Folgender Beitrag über die Versottung von Schornsteinen war im Prinzip der Einstieg als Bauredakteur. Dank dieses Textes habe ich meine erste Stelle als Redakteur erhalten. Fast unverändert möchte ich ihn hier veröffentlichen. Schornstein

Alles könnte so schön sein. Monatelang haben Sie ihr neu erworbenes Haus in Eigenarbeit renoviert. Neue Fußböden verlegt, die elektrische Anlage erneuert, frisch tapeziert und für behagliche Wintermonate eine neue Niedrigenergie-Heizanlage installiert. Doch schon nach wenigen Wochen entdecken sie im Dachbodenbereich braune Flecken auf ihrer neuen Tapete. Zunächst beschuldigen Sie vielleicht ihren Jüngsten, seine Füße an der Wand abgeputzt zu haben. Schon bald merken Sie jedoch, dass dies nicht die Ursache sein kann, denn die braunen Flecken vermehren sich schnell und schon sind erste Risse zu sehen.

Sie schauen sich die Stelle genauer an und beobachten, dass der Schornstein genau an dieser Stelle vorbei führt. Sofort wird der Bezirksschornsteinfeger kontaktiert und der verspricht, sich die Sache einmal genauer anzusehen.

Schon auf den ersten Blick bestätigt der Schornsteinfeger die schon am Telefon getätigte Aussage. Die Ursache für die braunen Flecken ist die Versottung des Schornsteins. Sie verstehen zunächst nur Bahnhof, bis ihnen der Experte erläutert, was Versottung bedeutet.

Neue Heizungsanlagen Ursache für den versotteten Schornstein

versotteter Schornstein

Dieser Schornstein ist dringend sanierungsbedürftig

Neue Heizungsanlagen besitzen einen besseren Wirkungsgrad. Sie verbrauchen weniger Brennstoff und arbeiten mit geringeren Temperaturen. Der vorhandene Schornsteinquerschnitt war auf die alte Heizungsanlage abgestimmt und für sehr viel höhere Temperaturen ausgelegt. Durch den Einbau der neuen Anlage kühlen sich die Abgase noch innerhalb des Schornsteins unter die Wasserdampf-Taupunkt-Temperatur ab. Aus dem Wasserdampf (gasförmig) wird Wasser (flüssig), das sich an der Kamininnenwand absetzt und diese schließlich durchdringt. Woher kommen aber die braunen Flecken und die Risse wollen sie natürlich wissen, denn Wasser ist bekanntlich durchsichtig und nicht so aggressiv. Ihr Schornsteinfeger erklärt, daß das Wasser freie Säuren, Sulfate, Magnesiumsalze und bestimmte Ammoniumsalze enthält. Freie Schwefelsäure wirkt stets auf den Zement und die carbonathaltigen Zuschlagstoffe ein, der Gips treibt, das heißt er zersprengt die Baumasse und zerstört sie. Verstärkt wird diese Wirkung dadurch, daß die Feuerungseinrichtung moderner Wärmeerzeuger mit erheblich geringerem Luftüberschuß betrieben werden. Somit ergibt sich ein wesentlich höherer CO2-Gehalt der Abgas.

Eine neue Heizanlage ist aber nicht der einzige Grund für die Versottung von Schornsteinen. Auch bei der Befeuerung mit Holz müssen einige Punkte beachtet werden.

Beim Verbrennen von Holz werden circa 75 Prozent seiner Masse als flüchtige Bestandteile frei. Steht zu wenig Sauerstoff zur Verfügung strömen die flüchtigen Bestanteile als unverbranntes Gas durch den Schornstein ins Freie. Diese Schwelgase enthalten Wasserdampf und Teer, welche sich im Kamin niederschlagen und zudem noch umweltbelastend sind. Ist das Holz zudem zu feucht, verstärkt sich die Kondensation noch.

Die Erklärungen kamen für Sie leider zu spät, denn die Versottung des Schornsteins ist bei ihnen schon im vollen Gange. Sie interessiert daher mehr, wie sie der Zerstörung ihres Kamins Einhalt gebieten können. Der Schornsteinfeger erklärt ihnen, dass in dem vorliegenden Fall nur eine Sanierung in Frage kommt. In der Regel werden dabei Rohrsysteme aus den verschiedensten Materialien eingesetzt. Die eingesetzten Innenrohre erfüllen dann alle funktionstechnischen Anforderungen wie Rauchgas- und Kondensatdichtigkeit, Beständigkeit gegen Temperaturbeanspruchung sowie Säureanfall. Materialien, aus denen Rauchrohre zur Sanierung von Rauchfängen hergestellt werden, sind Edelstahl, Aluminium, Keramik sowie Kunststoff starr und flexibel. Schwierig wird die Sanierung, wenn der Rauchfang einen Versatz aufweist. In diesem Fall stehen nur flexible Rauchrohrsysteme als Lösung bereit.

Alten Schornstein sanieren – so wird das gemacht

Die Standsicherheit und der Brandschutz wird bei dieser Art der Sanierung vom alten Schornstein übernommen. Zuletzt wollen Sie wissen, warum die Kamine nicht gleich säure- und temperaturbeständig ausgeführt werden. Die modernen Schornsteine nehmen natürlich Rücksicht auf die Anforderungen der Niedrigenergie-Heizungen, erklärt ihnen ihr Gesprächspartner. Sie werden aus diesem Grund dreischalig ausgeführt. Der Mantelstein, der zumeist aus Bimsbeton besteht, ist das tragende Element des Schornsteins. Die Abgasführung übernimmt ein Schamotte-Rohr, welches eine gewisse chemische Beständigkeit gegen Rauch-Kondensate aufweist. Dieses Rohr wird mit einem Spezialmörtel zusammengesetzt. Zur Isolierung ist das Schamotte-Rohr in eine Schicht aus Mineralfaser oder Perlite-Schüttung eingebettet. Auf diese Weise kühlt das Rauchrohr nichts aus und Kondensation kann bei ausreichenden Zugverhältnissen verhindert werden.

Fotos: KfW-Bildarchiv / Thomas Klewar