Die richtige Grundstücksgröße für jeden Haustyp

Von Dominik Hochwarth

Baugrund wird immer teurer und ist rar gesät. Nicht jeder hat daher die Möglichkeit, sich den Traum vom freistehenden Einfamilienhaus zu erfüllen. Auch der Bebauungsplan macht oft einen Strich durch die Rechnung, da die Stadt ein Gebiet dichter besiedeln möchte, als es mit einer Siedlung von freistehenden Einfamilienhäusern (EFH) möglich wäre. Doch es gibt Alternativen, die weniger Platz benötigen. Hier erfahren Sie alles über die verschiedenen Hausformen und wieviel Grundstück sie jeweils benötigen.

Hausplanung

Das erwartet Sie in diesem Beitrag

Auf einen Blick: Die Haustypen und der Platzbedarf

In der nachfolgenden Tabelle finden Sie die Mindestgrößen von Grundstücken in Abhängigkeit vom jeweiligen Haustyp. Diese Zahlen nehmen Stadtplaner oder Architekten zur Hand, wenn Sie neue Baugebiete oder einzelne Häuser planen. Für Sie als Bauherr sind die Werte sicherlich ebenfalls sehr interessant, denn dann sehen Sie sofort, was auf Ihrem Grundstück alles möglich ist.

HaustypZahl der GeschosseMindestgröße des Grundstücks in Metern (Front x Tiefe)Größe in Quadratmeter
Freistehendes EFH120 x 20400
Freistehendes EFH218 x 19342
Doppelhaus1,516 x 19304
Doppelhaus214 x 19266
Kettenhaus1,510 x 22220
Kettenhaus29 x 21189
Gartenhofhaus115 x 13195
Reihenhaus + Stellplatz26 x 21 + 30 qm (Stellplatz)156
Reihenhaus27 x 22154
Reihenhaus + Stellplatz35 x 24 + 30 qm (Stellplatz)150

Mit den obigen Werten lässt sich folgende Wohndichte in Einwohnern pro Hektar erzielen. Das mag uns Häuslebauer wenig interessieren, Stadtplaner hingegen schon. Da ich ursprünglich in diesem Bereich studiert habe, möchte ich die Zahlen nicht weglassen.

HaustypDurchschnittliche Wohndichte [Einw/ ha]
Freistehendes EFH70 – 80
Freistehendes EFH80-90
Doppelhaus90-110
Doppelhaus110-130
Kettenhaus< 150
Kettenhaus< 180
Gartenhof- haus< 185
Reihenhaus + Stellplatz< 210
Reihenhaus< 250
Reihenhaus + Stellplatz< 220

In den folgenden Kapiteln dieses Artikels finden Sie in den Zeichnungen einige Abkürzungen, die wir hier kurz erläutern möchten:

Hausform #1: Freistehendes Einfamilienhaus

 Ein freistehendes Einfamilienhaus ist ein ebenerdig erschlossenes Einzelhaus, das ein- bis zweigeschossig erstellt wird. Bei eingeschossigen Häusern spricht man auch von „Bungalows“. Je nach Dachneigung ist das Dachgeschoss noch zusätzlich ausbaubar. Bei diesem Haustyp ist die Freiheit bei Grundrissgestaltung und Formgebung natürlich nahezu grenzenlos.

Auch die Ausrichtung nach der Sonne ist möglich. So sollten der Wohnraum und das Kinderzimmer möglichst von mittags bis abends die Sonne sehen. Das Schlafzimmer sollte morgens von der Sonne begrüßt werden, während das Esszimmer den ganzen Tag Sonne vertragen kann.

Neben so viel Individualität hat ein freistehendes Einzelhaus auch seine Nachteile. Neben dem hohen Grundstücksflächenbedarf kommt noch ein hoher Erschließungsaufwand sowie eine ungünstige Energiebilanz hinzu. Dies alles summiert sich zu relativ hohen Baukosten.

Einfamilienhäuser

Die richtige Grundstücksgröße für ein freistehendes EFH

Was die Größe des Grundstücks angeht, kommt es natürlich auf die geplante Hausgröße an. Typischerweise hat ein freistehendes Einfamilienhaus eine Wohnfläche von rund 150 Quadratmetern.

Oft verteilt sich diese auf ein Erdgeschoss und ein ausgebautes Dachgeschoss. Wird die Fläche des Dachgeschosses zur Hälfte angerechnet, ergibt sich eine benötigte Grundfläche von 100 Quadratmetern.

Kommen dann noch 1, 2 Garagen dazu, erhöht sich die Fläche schnell auf 140 Quadratmeter. Dazu noch der Garten und die benötigten Abstandsflächen, das sind als Mindestgröße schnell die in der Tabelle angegebenen 342 Quadratmeter beisammen.

Für einen eingeschossigen Bungalow benötigen Sie noch mehr Platz, spielt sich das Leben doch auf einer Ebene ab.  Die 150 Quadratmeter Wohnfläche entsprechen dann der benötigten Grundfläche – es kommen also zu den 342 Quadratmetern noch rund 50 dazu. In der Tabelle wird eine Mindestfläche von 400 Quadratmetern angegeben.

Hausform #2: Doppelhaus

Ebenfalls eine ebenerdig erschlossene Hausform ist das Doppelhaus. Dieses teilt sich in zwei ähnliche Haushälften auf, in der jeweils eine Familie wohnen kann. Doppelhäuser werden von einem Bauträger häufig schon fix und fertig angeboten. Sie lassen sich jedoch auch individuell gestalten.

Sogar der individuelle Entwurf jeder Haushälfte für sich ist möglich, jedoch äußerst selten. Ein Doppelhaus besteht aus ein bis zwei Geschossen, wobei je nach Dachform auch das Dachgeschoss ausgebaut werden kann. Die Ausrichtung nach der Sonne ist möglich. Der Grundstücksflächenbedarf gegenüber einem Einzelhaus ist um einiges geringer.

Hausformen Doppelhaus

Die richtige Grundstücksgröße für ein Doppelhaus

Bei einem Doppelhaus ist der Grundstücksbedarf nicht ganz so hoch wie bei einem freistehenden Einfamilienhaus. Das liegt insbesondere daran, dass es zu einer Seite keine Abstandsfläche gibt. Zwei Häuser werden direkt aneinander gebaut. Außerdem sind Doppelhäuser tendenziell höher als Einfamilienhäuser.

Je nachdem, ob das Doppelhaus eineinhalb- oder zweigeschossig geplant wird, sollte das Grundstück mindestens 304 bzw. 266 Quadratmeter groß sein. Wobei es auf ein, zwei Quadratmeter mehr oder weniger nicht ankommt.

Hausform #3: Reihenhaus

Kommt es darauf an, möglichst viele Personen auf kleiner Fläche unterzubringen, ist das Reihenhaus der geeignetste Haustyp bei Einfamilienhäusern. Diese Gebäudeform zeichnet sich durch eine geringe Grundfläche und seinen Ausbau auf bis zu drei Geschosse aus.

Der Grundriss von Reihenhäusern ist meist einheitlich und Variationen sind nur in geringem Umfang möglich. Der PKW-Stellplatz ist entweder auf dem eigenen Grundstück oder in Gemeinschaftsstellplätzen. Die geringe Grundstücksfläche wirkt sich positiv auf die Bau- und Erschließungskosten aus, so dass diese Hausform sehr gerne gebaut wird.

Reiheneckhäuser müssten eigentlich Reihenanfangs- oder Reihenendhäuser heißen. Sie sind beliebter, aber auch teurer als Häuser mitten in der Baureihe, weil sich an der Giebelseite in der Regel noch ein schmales Grundstück befindet, durch das ein direkter Zugang zum Garten möglich wird. Außerdem können in den Giebel Fenster oder sogar Balkone eingebaut werden.

Hausformen Reihenhaus

Die richtige Grundstücksgröße für ein Reihenhaus

Wie bereits geschrieben, braucht ein Reihenhaus besonders wenig Platz. Wenn es sich nicht gerade um ein Reihenendhaus handelt, gibt es rechts und links des Gebäudes keine Abstandsflächen. Garten findet sich dann lediglich vor und auch hinter dem Haus. Platz für eine Garage ist in der Regel keiner vorhanden. Mitunter gibt es aber Stellplätze.

Kleinere Reihenhäuser lassen sich ab etwa 150 Quadratmetern Grundstücksfläche bauen. Es kommt dabei immer auch darauf an, wie hoch das Reihenhaus ist. Viele haben zwei Vollgeschosse und zusätzlich noch ein ausgebautes Dachgeschoss – eventuell sogar drei Vollgeschosse. Da lässt sich die Grundfläche recht niedrig halten.

Hausform #4: Kettenhaus

Das Kettenhaus ist eine spezielle Art des Reihenhauses. Meist gleichartig gestaltete Häuser mit gleichem Grundriss für (in der Regel) eine Familie werden versetzt aneinander gereiht. Eine individuelle Gestaltung ist nur begrenzt und auch nur in Absprache mit den anderen Hausbesitzern möglich.

Bei guter Planung des Bauträgers (Kettenhäuser sind meist eine Trägermaßnahme) ist auch bei Kettenhäusern eine günstige Gebäudestellung möglich. PKW-Stellplätze lassen sich auf dem Grundstück ebenfalls unterbringen.

Trotz höherer Verdichtung mit kleinen Grundstücksflächen, lässt sich dennoch ein hoher Wohnwert erreichen. Zudem ist der Erschließungsaufwand geringer, als beispielsweise bei einem Doppelhaus oder gar einem Einzelhaus.

Hausformen Kettenhaus

Die richtige Grundstücksgröße für ein Kettenhaus

Was die Mindest-Grundstücksgröße angeht, liegt das Kettenhaus zwischen Reihenhaus und Doppelhaus. Die Größe fängt bei rund 220 Quadratmetern für ein eineinhalbgeschossiges und bei 190 Quadratmeter für ein zweigeschossiges Kettenhaus an.

Hausform #5: Gartenhofhaus/ Atriumhaus

Der Innenhof ist das typische Merkmal eines Gartenhof- bzw. Atriumhauses. Er bietet trotz kleinem Grundstück und dichter Bebauung einen privaten, geschützten Freiraum. Das Gartenhofhaus ist meistens ein eingeschossiges Einfamilienhaus.

Trotz einer kollektiven Bebauungsform, bleibt dennoch die Freiheit der Grundrissgestaltung und des Entwurfs. Das Dach sollte in Material und Farbe jedoch einheitlich gestaltet sein.

Für die Besonnung ist das Gartenhofhaus sehr günstig. Günstig sind auch die Erschließungskosten und der Flächenverbrauch. Garagen bzw. Einstellplätze befinden sich entweder auf dem privaten Grundstück oder in Sammelanlagen.

Hausformen Gartenhofhaus

Die richtige Grundstücksgröße für ein Atriumhaus

Für ein Atrium- bzw. Gartenhofhaus müssen Sie eine Mindest-Grundstücksgröße von etwa 200 Quadratmetern einplanen. Ein Großteil davon ist überbaut, einen großen Garten gibt es nicht, sondern nur den Innenhof. Aber der reicht vielen sicherlich bereits aus.

Hausform #6: Stadthaus

Das Stadthaus passt sich den beengten (und teuren) Platzverhältnissen in der Stadt an und hat demzufolge eine sehr kleine Grundstücksfläche. Es wächst dafür in die Höhe und kann bis zu drei Stockwerke hoch sein. Meist wohnt auch mehr als eine Familie in einem Stadthaus.

Stadthäuser sind eine Reihung gleicher oder abgestimmt variierter Haustypen. Durch die kleinen Grundstücke und der mehrgeschossigen Bauweise ist eine sehr gute Verdichtung möglich. Dennoch bleibt der Wohnwert erhalten.

Der Pkw-Stellplatz befindet sich entweder auf dem Grundstück, der Straße oder einer Sammelanlage. Durch die Lage in der Stadt ist meist auch eine gute Infrastrukturanbindung gegeben.

Hausformen Stadthaus

Die richtige Grundstücksgröße für ein Stadthaus

Wie bereits geschrieben, haben Stadthäuser in der Regel ein recht kleines Grundstück. Die Größe fängt bei rund 180 bis 200 Quadratmetern an. Damit dennoch genügend Wohnfläche vorhanden ist, gibt es oft drei, vier Stockwerke.

Über den Autor

Schreibe einen Kommentar