Viele Hausbesitzer träumen von einem eigenen Brunnen im Garten. Gerade während der langen Trockenperiode im Frühjahr und Sommer 2018 war jeder froh, der seine Pflanzen mit kostenlosem Brunnenwasser versorgen konnte. Doch lohnt es sich überhaupt, einen eigenen Brunnen zu bohren und was ist dabei zu beachten? Hier erfahren Sie es.

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Garten wässern

Mit eigenem Brunnen kostenloses Grundwasser anzapfen (Foto: epr/Grundfos)

Lohnt sich ein Brunnen?

Trinkwasser ist ein kostbares und vor allem teures Gut. Bis zu zwei Euro müssen wir mittlerweile für einen Kubikmeter zahlen. Und die Wasserentsorgung ist noch teurer. In der Regel müssen Sie nämlich selbst dann Abwassergebühren bezahlen, wenn Sie das Wasser im Garten versickern – es also zur Gartenbewässerung nutzen. Ein grüner Garten wird so zu einem teuren Vergnügen. Und je größer er ist, umso tiefer müssen Sie in die Taschen greifen.

Pro Quadratmeter Garten benötigen Sie wöchentlich rund 20 Liter Wasser – und eine Sommersaison kann bis zu 20 Wochen andauern. Diese Faustformel gilt selbst dann, wenn Sie sorgsam bewässern und nur in den Morgen- und Abendstunden. Dann verdunstet nämlich weniger Wasser.

Ich habe einmal ausgerechnet, was die Gartenbewässerung in Viersen für einen 500 Quadratmeter großen Garten kostet. Im Vergleich dazu die einmaligen Kosten für den Brunnen und eine Pumpe. Wobei ich hierfür Durchschnittswerte angenommen haben, denn je tiefer das Grundwasser bei Ihnen liegt, umso teurer wird es. Bis zu einer Bohrtiefe von 10 Metern liegen Sie mit diesen Werten jedoch ungefähr richtig.

Bewässerungskosten und Amortisationszeit
Kosten Trinkwasser pro m³ 1,68 €
Kosten Abwasser pro m³ 2,34 €
Gartengröße in m² 500
Bewässerungsmenge pro Woche in L 20
Dauer der Gartensaison 20
Jährlicher Wasserbedarf in m³ 200
Jährliche Kosten für die Bewässerung 804,00 €
Kosten für den Brunnen 1000,00 €
Kosten für die Pumpe   600,00 €
Gesamtkosten für den Brunnen 1600,00 €
Nach wieviel Jahren rechnet sich der Brunnen? Ca. 2 Jahre

Bei diesem Beispiel würde sich ein Brunnen bereits nach zwei Jahren rentieren. Das ist ein guter Wert. Die Bundesfachgruppe Brunnen sagt, dass sich ein eigener Brunnen im Garten dann lohnt, wenn er sich innerhalb von fünf Jahren amortisiert.

Haben Sie einen großen Garten und vielleicht noch einen Gartenteich, zahlt sich ein Brunnen in der Regel auf jeden Fall aus. Vorausgesetzt natürlich, das Grundwasser ist nicht zu tief unter der Oberfläche. Bei einem durchschnittlichen Eigenheimgarten sollte der Grundwasserspiegel höchstens sechs Meter unter der Geländeoberfläche liegen. Benötigen Sie größere Wassermengen, kann das Grundwasser auch tiefer liegen und es rentiert sich trotzdem.

Die Höhe des Grundwasserspiegels erfahren Sie beim Wasserversorger, der zuständigen Wasserbehörde oder auch bei einem örtlichen Brunnenbauer. Eventuell weiß es auch einer Ihrer Nachbarn, der bereits eigenes Brunnenwasser besitzt.

Die verschiedenen Brunnentypen

Prinzipiell gibt es vier Möglichkeiten, einen Brunnen zu realisieren:

  • Schachtbrunnen
  • Rammbrunnen
  • Spülbrunnen
  • Bohrbrunnen

Schachtbrunnen

Er ist der Klassiker unter den Brunnen, aber auch am aufwendigsten herzustellen. Bei einem Schachtbrunnen wird ein Schacht von über einem Meter Durchmesser in den Boden getrieben und meist mit Betonringen ausgekleidet. Er kann aber auch gemauert oder betoniert werden. Die Wassergewinnung erfolgt über eine offene Sohle. Das kann eine betonierte Kiesschüttung sein oder Wasser tritt durch seitliche Schlitze in den Schacht ein.

Sie werden es sich bereits gedacht haben – die Herstellung ist teuer. Um die 5.000 Euro müssen Sie hierfür bezahlen. Und das für einen Brunnen, der nur wenig Wasser liefert und der durch seine freie Zugänglichkeit hygienisch nicht unbedenklich ist. Für den eigenen Garten lohnt sich ein Schachtbrunnen daher eher nicht.

Rammbrunnen

Sehr viel günstiger als ein Schachtbrunnen ist der Rammbrunnen herzustellen, er kostet nur wenige hundert Euro. Der Nachteil: die in den Boden gerammten Eisen- oder Stahlrohre haben nur einen kleinen Durchmesser. Solche Brunnen sind daher nicht besonders ergiebig.

Ein Rammbrunnen nur hergestellt werden, wenn der Grundwasserspiegel sich höchstens sieben Meter unter dem Pumpenstandort befindet. Liegt er tiefer, kann die Pumpe in einem ein bis zwei Meter tiefen Schacht installiert und somit näher ans Grundwasser geführt werden.

Spülbrunnen

Bei diesem Brunnentyp wird ein Spülfilter unter hohem Druck ins Erdreich gespült – also mit Hilfe von Wasser eingebracht. Die oberste Humusschicht wird hierbei mit einem Erdbohrer vorgebohrt, damit der Spülfilter leichter ins Erdreich flutscht. Wie hoch Wasserdruck und Wassermenge sein müssen, hängt von der Bodenbeschaffenheit ab.

Für feinen Sand braucht es zum Beispiel zwei Drittel weniger Wasser als für groben Kies. Und für einen lockeren Boden braucht es lediglich vier Bar Wasserdruck, während es für einen festen Boden doppelt so viel ist. Der Nachteil eines Spülbrunnens – er ist weniger standfest als ein Bohrbrunnen. Außerdem braucht es schweres Geschütz – zum Beispiel in Form eines Feuerwehrschlauchs mit Hochdruckanschluss.

Bohrbrunnen

Der Bohrbrunnen gilt als derzeit beste Variante für einen Brunnen im eigenen Garten. Die Herstellung ist einfach und gelingt auch, wenn das Grundwasser sehr tief unter der Oberfläche liegt. Bei der Brunnenbohrung wird ein Rohr bis ins Grundwasser getrieben und dann wieder gezogen. In der Erde bleibt ein gelochtes oder geschlitztes Filterrohr zurück, durch das das Grundwasser eindringt und nach oben gepumpt wird.

Prinzipiell können Sie das mit dem entsprechenden Gerätschaften selbst machen. Im Fachhandel werden spezielle Erdbohrer für den Brunnenbau angeboten. Die Zeitschrift „Selbst ist der Mann“ hat das gemacht – hier geht es zur entsprechenden Anleitung.

Brunnen selbst bohren – eine Videoanleitung

In dem folgenden Video erfahren Sie, wie Sie einen Brunnen selbst mit der Hand bohren.

Mit Klick auf das Video werden Daten an Youtube übertragen, siehe Info

Die passende Pumpe für den Brunnen

Damit Sie das Wasser aus dem Brunnen fördern können, benötigen Sie eine Pumpe. Für den Gartenbesitzer sind insbesondere folgende drei Pumpentypen interessant:

  • Handschwengelpumpen
  • Gartenpumoen
  • Tauchpumpen

Handschwengelpumpen

Auf Muskelkraft statt Strom setzen Handschwengelpumpen. Die Vorteile: Sie benötigen keinen Stromanschluss und die Montage ist einfach und überall möglich. Außerdem ist solch eine Pumpe vergleichsweise günstig. Sie kostet zwischen 30 Euro und 300 Euro, je nach Design und Ausführung.

Aus physikalischen Gründen können Schwengelpumpen, wie alle Saugpumpen, Wasser maximal aus acht Metern Tiefe nach oben befördern. Außerdem lassen sich damit nur geringe Wassermenge fördern – je nach Tiefe und Muskelkraft zwischen 10 und 40 Liter pro Minute.

Selbstansaugende Gartenpumpen

Diese Pumpen eignen sich sehr gut für die Gartenbewässerung.  Selbstansaugende Gartenpumpen können nur Wasser befördern, wenn Pumpe und Saugleitung mit Wasser befüllt sind. Dahingehend ist der Begriff „selbstansaugende“ etwas irreführend, denn die Pumpe arbeitet nicht direkt los, wenn sie angeschlossen ist. Erst muss etwas Wasser in die Pumpe gefüllt werden.

Leistungsstarke Gartenpumpen besitzen eine Fördermenge von 5000 Litern die Stunde oder mehr. Die Pumpen nutzen in der Regel das Jet-Prinzip. Hierbei erzeugen ein kleines Laufrad und Düsen eine starke Strömung, die dann das Wasser bewegt. Das Wasser wird dadurch auf hydraulische und nicht auf mechanische Weise befördert. Solche Jetpumpen sind äußerst langlebig.

Tauchpumpen

Diese Pumpen befinden sich nicht neben dem Brunnen, wie die Gartenpumpen, sondern im Brunnenwasser. Sie werden frostfrei in das Grundwasser eingebaut. Der Vorteil: keine störende Motorgeräusche und Sie benötigen kein separates Brunnenhäuschen wie bei der Gartenpumpe. Tauchpumpen kommen insbesondere dann zum Einsatz, wenn das Grundwasser sehr tief ist.

Normale Kreiselpumpen und Handschwengelpumpen funktionieren nur bis zu einer Förderhöhe von acht Metern. Tierbrunnenpumpen unterscheiden sich hauptsächlich hinsichtlich ihrer Größe. Die kleinste Pumpe hat einen Durchmesser von drei Zoll, sie eignet sich für ein Bohrloch von rund 80 Millimetern. Die vier-Zoll-Tauchpumpe eignet sich für Querschnitte bis 104 Millimetern, die ganz großen sechs- und acht-Zoll-Tiefbrunnenpumpen kommen in Privathaushalten kaum zum Einsatz.

Braucht es eine Genehmigung für den Brunnen?

Wenn Sie einen eigenen Brunnen im Garten planen, sollten Sie sich auf jeden Fall vorher mit den Behörden in Verbindung setzen. In Deutschland muss er in der Regel bei der Unteren Wasserbehörde der Gemeinde oder Kreises angemeldet werden.

Die Meldepflicht gilt neue Brunnen ebenso wie die Wiederinbetriebnahme bestehender Altbrunnen. Gegebenenfalls haben Sie auch Glück und in ihrer Gemeinde müssen sie keinen Brunnen anmelden, sofern Sie das Wasser nur für den eigenen Garten verwenden. In der Landwirtschaft oder bei Gartenbaubetrieben kann es dann wieder anders aussehen.

Anders sieht es aus, wenn das Brunnenwasser nicht nur für die Gartenbewässerung, sondern auch als Trinkwasser genutzt werden soll. Hier braucht es auf jeden Fall eine Genehmigung, zumal hier dann auch das Gesundheitsamt ein Wörtchen mitredet. Das Amt muss prüfen, ob das Wasser hygienisch einwandfrei ist. Diese Prüfung findet dann jährlich statt.

Wollen Sie das Brunnenwasser nur als Brauchwasser nutzen, bekommen Sie einfacher eine Genehmigung. Sie können das Wasser dann für die Waschmaschine oder Toilettenspülung verwenden. Allerdings müssen Sie dafür sorgen, dass die Installationen der Brunnenanlage getrennt von der öffentlichen Wasserversorgung verlaufen.

Eine mögliche Verunreinigung des Leitungswassernetzes gilt es unbedingt zu vermeiden. Außerdem müssen Sie für die Abwasserbeseitigung bezahlen, auch wenn das Wasser aus dem Brunnen kostenlos ist.

Tipp: Wenn Sie das Wasser aus dem Brunnen zur Gartenbewässrung nutzen, müssen Sie die Wasserqualität nicht kontrollieren. Es ist aber anzuraten, wenn Sie zum Beispiel einen Fischteich damit füllen möchten.

 

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