In Sachen Badewannen herrscht ein wahrer Krieg – die einen schwören auf Acrylbadewannen, für die anderen muss es eine Stahlbadewanne sein. Ein drittes Material mausert sich langsam zur echten Alternative – Mineralguss. Ich habe mir die drei Materialien einmal etwas genauer angeschaut.

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Badewanne Villeroy & Boch

Eine freistehende Badewanne ist besonders edel (Foto:epr/Villeroy & Boch)

Stahlbadewannen

Stahlbadewanne – das bedeutet in aller Regel ein Verbund aus Stahl und Email. Hierzulande sind solche Stahl-Email-Wannen quasi nur von Bette und Kaldewei, neuerdings auch vom Schweizer Hersteller Laufen erhältlich.

Bei Stahl-Email treffen zwei Materialien aufeinander, die sich perfekt ergänzen. Stahl ist fest, robust, formbar und sehr hoch belastbar. Glas – und nichts anderes ist Email – ist hingegen besonders widerstandsfähig gegen chemische und thermische Beanspruchung. Und es sieht richtig edel aus.

Hersteller Kaldewei ist so sehr von diesem Verbundmaterial überzeugt, dass er 30 Jahre Garantie darauf gibt. Sie können daher davon ausgehen, dass eine Stahlwanne ein ganzes Badezimmerleben intakt bleibt. Viele Vermieter schwören daher auf dieses Material, zumal es sich sehr gut grundreinigen lässt.

Es ist jedoch nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen bei einer Stahl-Email-Wanne. Zwar ist sie leicht zu reinigen, ist jedoch einmal ein Kratzer drin, lässt er sich nicht mehr einfach rauspolieren. Es gibt wohl Fälle, in denen Badesalz zu feinen Kratzern geführt hat. Also niemals auf das noch nicht aufgelöste Salz setzen.

Email, mitunter auch als Emaille bezeichnet, kann außerdem abplatzen, wenn ein scharfer, harter und schwerer Gegenstand darauf fällt. Ist bei unserer Duschwanne einmal passiert. Die Macke lässt sich mit speziellen Reparatursets entfernen, völlig spurlos ging die Reparatur an der Wanne vorüber. Wer weiß, wo Abplatzung war, kann die Stelle erkennen.

Viele Gegner der Stahlwanne bemängeln die kalte Oberfläche. Das stimmt, sie ist anfangs kalt. Ich behelfe mich damit, dass ich die Wanne vorher einmal mit der Handbrause warm abbrause, dann ist die Oberfläche vorgewärmt, wenn ich mich reinsetze. Und ist das Material erst einmal warm, dann kühlt es nicht so schnell aus.

Die richtige Pflege:

Verwenden Sie für die Reinigung von Stahlemaille flüssige Putzmittel und ein weiches Tuch

Auf keinen Fall:

Vermeiden Sie scheuernde, sandhaltige oder sehr saure Reinigungsmittel

Acrylbadewannen

Acrylwannen werden von wesentlich mehr Herstellern produziert – zum Beispiel von Ideal Standard, Villeroy & Boch, Duravit oder Keramag. Um nur die beliebtesten Marken zu nennen. Wannen aus Acryl erfahren seit den 70er Jahren einen richtigen Boom in deutschen Badezimmern. Das Material hat durchaus einige Vorzüge.

Acryl besitzt zum Beispiel eine bessere Formbarkeit als Stahl-Email. So konnten völlig neue Badewannenformen erschaffen werden. Einer der Vorreiter auf diesem Gebiet war Hoesch, der noch heute exklusive Acrylbadewannen von namhaften Designern wie Norman Foster, Philippe Starck oder Andrée Putman vertreibt.

Zurück zu den Vorteilen einer Acrylwanne. Das Material fühlt sich zum Beispiel glatt und geschmeidig an. Und es fühlt sich wärmer an als Stahlemail. In Wahrheit nimmt es aber natürlich wie Stahl-Email die Raumtemperatur an.

Kunststoff ist außerdem ein guter Isolator. Das Material selbst nimmt zwar nicht so gut Wärme auf wie Stahl-Email, es speichert sie nicht. Acryl sorgt aber dafür, dass das Wasser langsamer auskühlt, zumal Acrylbadewannen häufig in Styropor-Wannenträger gesetzt werden, die zusätzlich isolieren.

Vermieter sind allerdings nicht die besten Freunde von Acrylbadewannen. Bei schlechter Pflege wird das Material schnell blind und bekommt Kratzer. Das lässt sich kaum mehr rückgängig machen. Wobei das mit Kratzern und Dellen schon – allerdings bevorzugt bei den hochpreisigen Acrylwannen mit einer dickeren Acrylschicht. Hier kann einiges rauspoliert werden.

Der große Vorteil von Acrylwannen, nämlich dass sie sehr leicht sind, verringert sich natürlich bei zunehmender Acryldicke. Daumendickes Acryl bringt einiges an Gewicht auf die Waage. Die Wanne verwindet sich dann aber auch nicht mehr, wenn Sie warmes Wasser einfüllen.

Die richtige Pflege:

Verwenden Sie für die Reinigung von Acrylbadewannen einen weichen Schwamm und flüssiges Spülmittel. Kalkablagerungen lassen sich mit etwas Essig entfernen

Auf keinen Fall:

Mit Scheuermitteln und kratzigen Schwämmen sollten Sie Sanitäracryl keinesfalls behandeln. Verwenden Sie außerdem keine handelsüblichen Kalkentferner

Mineralguss-Badewannen

Mineralguss ist quasi der Newcomer unter den Badewannen-Materialien. Immer häufiger kommt der Werkstoff aus Kunstharzen und Natursteinen für die Wannenherstellung zum Einsatz. Und das aus gutem Grund, vereint es doch die guten Eigenschaften von Acryl und Stahl-Email ineinander.

Mineralguss ist zum Beispiel fast beliebig formbar, gleichzeitig aber nach Erstarrung außerordentlich stabil. Insbesondere freistehende Badewannen in wagemutigen Designs werden deshalb gerne aus Mineralwerkstoff hergestellt. Selbst filigrane Abmessungen sind möglich und nichts muss mit einem Wannenträger oder Sockel abgestützt werden.

Die genaue Rezeptur von Mineralguss unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller, ebenso die Bezeichnung. Bei Villeroy & Boch heißt das Material zum Beispiel Quaryl®, bei Duravit DuraSolid®. Bei den italienischen Luxusmarken Boffi und Antoniolupi kommt Corian® zum Einsatz, bei Hoesch Solique Mineralguss und bei Duravit DuraSolid®

Sie sehen – Mineralguss hat viele Namen. Das wird Ihnen jedoch egal sein, wenn Sie später in der Wanne liegen. Aber Sie wissen jetzt wenigstens, dass es sich dabei um die gleiche Werkstoffart handelt.

Zurück zu den Vorzügen von Mineralguss: Dass es extrem gut formbar ist, habe ich bereits erwähnt. Außerdem lässt es sich nachträglich bearbeiten – gut wenn eine Macke in der Wanne ist. Der Werkstoff ist zudem ein guter Isolator – das Badewasser bleibt somit länger warm.

Da es außerdem sehr glatt ist, bietet Mineralguss nur wenig Angriffsfläche für Schmutz und Bakterien. Also äußerst pflegeleicht. Kratz- und stoßfest ist der Werkstoff außerdem. Eigentlich das perfekte Material für Badewannen – aber auch entsprechend teuer. Schnäppchenpreise suchen Sie hier vergebens.

 

Die richtige Pflege:

Reinigen Sie Badewannen aus Mineralwerkstoffen mit einem weichen Schwamm und mildem Haushaltsreiniger

Auf keinen Fall:

Kratzende Schwämme und Scheuermittel können die Oberfläche von Mineralguss beschädigen, ebenso starke Chemikalien

Die Vor- und Nachteile im Überblick

Stahl-Email

Sanitäracryl

Mineralguss

Vorteile: Vorteile: Vorteile:
  • trapazierfähig
  • Unempfindlich gegen Chemie und Hitze
  • Hygienisch
  • Wärmespeicher
  • Fühlt sich warm an
  • Geringes Gewicht
  • Kratzer lassen sich auspolieren
  • Komplett durchgefärbt
  • Schäden unsichtbar reparieren
  • Beliebig formbar
  •  Isoliert gut
  • Glatte Oberfläche
  • Sehr beständig
  • Dünne Wände
Nachteile: Nachteile: Nachteile:
  • Wenig formbar
  • Hohes Gewicht
  • Email kann abplatzen
  • Fühlt sich kalt an
  • Kratzempfindlicher
  • Kann sich verfärben
  • Keine scharfen Reiniger verwenden
  • Hohes Eigengewicht
  • Hoher Preis
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