Fliesen überkleben, streichen oder überspachteln – was passt zu mir?

Von Dominik Hochwarth

Viele kennen das: Man betritt ein Badezimmer oder eine Küche aus den 70ern, und die braunen oder grünlichen Kacheln springen einem direkt ins Auge. Technisch oft völlig in Ordnung, optisch aber schwer zu ertragen. Wer hier einziehen möchte, braucht Nerven – oder gute Ideen zur Renovierung. Doch nicht immer ist es sinnvoll, die Fliesen komplett herauszureißen. Das kostet Zeit, macht Dreck und geht ins Geld. Wer zur Miete wohnt, kann auch nicht einfach Hand anlegen. Zum Glück gibt es Alternativen: überkleben, überspachteln oder beschichten.

Fliesen lackieren
Hässliche Fliesen einfach zu überstreichen, ist nur eine Möglichkeit

Das erwartet Sie in diesem Beitrag

Welche Möglichkeiten gibt es?

Grundsätzlich haben Sie vier Wege:

  1. Alte Fliesen herausreißen und neu verlegen – aufwendig, teuer und laut.
  2. Neue Fliesen über die alten kleben – praktisch, aber dauerhaft.
  3. Alte Fliesen überspachteln oder verputzen – glatte Wände, aber nicht rückgängig zu machen.
  4. Alte Fliesen beschichten oder mit Folien bekleben – schneller und günstiger, teilweise wieder entfernbar.

Gerade die letzten beiden Varianten – überkleben oder überspachteln – sind interessant für alle, die schnell eine neue Optik wollen, ohne den Vorschlaghammer zu schwingen.

Fliesen lackieren – der schnelle Anstrich

Eine beliebte Methode ist das Lackieren. Besonders an Wänden funktioniert das gut. Die Industrie bietet spezielle Fliesenlacke an, oft in zwei Komponenten, die robust und wasserfest sind.

So gehen Sie vor:

  • Zuerst reinigen Sie die Fliesen gründlich. Fett, Kalk und Silikonfugen müssen weg.
  • Kleine Risse bessern Sie mit Fugenmasse aus.
  • Dann tragen Sie eine Grundierung auf. Sie sorgt dafür, dass der Lack hält.
  • Der Lack selbst wird mit einer Schaumstoffrolle aufgetragen. Arbeiten Sie am besten abschnittsweise, immer von Fuge zu Fuge.
  • Zwei Anstriche sind Pflicht, sonst schimmern die alten Fliesen durch.
  • Zum Schluss kommt eine Versiegelung, die den Anstrich schützt.

Kosten:
Ein Fliesenlack-Set kostet je nach Qualität zwischen 50 und 100 € für etwa 7–10 m² Wandfläche. Rechnen Sie zusätzlich Abdeckfolie, Malerrollen und Abklebeband dazu.

Fazit: Lackieren ist eine gute Lösung, wenn Sie eine günstige, schnelle und dauerhafte Veränderung wollen. Rückgängig machen lässt sich das allerdings nicht.ebenfalls vor herabtropfendem Fliesenlack geschützt werden. So vorbereitet, kann es endlich losgehen.

fliesen streichen
Von Beige zu Weiß: So bekommen hässliche Fliesen einen neuen Lool

Fliesen überspachteln und verputzen – der radikale Weg

Wenn Sie die Fliesen nicht mehr sehen können und eine komplett glatte Wand möchten, dann ist Spachteln oder Verputzen die richtige Wahl.

Die Arbeitsschritte:

  • Fliesen reinigen und entfetten.
  • Fugen und Löcher zuspachteln, damit das Fugenbild später nicht durchscheint.
  • Haftgrund auftragen – sonst hält der Putz nicht auf der glatten Oberfläche.
  • Dünn Putz auftragen und glattziehen.
  • Nach dem Trocknen können Sie streichen oder Dekorputz auftragen.

Kosten:

  • Haftgrund: ca. 20–30 € pro Eimer
  • Spachtelmasse: ca. 10–20 € pro Sack
  • Roll- oder Dekorputz: ca. 30–60 € je nach Menge und Qualität

Für ein Badezimmer mit 15 m² Wandfläche liegen Sie bei Materialkosten zwischen 150 und 300 €.

Fazit: Diese Lösung ist endgültig. Für Mieter*innen ungeeignet, denn beim Auszug müssen Sie die ursprünglichen Fliesen eigentlich wiederherstellen.

Flüssigkunststoff und Epoxidharz – die Beschichtung fürs Leben

Wer Fliesen mit einem dauerhaften, einheitlichen Look versehen möchte, greift zu Flüssigkunststoff oder Epoxidharz.

Die Vorteile:

  • Sehr strapazierfähig, abriebfest und lichtecht.
  • Auch dunkle Fliesen lassen sich hell überstreichen.
  • Viele Farben erhältlich.

Der Nachteil: Die alte Optik ist endgültig verschwunden. Sie können die Fliesen danach nicht mehr „zurückholen“.

Kosten:
Ein Liter Epoxidharz-Fliesenfarbe kostet etwa 30–50 €. Für 10 m² Wandfläche brauchen Sie zwei bis drei Liter. Mit Grundierung und Zubehör landen Sie bei ca. 150–250 €.

fliesen spachteln
Wenn Sie die Fugen der Fliesen zuspachten, bekommen Sie eine glatte Oberfläche

Fliesensticker – der Trick für Mieter

Eine einfache und reversible Lösung sind Fliesensticker. Sie kleben nicht direkt, sondern werden mit etwas Seifenwasser fixiert. Danach streichen Sie das Wasser mit einem Rakel oder Tapetenroller aus.

Die Auswahl ist riesig: Von schlichten einfarbigen Stickern bis hin zu Mustern, die wie Bordüren wirken.

Kosten:
Ein Sticker in 15 × 15 cm kostet ab 50 Cent. Für ein kleines Bad mit 200 Fliesen zahlen Sie also rund 100–150 €.

Tipp: Kaufen Sie immer ein paar mehr, falls einer beschädigt wird oder Sie später Ersatz brauchen.

Fliesenfolien Fliesensticker
In der Küche unserer Mietwohnung hatten wir viele Jahre Fliesensticker an der Wand

Hart-PVC-Folie – für große Flächen

Wer die Fugen verschwinden lassen möchte, kann statt einzelner Sticker auch eine Hart-PVC-Folie anbringen. Das funktioniert besonders gut als Küchenrückwand.

Die Folie wird zugeschnitten und in einem Stück auf die Fliesen geklebt. Der Vorteil: ein völlig glatter Look ohne Fugen. Der Nachteil: Das Anbringen ist kniffliger als bei Stickern.

Kosten:
Hart-PVC-Platten gibt es ab etwa 40 € pro Quadratmeter. Für einen Fliesenspiegel in der Küche mit 3 m² liegen Sie also bei rund 120 €.

Sockelleiste Küchenrückwand
Auf die Fliesensticker folgte eine Hart-PVC-Folie

Welche Methode passt zu wem?

Für Mieter – flexibel bleiben

Wenn Sie zur Miete wohnen, brauchen Sie eine Lösung, die sich beim Auszug wieder entfernen lässt. Sonst riskieren Sie Ärger mit der Hausverwaltung oder hohe Rückbaukosten.

  • Fliesensticker: Ideal, weil sie leicht anzubringen und wieder abziehbar sind. Perfekt, um ein Bad oder eine Küche für die Mietzeit aufzuhübschen.
  • Hart-PVC-Folie: Ebenfalls geeignet, solange sie nur punktuell verklebt wird (z. B. Küchenrückwand). Beim Ablösen kann es aber etwas mühsamer sein als bei Stickern.
    👉 Kosten: Sticker sind günstig (100–150 € für ein kleines Bad), PVC-Folie liegt je nach Fläche höher (ab ca. 120 € für einen Fliesenspiegel).

Für Eigentümer – dauerhaft renovieren

Wer ein Eigenheim hat, darf sich an dauerhaften Lösungen wagen. Hier zählt weniger die Rückbaubarkeit, sondern Haltbarkeit und Optik.

  • Fliesenlack: Gut für Wände, die technisch in Ordnung sind. Mit 100–200 € schaffen Sie eine frische Optik. Rückbau ist allerdings nicht möglich.
  • Epoxidharz oder Flüssigkunststoff: Sehr robust, abriebfest und farbintensiv. Sie eignen sich besonders in stark beanspruchten Räumen. Kosten liegen zwischen 150 und 250 € für 10 m².
  • Putz/Spachtel: Wer Fliesen endgültig verschwinden lassen möchte, spachtelt oder verputzt. Danach haben Sie eine ganz normale Wand, die sich beliebig weitergestalten lässt. Preislich ab 150 €, je nach Fläche und Material.

Für Menschen mit wenig Zeit – schnelle Lösungen

Manchmal geht es weniger um Dauerhaftigkeit, sondern um Tempo. Vielleicht steht eine Wohnungsbesichtigung an oder Sie erwarten Besuch und möchten das Bad schnell verschönern.

  • Sticker: In wenigen Stunden angebracht, sofort sichtbarer Effekt.
  • Lack: Ebenfalls zügig machbar, allerdings mit Trocknungszeiten von ein bis zwei Tagen.

👉 Beide Varianten sind alltagstauglich und deutlich schneller als Putz oder Harz.

Für alle, die eine komplette Verwandlung wollen

Wenn Sie die Fliesen nicht nur „aufhübschen“, sondern radikal loswerden möchten, dann führt kaum ein Weg an Spachtel oder Harz vorbei.

  • Putz: Die Fliesen sind danach verschwunden. Die Wand sieht aus wie neu gebaut. Ideal, wenn Sie ohnehin renovieren.
  • Flüssigkunststoff/Epoxidharz: Verwandelt Fliesen und Fugen in eine durchgehende Fläche. Besonders geeignet für alle, die eine moderne Optik wollen und nicht ständig neu gestalten möchten.

👉 Beide Varianten sind dauerhaft und verändern den Charakter des Raums komplett.

Kleine Entscheidungshilfe

Sie wollen den großen Effekt, ohne Staub und Schutt? → Flüssigkunststoff.

Sie wohnen zur Miete, wollen aber nicht in hässliche Fliesen schauen? → Sticker oder Folien.

Sie besitzen Ihr Zuhause und möchten langfristig Ruhe haben? → Lack oder Epoxidharz.

Sie möchten die Fliesen komplett loswerden? → Putz.

Sie haben wenig Zeit oder ein kleines Budget? → Sticker.

Über den Autor

7 Gedanken zu „Fliesen überkleben, streichen oder überspachteln – was passt zu mir?“

  1. habe ähnliche blaue Fliesen im Bad gehabt. Erfolgreich weiß Hochglanz gelackt, aber mittlerweile frage ich mich wie alt diese blauen Fliesen wohl sind…ich schätze aus den 70er.

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  2. Hallo,
    ich habe meine alten Wandfliesen mit selbstklebenden Vinyl von Fliesoquick überklebt und bin total begeistert!!!
    das ging so einfach und sieht total toll aus, kann ich nur empfehlen.

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    • Kommt darauf an, ob die alten Bodenfliesen später noch einmal genutzt werden sollen (zum Beispiel in einer Mietwohnung) oder nicht. So lassen sich die alten Fliesen zum Beispiel überfliesen, auch Teppich, PVC, Laminat oder Parkett lassen sich darauf verlegen. Allerdings wird der Bodenaufbau bei allen diesen Methoden höher, so dass eventuell die Türen gekürzt werden müssen. Das kann in Mietwohnungen ebenfalls zum Problem werden.

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  3. Unsere Fliesen sind wirklich nicht mehr schön. Die Badsanierung soll aber erst im nächsten Jahr geschehen und deshalb finde ich die vorgeschlagenen kostengünstigen Übergangslösungen wirklich interessant. Ich wusste gar nicht, dass man Fliesen einfach überkleben kann.

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    • Hallo Nadja,

      aus Ihrer Frage geht leider nicht hervor, was Sie genau machen wollen. Ob es sich um Wand- oder Bodenfliesen handelt. Ob die Fliesen lackiert werden sollen oder ob Sie Fliesenfolie drüberkleben wollen.

      Viel Grüße
      Dominik Hochwarth

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