Bodentiefe Duschen liegen im Trend. Gefliest oder mit Duschtasse. Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile. Und zwar hinsichtlich verschiedener Aspekte wie Rutschsicherheit, Montageaufwand und Belastbarkeit. Ich habe neun Fragen für Sie beantwortet. Danach müssen Sie entscheiden, welche Aspekte Ihnen am wichtigsten sind. Los geht’s – Wanne oder Fliesen, wer macht das Rennen?

Bodengleiche Dusche mit Duschrinne

Bodengleiche Dusche mit Duschrinne. Foto: epr/Schlüter Sytems

1. Sauberkeit – welche Dusche lässt sich besser reinigen?

Fliesen sind eigentlich leicht zu reinigen, wenn da nicht die Fugen wären. Die werden eigentlich nie richtig sauber. Und geht man zu starken Reinigungsmitteln dran, werden sie schnell bröckelig.

Wer keine porentiefe Sauberkeit benötigt, wählt farbige Fugen, bei denen der Schmutz nicht so schnell auffällt. Kommt es auf die Hygiene an, sollte besser zu einer emaillierten Duschwanne greifen. Das gilt insbesondere im Pflegebereich.

Bei Duschtassen gibt es keine Fugen, die schmuddelig werden können. Achten Sie beim Reinigen jedoch darauf, aus welchem Material die Wanne ist. Acryl muss anders gereinigt werden als Stahlemail oder Keramik.

Fazit: Fliesen und Duschwannen lassen sich beide sehr gut reinigen. Allerdings sind die Fliesenfugen ein Problem. Hier können neue Fugen helfen.

2. Individualität –  wo gibt es mehr Freiraum?

Bei einer Duschwanne beschränkt sich die Individualität auf die Auswahl der Farbe und der Form. Wobei die meisten Duschtassen rechteckig und weiß sind. Hinsichtlich der Größe müssen Sie das nehmen, was die Hersteller anbieten. Und dazu dann die passende Duschabtrennung kaufen.

Frei entfalten können Sie sich hingegen bei einer gefliesten Dusche. Grenzen setzt Ihnen allenfalls die Größe des Badezimmers. Fliesen sind in allen erdenklichen Größen, Farben und Optiken erhältlich. Da kann jeden seiner Individualität freien Lauf lassen.

Insbesondere was die Abmessungen angeht, sind geflieste Duschen unschlagbar. Alles ist möglich. Auch was den Ablauf angeht. Ob Rinne oder Bodenablauf – er kann beliebig platziert werden. Selbst ein Wandabfluss ist möglich. Wobei es auch Duschwannen mit Wandablauf gibt.

Fazit: Wenn es um kreative und individuelle Duschgestaltung geht, kommen eigentlich nur Fliesen für Sie in Frage.

3. Sicherheit – wie sieht es mit der Rutschgefahr aus?

Viele Unfälle im Bad passieren durch rutschige Untergründe. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind oder kleine Kinder. Aber wirklich sicher sollte sich keiner fühlen.

Fliesen sind durch ihre glasierte Oberfläche von Natur äußerst rutschig. Es gibt aber spezielle, rutschhemmende Fliesen. Achten Sie beim Kauf auf die angegebene Klasse. Für die Dusche eignen sich Fliesen der Klasse R10, besser noch R11.

Fliesen lassen sich außerdem nachträglich mit Antirutsch-Streifen rutschfest machen. Außerdem gilt: Je kleiner die Fliesen, desto besser der Stand. Den vielen Fugen sei Dank. Hier gilt aber Punkt 1, das Reinigen, im Hinterkopf zu behalten.

Bei den Duschwannen wird bereits von Hause aus darauf geachtet, dass sie nicht allzu rutschig sind. Viele Duschtassen sind zudem mit rutschhemmender Oberfläche erhältlich. Wie Fliesen lassen sich auch Wannen nachträglich noch mit einer Anti-Rutsch-Beschichtung versehen.

Fazit: Sowohl Duschtassen als auch Fliesen können rutschig sein. Achten Sie beim Kauf auf Rutschfestigkeit. Gegebenenfalls können Sie die Dusche nachrüsten.

4. Beanspruchung – wie strapazierfähig sind die Duschen?

Fliesen sind an sich allen Anforderungen im Bad gewachsen. Probleme kann es höchstens geben, wenn die Fliesen auf Duschelementen aus Schaumstoff verlegt werden oder bei Holzbalkendecken. Insbesondere beim Auftreten von Punktlasten. Soll die Dusche von Rollstuhlfahrern benutzt werden, müssen Sie darauf achten, ob die Duschelemente dafür geeignet sind.

Dem schnellsten Alterungsprozess sind bei gefliesten Duschen die Fugen ausgesetzt. Sie sind einfach nicht dafür gemacht, ständig mit Schmutz, Seife und Wasser in Kontakt zu kommen. Allerdings lassen sich Fugen entfernen und erneuern, sollten sie allzu gammelig geworden sein.

Bei den Duschwannen haben sich insbesondere die aus Stahlemail als Haltbarkeitsmonster entpuppt. Nicht umsonst gibt der Hersteller Kaldewei auf dieses Material 30 Jahre Garantie. Äußerst strapazierfähig sind zudem Duschtassen aus Keramik. Viele Wannen sind allerdings nicht rollstuhlbefahrbar. Hier unbedingt die Herstellerangaben beachten.

Fazit: Suchen Sie eine besonders strapazierfähige Dusche, sind Fliesen erste Wahl. Wenn es eine Duschwanne sein soll, dann am besten eine aus Stahlemail.
Bodengleiche Dusche mit Duschwanne

Bodengleiche Dusche mit Duschwanne. Foto: epr/Villeroy & Boch

5. Größe – welche Dusche für welches Bad?

Während geflieste Duschflächen in beliebiger Größe hergestellt werden können, sieht das bei Duschwannen anders aus. Sie fangen bei etwa 70 cm x 70 cm an und enden bei rund 120 cm x 120 cm oder 200 cm x 100 cm.

In kleinen Badezimmern sorgen durchgeflieste Böden für mehr Weite. Insbesondere in Kombination mit an die Wand klappbaren Duschwänden. Hier kann die Duschfläche außerhalb der Duschzeiten anderweitig genutzt werden. Fliesen sind im kleinen Duschbad absolut zu empfehlen.

In großen Bädern ist es eigentlich egal, ob Duschwanne oder Fliesen zum Einsatz kommen. Wer spezielle Wünsche hinsichtlich der Abmessungen hat, kommt aber auch hier nicht um einen Fliesenboden herum.

Fazit: Fliesen sind in kleinen Bädern der eindeutige Gewinner. In großen Bädern hingegen können Sie wählen, was Ihnen besser gefällt.

6. Budget – welche Dusche kostet mehr?

Ob große oder kleine Dusche, Fliesen oder Duschwanne ist sicherlich bei den meisten auch eine Frage des Budgets. Generell gilt: Je größer die Dusche und ausgefallener die Wünsche, desto teurer wird es.

Da Duschwannen einfacher zu montieren sind und aus aufeinander abgestimmten Komponenten hinsichtlich Ablauf und Abdichtung bestehen, sind diese tendenziell günstiger. Wobei es durchaus Luxus-Duschwannen gibt, die im vierstelligen Eurobereich kosten.

Eine geflieste Dusche ist hingegen nicht von der Stange. Ablauf und Abdichtung müssen extra vorgenommen werden, die Fliesen benötigen ein Gefälle zum Abfluss hin. Es steckt jede Menge Arbeit drin, denn alles muss fachgerecht ausgeführt werden. Selbermacher sind hier in der Regel außen vor. Das alles treibt den Preis nach oben.

Fazit: Geflieste Duschen sind in der Regel teurer, weil wesentlich mehr Arbeitsaufwand betrieben werden muss. Aber in Duschwannen lässt sich jede Menge Geld versenken.

7. Abdichtung – welche Dusche ist dichter?

Die richtige Abdichtung ist das A und O bei einer bodenebenen Dusche. Da ist es zunächst einmal egal, ob es sich um eine Duschwanne oder um Fliesen handelt. Bei den Wänden gibt es sowieso keinen Unterschied. Insbesondere Wandauslässe und Ecken müssen mit speziellen Manschetten oder Abdichtungsecken abgedichtet werden.

Verbundabdichtung ist hier das Stichwort. Diese umfasst außerdem die komplette Duschfläche. Wichtig ist zudem der Übergang von Duschfläche zur Wand. Hier kommen spezielle Dichtbänder zum Einsatz, die in die Bodenabdichtung eingearbeitet werden.

Unterschiede gibt es beim Anschluss an den Ablauf. Der ist bei einer Duschwanne einfacher. Bei einer gefliesten Dusche hingegen muss eine Dichtmanschette in den Estrich eingearbeitet werden. Außerdem muss der korrekte Anschluss der Duschrinne oder des Duschablaufs an diese Manschette gewährleistet sein.

Fazit: Letztlich sehe ich einen kleinen Vorteil bei der Duschwanne. Aber auch hier kann einiges schiefgehen, was das Abdichten angeht.

8. Ablauf – wo läuft das Wasser besser ab?

Damit das Wasser aus der Dusche ablaufen kann, braucht es zunächst einmal ein Gefälle zum Ablauf hin. Das ist bei einer Duschwanne oder bei fliesbaren Duschelementen bereits werkseitig vorhanden. Bei Fliesen auf Estrich muss ein sogenannter Gefälleestrich hergestellt werden. Das ist aufwendiger und führt schneller zu Fehlern.

Wichtig ist aber nicht nur, dass Wasser abläuft, sondern auch wieviel. Insbesondere moderne Regenduschen speien große Wassermassen aus ihrem Duschkopf. Es ist sicher klar, was passiert, wenn oben mehr Wasser rauskommt als unten verarbeitet werden kann.

Das Problem von überschwemmten Bädern kann aber bei gefliesten Duschen und bodengleichen Duschwannen gleichermaßen auftreten.  Achten Sie beim Kauf darauf, dass Duschrinne, Bodenablauf oder Ablaufgarnitur der Duschtasse die benötigte Ablaufleistung besitzt.

Fazit: In Sachen Ablaufleistung gibt es keinen Sieger. Sowohl Ablaufgarnituren für Duschwannen als auch Duschrinnen und Bodenabläufe sind mit unterschiedlicher Leistung erhältlich.

9. Handling – wie sieht es mit Montage und Reparatur aus?

Über die Montage habe ich bereits einiges geschrieben. Hier sind die Duschwannen der eindeutige Sieger. Die Duschtassen werden entweder auf Wannenfüße gestellt oder in einen Wannenträger gesetzt. Dann braucht es noch einen Anschluss an den Abfluss und die Übergänge zur Wand und zum Boden müssen gut abgedichtet werden. Das war’s.

Duschwannen sind außerdem reparaturfreundlicher. Sollte es ein Problem mit der Abdichtung oder anderen Dingen geben, kann die Wanne in der Regel problemlos entfernt und gegebenenfalls sogar ausgetauscht werden.

Bei einer gefliesten Dusche ist nur ein Zugriff im Bereich des Bodenablaufs oder der Rinne möglich. Treten an anderer Stelle Probleme auf, müssen die Fliesen rausgehauen werden. Danach muss alles neu verfliest werden.

Fazit: Montage und Reparatur ist bei Duschwannen wesentlich einfacher und günstiger. Was das Handling angeht, gehen geflieste Duschen als klarer Verlierer vom Platz.

Schlussbemerkung

Fliesen oder Wanne? Ich hoffe, Sie können das Fragezeichen bei sich jetzt entfernen. Sie sehen, wie schwierig es ist, eine klare Empfehlung für das eine oder andere System zu geben. Jeder hat andere Anforderungen und Bedürfnisse. Nur Sie und Ihre Familie können entscheiden, was die beste Lösung für Ihr Badezimmer ist