Grauwasser für die Toilettenspülung nutzen

Trinkwasser ist eine wertvolle Ressource, mit der wir sorgfältig umgehen sollten. Wassersparende Armaturen sind ein erster Schritt. Es gibt aber noch weitere effektive Methoden des Wassersparens, neben der Regenwassernutzung zum Beispiel noch Grauwasser-Recycling. Was das genau ist und wie es bei Ihnen zuhause funktioniert, erfahren Sie hier.

Frau unter der Dusche
Das Wasser aus der Dusche kann problemlos noch mal verwendet werden (Foto: Pexels auf Pixabay)

Was ist Grauwasser?

Grauwasser ist der Teil des häuslichen Abwassers, der nicht durch Fäkalien verunreinigt ist. Es kommt aus der Dusche, Badewanne, dem Handwaschbecken oder der Waschmaschine. Dieses Wasser lässt sich mit relativ geringem Aufwand aufbereiten und nochmals verwenden – zum Beispiel für die Toilettenspülung. Sie können damit aber auch den Garten bewässern oder Wäsche waschen.

Das Abwasser aus der Toilette wird hingegen als Schwarzwasser bezeichnet. Dieses Wasser können Sie nicht weiterverwenden, es muss auf jedenfalls mittels einer Kläranlage gereinigt werden. Wobei für das Grauwasser-Recycling häufig auch eine Art Kläranlage in abgespeckter Form zum Einsatz kommt.

Welche Möglichkeiten der Reinigung gibt es?

Beim Grauwasser-Recycling gibt es durchaus größere Unterschiede. Je nach Anwendungszweck wird das Grauwasser in verschiedenen Anlagentypen aufbereitet. So zum Beispiel aus einer Kombination aus biologischer Behandlung und nachgeschalteter UV-Desinfektion bzw. Membranfiltration.

Sogenannte Membran-Bioreaktoren reinigen das Abwasser so gut, dass es problemlos nicht nur zur Toilettenspülung oder Gartenbewässerung, sondern auch für Reinigungszwecke oder zum Wäsche waschen verwendet werden kann.

Das biologisch-mechanische Verfahren besitzt zum Beispiel vier Reinigungsstufen:

  • Stufe 1: Vorfiltration
  • Stufe 2: Vorreinigung mit Hilfe von Mikroorganismen und Sauerstoff
  • Stufe 3: Sedimente werden in die Kanalisation geleitet
  • Stufe 4: Entkeimung mit UV-Licht (keine Chemikalien nötig)

Hat das Grauwasser diese vier Stufen durchlaufen, wird es als Betriebswasser bezeichnet. Es ist geruchsneutral und hygienisch unbedenklich. Damit das so bleibt, ist eine regelmäßige Wartung der Anlage durch eine Fachfirma erforderlich.

Es gibt aber auch einfacher gestrickte Anlagen mit zwei Reinigungsstufen – mit einem Festbett-Reaktor und einer UV-Desinfektion. Diese sind nicht so wartungsintensiv, reinigen das Grauwasser allerdings nicht so gut. Das Betriebswasser können Sie dann allenfalls zur Toilettenspülung oder die Gartenbewässerung verwenden.

Was bringt das Recycling?

Jeder von uns verbraucht täglich rund 120 Liter Trinkwasser. Durch Verwendung von Wasserspararmaturen und sorgsamen Umgang mit der Ressource können wir den Bedarf auf 90 Liter pro Tag senken. Davon sind etwa 25 bis 30 Liter Schwarzwasser, das direkt in die Kanalisation fließt.

Es bleibt ein guter „Rest“ von mindestens 60 Litern pro Person, der täglich als Grauwasser anfällt. Rechnen Sie damit, dass Sie mit der Zweifachnutzung den Trinkwasserverbrauch und den Abwasseranfall um bis zu 50 Prozent senken.

Bei einer mehrköpfigen Familie oder einem großen Haushalt kann es sich schon lohnen, sich eine solche Recyclinganlage anzuschaffen. Bei Mehrfamilienhäusern oder Doppelhäusern können sich auch Nachbarn zusammentun.

Die Fachvereinigung für Betriebs- und Regenwassernutzung (fbr) hat ausgerechnet, dass Vier-Personenhaushalte ohne Grauwasseranlage jährlich 876 Euro Wasserkosten haben, bei Haushalten mit Grauwasseranlage sinkt er auf 438 Euro – er halbiert sich also fast.

Abseits der monetären Aspekte – eine Grauwasser-Recycling-Anlage kostet immerhin einige tausend Euro – gibt es weitere Gründe, die für die Doppeltnutzung sprechen:

  • Grundwasserressourcen werden geschont
  • Reduktion von Chemikalien- und Energieeinsatz bei der Gewinnung und Bereitstellung von Trinkwasser
  • Klärwerke und Gewässer werden nachhaltig entlastet

Was ist zu beachten?

Es gibt viele Gründe, die für ein Grauwasserrecycling sprechen, allerdings müssen Sie einige Dinge beachten:

Die Trinkwasserverordnung schreibt vor, dass das Recycling von Grauwasser über ein vom Trinkwassernetz getrenntes Leitungssystem erfolgen muss. Sie benötigen daher zusätzliche Leitungen – auch für die Einspeisung des Betriebswassers.

Die Kosten für die Leitungen halten sich bei einem Neubau einigermaßen in Grenzen, sie liegen zwischen 400 und 600 Euro, teurer wird es bei einem nachträglichen Einbau. Dazu kommen die Kosten für die Grauwasseranlage, die Investitionskosten summieren sich auf etwa 5.000 Euro. Jährliche Kosten kommen für Wartung, Strom und Reparaturen noch obendrauf.

Generell lässt sich sagen: Je größer die Anlage und die Menge an aufbereitetem Grauwasser, desto schneller amortisiert sich die Investition. Grauwasseranlagen findet man daher immer häufiger in Hotels, Altenheimen, Schwimmbad- und Saunabetrieben oder Industrie- und Gewerbeunternehmen.

Zusätzliche Energieeinsparung durch Wärmerückgewinnung

Fürs Duschen, Händewaschen oder Baden benötigen wir durchschnittlich 40 Liter warmes Wasser pro Tag, wer öfter badet sogar wesentlich mehr. Annähernd 40 Grad warmes Wasser verschwindet danach in der Kanalisation. Jede Menge Energie geht verloren.

Hier greift dann die Idee der Wärmerückgewinnung. Hierbei wird Wärme aus dem Grauwasser auf das Trinkwasser übertragen. Wie und an welcher Stelle die Energie übertragen wird, dafür gibt es mehrere Ansätze.

Zentrale Wärmerückgewinnung

Beim zentralen Ansatz wird das Grauwasser an einer Stelle gesammelt und dann zur Warmwassererzeugung genutzt. Problem: Lange Leitungen bedeuten großen Energieverlust. Der lässt sich durch eine gute Rohrdämmung allerdings minimieren.

Ein Problem ist allerdings, dass das Wasser eine bestimmte Mindestwärme haben muss, damit die Mikroorganismen in der biologischen Stufe der Grauwasseranlage ihre Arbeit aufnehmen. Es ist derzeit daher nicht möglich, das Maximum aus der Wärmerückgewinnung zu holen. Hier muss sicherlich noch weiter geforscht werden.

Dezentrale Wärmerückgewinnung

Neben der zentralen Wärmerückgewinnung gibt es auch einen dezentralen Ansatz. Hier wird die Wärme bereits am Ort des Geschehens die Wärme übertragen. Also zum Beispiel in der Dusche, Badewanne oder wo auch immer warmes Wasser anfällt.

In der Dusche kann die Wärme zum Beispiel dazu genutzt werden, das weitere Duschwasser zu erwärmen. Es ist dann beim Duschen weniger Warmwasser notwendig. Eine eigentlich ganz einfache Idee und ziemlich praktikabel, da es kaum Leitungsverluste gibt.

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bezuschusst die dezentrale Wärmerückgewinnung von häuslichen Abwässern. Die Förderung sieht maximal 30 Prozent der Investitions- und Installationskosten vor.

Alle Informationen darüber finden Sie hier: Dezentrale Einheiten zur Wärmerückgewinnung in Gebäuden

 

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