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Thermoholz als Alternative zum Tropenholz

Holz ist ein wunderbares Material, aber auch anfällig für Fäulnis, Dimensionsänderungen oder Befall von Schädlingen. Kurz gesagt: es ist mitunter nicht besonders widerstandsfähig. Gerne wird daher zu Tropenholz gegriffen, das bessere Eigenschaften besitzt. Das muss jedoch nicht sein – als Alternative bietet sich sogenanntes Thermoholz an. Was es damit auf sich hat, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Thermoholz für die Terrasse
Thermoholz eignet sich perfekt für die Terrasse

Etwas über die Geschichte von Thermoholz

Schon seit Jahrhunderten ist bekannt, dass Holz unter Hitzeeinwirkung widerstandsfähiger wird. Doch erst in den vergangenen Jahren wurde das Phänomen auch wissenschaftlich untersucht und Thermoholz industriell gefertigt.

Genauer gesagt waren es die Finnen, die sich für Wärmebehandlung des Holzes ohne chemische Zusätze interessierten. Seit einigen Jahren ist das Holz auch vermehrt in Deutschland erhältlich und es findet immer mehr zahlreiche Abnehmer. Zumal Thermoholz aus einheimischen Hölzern die sehr viel widerstandsfähigeren Tropenhölzer wie Bangkirai oder Teak zu ersetzen vermag.

Ganz ohne Chemie kommen Thermohölzer im Außenbereich dann aber doch nicht aus. Das Holz vergraut dennoch und sollte daher mit UV-Blockern gegen UV-Strahlung geschützt werden, wenn die edle Farbe erhalten werden soll.

Wie entsteht Thermoholz?

 Früher erhöhten Köhler die Widerstandsfähigkeit von Holz, das im Wasserbau eingesetzt wurde oder den Kontakt mit Erde lange überstehen musste. Durch die Hitze in der Köhlerei verbrannte die Oberfläche des Holzes leicht und es bekam die typisch dunkle Farbe.

Diese dunkle Farbe ist auch ein Merkmal des Thermoholzes. Die Köhlerei wird allerdings durch Spezialtrockenkammern ersetzt und die Wärmebehandlung erfolgt computergesteuert. Das Holz wird über mehrere Stunden bis zu 250 Grad erhitzt, und verliert bei diesem Vorgang einen Hauptteil seiner Feuchtigkeit.

Durch die Behandlung ändert sich die Holzfarbe von hellbraun bis dunkelbraun. Es gibt drei Behandlungsstufen, die dem Verwendungszweck des Holzes entsprechend gewählt werden.

Was passiert bei der Wärmebehandlung?

Unter dem Einfluss von Hitze und Feuchtigkeit wird der Zellaufbau so verändert, dass die Möglichkeit der Wasseraufnahme entscheidend verringert wird. Dies bewirkt eine Reduzierung des Quellens und Schwindens. Zusätzlich werden innere Spannungen abgebaut und die Formstabilität von Thermoholzprodukten gewährleistet.

Bei Temperaturen über 200 Grad Celcius erfolgt ein Abbau der Holzzucker. Diese können daraufhin von den Fäulnispilzen nicht mehr genutzt werden. Es kommt zu einer gleichmäßigen Verteilung der holzeigenen Abwehrstoffe. Die Resistenz wird somit erheblich verbessert, ohne dass Chemikalien eingesetzt werden.

Wo früher die Terrasse aus Bangkirai oder druckimprägniertem Holz sein musste, kann heute wärmebehandelte Fichte verwendet werden. Die edle Farbe bekommt man sogar gratis hinzu. Ständigen Kontakt mit dem Erdboden verträgt der Werkstoff allerdings nicht.

Welche Holzarten eignen sich zum Thermoholz?

Grundsätzlich sind alle Holzarten für die Wärmebehandlung geeignet. Besonders effektiv ist sie bei Hölzern wie Fichte, Espe, Erle, Kiefer und Birke. Zur Verarbeitung eignet sich allerdings nur erstklassiges Rohholz, denn zum Beispiel Aststellen verbrennen bei der Hitzebehandlung und führen zu untauglichen Endprodukten.

Beliebt sind zum Beispiel Thermoesche und Thermokiefer:

  • Thermoesche ist äußerst dimensionsstabil, langlebig sowie fäulnis- und wetterbeständig. Es eignet sich perfekt für Einsatzbereiche, wo stark wechselnde Luftfeuchtigkeit vorzufinden ist. Auch bei starken Klimaschwankungen hat es sich bewährt. Gerne kommt es daher beim Terrassenbau zum Einsatz.
  • Thermokiefer ist dimensionsstabil, biologisch dauerhaft und besitzt eine niedrige Wärmeleitfähigkeit. Außerdem lässt es sich schnell verarbeiten. Gerne wird es als Alternative zu Lärche im Terrassen- und Fassadenbau eingesetzt.

Lässt sich Thermoholz normal bearbeiten?

Die Holzbearbeitung durch Schleifen, Hobeln, Sägen, Schrauben oder Drechseln lässt sich durchführen, ohne dass dabei die Haltbarkeit des Holzes eingeschränkt wird. Allerdings wird die Biege- und Spaltfestigkeit des Holzes durch die Wärmebehandlung etwas reduziert.

Für statische Zwecke sollte es daher nicht verwendet werden (Sparren, Balken usw.). Auch ist das Holz spröder, was zu einer schnelleren Rissbildung führen kann.

Dies muss bei der Montage durch Vorbohren und Einsatz passender Schrauben berücksichtigt werden. Risse können sich nach der Verarbeitung allerdings nicht weiter vergrößern, da das Holz nicht mehr arbeitet.

Thermoholz Fassade
Thermoholz lässt sich gut für die Fassadenverkleidung verwenden

Welche Einsatzbereiche hat Thermoholz?

Thermoholz ist überall dort der ideale Baustoff, wo klimatische Veränderungen und Schwankungen der Luftfeuchtigkeit vorherrschen, wie zum Beispiel bei Sauna und Sanitär, im Außenbereich oder bei Holzböden mit Fußbodenheizung.

Sinnvoll eingesetzt werden kann das Holz, wenn Dauerhaftigkeit, Dimensionsstabilität und Optik gefragt ist. Eine Ausnahme bilden, wie bereits erwähnt, statisch genutzte Bauteile wie Sparren, Balken usw.

Außenbereich

Innenbereich

  • Fassadenelemente
  • Gartenmöbel
  • Terrassenböden und Holzfliesen
  • Fenster und Fensterläden
  • Außentüren
  • Pergolen
  • Windschutzelemente
  • Schallschutzwände
  • Spielgeräte für Spielplätze
  • Fußböden
  • Möbelbau
  • Täfelungen
  • Deckenbekleidungen
  • Sauna und Bad

Welche Vorteile besitzt Thermoholz?

Viele der Vorteile von Thermoholz wurde in den vorangegangenen Abschnitten bereits behandelt, hier kommen sie kurz und kompakt:

  • Holz wird beständiger gegen Witterung und Temperaturschwankungen
  • Höhere Dimensionsstabilität, geringe Neigung zum Verzug/Schüsselung
  • Größere Oberflächenhärte
  • Bessere Fäulnisresistenz
  • Geringere Rissbildung, seltener Spannungsrisse
  • Höherer Isolationswert, da reduzierte Wärmeleitfähigkeit
  • 100 % frei von Chemie, daher recyclebar
  • Lange Lebensdauer von bis zu 30 Jahren bei horizontalem Einbau

Welche Nachteile besitzt Thermoholz?

Wie bei den Vorteilen haben Sie im bisherigen Beitrag bereits einiges über die Nachteile von Thermoholz erfahren. Hier kommen Sie auf einem Blick:

  • Das Holz wird durch die thermische Behandlung dunkler
  • Die Behandlung erfordert einen hohen Energieaufwand
  • Die Biege- und Spaltfähigkeit wird reduziert, für statische Zwecke daher nicht so gut geeignet
  • Das Holz wird spröder durch die Hitzebehandlung
  • Bei Bearbeitung splitter- und bruchanfälliger

Wie gut ist Thermoholz nun wirklich?

Sie haben nun einiges über die Herstellung, Verwendung sowie die Vor- und Nachteile von Thermoholz gelernt. Sie wissen, dass das Holz nicht uneingeschränkt als positiv zu bewerten ist. Klar – es kann Tropenholz ersetzen, aber das Erhitzungsverfahren von Thermoholz ist auch ziemlich energieaufwändig. Das sollten Sie immer berücksichtigen, wenn Sie auf die Ökobilanz schauen. Auch kann es nicht für alle Bereiche verwendet werden. Soll es tragende Aufgaben übernehmen, ist es „normalem“ Holz deutlich unterlegen.

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