Offen Wohnräume liegen im Trend, große Räume vermitteln ein Gefühl von Freiheit und lasst sich einfach einrichten. Diesem Trend stellen sich viele Altbauten mit ihren kleinen Zimmern entgegen. Die Folge: Innenwände sollen versetzt oder tragende Wände entfernt werden. Doch das ist nicht immer so einfach und ohne Statiker sollten Sie niemals solch ein Projekt angehen. Hier erfahren Sie, auf was Sie achten müssen, wenn Sie sich mehr Freiraum in Ihrem Haus oder Ihrer Wohnung schaffen möchten.

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Unverzichtbares Werkzeug zum entfernen von Wänden (Foto: Pixabay / falconp4 / Creative Commons CC0)

Definition tragend – nicht tragend

Bevor wir ins Detail gehen, zunächst einmal ein kurze Definition: Was bedeutet „tragend“ und was bedeutet „nicht tragend“?

Als tragend werden alle Wände angesehen, die Lasten aus anderen Bauteilen aufnehmen und weiterleiten. Das können unter anderem Decken, Unterzüge oder Dachstühle sein. Tragende Wände leiten die Lasten nach unten weiter. Entweder auf untere Stockwerke oder direkt ins Fundament.

Nicht tragende Wände dürfen keine Lasten aus anderen Bauteilen aufnehmen. Sie müssen aber in der Lage sein, auf sie wirkende Belastungen wie zum Beispiel Wind oder einen Anprall auf andere tragende Bauteile abzutragen. Sie müssen außerdem kleine Konsollasten aufnehmen können – zum Beispiel Regale oder Bilder.

 Verschiedene Arten von Innenwänden

Prinzipiell lassen sich alle Wände versetzen oder entfernen – manchmal ist es ganz einfach, manchmal aber auch ziemlich kompliziert und mit jede Menge Hirnarbeit und aufwändigen Umbaumaßnahmen verbunden.

Grob lassen sich drei Arten von Innenwänden unterscheiden:

  • Tragende Wände
  • Nicht tragende Wände
  • Trockenbauwände

Nachfolgend erfahren Sie, worin sich die verschiedenen Innenwand-Arten unterscheiden und wie Sie damit umgehen sollten.

Tragende Innenwände

Tragende Wände sind das, wovor sich alle Selbermacher fürchten bzw. fürchten sollten. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Statik des Gebäudes. Die Statik kümmert sich darum, dass alle Kräfte im Gleichgewicht bleiben. Damit kann es ganz schnell vorbei sein, wenn an einer Stelle  – sprich Wand – manipuliert wird.

Es sind schon manche Häuser zusammengebrochen, weil eine tragende Wand etwas zu vorschnell entfernt wurde. Mit etwas Glück bleibt alles stehen und das Haus bekommt lediglich Risse. Diese lassen sich aber auch nur mit großem Aufwand wieder beseitigen.

Wenn Sie daher einen Durchbruch durch eine tragende Wand machen oder sie komplett entfernen wollen, sollte der erste Weg zum Statiker gehen. Der sagt Ihnen, an welcher Stelle und in welche Stärke Träger einzubauen sind. Diese übernehmen die Aufgabe der Wand und tragen die Lasten nach unten ab.

Wie lassen sie sich erkennen?

Meist sind tragende Wände 17,5 oder dicker, wenn sie gemauert sind. Auch bei Wänden aus Stahlbeton können Sie davon ausgehen, dass sie tragend sind. Aber dünne Wände sind nicht gleichbedeutend mit nicht tragend. Es gibt zum Beispiel alte Bundwände, die sind nur sieben Zentimeter stark, deren Pfosten tragen dennoch.

Und selbst wenn eine Wand keine Lasten von oben abtragen muss, kann sie eine statische, weil aussteifende Funktion haben. Zum Beispiel um Windkräfte aufzunehmen oder Querwände zu stabilisieren.

Ein Hinweis, dass es sich um tragende Wände ist zudem gegeben, wenn sich die Innenwände über verschiedene Stockwerke hinweg an der gleichen Stelle befinden. Aber das ist wie gesagt auch nur ein Hinweis und kein Beweis. Es gibt genügend moderne Häuser, bei denen die tragenden Innenwände nicht übereinander liegen.

Wenn Sie noch Ihre Bauunterlagen haben, können Sie dort nachschauen, welche Wände tragend sind und welche nicht. In allen anderen Fällen müssen Sie einen Baufachmann beauftragen, der sich Ihr Haus vor Ort anschaut. Das kostet vielleicht einmalig 500 Euro, doch dann besteht zumindest Sicherheit. Ein zerstörtes Haus ist wesentlich teurer. Zumal keine Versicherung die Kosten übernimmt, wenn Sie selbst tätig geworden sind.

Nicht tragende Wände

Nicht tragende Wände sind in der Regel dünner als tragende. Oft sind sie nur maximal 11,5 Zentimeter dick. Da aber laut DIN auch tragende Wände mit 11,5 Zentimeter Stärke erlaubt sind, können Sie bei einer 11,5 cm dicken Wand nicht zu 100 Prozent sagen, ob tragend oder nicht tragend.

Ein Hinweis auf eine nicht tragende Innenwand kann es sein, wenn diese an die Außenwand und eine dickere Innenwand stößt. Steht die 11,5 Zentimeter starke Wand hingegen am Treppenloch, kann sie auch tragend sein.

Wenn Sie zu 100 Prozent wissen, dass eine Wand nachträglich eingezogen wurde, um zum Beispiel ein Badezimmer abzutrennen, können Sie davon ausgehen, dass es sich um eine nicht tragende Innenwand handelt. Sie darf entfernt werden, ohne dass die Statik des Gebäudes beeinträchtigt wird.

Vorsicht: Bei den 11,5 Zentimetern handelt es sich um Rohbaumaße. In der Regel kommen auf beiden Seiten noch ein, zwei Zentimeter Putz und / oder Tapete dazu. Sie messen dann 15 Zentimeter und denken, alles ist gut. Die Wand ist tragend. Pustekuchen.

Trockenbauwände

Bei Trockenbauwänden und Zwischenwänden aus Gipsdielen können Sie sich sicher sein, dass es sich um nicht tragende Wände handelt. Sie dürfen ohne statischen Nachweis entfernt werden. Doch Vorsicht – in den Wänden können Wasser- und Elektroleitungen verlaufen, die dürfen Sie beim Abriss nicht beschädigen.

Pfosten, Balken und Gipskartonplatten kommen nicht nur bei Trockenbauwänden, sondern auch bei Fertighäusern zum Einsatz. Hier können Sie die Innenwände aber nicht so einfach entfernen, denn die Wände können durchaus tragend sein.

Vorsicht bei Balken und Stützen

Pfosten und Balken aus Holz, Beton oder Stahl dürfen Sie nicht so ohne weiteres entfernen. In der Regel wurden sie nicht zur Zierde eingezogen, sondern um irgendetwas zu halten. Bevor Sie eine Stütze entfernen – Fachmann fragen.

Pfosten und Balken aus Holz kommen bei Fachwerkhaus zum Einsatz. Hier ist besondere Vorsicht angesagt. Manche Bauteile, die ursprünglich Kräfte abtragen sollten, haben mittlerweile keinerlei statische Wirkung mehr. Das übernehmen dafür andere Bauteile, die das eigentlich gar nicht machen sollten. Bevor Sie bei einem alten Fachwerkhaus die Kettensäge anschmeißen, sollten Sie unbedingt einen Statiker, Zimmermann oder Architekten fragen.

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