Wärmedämmputz klingt erst einmal super – dämmen und verputzen in einem Arbeitsgang. Die Hersteller finden solche eine Lösung natürlich klasse, doch was sagt die Praxis? Funktioniert ein Wärmedämmputz auch bei einem Altbau? Ich habe es ausgerechnet.

Wärmedämmputz aufbringen

Foto: DIATHONITE EVOLUTION

Was ist ein Wärmedämmputz überhaupt?

Bei einem Wärmedämmputz handelt es sich um eine besonders dicke Putzschicht mit einer niedrigen Wärmeleitfähigkeit. Konkret wird einem Putz aus Kalk und Zement ein Leichtzuschlag in Form von Kügelchen aus Polystyrol, Blähglas, Bimsstein oder Perlite zugefügt.

Das klingt ganz gut, doch einige Dinge müssen beachtet werden. Erstens beträgt die Putzstärke maximal 10 cm, zudem ist die Leitfähigkeit von Wärmedämmputzen in der Regel deutlich höher als die der gängigen Dämmmaterialien. Das liegt vor allem daran, dass die Menge der Leichzuschläge dadurch begrenzt wird, dass die mechanische Stabilität des Putzes nicht zu sehr leiden darf.

Wie gut dämmt ein Wärmedämmputz?

Zehn Zentimeter Dämmputz haben eine wesentlich geringere Dämmwirkung als zehn Zentimeter einer herkömmlichen Dämmschicht aus gängigen Dämmstoffen wie Mineralwolle, Holzfaserdämmung oder Hartschaumdämmung.

Ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) ist einem Wärmedämmputz, was die thermische Qualität angeht, deutlich überlegen. Doch sind solch einem WDVS insbesondere bei der Altbausanierung, der Dämmung denkmalgeschützter Fassaden oder bei Nischen, Laibungen oder Rundbögen auch Grenzen gesetzt. Hier kommt dann der Wärmedämmputz ins Spiel.

Dämmputz mit Aerogel

Noch in den Kinderschuhen steckt Dämmputz mit Aerogel. Bei Aerogel handelt es sich um eine Masse mit einem enorm hohen Wärmedämmwert. Sie besteht fast komplett aus Luft. In Kombination mit Putz besitzt ein solcher Aerogel-Dämmputz eine Wärmeleitfähigkeit von rund 0,03 W/mK. Herkömmlicher Wärmedämmputz hat im Vergleich eine Wärmeleitfähigkeit von etwa 0,077 W/mK. Die Verarbeitung ist jedoch etwas komplizierter, da die feinen luftgefüllten Poren beim Auftragen zerstört werden können.

Einige Rechenspiele

Der U-Wert ist die wichtigste Kenngröße, wenn es darum geht, die Dämmwirkung eines Bauteils zu beurteilen. Ich habe einmal durchgerechnet, wie sich der U-Wert einer Wand ändert, wenn zusätzlich ein Wärmedämmputz aufgetragen wird:

Beispiel 1 – Neubau

Im ersten Beispiel ist der Ausgangspunkt ist eine 36 cm starke Wand aus Poroton-Ziegeln mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,1 W/mK. Sie besitzt einen U-Wert von 0,27 W/m²K.

Das ist bereits ein sehr guter Wert, solch ein Baustoff wird allerdings nur bei Neubauten verwendet. Auch ist eine Außenwandstärke von 36 cm (exakt 36,5 cm) schon im oberen Bereiche. Häufig werden 24 cm oder 30 cm starke Außenwände realisiert.

Durch eine außen aufgebrachte, 10 cm dicke Schicht Wärmedämmputz sinkt der U-Wert von 0,27 W/m²K auf 0,197 W/m²K. Es handelt sich dabei um einen Dämmputz mit der Wärmeleitfähigkeit von 0,077 W/mK.

Beträgt die Schichtdicke nur 5 cm, beträgt der U-Wert 0,226 W/m²K. Auch damit wird der nach EnEV 2014 U-Wert von 0,24 W/m²K noch eingehalten.

Beispiel 2 – Altbau

Im zweiten Beispiel möchte ich mir einen Altbau mit Wänden aus Hochlochziegeln aus der Nachkriegszeit anschauen. Eine 30 cm dicke Wand besitzt einen U-Wert von 1,49 W/m²K – bei einer Wärmeleitfähigkeit von 0,6 W/mK. Das ist weit entfernt von den geforderten Werten.

10 cm Wärmedämmputz (mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,077 W/mK) hilft hier nicht entscheidend weiter. Bei einer Putzdicke von 10 cm wird ein U-Wert von 0,51 W/m²K erreicht, bei 5 cm sind es lediglich 0,76 W/m²K. Hier braucht es dann ein WDVS, um die EnEV einzuhalten.

Mit einer Dämmschicht aus 15 cm PUR-Hartschaum sinkt der U-Wert unter den von der ENEV vorgegebenen Wert und beträgt 0,171 W/m²K. Das gilt bei einer Wärmeleitfähigkeit von 0,029 W/mK für den Dämmstoff.

Fazit

Bei einem Altbau lässt sich der von der Energieeinsparverordnung geforderte U-Wert durch Verwendung eines Wärmedämmputzes nicht erreichen. Dennoch kann es bei denkmalgeschützten Fassaden eine Alternative sein, auf einen Dämmputz zurück zu greifen.