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Fassade begrünen – das ist dabei zu beachten

Sie überlegen, Ihre Fassade zu begrünen? Aus ökologischer Sicht bestimmt eine gute Idee, schließlich hilft jede Pflanze dabei, Kohlendioxid abzubauen und Sauerstoff zu produzieren. Allerdings ist jede Fassadenbegrünung auch ein Eingriff in Konstruktion und Funktion der Außenwand. Hier erfahren Sie, was bei der Planung zu beachten ist und welche Pflanzen sich für die Fassadenbegrünung eignen.

Fassadenbegrünung

Grundsätzliches zur Fassadenbegrünung

Wie bereits angedeutet, ist bei der Fassadenbegrünung eine genaue Planung notwendig, damit die Freude daran lange anhält. Die Planung umfasst Auswahl der Pflanzen und eventuell Auswahl und Befestigung des Klettergerüstes, denn nicht alle Pflanzen benötigen ein Gerüst.

Zudem muss geklärt werden, ob die Fassade überhaupt eine Begrünung verträgt. Einige Kletterpflanzen lieben es dunkel, sie entfliehen dem Licht. Wenn sich in der Fassade Spalten und Risse befinden, wachsen die Triebe dort hinein, sprengen eventuell die Wandbekleidung ab oder lassen den Putz rieseln.

Die Begrünung sorgfältig planen

Als Laie sollten Sie nicht einfach ein paar Kletterpflanzen vors Haus packen und der Natur freien Lauf lassen. Wenn technisch nicht alles in Ordnung ist, sind Schäden an der Fassade zu befürchten. Lassen sich auf jeden Fall von einem Fachmann beraten, denn es warten einige Fallstricke.

Auf jeden Fall ist eine Fassadenbegrünung mit dem Bauamt abzusprechen. Der Grund: Die Kletterpflanzen könnten in den öffentlichen Raum ragen oder das Gebäude steht unter Denkmalschutz. In beiden Fällen kann eine Begrünung der Fassade untersagt werden.

Kletterpflanzen
Farbenpracht an der Fassade (Foto von Claudia Lämmermeyer from Pixabay)

Vorteile einer Fassadenbegrünung

Die Fassadenbegrünung bietet einige Vorteile gegenüber einer konventionellen Fassade, die verputzt und gestrichen oder mit einer Vorhangfassade versehen worden ist. Eine „unbelebte“ Fassade wartet ab dem Zeitpunkt der Fertigstellung nur auf die nächste Renovierung.

Eine begrünte Fassade wird von Jahr zu Jahr schöner und interessanter – in ökonomischer und ökologischer Hinsicht. Hier die Vorteile im Überblick:

  • Hinter einer Pflanzenwand ist es immer schön kühl und das nicht nur, weil es dort schattig ist. Durch die Verdunstung von Feuchtigkeit aus den Blättern tritt ein angenehmer Kühleffekt ein und die trockene Luft wird befeuchtet.
  • Die Pflanzen geben aber nicht nur Feuchtigkeit ab, sondern sie nehmen sie auch auf. Überschüssiges Wasser wird in den Wurzeln gespeichert. Dadurch wird der Mauerfuß trocken gehalten und die Gefahr der Schimmelbildung deutlich herabgesetzt.
  • Viele Blätter sorgen für viel Sauerstoff, das freut Sie und Ihre Nachbarn. Viele Blätter sind aber auch ein guter Staubfilter, sie fangen Schadstoffe aus Abgasen auf, die sich an Staubpartikel gehängt haben – das ist gut für ihre Gesundheit.
  • Bis zu 70 Prozent des Staubes bleibt an einem dichten Blättermeer hängen. Mit einer Fassadenbegrünung kann man somit auch einen kleinen Beitrag zu einem besseren Stadtklima leisten.
  • Die Fassadenbegrünung sorgt im Sommer für frischen Wind. Die Straße ist heiß, die Hauswand nicht so sehr. Dieses Temperaturgefälle, das bis zu 30 Grad betragen kann, erzeugt Luftzirkulationen.
  • Etwas schalldämmend wirkt eine Blätterwand noch dazu, sie ist somit ideal für alle Lärmgeplagten. Zudem haben Menschen das Bedürfnis, sich mit lebendem Grün zu umgeben. Fehlt das Grün, wird es als Mangel empfunden und kann Auswirkungen auf die Psyche haben.
  • Wie bereits angedeutet, bereitet die Fassadenbegrünung auch den Tieren eine Freude. Vögel finden Nistplätze und Insekten zum Fressen.
  • Die blühenden Kletterpflanzen dienen Bienen als Nektarquelle, auch Spinnen, Ameisen und Tausendfüßler fühlen sich in der Fassadenbegrünung wohl – bis sie beispielsweise von den Vögeln gefressen werden. Eine Insektenplage ist daher nicht zu befürchten.

Verschiedene Arten der Fassadenbegrünung

Pflanzen haben unterschiedliche Techniken entwickelt, die Wand hochzuklettern. Manche Pflanzen brauchen dazu Unterstützung in Form von Kletter- und Rankhilfen, andere können ohne fremde Hilfe Wände hochgehen. Es werden ganz grob Selbstklimmer, Ranker und Schlinger unterschieden.

Variante #1 Kletterpflanzen: Selbstklimmer

Efeu und Wilder Wein sind Selbstklimmer und benötigen keine Kletterhilfe. Mit ihren speziellen Haftwurzeln oder Haftscheiben saugen sie sich direkt an der Unterlage wie beispielsweise einer Mauer fest. Probleme können auftreten, wenn Selbstklimmer auf einer Fassadenbekleidung haften.

Wilder Wein
Echter Wein

Efeu kann bis etwa 2 m auskragen, die Kräfte die durch Eigengewicht und Windlasten dann auf die Fassade wirken, sind in keiner statischen Berechnung berücksichtigt. Metallbekleidungen und viele Kunststoffe sind in der Regel zu glatt für einen sicheren Halt der Selbstklimmer.

Auf Putz haftet Efeu gut, bei Rissen ist jedoch Vorsicht geboten. Neue Triebe wachsen in Fugen und Risse hinein und lassen das Mauerwerk abbröckeln.

Daher gilt: Selbstklimmer dürfen nur bei intakten Fassaden ohne Risse, Spalten oder Fugen eingesetzt werden. Meist eignen sie sich nicht bei Fassaden mit Außendämmung.

Variante #2 Kletterpflanzen: Ranker oder Schlinger

Bei Gerüstkletterpflanzen unterscheidet man Ranker und Schlinger bzw. Winder. Ranker sind beispielsweise die Weinrebe oder Clematis, wobei es unzählige Clematisarten gibt. Diese blühen zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Farben.

Glyzine
Glyzine

Ranker benötigen als Kletterhilfe gitterförmige Konstruktionen, Stäbe und Seile, um die sie sich wickeln können. Dabei sind sie relativ harmlos im Gegensatz zu manchen Schlingern, die sich, einer Würgeschlange gleich, auch mal an einer Regenrinne vergreifen.

Der Baumwürger oder die Glyzine können durch das Dickenwachstum Regenrinnen zerdrücken und aus der Halterung lösen. Schlinger bzw. Winder winden sich schraubenförmig um eine möglichst senkrechte Kletterhilfe und sichern sich durch das Dickenwachstum vor dem Abrutschen.

Je nach Wuchsstärke der Pflanze eignen sich Metallgitter oder Stahlseile mit Durchmessern von 0,4 bis 5 Zentimetern als Kletterhilfe. Ebenfalls zu den Winden zählt das Geißblatt, das es in zahlreichen Blütenfarben und unterschiedlicher Blütezeit gibt.

Variante #3 Kletterpflanzen: Spreizklimmer

Ebenfalls eine üppige Blütenpracht bietet die Kletterrose. Sie zählt zu den Spreizklimmern. Spreizklimmer besitzen keine Haftorgane, sondern nur Stacheln, Dornen oder abstehende Seitenzweige. Sie klettern nicht im eigentlichen Sinne, sie haken sich fest.

Kletterrosen
Kletterrosen, allerdings nicht mit passender Kletterhilfe

Spreizklimmer freuen sich über eine waagerechte Kletterhilfe, wobei der Abstand zwischen den Etagen aufgrund der häufig langen, peitschenartigen Triebe bis zu 40 cm betragen darf.

Eine Kletterhilfe kann auch aus dickeren Holzlatten bestehen, wie sie z.B. bei der klassischen Rosenpyramide verwendet wird.
Zu der Gruppe der Spreizklimmer gehören neben den Kletterrosen auch der Winterjasmin oder die Brombeere.

Wie sieht es mit einer Förderung aus?

In manchen Städten und Gemeinden ist eine Fassadenbegrünung förderfähig. Nehmen Sie dazu Kontakt mit dem örtlichen Bau- oder Gartenamt auf. Gefördert werden auf jeden Fall nur bodengebundene Fassadenbegrünungen.

Und wieviel Geld gibt es? Das ist wirklich ganz unterschiedlich. In Köln sind es zum Beispiel bis zu 40 Euro pro Quadratmeter und 20.000 Euro pro Objekt. In Frankfurt bekommen Sie bis zu 50 Prozent der förderfähigen Kosten erstattet, maximal 50.000 Euro je Einzelmaßnahme. In Ulm sind es wiederum 80 Prozent der Kosten, maximal jedoch nur 1500 Euro.

Was kostet die Fassadenbegrünung?

Das lässt sich pauschal natürlich nur schwer beantworten, das hängt auch davon ab, wo Sie wohnen und welche Voraussetzungen gegeben sind. Rechnen Sie damit, dass die Kosten für die Anlage zwischen 15 und 35 Euro pro Quadratmeter liegen.

Dazu kommen noch die Kosten für die Pflege der Fassadenbegrünung. Zur Versorgung mit Wasser und Nährstoffen braucht es zum Beispiel eine automatische Bewässerungsanlage. Die Kosten beginnen je nach Systemanbieter bei 400 Euro.

Generell gilt, dass wandgebundene Systeme vor allem bei Neubauten zum Einsatz kommen, da eine vorausschauende Planung eine kostengünstigere Integration ins Bauwerk ermöglicht. Als Besitzer eines Eigenheims ist eine bodengebundene Begrünung die bessere Wahl, zumal diese auch eventuell gefördert wird.

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