Solarzaun kaufen – der ultimative Ratgeber

Von Dominik Hochwarth

Solarzäune sind eine innovative Lösung, die vielfältige Vorteile bietet: Sichtschutz, Lärmschutz, Windabweiser und die Möglichkeit zur Tierbegrenzung – und das alles bei gleichzeitiger Erzeugung von sauberem Strom. Besonders für Grundstücksbesitzer, deren Dächer für Solarmodule ungeeignet oder bereits belegt sind, stellt der Solarzaun eine ausgezeichnete Alternative dar. Dieser Ratgeber gibt einen umfassenden Überblick über die Vorteile, Funktionsweise, Installation und Kosten eines Solarzauns sowie wichtige Hinweise für den Kauf und Bau.

Solarzaun
Solar-Fence von Osmo bietet einen echten Mehrwert: Er dient als Abgrenzung zum Nachbargrundstück, schützt die Privatsphäre, wertet die Immobilie auf und ermöglicht die nachhaltige Produktion von selbst erzeugtem Strom. (Foto: Osmo)

Das erwartet Sie in diesem Beitrag

1. Was ist ein Solarzaun?

Ein Solarzaun kombiniert die Funktion eines herkömmlichen Zauns mit der Fähigkeit, Solarstrom zu erzeugen. Diese Zäune bestehen aus Photovoltaik-Modulen, die vertikal auf einem Zaunrahmen montiert sind. Diese Anordnung ermöglicht eine zusätzliche Nutzung von Solarenergie, selbst wenn die Dachfläche bereits genutzt oder ungeeignet ist.

1.1 Aufbau und Funktionsweise

Ein Solarzaun besteht aus PV-Modulen, die an einem stabilen Rahmen befestigt sind und durch Pfosten im Boden verankert werden. Diese Module können sowohl einseitig als auch doppelseitig (bifacial) sein, wobei letztere von beiden Seiten Licht einfangen und so den Ertrag maximieren. Der erzeugte Gleichstrom wird über Kabel zum Wechselrichter geleitet, der den Strom in nutzbaren Wechselstrom umwandelt.

1.2 Varianten von Solarzäunen

Es gibt verschiedene Ausführungen von Solarzäunen, die je nach Bedarf und Einsatzort ausgewählt werden können. Einige der häufigsten Varianten sind:

  • Balkongeländer-Solarzäune: Diese sind ideal für Wohnungen und kleinere Häuser, da sie als Geländer fungieren und gleichzeitig Strom erzeugen.
  • Garten-Solarzäune: Diese Zäune können um den gesamten Garten oder das Grundstück installiert werden und bieten zusätzlichen Sichtschutz.
  • Agri-Solarzäune: Diese speziellen Zäune werden in der Landwirtschaft verwendet, um Felder zu schützen und gleichzeitig Strom zu erzeugen.

2. Vor- und Nachteile im Überblick

2.1 Vorteile

  • Effiziente Raumnutzung: Solarmodule werden vertikal aufgestellt und nutzen so ungenutzte Flächen optimal aus.
  • Zusätzliche Energiequelle: Solarzäune ergänzen bestehende Photovoltaikanlagen und bieten zusätzliche Ertragsmöglichkeiten.
  • Sicht- und Lärmschutz: Die Module bieten Schutz vor neugierigen Blicken und reduzieren Lärm.
  • Windschutz: Solarzäune schützen vor starkem Wind und schaffen ein angenehmes Mikroklima.
  • Einfache Montage: Die Installation ist einfacher und kostengünstiger als bei Dachanlagen.

2.2 Nachteile

  • Geringerer Ertrag bei wenig Modulen: Bei kleineren Installationen ist der Ertrag vergleichsweise geringer.
  • Geringere Effizienz durch schlechtere Ausrichtung: Die vertikale Ausrichtung führt zu geringeren Erträgen im Vergleich zu optimal ausgerichteten Dachanlagen.
  • Schadenanfälliger: Solarzäune sind anfälliger für Beschädigungen durch Tiere, Vandalismus oder Umwelteinflüsse.
  • Höherer Wartungsaufwand: Durch die Nähe zum Boden kann Schmutz schneller an den Modulen haften bleiben.
  • Weniger Anbieter: Es gibt weniger Anbieter für Solarzäune im Vergleich zu herkömmlichen Solarmodulen.

3. Arten und Leistung von Solarzäunen

3.1 Arten von Solarmodulen

Solarzäune verwenden bifaciale Solarmodule, die auf beiden Seiten lichtempfindlich sind. Diese Module sind besonders effizient, da sie Licht von beiden Seiten nutzen können. Die zwei Haupttypen von Solarmodulen, die in Solarzäunen verwendet werden, sind:

  • Monokristalline Module: Diese Module bestehen aus einem einzigen Kristall und sind für ihre hohe Effizienz bekannt.
  • Polykristalline Module: Diese bestehen aus mehreren Kristallen und sind kostengünstiger, jedoch etwas weniger effizient als monokristalline Module.

3.2 Leistung und Ertrag

Die Leistung eines Solarzauns hängt von der Ausrichtung und der Anzahl der Module ab. Ein einzelnes Modul mit einer Breite von einem Meter kann jährlich bis zu 300 kWh Strom erzeugen. Bei einer optimalen Ost-West-Ausrichtung können die Erträge deutlich höher sein, da beide Seiten des Zauns Sonnenlicht einfangen.

Beispielrechnung:

  • Südausrichtung: Ein Zaunmodul mit einer Leistung von 750 Wp und einer Länge von 2,5 Metern kann bei Südausrichtung jährlich etwa 3375 kWh Strom erzeugen.
  • Ost-West-Ausrichtung: Bei beidseitiger Nutzung der Module kann die Leistung auf 9000 Wp erhöht werden, was zu einem jährlichen Ertrag von etwa 5400 kWh führt.

4. Installation und Bau eines Solarzauns

4.1 Planung und Genehmigung

Bevor mit dem Bau eines Solarzauns begonnen wird, sollte eine Genehmigung beim zuständigen Bauamt eingeholt werden. Die Höhe und Ausrichtung des Zauns spielen eine entscheidende Rolle bei der Ertragsoptimierung. Solarzäune können in verschiedenen Höhen und Größen erworben werden, wobei die Höhe der Module zwischen 1,20 Metern und 2,30 Metern variiert.

4.2 Montage

Die Pfosten des Solarzauns können einbetoniert, via Rammfundamentierung oder per Aufmauermontage verankert werden. Die Module selbst werden parallel verschaltet, um Verschattungsverluste zu minimieren und die Betriebssicherheit zu erhöhen. Eine detaillierte Anleitung zur Montage umfasst folgende Schritte:

  1. Fundament setzen: Die Pfosten werden in einem Betonfundament verankert, um Stabilität zu gewährleisten.
  2. Rahmen montieren: Der Rahmen wird an den Pfosten befestigt, wobei auf korrekte Ausrichtung und Stabilität zu achten ist.
  3. Module anbringen: Die PV-Module werden am Rahmen befestigt und miteinander verkabelt.
  4. Verkabelung zum Wechselrichter: Der erzeugte Gleichstrom wird über Kabel zum Wechselrichter geleitet, der den Strom in nutzbaren Wechselstrom umwandelt.
  5. Anschluss und Inbetriebnahme: Der Anschluss an das Stromnetz muss von einer Fachkraft durchgeführt werden, um Sicherheitsstandards zu gewährleisten.

5. Kosten und Wirtschaftlichkeit

5.1 Anschaffungskosten

Die Kosten für einen laufenden Meter Solarzaun liegen bei etwa 600 Euro plus Mehrwertsteuer. Diese Investition kann sich durch die Einsparung bei den Stromkosten und eventuelle Fördermittel schnell amortisieren.

5.2 Fördermöglichkeiten

Solarzäune können durch verschiedene staatliche Programme gefördert werden. Es empfiehlt sich, vor dem Kauf Informationen über mögliche Zuschüsse und zinsgünstige Kredite bei den zuständigen Stellen einzuholen. Besonders interessant sind Förderungen über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und regionale Förderprogramme, die die Installation von Photovoltaikanlagen unterstützen.

5.3 Wirtschaftlichkeit

Die Wirtschaftlichkeit eines Solarzauns hängt von mehreren Faktoren ab, darunter die Größe des Zauns, die Leistung der Module und die Sonneneinstrahlung in der Region. Hier ein Beispiel zur Berechnung der Wirtschaftlichkeit:

  • Initialkosten: Für einen 15 Meter langen Solarzaun mit einer Leistung von 4500 Wp betragen die Kosten etwa 9000 Euro.
  • Jährlicher Ertrag: Bei einer Südausrichtung kann der Zaun etwa 3375 kWh pro Jahr erzeugen.
  • Stromeinsparung: Bei einem Strompreis von 36 Cent pro kWh ergibt dies eine jährliche Einsparung von 1215 Euro.
  • Amortisationszeit: Die Investition amortisiert sich somit nach etwa 7,4 Jahren.

6. Solarzaun selbst bauen oder nachrüsten

Wer bereits einen robusten Zaun besitzt, kann diesen mit Solarmodulen nachrüsten. Dies ist oft kostengünstiger als der Neubau eines kompletten Solarzauns. Verschiedene Anbieter bieten Module an, die sich einfach an bestehenden Zäunen montieren lassen.

6.1 Nachrüstung bestehender Zäune

Die Nachrüstung eines bestehenden Zauns mit Solarmodulen kann auf verschiedene Weise erfolgen:

  • Solarmatten: Diese Matten funktionieren ähnlich wie Balkonkraftwerke und können einfach an bestehende Zäune angebracht werden. Sie sind ideal für Holz-, Metall- und Maschendrahtzäune.
  • Starre Solarpaneele: Diese werden über Befestigungsschienen am Zaun montiert und erfordern etwas mehr technisches Know-how. Sie sind langlebiger und bieten höhere Erträge.

6.2 DIY Solarzaun

Für Heimwerker gibt es zahlreiche DIY-Kits und Bauanleitungen, die eine individuelle Gestaltung des Solarzauns ermöglichen. Diese Kits enthalten alle notwendigen Komponenten, darunter Module, Pfosten, Kabel und Wechselrichter. Der Vorteil eines DIY-Projekts ist die Möglichkeit zur individuellen Anpassung und die potenziell geringeren Kosten.

7. Anbieter und Produkte

Mehrere Unternehmen bieten Solarzäune in verschiedenen Ausführungen und Preisklassen an. Zu den bekannten Anbietern gehören Alpha Solar, Next2Sun und Solarcarporte. Diese Firmen bieten maßgeschneiderte Lösungen und umfassende Servicepakete von der Planung bis zur Montage.

7.1 Alpha Solar

Alpha Solar bietet bifaciale Solarmodule mit einer Leistung von 390 Wp pro Modul. Die Module sind in verschiedenen Designs erhältlich und können individuell angepasst werden. Ein 25,3 Meter langer Solarzaun kostet etwa 6838 Euro und kann den Strombedarf eines 5-köpfigen Haushalts decken.

7.2 Next2Sun

Next2Sun produziert hochwertige Solarzäune mit einer Garantie von 30 Jahren auf die Solarfunktion. Die Module sind in verschiedenen Farben und Designs erhältlich, und der Laufmeter kostet ab 750 Euro. Die Lieferzeit beträgt 2-4 Wochen.

7.3 Solarcarporte

Solarcarporte bietet maßgeschneiderte Lösungen mit über 213 Farbtönen und zusätzlichen Features wie Ambiente-Beleuchtung. Die Module sind für eine hohe Ertragsleistung optimiert und bieten eine attraktive Optik. Die Firma gibt eine Garantie von 30 Jahren auf die Solarfunktion und produziert in Deutschland mit 100 % Ökostrom.

7.4 Leeb Balkone und Zäune

Leeb Balkone und Zäune bietet Solarzäune aus Verbund-Sicherheitsglas (VSG) mit einer maximalen Leistung von 210 Wp pro Modul. Die Firma arbeitet mit 80 Partnern in mehreren europäischen Ländern zusammen und bietet umfassende Servicepakete von der Planung bis zur Montage.

7.5. Osmo Solar-Fence

Die Installation der Solar-Fence Anlage kann flexibel an den jeweiligen Bedarf angepasst werden: Das System ist als praktischer Bausatz erhältlich und besteht aus wahlweise einem PV-Modul (114 x 178 cm, 430 W) oder zwei PV-Modulen (230 x 178 cm, 860 W).

8. Rechtliche und technische Aspekte

8.1 Anschluss und Inbetriebnahme

Der Anschluss des Solarzauns an das Stromnetz muss von einer ausgebildeten Fachkraft durchgeführt werden. Die rechtlichen Rahmenbedingungen und Vorschriften sollten vorab geklärt werden, um eine reibungslose Installation und Betriebssicherheit zu gewährleisten.

8.2 Einspeisevergütung

Solarzäune können unter bestimmten Bedingungen eine Einspeisevergütung erhalten. Diese ist jedoch abhängig von der Ausrichtung und Nutzung des Zauns sowie den regionalen Vorschriften. Eine individuelle Prüfung ist daher empfehlenswert.

Die Einspeisevergütung gemäß EEG 2023 sieht für bestimmte Anlagen eine Vergütung von 7,0 Cent pro Kilowattstunde vor, wenn die Anlage auf einem Grundstück innerhalb eines bebauten Ortsteils errichtet wird und bestimmte Bedingungen erfüllt sind.

9. Ertragsprognosen und Wirtschaftlichkeit

9.1 Ertragsprognosen

Die Erträge eines Solarzauns sind im Vergleich zu Dachanlagen aufgrund des steilen Neigungswinkels von 90 Grad geringer. Dennoch können sie einen signifikanten Anteil des Eigenverbrauchs decken und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Beispielrechnung:

  • Eine 8 kWp Anlage in Mainz mit einer globalen horizontalen Einstrahlung von 1132,30 kWh/m²/a erzeugt bei einem Neigungswinkel von 35 Grad etwa 8466 kWh im Jahr. Mit einem Neigungswinkel von 90 Grad (Solarzaun) erzeugt die Anlage etwa 5977 kWh, was einer Reduktion von 29,40 % entspricht.

9.2 Wirtschaftlichkeit

Die Wirtschaftlichkeit eines Solarzauns hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Kosten für die Installation, die Höhe der Einsparungen bei den Stromkosten und die Fördermöglichkeiten. Bei optimaler Planung und Nutzung kann sich die Investition in einen Solarzaun innerhalb weniger Jahre amortisieren.

Fazit

Ein Solarzaun ist eine vielseitige und umweltfreundliche Möglichkeit, zusätzlichen Solarstrom zu erzeugen. Er bietet nicht nur Schutz und Privatsphäre, sondern nutzt auch ungenutzte Flächen effizient. Mit der richtigen Planung und Installation kann ein Solarzaun eine lohnende Investition sein, die sowohl den Eigenverbrauch senkt als auch einen Beitrag zum Klimaschutz leistet.

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