Wer ein Haus baut oder die eigene Wohnung renoviert, steht unweigerlich vor einem vollen Baumarktregal. Die Auswahl an Maschinen ist riesig, die Preise reichen von zweistelligen Beträgen bis hin zu Investitionen im vierstelligen Bereich. Hier stellt sich eine zentrale Frage, die über das Budget der gesamten Sanierung entscheiden kann. Soll ich das Werkzeug kaufen oder leihen?
Wir untersuchen in diesem Beitrag, ab wann sich der Besitz eines Geräts rechnet und in welchen Fällen der Gang zum Mietstation die klügere Wahl darstellt. Dabei spielen nicht nur die reinen Anschaffungskosten eine Rolle, sondern auch Faktoren wie Wartung, Lagerung und der potenzielle Wiederverkaufswert.

Das Wichtigste in Kürze
- Amortisation: Die Faustformel lautet: Nutzungstage = Kaufpreis/Mietpreis pro Tag.
- Klassifizierung: Kleingeräte und Allrounder lohnen sich meist als Kauf. Große Spezialmaschinen sollten Sie eher mieten.
- Zusatzkosten: Berücksichtigen Sie beim Verleih stets die Kosten für Transport und Verbrauchsmaterialien.
- Wiederverkauf: Hochwertige Markengeräte behalten 60 % bis 70 % ihres Wertes, was die effektiven Kosten beim Kauf senkt.
- Zeitfaktor: Ein eigenes Gerät bietet Flexibilität und nimmt den Zeitdruck aus dem Bauprojekt.
Das erwartet Sie in diesem Beitrag
- Die Faustformel zur Berechnung
- Szenario 1: Der Allrounder (Akkuschrauber)
- Szenario 2: Das Spezialgerät (Parkettschleifmaschine)
- Szenario 3: Das Gelegenheitsgerät (Kappsäge)
- Szenario 4: Der Bohrhammer (SDS-Plus)
- Szenario 5: Die Benzin- oder Akku-Heckenschere
- Übersicht: Kaufen vs. Leihen
- Versteckte Kosten nicht vergessen
- Die „Geheimoption“: Gebrauchtkauf & Wiederverkauf
- Wohnzimmer-Renovierung (7 Tage)
- FAQ: Häufige Fragen zum Werkzeugkauf
Die Faustformel zur Berechnung
Bevor Sie zur Kasse gehen oder einen Mietvertrag unterschreiben, sollten Sie zum Taschenrechner greifen. Es existiert eine einfache Formel, mit der Sie den Amortisationspunkt bestimmen. Dieser Punkt markiert den Tag, an dem die Mietkosten die Anschaffungskosten übersteigen würden. Die Rechnung ist simpel: Sie teilen den Kaufpreis durch den Mietpreis pro Tag. Das Ergebnis verrät Ihnen die Anzahl der Nutzungstage, ab denen der Kauf wirtschaftlich wird.
Liegt die voraussichtliche Nutzung über diesem errechneten Wert, stellt der Kauf die bessere Wahl dar. In der Praxis müssen Sie diese Rechnung jedoch um weitere Faktoren ergänzen. Ein gemietetes Gerät ist oft ein Profi-Modell, während das gekaufte Gerät für das gleiche Geld eventuell nur der Mittelklasse angehört. Zudem fallen bei Mietgeräten oft Wegekosten und Zeitaufwand für die Abholung an. Diese Details verschieben die Grenze der Wirtschaftlichkeit häufig zugunsten des Kaufs, sofern der Lagerplatz vorhanden ist.
Szenario 1: Der Allrounder (Akkuschrauber)
Ein hochwertiger Akkuschrauber gehört zur Grundausstattung.
- Kaufpreis (Profi-Set): ca. 220 €
- Mietpreis: ca. 15 € / Tag
- Rechnung: 220 / 15 = 14,6
Fazit: Wenn Sie den Schrauber an mehr als 15 Tagen in seinem Leben benutzen (was bei Umzügen, Möbelaufbau und Wandregalen schnell passiert), ist der Kauf die bessere Wahl. Zudem ist dies ein Werkzeug, das man „griffbereit“ haben möchte.
Szenario 2: Das Spezialgerät (Parkettschleifmaschine)
Diese Maschinen sind teuer, sperrig und wartungsintensiv.
- Kaufpreis (Profi-Gerät): ca. 2.500 €
- Mietpreis: ca. 45 € / Tag
- Rechnung: 2.500 / 45 = 55,5
Fazit: Sie müssten das Gerät an 56 Tagen nutzen. Da man Parkett im Schnitt alle 10–15 Jahre schleift, lohnt sich der Kauf für Privatpersonen fast nie. Hier ist Leihen die wirtschaftlichste Lösung.
Szenario 3: Das Gelegenheitsgerät (Kappsäge)
Oft für ein spezielles Projekt (z. B. Terrasse bauen oder Laminat verlegen) benötigt.
- Kaufpreis (Mittelklasse): ca. 250 €
- Mietpreis: ca. 25 € / Tag
- Rechnung: 250 / 25 = 10
Entscheidungshilfe:
- Haben Sie einen Garten oder ein Haus, wo öfter Holzarbeiten anfallen? Kaufen.
Wohnen Sie in einer Mietwohnung und verlegen nur einmalig Boden? Leihen.
Szenario 4: Der Bohrhammer (SDS-Plus)
Ein Bohrhammer wird oft unterschätzt. Ein normaler Akkuschrauber versagt bei Betonwänden; hier braucht man Schlagkraft.
| Posten | Kauf (Markengerät) | Leihen (Baumarkt) |
| Anschaffung / Miete | ca. 180 € (z. B. Bosch Blau / Makita) | ca. 20 € pro Tag |
| Zubehör | Set oft enthalten (~30 € extra) | Bohrer-Abnutzung oft extra (~5 €) |
| Wartung | Fast Null (gelegentlich Fett) | Keine |
| Verfügbarkeit | Sofort (Loch für das neue Bild) | Fahrt zum Baumarkt nötig |
Die Rechnung:
Amortisation = 180 € / 20 €/Tag = 9 Tage
Empfehlung:
- Kaufen, wenn Sie in eine Wohnung mit Betonwänden (Plattenbau/Neubau) ziehen. Man braucht ihn immer wieder für Lampen, Regale oder Bilder. Ein Bohrhammer hält bei privater Nutzung locker 15–20 Jahre.
- Leihen, wenn Sie nur einmalig einen Durchbruch für ein Rohr stemmen müssen und danach nie wieder Beton anfassen.
Szenario 5: Die Benzin- oder Akku-Heckenschere
Hier kommt der Faktor Saisonalität und Wartung ins Spiel.
| Posten | Kauf (Mittelklasse) | Leihen (Profi-Gerät) |
| Anschaffung / Miete | ca. 350 € (inkl. Akku/Ladegerät) | ca. 40 € pro Tag |
| Verschleiß | Schärfen der Messer (~40 € alle 2 Jahre) | Inklusive |
| Lagerung | Nimmt Platz weg, Akku-Pflege nötig | Kein Platzbedarf |
Die Rechnung:
Amortisation = 350 € /40 €/Tag = 8,75 Tage
Empfehlung:
- Kaufen, wenn Sie eine lange Hecke haben, die 2-mal im Jahr geschnitten werden muss. Nach ca. 4–5 Jahren hat sich das Gerät bezahlt gemacht.
- Leihen, wenn Sie ein Profi-Gerät mit Teleskopstange für sehr hohe Hecken benötigen, das in der Anschaffung über 600 € kosten würde.
Übersicht: Kaufen vs. Leihen
| Kriterium | Kaufen lohnt sich, wenn… | Leihen lohnt sich, wenn… |
| Häufigkeit | Regelmäßige Nutzung (> 3x im Jahr). | Einmaliges Projekt. |
| Verfügbarkeit | Sofortiger Einsatz ist wichtig (Notfälle). | Planungsvorlauf von 2-3 Tagen möglich. |
| Lagerplatz | Ausreichend Platz (Keller/Garage) vorhanden. | Wenig Platz (Mietwohnung). |
| Wartung | Sie pflegen und reinigen Werkzeug gern. | Sie wollen sich nicht um Verschleiß kümmern. |
Versteckte Kosten nicht vergessen
Beim Vergleich sollten Sie zwei weitere Faktoren einbeziehen:
- Verbrauchsmaterial: Beim Leihen müssen Schleifblätter, Bohrer oder Sägeblätter oft zusätzlich gekauft werden.
- Transport: Eine Rüttelplatte oder ein Minibagger erfordert einen Anhänger oder Liefergebühren (oft 50 €+), was den Mietpreis in die Höhe treibt.
- Wiederverkaufswert: Hochwertiges Werkzeug (z. B. Festool, Makita, Bosch Blau) verliert wenig an Wert. Sie können es nach dem Projekt oft für 60–70 % des Neupreises gebraucht verkaufen.
Die „Geheimoption“: Gebrauchtkauf & Wiederverkauf
Eine oft vergessene Strategie bei großen Projekten (z. B. Hausrenovierung):
- Gebrauchtes Profi-Gerät kaufen: Einen hochwertigen Bohrhammer gebraucht für 120 € kaufen.
- Projekt durchziehen: 6 Monate lang nutzen.
- Wieder verkaufen: Für 100 € bei eBay oder Kleinanzeigen einstellen.
Effektive Kosten: 20 € für unbegrenzte Nutzungsdauer während der Bauphase.
Wohnzimmer-Renovierung (7 Tage)
Bislang haben wir uns nur einzelne Werkzeuge angeschaut, doch wie sieht es bei einem größeren Projekt aus, zum Beispiel bei einer Wohnzimmer-Renovierung? Schauen wir es uns genauer an für ein 40 m²-Projekt.
Werkzeug-Liste und Kostenvergleich
| Werkzeug | Neukauf (Mittelklasse) | Miete (pro Tag) | Geplante Nutzung | Kosten Miete (Gesamt) | Empfehlung |
| Kappsäge (für Leisten/Boden) | 250 € | 25 € | 3 Tage | 75 € | Kaufen (Wertstabil) |
| Industriesauger | 160 € | 15 € | 7 Tage | 105 € | Kaufen (Hygiene & Hausgebrauch) |
| Multitool (für Türzargen) | 120 € | 15 € | 1 Tag | 15 € | Leihen (oder Billiggerät kaufen) |
| Farbsprühsystem (Profi) | 550 € | 45 € | 2 Tage | 90 € | Leihen |
| Parkett-Zugeisen-Set | 30 € | 5 € | 3 Tage | 15 € | Kaufen (Miete lohnt nicht) |
Die detaillierte Rechnung
1. Das Spar-Potenzial: Farbsprühsystem
Ein Profi-Gerät (z. B. von Wagner oder Graco) kostet ca. 550 €. Es spart massiv Zeit, wird aber oft nur alle paar Jahre gebraucht.
Ersparnis beim Leihen = 550 € – (2 Tage x 45 €) = 460 €
Urteil: Leihen. Selbst wenn Sie es zwei Jahre später wieder brauchen, haben Sie immer noch über 300 € gespart und kein sperriges Gerät im Keller stehen.
2. Die „Nullnummer“: Der Industriesauger
Ein Industriesauger ist bei Bauarbeiten unverzichtbar, um den feinen Staub nicht in den normalen Staubsauger zu ziehen (der davon kaputtgeht).
Kosten-Differenz = 160 € (Kauf) – 105 € (Miete für 7 Tage) = 55 €
Urteil: Kaufen. Für nur 55 € Aufpreis gehört das Gerät Ihnen. Ein Baustaubsauger ist auch danach extrem nützlich (Auto aussaugen, Werkstatt, Keller).
Strategie-Check: Das „Projekt-Paket“
Wenn Sie vor der Wahl stehen, alles auf einmal zu kaufen oder zu leihen, hilft diese Übersicht:
Wann Sie das „Kauf-Paket“ wählen sollten:
- Sie haben ein Haus gekauft und werden in den nächsten 3 Jahren noch mehr Räume renovieren.
- Sie haben Lagerplatz.
- Sie kaufen Markengeräte, die einen hohen Wiederverkaufswert haben.
- Rechnung: Kaufpreis – 60% Wiederverkaufswert < Mietpreis
Wann Sie das „Miet-Paket“ wählen sollten:
- Sie wohnen zur Miete und das Projekt ist einmalig.
- Sie benötigen Spezialgrößen (z.B. eine Steinsäge oder einen 30kg-Abbruchhammer).
- Sie haben keine Lust auf Wartung (Messer schärfen, Filter reinigen, Akkus pflegen).
Ein versteckter Faktor: Die Zeitkosten
Beim Leihen läuft die „Uhr“.
- Miete: Wenn Sie am Samstagmittag feststellen, dass ein Teil fehlt oder die Arbeit länger dauert, kostet der Sonntag/Montag extra. Das erzeugt Stress.
- Kauf: Sie können das Projekt unterbrechen und drei Wochen später weitermachen, ohne dass Mehrkosten entstehen.
Experten-Tipp: Leihen Sie nur die „schweren Brocken“ (Rüttelplatte, Häcksler, Betonschleifer). Alles, was man in einer Hand tragen kann und unter 150 € kostet, ist als Kauf meist die stressfreiere und langfristig günstigere Wahl.
Haben Sie ein konkretes Gerät im Auge, bei dem Sie unsicher sind, ob die Qualität eines günstigen Kaufgeräts gegen ein teures Mietgerät ankommt?
FAQ: Häufige Fragen zum Werkzeugkauf
Lohnt sich der Kauf von Billig-Werkzeug statt Miete von Profi-Geräten?
Meistens nicht. Günstige Geräte haben oft eine geringere Präzision und kürzere Lebensdauer. Wenn das Projekt ein exaktes Ergebnis erfordert, ist ein gemietetes Profi-Gerät fast immer die bessere Wahl als ein billiges Kaufgerät.
Gibt es eine Versicherung bei Mietgeräten?
Ja, die meisten Verleihstationen bieten eine Haftungsfreizeichnung gegen einen Aufpreis (oft 10 % des Mietpreises) an. Diese deckt Schäden durch normalen Verschleiß oder Unfälle ab.
Wie berechne ich den Wiederverkaufswert am besten?
Orientieren Sie sich an Portalen wie eBay Kleinanzeigen. Markengeräte wie Bosch Blau, Makita oder Festool erzielen oft noch nach Jahren hohe Preise. Rechnen Sie konservativ mit etwa 50 % bis 60 % des aktuellen Neupreises für gut erhaltene Gebrauchtware.
Kann ich Mietkosten steuerlich absetzen?
Wenn Sie die Renovierung als haushaltsnahe Dienstleistung oder im Rahmen einer vermieteten Immobilie durchführen, können Mietkosten für Werkzeuge unter bestimmten Umständen steuerlich geltend gemacht werden. Konsultieren Sie hierzu eine Steuerfachkraft.














