte ich Ihnen abschließend noch verraten, an welchen Rädchen Sie bei welchen Problemen drehen müssen:

  • Die Raumtemperatur ist immer zu niedrig
    Erhöhen Sie das Niveau, indem Sie die Heizkennlinie senkrecht nach oben verschieben
  • Die Raumtemperatur ist immer zu hoch
    Verringern Sie das Niveau, indem sie die Heizkurve senkrecht nach unten verschieben
  • Die Temperatur ist nur an kalten Tagen zu niedrig
    Erhöhen Sie die Steilheit der Heizkennlinie
  • Die Temperatur ist in die Übergangszeit zu niedrig
    Erhöhen Sie das Niveau und senken Sie gleichzeitig die Neigung der Kurve
  • Die Temperatur ist in der Übergangszeit zu hoch
    Senken Sie das Niveau und erhöhen Sie gleichzeitig die Neigung der Kurve

Auf das sollten Sie beim Einstellen achten

Der optimale Zeitpunkt, um die Neigung der Heizkurve einzustellen, liegt bei Außentemperaturen von unter null Grad Celsius. Um das Niveau der Heizungskennlinie zu optimieren, sollten die Außentemperaturen über fünf Grad Celsius liegen.

Stellen Sie die Heizkörperventile auf die gewünschte Raumtemperatur und beobachten Sie für mehrere Tage, ob die gewünschte Temperatur gerade noch erreicht wird. Gegebenenfalls müssen Sie Steilheit und Niveau solange ändern, bis alles passt.

Generell sollten Sie bei einer Niveauerhöhung stets auch die Neigung der Kurve verringern, da sich die Vorlauftemperatur am Ende der Kurve ändert.

Wie sie sehen, ist es nicht ganz so einfach, die Heizkurve richtig einzustellen. Daher ist es in der Regel besser, wenn Ihnen der Heizungsfachmann hilfreich zur Seite steht.

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