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Asbest erkennen – Gefahren vermeiden

Seit rund 30 Jahren – genauer gesagt ab 1993 – ist Asbest hierzulande (Deutschland) verboten. Aber noch immer findet man in und an vielen Häusern Baustoffe aus dem krankmachenden Fasermaterial. Erfahren Sie in diesem Ratgeber, wo Sie auf asbesthaltige Produkte treffen könnten und wie Sie sich verhalten sollten, wenn Sie Asbest erkennen.

Asbest Dach

So gefährlich ist Asbest

Bei Asbest handelt es sich um natürlich vorkommende, mineralische Fasern. Da sie eine hohe Zugfestigkeit besitzen und weder Feuer noch Säuren ihnen etwas anhaben können, sind Asbestfasern eigentlich das ideale Baumaterial, zumal sie sich auch gut zu Verbundwerkstoffen (mit Beton oder Harzen zum Beispiel) zusammenfügen lassen.

Nun folgt aber das Problem: Asbestfasern können tausendmal dünner als ein menschliches Haar sein und gelangen beim Einatmen bis in die äußersten Lungenbläschen. Dort richten sie allerlei Schaden an. Das reicht von Asbestose, die sich durch zunehmende Atemnot äußerst bis hin zu verschiedensten Krebserkrankungen. Sie sollten daher unbedingt vermeiden, Asbestfasern einzuatmen.

Das Gute: Seit 31.10.1993 sind in Deutschland Herstellung, Inverkehrbringen und Verwendung von Asbest und asbesthaltigen Produkten verboten. Spritzasbest sogar bereits früher, denn das ist besonders gefährlich. Bereits kleine Erschütterungen reichen aus, um die Fasern freizusetzen.

Kurzum: Wurde ihr Haus nach 1993 gebaut, sollten Sie auf der sicheren Seite sein. Bei älteren Häusern ist hingegen die Wahrscheinlichkeit hoch, dass irgendwo das Material noch zu finden ist. Es wurde vielfach verbaut in den verschiedensten Bauteilen.

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Wie sieht Asbest aus?

Nicht immer ist Asbest auf den ersten Blick zu erkennen, erschwerend kommt hinzu, dass es meist mit anderen Baustoffen vermischt wurde. In reiner Form hat Asbest eine graue bis grünlich-graue Farbe. Zudem hat das Mineral eine faserige Struktur.

Sehen Sie zum Beispiel in einer ansonsten gelblichen Wärmedämmung solch graue Fasern, sollten Sie vorsichtig sein. Bei Faserzement ist es hingegen fast gar nicht zu sehen, ob dort Asbestfasern verwendet wurden. Hier können Sie praktisch nur über das Produktionsdatum herausfinden, ob Asbest drin ist oder nicht. Oder durch Laboruntersuchungen.

Wie tritt Asbest auf?

Die wichtigsten Anwendungsformen von Asbest sind:

  • Starkgebunden
  • Schwachgebunden
  • Reine Form

Schwachgebundener Asbest lässt sich zum Beispiel in älteren (vor 1993 hergestellten) Wärmedämmungen, Spritzasbestbeschichtungen, Leichtbauplatten oder Beschichtungen von Bodenbelägen finden.

Arbeiten an schwachgebundenen Asbestprodukten sind besonders gefährlich, denn bereits bei geringer Einwirkung lösen sich die Fasern aus dem Verbund. Sie als Hausbesitzer oder Heimwerker sollten hier unbedingt die Finger weglassen und die Arbeit einer Spezialfirma überlassen.

Starkgebundener Asbest ist zum Beispiel bei älteren Fassadenplatten, Wellplatten, Kanalrohren, Blumenkästen oder im Verbund mit Gummi auch bei Dichtungen zu finden. Auch in Brems- und Kupplungsbelägen wurde Asbest im Verbund mit Harzen verwendet.

Solange Sie die Asbestprodukte nicht fräsen, bohren, brechen oder schneiden, werden kaum Fasern freigesetzt, es besteht daher keine unmittelbare Gefahr. Bei Sanierungen und Renovierungen sollten Sie dennoch aufmerksam sein, denn die gehen meist nicht ohne Staub ab.

Verschiedene Asbestprodukte und ihre Gefährdung

Wie gefährlich ist Asbest, wenn ich es nicht bearbeite, reinige oder entfernen und wie sieht es aus, wenn ich genau das machen? In der folgenden Tabelle finden Sie die wichtigsten Asbestanwendungen und ihre Gefährdung.

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Wenn Sie das Bauteil bzw. Produkt nicht bearbeiten, reinigen oder entfernen

Wenn Sie das Bauteil bzw. Produkt bearbeiten, reinigen oder entfernen

Starkgebundener Asbest

Blumenkästen aus Asbestzement

Fassaden aus Asbestzement

Dachplatten aus Asbestzement

Rohrleitungen aus Asbestzement

Schwachgebundener Asbest

Asbesthaltige Bodenbeläge

Asbesthaltige Pressplatten

Asbesthaltige Leichtbauplatten

Asbesthaltige Rohrisolation

Beschichtungen aus Spritzasbest

Reiner Asbest

Isolationen aus Asbestmatten

Asbestkissen zur Brandabschottung

Asbesttücher als Brandschutz

 

 

Keine unmittelbare Gefährdung
Es werden keine oder nur wenige Fasern freigesetzt

Mögliche Gefährdung
Eine größere Menge Asbestfasern kann freigesetzt werden

Große Gefährdung
In der Regel werden viele Asbestfasern freigesetzt

Verdacht auf Asbest – was ist zu tun?

Haben Sie den Verdacht, dass in Ihrem Haus Asbest verarbeitet wurde, sollten Sie am besten einen Spezialisten dazu holen. Das gilt insbesondere dann, wenn Sie etwas baulich verändern wollen. Wie im vorherigen Kapitel beschrieben, wird es meist erst dann gefährlich, wenn Sie Asbestprodukte bearbeiten, reinigen oder entfernen wollen.

In der Regel entnimmt die Spezialfirma eine Probe des verdächtigen Bauteils und untersucht diese in seinem Labor. Wird Asbest festgestellt, ist abzuwägen, ob eine Sanierung dringend notwendig ist oder nicht. Empfehlenswert ist diese vor allem, wenn die Asbestfasern nur schwach gebunden sind.

Selbst auf Asbest testen

Als Alternative zur Asbestuntersuchung durch einen Fachmann sind auch Asbesttests für Privatkunden erhältlich. Es gibt sie als Raumluft- oder Materialtests. Hier entnehmen Sie selbst die Proben und schicken diese dann an den Anbieter, der sie im Labor untersucht. Das Ergebnis bekommen Sie dann in wenigen Tagen.

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Solch ein Test kostet in der Regel zwischen 50 und 150 Euro. Bei der Wahl das Anbieters sollten Sie unbedingt darauf achten, dass es sich um ein akkreditiertes Labor handelt. Ein Testkit sollte eine Anleitung, Erfassungsbogen, Schutzmaterial, Probenbehältnis sowie eine Versandpackung enthalten.

Wird bei Ihnen eine Asbestsanierung notwendig, gibt es noch einige weitere Dinge zu beachten, dies erfahren Sie im weiterführenden Beitrag hier auf bauredakteur.de: Asbest entsorgen – das ist zu beachten, das kostet es.

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