Haus mit einem Architekten bauen: ja oder nein?

Es besteht landläufig die Meinung, dass ein Architektenhaus teuer und etwas für wohlhabende Individualisten ist. Wie so viele Vorurteile, die rings um das Bauen herrschen, beruhen sie auf veralteten Erfahrungen und Statistiken aus dem letzten Jahrhundert und haben heutzutage nichts mehr mit der Realität zu tun. Wir informieren Sie über die verschiedenen Aspekte und sagen Ihnen, ob sich ein Architekt für Ihren Hausbau lohnt.

Architekt bei der Planung
Der Architekt zeichnet nicht nur den Plan, sondern hilft bei zahlreichen anderen Hindernissen

Für wen eignet sich ein Hausbau mit Architekt?

Während früher Fertighäuser eher Pappschachteln als massiven Häusern ähnelten, weil sie in uniformem Design und mit dünnen Leichtbau-Elementen konstruiert wurden, haben heutige Fertighäuser eine sehr gute Fertigungsqualität erreicht und lassen auch bezüglich Formen- und Typenvielfalt kaum noch Wünsche offen.

Sogar bei ein und demselben Haus wird dem Bauherrn große Freiheit bei seinen persönlichen Wünschen eingeräumt, nahezu alle Ausstattungsdetails sind nach dem Baukastenprinzip ähnlich wie bei einem Auto wählbar. Der Preis steht vorher fest, Überraschungen gibt es so gut wie keine, warum dann also überhaupt noch ein Architektenhaus bauen?

Zum Beispiel, weil Sie aus der großen Masse herausstechen wollen und kein „Haus von der Stange“ haben wollen, dass sich in die Reihe der anderen Häuser der Neubausiedlung nahtlos einreiht. Weil Sie etwas ganz Individuelles haben wollen. 

Dabei hilft ein Architekt

Stellen Sie sich zum Beispiel vor, Sie haben ein schönes Grundstück gefunden, dass sich inmitten eines alten Wohnviertels befindet, mit einer Bauruine, die nun Ihrem Hausbau Platz machen soll. Oder Sie haben Ihr Traumgrundstück nahe am See gefunden, aber es muss noch geklärt werden, ob und welche Bebauung in dieser exponierten Lage überhaupt erlaubt ist.

Oder Sie wollen im hinteren Bereich des Grundstücks Ihrer Eltern Ihr eigenes, kleines Heim bauen, aber wissen nicht, wie viel Prozent vom restlichen Grundstück bebaut werden darf, ohne Baugesetze über Mindestabstände und maximale Bauhöhen zu verletzen.

Mit einem Architekten gelingen viele Sonderwünsche

Sobald ein Baugrundstück aus der Norm eines quadratischen Neubaugebiets herausfällt, macht ein Architekt nicht nur Sinn, sondern ist aufgrund der notwendigen Bauanträge auch unabdingbar, da nur er vorlageberechtigt beim zuständigen Bauamt ist.

Wenn Sie ein passendes Grundstück für Ihr Architektenhaus suchen, kann der Architekt ebenfalls eine große Hilfe sein. Beziehen Sie ihn möglich früh mit in die Suche ein, dann kann er Ihnen helfen, schneller das geeignete Grundstück für Ihren Hausbau zu finden. Er kennt sich mit den lokalen Baunutzungsplänen aus und weiß genau, wo welche Typen von Bebauung erlaubt sind.

Zum Beispiel macht es keinen Sinn, wenn Sie ein Grundstück in einem unter Ensembleschutz stehenden Viertel suchen, um ein minimalistisches Architektenhaus in Stahl und Glas zu errichten. Die Denkmalschutzbehörde wird den Antrag ablehnen, Ihr Architekt weiß das und erspart Ihnen viel Zeit und Wege.

Andererseits schwebt Ihnen vielleicht ein ökologisches Holzhaus vor, aber die vorgeschriebene Bebauung sieht in Ihrer Wunschstraße nur Massivhäuser aus Sichtmauerwerk vor. Ein Architekt ist mit den Bebauungsplänen vertraut und gibt Ihnen bereits im vorhinein Tipps, wo Sie mit Ihrer Suche beginnen können. Oder er kennt sogar direkt einige freie Grundstücke, die Ihren Anforderungen an Ihr Traumhaus entsprechen.

Hier noch einmal die Vorzüge eines Architekten im Schnelldurchlauf:

  • Kennt sich mit Bebauungsplänen aus
  • Schneidert ein maßgerechtes Haus auch bei schwierigen Grundstücken
  • Hilft Ihnen bei Problemen, die mit dem Denkmalschutz zusammenhängen
  • Hilft Ihnen bei der Wahl des richtigen Grundstücks
  • Hilft Ihnen bei den Bauanträgen

Welche Vorteile hat eine Hausplanung mit einem Architekten?

Neben dem Vorteil der Grundstückssuche gibt es aber viele weitere Vorteile, die für ein Architektenhaus sprechen: Bei schwierigen Grundstücken, wie sie oftmals zwischen bestehender Bebauung vorkommen, wird ein Fertighaus aus dem Katalog in der Regel nicht in Frage kommen. Ein langes und schmales oder verwinkeltes Restgrundstück erfordert eine individuelle Hausplanung, wie sie nur ein Architekt bietet.

Auch Ihre Mitbestimmung in der Gestaltung und Ausstattung hat beim Hausbau mit einem Architekten keine Grenzen, wenn man einmal von Ihrem Budget und dem Baurecht absieht.

Aber genau Ihr normalerweise begrenztes Budget, das bei einem Fertighaus eine Hürde sein kann, kann der Architekt optimal ausnutzen, und zwar durch konsequente Nutzung von flexiblen Lösungen, die ein Fertighaushersteller systembedingt nicht bieten kann.

Ein wesentlicher, weiterer Vorteil kommt beim auf die Planung folgenden Hausbau noch dazu: Da die Baufirmen nicht Tochterunternehmen des Hausherstellers, sondern unabhängig sind, findet die Bauüberwachung und Qualitätskontrolle durch Ihren Architekten unter objektiven Kriterien statt.

Es ist unwahrscheinlich, dass ein Fertighaushersteller Sie über eventuelle Fehler oder Pfusch am Bau informiert. Einem Architekten entgeht hingegen kein Fehler und wird die Baufirmen in Ihrem Namen zur Nachbesserung bis hin zur Neukonstruktion eines Bauteils in die Pflicht nehmen.

Wie finde ich einen geeigneten Architekten?

Hier stehen Ihnen im Prinzip drei Wege offen:

  1. Die regionale Architektenkammer: Sie gibt Ihnen auch die Sicherheit, dass die Mitglieder bestimmte Kriterien erfüllen.
  2. Empfehlung über Freunde und Bekannte: Hören Sie sich um! Hat in letzter Zeit jemand in Ihrem Bekanntenkreis ein Haus gebaut? Hat er positive oder negative Erfahrungen gemacht oder von anderen gehört?
  3. Private Recherche: Durchforsten Sie das Internet nach Häusern, die Ihnen gefallen. Vielleicht finden Sie einen Architekten Ihrer Stadt, der genau die Art von Architektenhaus baut, die Ihrem Geschmack nahekommt. Auch die Gestaltung und Informationen seiner Webseite können Aufschluss über die Qualität des Architekten geben.

Wie ist der Ablauf bei der Planung eines Architektenhauses?

Grundvoraussetzung ist, dass ein gegenseitiges Vertrauen besteht und „die Chemie stimmt“. Ihr Architekt soll nicht nur Ihre Hausplanung übernehmen, sondern fungiert auch quasi als „Treuhänder“ Ihres Geldes. Er bestimmt, welcher Anteil jedem Gewerk zugewiesen wird, damit hinterher Ihr Architektenhaus zum vorher vereinbarten Preis fertiggestellt wird.

Nach einem ersten Vorgespräch, das in der Regel kostenlos ist, werden beide Seite feststellen, ob der geeignete Architekt für Ihren Hausbau gefunden wurde.

Danach geht es an die erste Stufe der Hausplanung: Mit Hilfe Ihrer Angaben und Wünsche entsteht ein Vorentwurf, der in erster Linie das äußere Gesicht des Hauses skizziert und grob die Funktionsbereiche wie Wohnen, Schlafen, Kochbereich und Bäder im Innern anordnet.

Haus im modernen Haus
Das ist sicherlich kein Haus von der Stange



Auf Basis dieses Vorentwurfs wird ein erfahrener Architekt auch eine erste Kostenschätzung erstellen können, die anschließend mit Ihrem zur Verfügung stehenden Budget abgeglichen wird. Danach beginnt die eigentliche Planungsphase:

Der Bauentwurf wird zur Vorlage beim Bauamt fertiggestellt, nach erteilter Baugenehmigung erstellt der Architekt die Ausführungspläne, die alle Maße, Details zum Wand- und Fußboden-Aufbau und die speziellen Pläne für die Elt-, Wasser- und Heizungs-Installation enthalten.

Gleichzeitig fertigt der Architekt die Leistungsverzeichnisse für die einzelnen Gewerke an, die Basis für die Ausschreibung sind.

In Abstimmung mit dem Bauherrn erfolgt danach die Vergabe an die einzelnen Firmen. Nicht immer werden der Architekt oder Sie das günstigste Angebot wählen, manchmal sprechen ästhetische Gründe oder Zweifel an der Kompetenz einer Firma dagegen.

Nach einem strikten Bauzeitenplan beginnt danach die eigentliche Bauphase, die Teilabnahmen je nach Baufortschritt mit entsprechenden Teilzahlungen an die Firmen beinhaltet.

Am Schluss steht die Endabnahme, an der neben Ihnen und dem Architekten alle Baufirmen teilnehmen, und bei Fehlerfreiheit die Schlüsselübergabe an Sie.

Hier der Bauablauf in kurzen Stichpunkten:

  • Vorgespräch mit dem Architekten
  • Erster Vorentwurf nach den Wünschen des Bauherren
  • Bauentwurf zur Vorlage beim Bauamt
  • Leistungsverzeichnisse für die einzelnen Gewerke als Basis für die Ausschreibung
  • Vergabe der Arbeiten in Abstimmung mit dem Bauherrn
  • Beginn der Bauphase nach einem strikten Bauzeitenplan
  • Teilabnahmen je nach Bauabschnitt
  • Endabnahme und Schlüsselübergabe

Ist Bauen mit dem Architekten wirklich teurer?

Der Architekt ist von der Architektenkammer dazu verpflichtet, unter vielen Firmenangeboten mittels der sogenannten Ausschreibung das jeweils günstigste und beste Angebot für Sie zu finden. Außerdem kann er wie gesagt Ihr vorhandenes Budget viel flexibler als ein Fertighaushersteller nutzen. Mit ihm haben Sie die Freiheit, das Baumaterial beliebig zu wechseln, um Geld einzusparen, oder mit einer Firma einen Rabatt auszuhandeln.

Damit entkräftet sich das Vorurteil, dass ein Architektenhaus teuer ist. In vielen Fällen kann es sogar günstiger sein als ein Haus „von der Stange“, immer wenn Ihr Grundstück oder Ihr Haustyp nicht in die „Schublade“ passen. Das beweisen auch zahlreiche Architekten-Wettbewerbe zum Thema „Das schönste preiswerte Haus“!

Wie hoch ist das Architektenhonorar?

Das Honorar eines Architekten berechnet sich nach der HOAI, das ist die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure. Das gibt Ihnen die Sicherheit, immer den offiziell festgelegten Preis zu zahlen und nicht mehr. Die Abrechnung eines Architekten erfolgt über die Leistungsphasen. Grob gesagt entfallen auf:

1. Vorplanung und Genehmigung: 27%
2. Ausführungsplanung: 25%
3. Ausschreibung und Vergabe: 14%
4. Bauüberwachung und Dokumentation: 32%
5. Objektbetreuung mit Gewährleistung: 2%

Insgesamt sollten Sie beim Bau eines Einfamilienhauses damit rechnen, dass die Kosten für den Architekten etwa 12 bis 15 Prozent der Gesamtkosten für den Hausbau ausmachen. Die Grundstückskosten allerdings ausgenommen.

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